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Musste nach Vorwürfen, ein Gutachten manipuliert zu haben, zurücktreten: Kristin Brinker, ehemalige Vizefraktionsvorsitzende der AfD in Berlin
Foto: Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64600080Musste nach Vorwürfen, ein Gutachten manipuliert zu haben, zurücktreten: Kristin Brinker, ehemalige Vizefraktionsvorsitzende der AfD in Berlin

AfD

Machtkampf zwischen „Realos“ und „Flügel“

Berliner Landesfraktions-Vize der Alternative für Deutschland zurückgetreten

Frank Bücker
20.08.2020

Vorvergangenen Dienstag erklärte die Vizefraktionschefin der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus, Kristin Brinker, ihren Rücktritt. Tage zuvor wurde bereits dem Fraktionsgeschäftsführer Andreas Einfinger fristlos gekündigt. Als Anlass für das Zerwürfnis gelten zwei verschiedene, sich teilweise widersprechende Gutachten eines Wirtschaftsprüfers über die Finanzen der Fraktion. Fraktionschef Georg Pazderski erhob schwere Vorwürfe gegen seine bisherige Stellvertreterin: „Zuvor hatte sich in der Fraktionssitzung der Verdacht erhärtet, dass sie von der gezielten Manipulation eines Wirtschaftsprüfer-Gutachtens durch den bereits entlassenen Fraktionsgeschäftsführer wusste." 

Manipulation eines Gutachtens?

Brinker hingegen sprach von undurchsichtigen Finanzen und menschenverachtendem Umgang in der Partei. Ausweislich hier vorliegender E-Mails von Brinker, Einfinger, weiteren Fraktionsmitarbeitern und den Abgeordneten Thorsten Weiss, Hugh Bronson und Harald Laatsch bildeten diese schon vor Monaten einen „inneren Zirkel", der an den anderen Abgeordneten und Mitarbeitern vorbei interne Aktionen plante und durchführte. Ziel war es offenbar, Pazderski und den Parlamentarischen Geschäftsführer Frank Christian Hansel abzulösen. 

Fest steht, dass die beiden Versionen des Finanzprüfungsgutachtens zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. So hieß es in der ersten Version des Berichtes: „Grundsätzlich ist der gelebte Buchführungsprozess nicht zu beanstanden." Fest steht weiter, dass Einfinger einen intensiven Mailverkehr mit dem Prüfunternehmen hatte, dort Einfluss nahm, und dass die gesamte Fraktionsführung mit Ausnahme von Kristin Brinker davon keine Kenntnis hatte. Der Abgeordnete Christian Buchholz, neben Brinker von der Fraktion als „Finanzaufsichtsführender" eingesetzt, erfuhr wenig von Einfingers Aktivitäten. 

Ziel bürgerliche Wähler 

Abgesehen von den Netzwerkaktivitäten, die vielleicht auch anderen Orts anzutreffen sind, gewinnt der Vorgang eine politische Dimension. Kristin Brinker, die sich – wie auch Hansel – bisher dem wirtschaftsliberalen Flügel der AfD zurechnet, wollte laut Insidern offenbar an Einfluss gewinnen und verbündete sich, um ihr Ziel zu erreichen, mit den vier dem „Flügel" zuzurechnenden Abgeordneten. Dabei hatte die Fraktionsmehrheit im Laufe der bisherigen Legislaturperiode drei andere, dem Vernehmen nach dem „Flügel" zuzurechnende Abgeordnete aus der Fraktion entfernt. So hätte im Falle eines Umsturzes der „Flügel" in Berlin entscheidenden Einfluss auf die Partei gewinnen können. Mit dem Fall von Pazderski und Hansel wären gerade jene AfD-Repräsentanten ausgeschaltet worden, die sich immer wieder kritisch zu Björn Höcke und Andreas Kalbitz geäußert hatten. 

Gerade in den Tagen, wo der Bundesvorstand der AfD große Anstrengungen unternimmt, Kalbitz aus der Partei auszuschließen, wäre ein Zuwachs des „Flügels" in Berlin eine ernstzunehmende Gegenbewegung. Pazderski und Hansel haben es als Ziel ausgegeben, anschlussfähig an die bisherigen Wähler der anderen bürgerlichen Parteien FDP und CDU zu bleiben. 



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Kommentare

Manuela Fiedler am 27.08.20, 10:53 Uhr

Inhaltlich Falsch. Schon die Überschrift ist Falsch. Es ist ein Machtkampf zwischen Beutegemeinschaft, die die AfD als Versorgungsmodell für sich und ihre Familienmitglieder betrachtet und den Idealisten, die mit der Partei eine politische Veränderung in Deutschland bewirken will.

Max Müller am 27.08.20, 08:12 Uhr

Die Darstellung im Artikel ist inhaltlich FALSCH. Ich bin selbst sehr nah dran an der Fraktion und kann daher sagen, dass es nicht um eine Auseinandersetzung von "Flügel und Realos" geht. Das ergibt sich schon ganz klar aus dem Umstand, dass die 8 Abgeordneten die sich für die Position von Frau Brinker aussprechen KEINESFALLS alle dem "Flügel" zuzuordnen sind, sondern mit Thorsten Weiß nur ein wirklicher "Flügel" -Abgeordneter dabei ist.

Es geht schlicht und ergreifend um die Finanzen der Fraktion. Sind die Finanzen revisionssicher, oder nicht?
Dazu wurde das Gutachten erstellt. Der im Artikel zitierte Satz aus dem Gutachten ist lediglich EIN Satz. Das Gesamtfazit des Gutachtens ist jedoch ein ganz anderes; nämlich, dass derzeit ein NICHT UNERHEBLICHES Risiko besteht, dass es zu Rückforderungen öffentlicher Gelder durch den Landesrechnungshof kommen wird.

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