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		<title>Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ)</title>
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		<description>Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) · Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung - Die letzten 50 Artikel.</description>
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			<title>Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ)</title>
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			<description>Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) · Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung</description>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 15:40:40 +0200</pubDate>
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			<title>Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg - Ein Waggon, der gleich doppelt Geschichte schrieb</title>
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			<description>Compiègne: Wie ein französischer Speisewagen zum Mittelpunkt deutsch-französischer Schicksalsstunden wurde</description>
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			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Eine ästhetische Leistungsexplosion</title>
			<link>https://paz.de/artikel/eine-aesthetische-leistungsexplosion-a18316.html</link>
			<description>Das große flämische Kopfkino – Die wuchtigen Skizzen der Barock-Stars Rubens, Jordaens, van Dyck im Berliner Kupferstichkabinett</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein halbes Jahrhundert lang hütete das Berliner Kupferstichkabinett seine flämischen Schätze wie eine eifersüchtige Glucke, doch nun öffnet sich der Tresor. Mehr als 100 Zeichnungen von 28 Künstlern dürfen in der Ausstellung „Rubens, Jordaens, van Dyck – Flämische Meisterzeichnungen" endlich wieder Frischluft schnappen. Und das wurde auch Zeit. Denn in den Depots drohte ihnen der Erstickungstod. Den Staub weggepustet, entdeckt man hinter diesen Blättern eine enorme künstlerische Ausdruckskraft.</p>
<p>Diese zwischen 1570 und 1650 entstandenen Arbeiten sind das ungefilterte Laboratorium des jeweiligen Malergenies – der visuelle Beipackzettel vor dem monumentalen Ölschinken. Ob biblisches Drama, mythologische Extravaganz, Saufgelage aus dem Alltag, seelenvolle Porträts oder windgepeitschte Landschaften: Flanderns Künstler deckten die gesamte Klaviatur des Lebens ab.</p>
<p>Ein Blick zurück zeigt, dass dieses kreative Fieber kein Zufall war. Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten sich Antwerpen, Brüssel, Mecheln, Brügge und Gent zum Silicon Valley der europäischen Kunstszene. In Brüssel saßen die spanischen Statthalter und verwalteten die Macht; im Hafen von Antwerpen wiederum traf sich die Welt zum globalen Warenaustausch. Wo Getreide, Gewürze und Eisenwaren in rauen Mengen umgeschlagen werden, da fließt das Geld – und wo Geld fließt, da klopft das neureiche Bürgertum an die Ateliertüren. Man wollte zeigen, was man hat.</p>
<p>Die Malerwerkstätten reagierten wie moderne Start-ups: Sie spezialisierten sich im Akkord und lieferten hochraffinierte Kabinettbilder im handlichen Format für den bürgerlichen Salon. Diese ästhetische Leistungsexplosion fand in einer Epoche statt, in der Europa an allen Ecken und Enden brannte. Zwischen 1550 und 1650 befand sich Europa im permanenten Krisenmodus.</p>
<p>Die 17 Provinzen der habsburgischen Niederlande (das heutige Benelux inklusive Nordfrankreich) schmachteten unter der Knute der spanischen Krone. Als Madrid die Zügel bei der Gegenreformation zu straff anzog, riss der Geduldsfaden: Der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) brach aus. Am Ende machten sich die sieben protestantischen Provinzen im Norden selbstständig (die heutigen Niederlande), während der katholische Süden spanisch blieb. Doch der Mensch gewöhnt sich an den Wahnsinn: Während des zwölfjährigen Waffenstillstands von 1609 bis 1621 schaffte das kunstsinnige Erzherzogpaar Albert und Isabella ein kleines Wirtschaftswunder – und Flandern explodierte förmlich in einer kulturellen Blüte.</p>
<p>In diesem politisch hochgradig aufgeladenen Vakuum zwischen 1580 und 1660 bahnte sich eine Bildsprache ihren Weg, die alles Bisherige wegpustete. Es regierte die pure Emotion: dynamische Kompositionen, dramatische Lichtführung und eine Sinnlichkeit, die fast schon physisch spürbar ist. Die unangefochtenen Antwerpener Barockstars bilden das Herzstück der Berliner Schau: Peter Paul Rubens, Jacob Jordaens und Anton van Dyck. Um sie herum gruppiert sich ein dichtes Netzwerk aus Lehrern, Epigonen, Werkstatt-Assistenten und Trittbrettfahrern, das zeigt: Kunst war damals kollektive Schwerstarbeit.</p>
<p><strong>Rubens riss alle Fäden an sich</strong></p>
<p>Allen voran thronte Rubens. Er war der Endgegner der damaligen Kunstwelt – Malerfürst, manischer Sammler, feinsinniger Humanist und gewiefter Top-Diplomat in Personalunion. Wer in Flandern den Pinsel hielt, hatte entweder bei ihm gelernt oder stand auf seiner Gehaltsliste. Nach seiner Rückkehr aus Italien im Jahr 1609 krempelte er Antwerpen mit einem völlig neuen, theatralischen Stil und leuchtenden Altarbildern um.</p>
<p>Jordaens, der denselben Lehrer wie Rubens hatte, war so etwas wie der verlässliche Co-Pilot. Er schrubbte für Rubens jene Mammutaufträge weg, wie die über einhundert mythologischen Gemälde für den spanischen König, und übernahm nach dem Tod des Meisters prompt die kreative Herrschaft in Antwerpen. Und dann war da noch van Dyck: das unverschämte künstlerische Wunderkind. Mit gerade einmal 16 Jahren dockte er bei Rubens an, saugte dessen Genie wie ein Schwamm auf, kopierte, zeichnete und erfand sich schließlich komplett neu. 1632 zog er weiter nach London, um als Hofmaler die britische Aristokratie in unsterblicher Eleganz zu porträtieren.</p>
<p>Das Schöne an der Berliner Präsentation ist jedoch, dass sie diese drei Giganten nicht im luftleeren Raum stehen lässt. Eine feine Ouvertüre zeigt die Arbeiten ihrer Lehrmeister, ehe die Entourage das Feld betritt. Da begegnen uns Jan Brueghel d. Ä. und Frans Snyders, die mit Rubens beim Bier saßen und eng kooperierten. Adriaen Brouwer steuert herrlich derbe Figurenstudien bei, während Rubens-Schüler wie Abraham van Diepenbeeck das Erbe des Meisters pflichtbewusst verwalten.</p>
<p>Einen würdigen Auftritt erhalten auch Kupferstecher wie Pieter de Jode, die dafür sorgten, dass die barocken Bildideen im Massendruck durch ganz Europa wanderten. Den melancholischen Vorhang schließen die Landschaftszeichner um David Vinckboons und Lucas van Uden.</p>
<p>Das eigentliche Vergnügen bei diesem Rundgang liegt im voyeuristischen Charakter der Zeichnung an sich. Fast kein Blatt stand für sich allein; sie alle waren Rädchen im Getriebe einer gigantischen Bildermaschine. Hier sieht man das Genie beim Denken und vor allem beim Scheitern: Da wird eine schnelle Ideenskizze aufs Papier geworfen, dort ein Arm korrigiert, ein Bein anatomisch zurechtgerückt oder eine Perspektive verworfen.</p>
<p>Das Ringen um die perfekte Torsion, der Schweiß des Künstlers im Kampf mit dem störrischen Medium – all das ist nach über 350 Jahren auf diesen Papieren noch so frisch, als wäre die Tinte gerade erst getrocknet. Ein absolut packender Blick hinter die Kulissen des Barock.</p>
<p>• <em><strong>vom 10. Oktober bis 31. Januar</strong> im Kupferstichkabinett am Berliner Kulturforum, Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz/Matthäikirchplatz, geöffnet werktäglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (ISBN 978-3-88609-915-3).</em></p>]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
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			<title>Östlich von Oder und Neiße - Neues vom schlesischen Robinson Crusoe</title>
			<link>https://paz.de/artikel/neues-vom-schlesischen-robinson-crusoe-a18312.html</link>
			<description>Ohlau galt einst als Stadt der Gasthäuser – Ein weit gereister Chronist schätzte das sehr</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Niederschlesische Stadt Ohlau [Oława], 27 Kilometer nordöstlich von Breslau, lässt einen vergessenen Sohn der Stadt wiederaufleben – den Chronisten Friedrich Bernhard Werner (1690-1776). „Ohne Werners zutun, wüssten wir heute nicht, wie Ohlau einst aussah", sagt Piotr Turek, der mit seiner Kollegin Anna Bień vom Museum des Ohlauer Landes auf den Spuren des Chronisten Werner führt.</p>
<p>Bereits in jungen Jahren begab sich Werner auf Wanderschaft, zuerst als Soldat, bevor er im Alter von 24 Jahren zu seiner ersten längeren Reise aufbricht. „Da er eine Begabung für die Darstellung von Gebäuden besitzt, fertigt er eine große Anzahl von Zeichnungen an. Daraus entsteht ein ‚Reise-Skizzenbuch', das er im Stil von Daniel Defoes ‚Robinson Crusoe' verfasste", sagt Bień. Dieses in ganz Europa gelesenes Buch erschien 1719 und Werner bezeichnete sich selbst als „Schlesischer Robinson", erklärt Bień, die sich auch in der Kreisbibliothek Ohlau für den „Klub der Suchenden nach der Verlorenen Geschichte Ohlaus" stark macht.</p>
<p>Werner war ein Mann vieler Berufe. Er verdiente sein Brot als Schreiber, Übersetzer, Geometer und Ingenieur – an verschiedenen Fürstenhäusern und bei der preußischen Regierung. 1729 war er als Werber von Arbeitern für eine holländische Porzellanfirma tätig. Als Zeichner, Chronist und Kupferstecher schuf er Stadt- und Gebäudeansichten, die als Vorlagen für Kupferstiche in Verlagen dienten. 1744 erhielt Werner von Friedrich dem Großen den Titel eines königlich-preußischen Szenographen. Aber Werner soll zeitweise auch als Heilkundiger aufgetreten sein und sich dem fahrenden Volk angeschlossen haben, wo er sich als Schauspieler versuchte. Er habe auch Bühnenmaschinen im Theater bedient, letzteres in Prag. „Aus Prag musste er fliehen, weil er in einem Duell seinen Kontrahenten getötet hat."</p>
<p>Auf seiner Wanderschaft besuchte Werner Schlesien, Sachsen, Franken, Bayern, Tirol, Böhmen und Ungarn. Später, als er für Augsburger Verleger arbeitete, bereiste er von 1727 bis 1737 weite Teile Europas. Seine Reisen führten ihn von Glückstadt im Norden bis nach Sizilien im Süden, vom Baltikum bis nach Frankreich und den Niederlanden. „Diese Reise dauerte zehn Jahre und Werner brachte 1.500 Zeichnungen mit. Ausschlaggebend war Werners Auftrag von 1733 für den Nürnberger kartografischen Verlag Homanns Erben. Für diesen Verlag sollte er Ansichten schlesischer Städte für ein geplantes Kartenwerk liefern. Aus seinen Zeichnungen entstand die ‚Scenographia Urbium Silesiae' – eine Serie von elf Kupfertafeln mit 84 Ansichten schlesischer Städte."</p>
<p>Zu Werners Arbeitsweise sagt Piotr Turek, er habe manche Monumentalbauten gestreckt, also ihre Größe überhöht. Dennoch sei das Werk unschätzbar. „Werner zeigt uns Ohlau nicht nur, wie es einmal aussah. Seine Zeichnungen helfen zu verstehen, wie die verschwundene Stadt aufgebaut war", sagt der Journalist, Autor und Geschichtsforscher Turek.</p>
<p>Nicht nur Forscher profitieren von Werners Zeichnungen. Seine Charaktereigenschaften inspirieren Stadtführer, erklärt Bień. „Werner war ein geselliger Mensch, der sich überall gut zurechtfand. Er besuchte sowohl kleinere Schenken als auch Landgüter. Man sagte ihm nach, dass er gutem Essen und vor allem edlen Tropfen nicht abgeneigt war." So verewigte er allein auf dem Ohlauer Ring vier Gasthäuser: Zum Goldenen Löwen, Zur Goldenen Krone, Zum Kreuz und Zum Schwarzen Adler. „Abseits der Stadtbefestigungen hat er noch eine weitere Herberge festgehalten, die Zum Roten Hirsch. Diese befand sich in der Grottkauer Vorstadt vor dem Brieger Tor", sagt sie. Ohlau lag an einer günstig gelegenen Verkehrsverbindung. Das erkläre die für eine Stadt dieser Größe erstaunlich hohe Zahl an Gasthöfen, schildert Bień. „Im Goldenen Löwen soll 1707 Graf ein von Nostitz die Delikatesse des Hauses – ‚Das Lied der Lerche' verkostet haben", erzählt sie. Das Gasthaus Zum Kreuz hätte dagegen den Ruf eines Lumpenwirtshauses gehabt.</p>
<p>Werner hat weit mehr überliefert als Zeichnungen großer Bauwerke seiner Zeit. Seine Darstellungen zeigen Ohlau mit Rathaus, Schloss und Kirchen, aber auch mit Gasthöfen, Straßen und dem Leben vor den Toren der Stadt. Vieles davon ist heute verschwunden. Für Historiker sind seine Blätter daher zu einem visuellen Gedächtnis geworden. Umso bemerkenswerter ist, dass Werner lange Zeit in Vergessenheit geriet. „Trotz seiner vielen Aufträge waren seine letzten Lebensjahre von finanziellen Schwierigkeiten geprägt. Er starb am 20. April 1776 in Breslau und wurde in der Kirche Unserer Lieben Frau auf dem Sande, der heutigen Kirche Maria auf dem Sande, beigesetzt. Der Friedhof, auf dem sich sein Grab befand, ist nicht erhalten", bedauert Bień.</p>
<p>In Ohlau erinnert eine Wandmalerei von Kamil Tobiasz an den großen schlesischen Chronisten.</p>]]></content:encoded>
			<category>Schlesien</category>
			<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Dialog in der Potsdamer Garnisonkirche - Am Wehrdienst interessiert</title>
			<link>https://paz.de/artikel/am-wehrdienst-interessiert-a18310.html</link>
			<description>Im Gespräch mit Generalinspekteur Carsten Breuer zeigten sich viele Jugendliche aufgeschlossener und interessierter als von vielen erwartet</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		<item>
			<title>Armenien und Georgien in Bedrängnis - Zwei Vorposten des Abendlandes geraten ins Wanken</title>
			<link>https://paz.de/artikel/zwei-vorposten-des-abendlandes-geraten-ins-wanken-a18308.html</link>
			<description>Das Vordringen des Islam hat den Kaukasus längst erfasst. Die einzigen christlichen Länder der Region könnten von der Entwicklung zerrieben werden – und der Westen schaut zu</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Armenien und Georgien gehörten zu den ersten christlichen Reichen der Welt und bilden heute zwei isolierte Vorposten der Christenheit im ansonsten flächendeckend muslimisch geprägten Übergangsbereich zwischen Europa und Asien südlich des Kaukasus. Mittlerweile aber wächst die Gefahr, dass auch diese beiden kleinen Länder über kurz oder lang in den Machtbereich des Islam geraten könnten – so wie es ihnen in der Vergangenheit schon einmal passiert war.</p>
<p>Am Anfang wandelte das Christentum in Transkaukasien ganz klar auf der Siegerstraße. Im Jahre 301 n. Chr. bekehrte Gregor der Erleuchter den armenischen König Tiridates III. zum christlichen Glauben, der dann auch sofort anstelle des altpersischen Zoroastrismus zur Staatsreligion aufstieg. Der Legende nach konnte der Heilige den „heidnischen" Herrscher von einem für unheilbar gehaltenen und entstellenden Hautleiden kurieren.</p>
<p>Georgien folgte 337, sieben Jahre nachdem Ezana, der König von Axum auf dem Gebiet des heutigen Äthiopien, auf Anraten seines phönizischen Lehrers Frumentius zum Christentum konvertiert war. In Georgien wiederum sorgte eine ehemalige Sklavin aus Kappadokien namens Nino zunächst für die Genesung der todkranken Königin Nana. Anschließend erlebte deren Ehemann Mirian III., wie die Anrufung des christlichen Gottes ihn von einer plötzlich einsetzenden Blindheit befreite. Daraufhin tat er es Tiridates und Ezana gleich – also bereits 43 Jahre, bevor der römische Kaiser Theodosius der Große das Christentum zur alleinigen Staatsreligion des Imperium Romanum erhob.</p>
<p><strong>Früh Ziel muslimischer Expansion</strong></p>
<p>In der Folgezeit erlangten die armenische wie die georgische apostolische orthodoxe Kirche das Recht auf vollkommene Autonomie und Selbstverwaltung. Dazu gehörte die Einsetzung eines sogenannten Katholikos, der als alleiniges Oberhaupt der Gläubigen fungierte. Allerdings sorgte das Vordringen der muslimischen Araber im 7. Jahrhundert für schwere Bedrängnis. In Armenien fielen schon im Jahr 639 muslimische Truppen ein. Anschließend wurde das Land ein tributpflichtiges Protektorat der Kalifen von Bagdad. Wenig später siedelten arabische Stämme aus dem heutigen Saudi-Arabien, Syrien und Irak nach Armenien um. Ihnen folgten aufgrund einer schweren byzantinischen Niederlage im Jahr 1071 auch noch turksprachige Nomaden aus Zentralasien und dem nördlichen Iran. In der Zeit darauf geboten türkische Sultane und Mongolen-Khane sowie Osmanen und Perser über die christlichen Armenier.</p>
<p>Von denen konvertierten nun viele notgedrungen zum Islam, um nicht Opfer der brutalen Zwangsmaßnahmen oder Massaker der Fremdherrscher zu werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es allein im Großraum der armenischen Metropole Eriwan um die 270 Moscheen, und 80 Prozent der Bevölkerung waren muslimisch. Das änderte sich allerdings nach der russischen Besetzung des Landes ab 1827 sowie der bolschewistischen Machtergreifung Ende 1920.</p>
<p>Seither ging die Zahl der Muslime in Armenien kontinuierlich zurück. Ein Übriges taten die von Stalin verfügten Deportationen islamischer Bevölkerungsgruppen aus Armenien zwischen 1948 und 1953. Und zuletzt setzte ab 1988 auch noch ein großer Exodus von Muslimen aus der ethnischen Gruppe der armenischen Aserbaidschaner ein, als der Bergkarabach-Konflikt aufflammte.</p>
<p><strong>Zaren stoppten die Islamisierung</strong></p>
<p>In Georgien verlief die Geschichte vielfach ähnlich. Nachdem es bereits im Jahr 645 zu den ersten arabischen Einfällen gekommen war, eroberten muslimische Truppen 735 Tiflis und die umliegenden Gebiete, wodurch das Emirat at-Taflisi entstand. Das Emirat bildete einen wichtigen muslimischen Außenposten, der später wie Armenien in die Hand der sunnitischen Türken geriet. 1122 eroberte der georgische Volksheld Dawid IV. Aghmashenebeli aber das Gebiet und fügte es seinem bis dahin recht kleinem neuen Königreich hinzu. Damit leitete er ein goldenes Zeitalter ein, das bis 1386 währte. Anschließend herrschten in Georgien ebenfalls Turko-Mongolen und Perser. Dazu kamen etliche einheimische Kleinkönige und Fürsten, die meist freiwillig zum Islam konvertierten, um einen Rest an Eigenständigkeit zu bewahren.</p>
<p>Die Islamisierung Georgiens, die bald auch die Normalbevölkerung erfasste, endete erst mit der langwierigen und schrittweisen Eingliederung des Landes ins russische Zarenreich, die sich von 1801 bis 1864 hinzog. Nach der Revolution von 1917 und der Gründung der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik sorgte der militante Atheismus der Bolschewisten für einen allgemeinen Rückgang der Religiosität, wobei die 1944 von Stalin angeordnete Deportation der Türk-Mescheten nach Zentralasien einen besonders starken Schwund der Muslime in manchen Teilen Georgiens bewirkte.</p>
<p>Heute scheint Georgien nun ein durch und durch christliches Land zu sein: Rund 84 Prozent der Bevölkerung gehören der orthodoxen Kirche an – und viele Menschen praktizieren ihre Religion auch sehr nachdrücklich. Andererseits trügt den Schein aber, weil sich mittlerweile schon wieder mehr als jeder zehnte Georgier zum Islam bekennt. Und in einigen ländlichen Regionen stellen Muslime sogar die absolute Mehrheit. Ihr Bevölkerungsanteil dort liegt mittlerweile zwischen 56 und 95 Prozent. Das gilt insbesondere für die Grenzgebiete zu Aserbaidschan und zur Türkei sowie für etliche Kaukasus-Täler. Sichtbar wird die Präsenz des Islam in Georgien durch die rund 300 Moscheen im Land.</p>
<p>Wie weit der Einfluss der Muslime bereits geht, kann man unter anderem entlang der Georgischen Heerstraße zwischen Tiflis und Wladikawkas sehen. Dort stehen an den Ufern des idyllischen Flusses Aragwi unzählige kleine blaue Wellblechhütten, in denen georgische Bauern den Durchreisenden Halal-Fleisch anbieten, das von in der Nähe gehaltenen und bei Bedarf nach muslimischem Ritus geschlachteten Tieren stammt.</p>
<p><strong>„Gotteskrieger" machen sich breit</strong></p>
<p>Etliche der Käufer kommen aus den zu Russland gehörenden muslimischen Teilrepubliken wie Dagestan und Tschetschenien, die im Norden an Georgien angrenzen. Zudem leben auch in Georgien Tschetschenen, Anhänger des sunnitischen Islam. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist ein schwer zugängliches Tal im Großen Kaukasus, welches etliche fanatische „Gotteskrieger" hervorgebracht hat. Ein Angehöriger dieser Gruppe gelangte sogar bis in den obersten Führungszirkel des Islamischen Staates (IS), der die IS-Milizen im Norden Syriens kommandierte. Dazu kam ein höchst aktiver IS-Rekrutierer, seines Zeichens Führer einer Terrormiliz, die der al-Kaida nahestand, die in Aleppo getötete IS-Größe Ruslan Machalikaschwili sowie Ahmed Tschatajew, genannt „Der Einarmige", der im Rahmen eines Anti-Terror-Einsatzes in Tiflis von georgischen Sicherheitskräften erschossen wurde und ebenfalls dem IS angehörte.</p>
<p>Angesichts ihres islamistischen Potenzials könnten einige Gebirgsregionen des Kaukasus eines bösen Tages zum Ausgangspunkt eines Umsturzversuchs in Georgien werden – das historische Vorbild hierfür liefern die ebenfalls scheinbar aus dem Nichts gekommenen Taliban. Vom Westen zunächst unterschätzt, gelang es ihnen, ganz Afghanistan zu erobern und die westlichen Truppen 2021 schließlich auch aus der Hauptstadt Kabul zu vertreiben.</p>
<p>Wenn Georgien fällt, kippt vermutlich auch Armenien, obwohl es hier bislang nur wenige Muslime gibt: Bei der jüngsten Volkszählung wurden ganze 812 islamische Gläubige erfasst, die 0,027 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen und lediglich über eine einzige Moschee verfügen, die in Eriwan steht. Auch sind keine Islamisten aus Armenien bekannt. Ein 2016 in Usbekistan verurteilter Armenier erwies sich später als unschuldig. Armenische Terrorgruppen hingen bislang stets nur nationalistischen oder marxistisch-leninistischen Ideen nach.</p>
<p><strong>Armenien wurde bereits halbiert</strong></p>
<p>Andererseits geht von den muslimischen Nachbarstaaten Türkei, Aserbaidschan und Iran aber eine sehr starke geopolitische Bedrohung für Armenien aus. Zur Erinnerung: In der Vergangenheit haben das Osmanische Reich und die Türkei bereits mehr als 50 Prozent des ehemaligen Territoriums von Armenien einschließlich des für die Christenheit heiligen Berges Ararat und der alten armenischen Hauptstadt Ani geschluckt. Im Vergleich hierzu wirken die von Aserbaidschan derzeit besetzten 250 Quadratkilometer armenischen Bodens eher unbedeutend. Allerdings übt die Regierung in Baku immer stärkeren Druck auf Armenien aus, indem sie beispielsweise in ultimativem Ton Änderungen von dessen Landesverfassung fordert.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund besteht die Möglichkeit, dass sich die überall vor Ort sichtbare Annäherung zwischen Tiflis, Eriwan und Peking nicht nur auf dem Gebiet der Wirtschaft, sondern auch in der Sicherheitspolitik als folgenreich erweist, denn China steht dem Vordringen des Islam ausgesprochen feindlich gegenüber. Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimischen Uiguren im Westen Chinas erregen weltweit Aufsehen.</p>
<p>Die Hilfe des Reichs der Mitte hätte allerdings ihren Preis – das ist ebenfalls kein Geheimnis. Immerhin bilden Armenien und Georgien ein strategisch hochwichtiges Teilstück der Neuen Seidenstraße zwischen China und Europa, in dem die Pekinger Kommunisten nur zu gerne das Sagen hätten, was natürlich die Bemühungen der Europäischen Union konterkariert, die beiden transkaukasischen Staaten in ihren Einflussbereich zu integrieren.</p>]]></content:encoded>
			<category>Gesellschaft</category>
			<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Sollen wir weniger Demokratie wagen?</title>
			<link>https://paz.de/artikel/sollen-wir-weniger-demokratie-wagen-a18306.html</link>
			<description>Wir kommen zusehends an die Grenze der moralischen Geografie. Aber Vorsicht: Eine Demokratie, die Positionen nur noch nach ihrem Absender beurteilt, überlässt letztendlich ausgerechnet der ausgegrenzten Gegenseite die Macht über die Debatten</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Als Journalistin in Russland - Das Unheil, das wir nicht verhindern konnten</title>
			<link>https://paz.de/artikel/das-unheil-das-wir-nicht-verhindern-konnten-a18304.html</link>
			<description>„Sehenden Auges in die Katastrophe“ – Christiane Hoffmann beschreibt, wie der Grundstein für Putinismus in den 90er Jahren gelegt wurde</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis heute lässt Christiane Hoffmann ihre innere Verbindung mit Russland, seiner Kultur und Politik nicht los. Die Autorin, die etwas Ungewöhnliches wagte, als sie 75 Jahre nach der Flucht ihres Vaters aus Schlesien 550 Kilometer allein zu Fuß bei Schnee und Eis seinem Vertreibungsweg nachging, hat noch in der Sowjetunion Slawistik studiert. Später war sie Praktikantin der deutschen Redaktion eines sowjetischen Auslandssenders in Kiew und Auslandskorrespondentin der „FAZ" in Moskau. In der Ampelkoalition unter Scholz war sie stellvertretende Regierungssprecherin.</p>
<p>„Dies ist ein Buch der Trauer um die Ukraine, um Russland, um meine Freundin, um uns alle ... über unsere Träume, die nicht wahr wurden und vielleicht nicht wahr werden konnten." Der Leser sollte diese kluge und kenntnisreiche Publikation deshalb nicht resignierend aus der Hand legen. In drei Handlungssträngen erwartet ihn ein bis in die Gegenwart reichender, glänzend geschriebener Bericht: Über ein Studium der russischen Literatur in Freiburg, Leningrad und Hamburg, eine innige Freundschaft, die ausgerechnet am Tage des Überfalls Putins auf die Ukraine durch Suizid endet, und in der zweiten Hälfte des Buches über die Arbeit als Journalistin in Russland und selbstständig gewordenen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Autorin schaltet Erinnerungen an ihre tote, mit einem russischen Künstler verheiratete Freundin ein. Sie verbindet das Ende eines menschlichen Lebens mit dem Untergang der Weltmacht UdSSR. Den Beginn erlebt sie vor Ort in Kiew. Am 1. Dezember 1991 stimmten 90 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit der Ukraine – inklusive 55 Prozent der ethnischen Russen. Sie ist dabei, als in Kiew ein Chor „Das Gebet für die Ukraine" singt und die Zuhörer Tränen in den Augen haben.</p>
<p>In der Ukraine gab es, so Hoffmann, starke Sympathien für den Freiheitskampf der Tschetschenen. Bei ihrem Besuch im zerstörten Grosny erlebt sie, wie die jungen, schlecht ausgebildeten russischen Rekruten verheizt und von ihren eigenen Offizieren geschunden werden. Den Rezensenten erinnert das an Berichte von den Kämpfen um Ostpreußen 1945, wo russische Panzer über die eigenen Leute fuhren. In Leningrad sah er, wie sich junge Soldaten in Uniform auf der Straße schlugen.</p>
<p>Offiziell ist das Ukrainische auf der Krim Amtssprache. In die Praxis umgesetzt wurde das aber nie. Keine Zeitung erscheint auf Ukrainisch. Hoffmann zitiert Henry Kissinger: „Kein Russe, mit dem ich gesprochen habe, hat akzeptiert, dass die Ukraine wirklich unabhängig sein kann. Dagegen haben alle Ukrainer von ihrer Angst vor dem russischen Imperialismus gesprochen."</p>
<p>Hoffmann hilft als Dolmetscherin in Westsibirien, Kirgistan und Hildesheim bei der Eingliederung der Russlanddeutschen, die sie als „unrealistisch und hilflos empfindet wie so vieles, was die westliche Politik in jenen Jahren gegenüber Russland tut". Bauern, die in Russland bleiben wollen und sollen, werden an Maschinen ausgebildet, die es bei ihnen gar nicht gibt.</p>
<p>Aus Hoffmanns Sicht haben die frühen 90er Jahre über das künftige Verhältnis zwischen Russland und dem Westen entschieden und „langfristig die Saat für Revanchismus und Putinismus gelegt." Deutschland, der Westen und die Amerikaner haben auf Gorbatschow und den Fortbestand der UdSSR und Stabilität gesetzt. Keiner hat die Erwartungen des anderen erfüllt. „Russland hat Angst vor einer demokratischen, nach Westen orientierten Ukraine" und schlägt alle persönlichen diplomatischen Bemühungen der westlichen Staatsmänner in den Wind. „Wir träumten damals alle den gleichen Traum", so Hoffmann, „im Westen, in Russland und der Ukraine, in Polen und Lettland ... die Mächtigen und die Machtlosen ... von einem ungeteilten Europa, von gemeinsamer Sicherheit, von Demokratie in Russland und überall, von Nie wieder Krieg". Ihr Fazit: „Nicht schlafwandelnd, sondern sehenden Auges sind wir in diese Kata­strophe gelaufen".</p>]]></content:encoded>
			<category>Bücher</category>
			<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Traditionell links - Immer öfter entscheiden Muslime Wahlen in Europa</title>
			<link>https://paz.de/artikel/immer-oefter-entscheiden-muslime-wahlen-in-europa-a18303.html</link>
			<description>Viel zu schnelle Einbürgerungen, um sich ein neues linkes Wahlklientel zu schaffen – Beliebt, weil linke Parteien ihnen in allem freien Lauf lassen</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Religion spielte über Jahre hinweg bei deutschen Wahlanalysen kaum eine Rolle. Das Abstimmungsverhalten von Arbeitern, Rentnern, Beamten oder Stadt- und Landbevölkerung wurde nach jedem Urnengang genau unter die Lupe genommen. Wie Muslime wählen, blieb dagegen weitgehend im Dunkeln. Es gab zwar immer wieder mal Befürchtungen, irgendwann könnte sich eine muslimische Partei bilden, doch die Versuche, die bislang vor allem auf kommunaler Ebene stattfanden, blieben erfolglos.</p>
<p>Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September votierten nach einer Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen 51 Prozent der befragten muslimischen Wähler für die Linkspartei. Im Gesamtergebnis kam die Partei auf 25,7 Prozent. Bei Katholiken waren es 17, bei Protestanten 16 Prozent. Besonders bemerkenswert: Gegenüber der vorherigen Wahl gewann die Linke bei Muslimen satte 36 Prozentpunkte hinzu. Viele von ihnen haben zuvor noch die Grünen gewählt. Muslime sind in Berlin dabei ein relevanter Faktor. Rund 400.000 dieser Glaubensrichtung leben derzeit in der Hauptstadt. Wie viele davon tatsächlich wahlberechtigt sind, lässt sich nicht exakt sagen. Die amtliche Wahlstatistik fragt die Religionszugehörigkeit nicht ab, zudem besitzt ein Teil keine deutsche Staatsangehörigkeit. Doch mit den steigenden Einbürgerungszahlen wächst auch die Zahl der neuen Wahlberechtigten.</p>
<p><strong>Muslime wissen um ihre neue Macht</strong></p>
<p>Viele Parteien haben darauf längst reagiert. In migrantisch geprägten Vierteln wurde gezielt auf Arabisch und Türkisch um Stimmen geworben. Der Berliner Imam Scharjil Khalid schätzte den muslimischen Anteil an den Wahlberechtigten bereits vor dem Urnengang auf mindestens acht Prozent. Mit Blick auf die demografische Entwicklung erklärte er gegenüber den Medien fast schon drohend: „Muslime sind die Zukunft dieses Landes." Vor allem die Linke setzte auf eine gezielte Ansprache und arabischsprachige Wahlkampfvideos.</p>
<p>Wie heikel das werden kann, zeigte sich sogleich auch schon am Wahlabend. Auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln tauchte Issa Remmo auf, ein prominentes Mitglied der gleichnamigen arabischstämmigen Großfamilie. Einen Teil der Familie rechnet die Berliner Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. Die Linke ging halbherzig auf Distanz. Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte im ZDF, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir", sagte sie. Der scheidende Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach daher auch von einem „verstörenden Signal".</p>
<p>Für erhebliche Irritationen sorgten zudem Berichte über Kontakte des Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zu einem Mitglied der Remmo-Familie. Koçak erklärte später, ihm sei zunächst nicht bekannt gewesen, mit wem er kommuniziert habe. Remmo erklärte kurz darauf, er habe bewusst die Werbetrommel für die Kommunisten gerührt.</p>
<p>Berlin ist dabei kein Sonderfall. Auch in Schweden ist die muslimische Wählerschaft in den Blickpunkt gerückt. Vor der jüngsten Reichstagswahl mobilisierten Moscheen und muslimische Organisationen ausdrücklich zur Teilnahme. Der öffentlich-rechtliche Sender SVT berichtete über entsprechende Aktivitäten in Göteborg, Helsingborg, Uppsala und Malmö. Die Moschee in Göteborg setzte sogenannte Wahlbotschafter ein, in Uppsala wurden Informationsveranstaltungen zum Wahlsystem angeboten. Gleichzeitig warben muslimische Influencer gegen die rechten Schwedendemokraten und die Parteien des bürgerlichen Tidö-Lagers. Entsprechend auffällig war das Wahlverhalten. In einer Novus-Erhebung kamen die Sozialdemokraten unter muslimischen Befragten auf 61,6 Prozent, die Linkspartei auf 18,7 Prozent. Zusammen erreichten beide mehr als 80 Prozent. Zählt man die Grünen hinzu, waren es rund 85 Prozent. Die Schwedendemokraten kamen immerhin auf 10,4 Prozent. Muslime machten allerdings lediglich 2,6 Prozent aller Befragten der Erhebung aus – ein Punkt, der bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden muss.</p>
<p><strong>Aktiv vor allem in Großstädten</strong></p>
<p>Ganz neu ist die Linksneigung der Moslems nicht. Schon frühere Untersuchungen in Schweden sahen die Sozialdemokraten bei muslimischen Wählern deutlich über ihrem landesweiten Ergebnis. Ähnliche Berichte gab es auch aus Deutschland, vor allem dem Ruhrgebiet. Dabei spielt nicht nur die Religion eine Rolle. Einkommen, Bildungsstand, Herkunft, Alter und Wohnort beeinflussen das Wahlverhalten ebenso. In vielen europäischen Ländern leben Einwanderer zudem häufiger in Großstädten und gehören überdurchschnittlich oft einkommensschwächeren Gruppen an – Wählerschichten, in denen Parteien links der Mitte traditionell stärker abschneiden.</p>
<p>Von einem geschlossenen muslimischen Wahlblock konnte bisher dennoch – noch – keine Rede sein. Denn auch die Grünen, sonst eher bei den Gutverdienern eine beliebte Wahl, profitierten oft von den Muslimen. Diesmal verlor die Öko-Partei dieses Klientel allerdings zum Großteil an die Linke.</p>
<p>In Großstädten sind Migranten demnach das berühmte Zünglein an der Waage. Wo eine größere Bevölkerungsgruppe deutlich stärker als der Durchschnitt einer bestimmten Partei zuneigt, kann das bei knappen Mehrheiten politische Folgen haben. Wohl auch deshalb drängen linke Parteien stark auf noch mehr Migration und schnelle Einbürgerung. Eine neue Wählerschaft soll heranwachsen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
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			<title>Der Wochenrückblick - Dunkelrote Abgründe</title>
			<link>https://paz.de/artikel/dunkelrote-abgruende-a18301.html</link>
			<description>Wie die Linke alle Schönredner selbst entlarvt, und wie die SPD das wohl wieder hinbiegt</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Panorama</category>
			<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Zum 100. Geburtstag - Ein Engagement ohnegleichen</title>
			<link>https://paz.de/artikel/ein-engagement-ohnegleichen-a18299.html</link>
			<description>Prof. Dr. Roswitha Wisniewski widmete ihr Leben der ostdeutschen Kulturgeschichte</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis weit in das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war Prof. Dr. Roswitha Wisniewski eine prägende und richtungweisende Persönlichkeit – zunächst in der Wissenschaft, später in der Politik und über Jahrzehnte als Verantwortliche in zahlreichen Ehrenämtern. Zu diesen zählte das Amt der Vizepräsidentin der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, das sie von 1995 bis zu ihrem Tod im Jahr 2017 innehatte.</p>
<p>Geboren am 23. September 1926 im pommerschen Stolp, legte sie nach der Vertreibung im völlig zerstörten Berlin 1946 ihre Reifeprüfung ab und begann ihr Studium der Germanistik noch an der Humboldt-Universität, wechselte aber aus politischen Gründen 1948 an die neu gegründete Freie Universität Berlin, wo sie sich am Aufbau des Germanistischen Seminars beteiligte. Nach ihrer Promotion 1953 war sie Assistentin des Altgermanisten Helmut de Boor, studierte dann mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft Theologie in Marburg und Bonn und habilitierte sich 1960 mit einer Arbeit aus dem Gebiet der altnordischen Saga.</p>
<p>Ihre wissenschaftliche Laufbahn führte Roswitha Wisniewski von der Freien Universität Berlin zunächst von 1965 bis 1967 an die Universität Kairo und dann nach Heidelberg, wo sie als erste Frau auf einem Lehrstuhl der 1386 gegründeten Universität von 1967 bis zu ihrer Emeritierung 1994 ältere deutsche Sprache und Literatur lehrte.</p>
<p>Anders als viele Politiker heute hatte sich Roswitha Wisniewski also bereits eine hohe internationale wissenschaftliche Reputation erworben und übte einen verantwortungsvollen Beruf als Hochschullehrerin aus, als sie sich 1972 aufgrund der Studentenunruhen an ihrer Heidelberger Universität entschloss, auch politisch tätig zu werden. Sie übernahm Führungsaufgaben in der CDU Baden-Württembergs, in der Frauenunion und in der Kommunalpolitik. Nach dieser „Lehrzeit" vertrat sie von 1976 bis 1994 ihr Land zunächst über die Landesliste, ab 1983 direkt den Wahlkreis Mannheim II – Bergstraße im Deutschen Bundestag.</p>
<p><strong>„Mehr sein als scheinen"</strong></p>
<p>Die Schwerpunktsetzung ihrer Arbeit im Bundestag zeigte, wie sehr Roswitha Wisniewski – stellvertretend für viele Menschen ihrer Generation aus dem deutschen Osten – ihr persönliches Schicksal in zukunftsgerichtete Politik umzusetzen verstand. Als Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Unterausschuss „Kunst und Kultur" wie auch als Mitglied der Gruppe der Vertriebenen in der CDU/CSU-Fraktion war sie maßgebend an der Vertriebenen-Gesetzgebung und an der Gestaltung der Kulturpolitik gemäß § 96 BVFG beteiligt. Als Vorsitzende des Unterausschusses „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts" ging es ihr vor allem um die Pflege der Mahn- und Gedenkstätten nationalsozialistischer Verbrechen.</p>
<p>Die Professorin Roswitha Wisniewski war natürlich auch im Rahmen der Hochschul- und Bildungspolitik gefragt. Ihre besondere Zuwendung galt der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, dem angemessenen Rang der geisteswissenschaftlichen Disziplinen und den Frauen, die im Hochschulbereich deutlich unterrepräsentiert waren. Gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Dr. Hermann Kunst gab sie 1988 ein „Handbuch für Frauenfragen" heraus. Bis zu ihrem Tod war bei Wisniewski dieses Anliegen spürbar, so wenn Konferenzprogramme von ihr kritisch unter dem Blickwinkel der Frauenbeteiligung betrachtet wurden.</p>
<p>Ein Herzensanliegen war ihr die Pflege des ostdeutschen kulturellen Erbes. Sie hat an der Errichtung der Stiftungslehrstühle für deutsche Literatur und Sprache im östlichen Europa an den Universitäten Leipzig und Heidelberg ebenso mitgewirkt wie bei der Vergabe von Forschungsaufträgen oder als Mitglied der Auswahlkommissionen des Bundesministeriums des Innern an der Vergabe des Immanuel-Kant-Habilitationsstipendiums und des Jacob-Grimm-Doktorandenstipendiums. Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde Roswitha Wisniewski 1994 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.</p>
<p>Für die Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR war Roswitha Wisniewski als Kuratorin für Literaturgeschichte der Gesellschaft für Pommersche Geschichte, vor allem aber als Vizepräsidentin mit ihrem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz eine unschätzbare Ratgeberin.</p>
<p>Nach dem Tod des Präsidenten Prof. Dr. Eberhard Schulz am 3. August 2010 hat sie für lange Monate die schwere Aufgabe der Gesamtverantwortung für die Stiftung übernommen und ist nicht müde geworden, mit freundlicher Unerbittlichkeit und Ausdauer für eine im Stiftungsrat einvernehmlich durchsetzbare Nachfolgeregelung zu sorgen.</p>
<p>Roswitha Wisniewski war ein echtes Vorbild – als Mensch, Wissenschaftlerin und Politikerin. Sie konnte auf eine einzigartige Lebensleistung zurückschauen. Zurückhaltend und bescheiden in ihrer liebenswürdigen und sympathischen Art, mit wachem, kritischem Blick für das Wesentliche und klaren Kriterien für notwendige Zukunftsentscheidungen widmete sie sich – getreu der preußischen Devise „Mehr sein als scheinen" – diszipliniert den Zielen, die sie sich gesetzt hatte. Zu ihrem 90. Geburtstag 2016 konnte der Präsident des OKR ihr im Augustinum Bonn persönlich sagen: „Frau Professor Wisniewski, Sie haben sich um die Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa verdient gemacht."</p>
<p>Mit großer Dankbarkeit gedenkt der Beirat der Stiftung seiner früheren Vizepräsidentin Prof. Dr. Roswitha Wisniewski anlässlich ihres 100. Geburtstages.</p>]]></content:encoded>
			<category>Pommern</category>
			<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Vom Flüchtling zum Ratsherrn</title>
			<link>https://paz.de/artikel/vom-fluechtling-zum-ratsherrn-a18295.html</link>
			<description>Ein persönlicher Rückblick auf Entbehrungen, Aufbaujahre und den Dienst an der Gemeinschaft</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Abschiedsfeier in Elbing - Würdiges Ende nach über 30 Jahren</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wuerdiges-ende-nach-ueber-30-jahren-a18289.html</link>
			<description>Trotz stabiler Mitgliederzahlen schloss der Verein seine Pforten – Es fand sich einfach kein Nachfolger für die Leitung</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist über 30 Jahre her, dass die Gesellschaft der Bevölkerung deutscher Herkunft im Gebiet Elbing mit Sitz in Elbing gegründet wurde. Am 31. Juli beendete sie mit einem feierlichen Abschied ihre Tätigkeit. Die Mitglieder werden privat sicher weiter aktiv sein und sich treffen, der Verein schließt jedoch seine Pforten.</p>
<p>Mit einem Abendessen im Restaurant „piękny widok" des Hotels Bellevue zogen die Mitglieder der Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Elbing einen würdigen Schlussstrich unter die jahrelange intensive Tätigkeit unter dem Dach des Vereins. Es galt, nicht einfach von der Bildfläche zu verschwinden, sondern in festlichem Rahmen den letzten Schritt zu tun. Viele Gäste waren aus diesem Grund der Einladung gefolgt.</p>
<p>Eingeladen hatten Rosemarie Kań­kowska, Hilda Sucharska und Renata Anaszko eine große Zahl an Mitgliedern, aber auch Weggefährten wie Erwin Vollerthun aus der Bundesrepublik, Vertreter der Stadt Elbing, die von Barbara Dziewulak von der Abteilung für Kultur repräsentiert wurde, des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, für den Marta Mularczyk den Weg aus Allenstein gefunden hatte, und des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, der Dawid Bojarowski aus Danzig schickte. Auch Senator Jerzy Wcisła nahm mit seiner Frau an der Veranstaltung teil. Außerdem fanden sich an der Tafel die Deutschlehrerin Małgorzata Rysicka, mit der der Verein lange Jahre zusammengearbeitet hat, und Cezary Ciąćka, der die Gesellschaft im Prozess der Auflösung begleitet, um den gesetzlichen Schwierigkeiten, die dabei auftreten, aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>„Es ist bedauerlich, dass der Verein aufgelöst wird" – so lautete der Grundtenor der Aussagen vieler Redner an diesem Abend. Die langjährigen Vorsitzenden Kańkowska und Sucharska sowie Anaszko, die den letzten Abend auf die Beine gestellt hatten, können aus Gesundheits-, Alters- oder beruflichen Gründen den Verein nicht weiterführen. Wie die hohe Resonanz zum Abschied einmal mehr bewies, liegt es nicht an fehlendem Interesse oder zu wenig Mitgliedern, dass der Verein seine Tätigkeit einstellt.</p>
<p>Es gibt genug Interesse, gute Kontakte zur Stadt Elbing, zu Schulen und Hochschulen, an denen Deutsch unterrichtet wird und die ihre Schüler zum Elbinger Verein geschickt haben, zur Kreisgemeinschaft und zu den Trägern der Städtepartnerschaft mit Leer. Der Verein und seine Führung sind gut vernetzt und angesehen. Es fand sich jedoch zuletzt niemand mehr, der die Verantwortung übernehmen wollte und konnte. Nicht zuletzt ist hier auch die Kenntnis der deutschen Sprache ein abschreckendes Kriterium.</p>
<p>Hoffnung bot auf den ersten Blick sogar noch auf der Feier die Zahl der Teilnehmer und die Musik der Enkelinnen von Anaszko, von denen eine auch noch Deutsch spricht. Aber die Zahl der jungen Menschen ist zu gering, und bei der Zahl der Mitglieder hatte zuletzt Corona für einen Rückgang gesorgt, der zugleich die Stimmung im Verein drückte.</p>
<p>Die Entscheidung fiel also, erhobenen Hauptes abzutreten, solange es noch schön ist. An dieses Schöne erinnerten Rosemarie Kańkowska in ihrer Rede, Hilda Sucharska mit einer Bilderschau über die langen Jahre der Aktivitäten und Erwin Vollerthun mit seinem Dank für die gemeinsame Arbeit zugunsten der Menschen der Deutschen Minderheit und allgemein in Elbing. Lob und Anerkennung für die anwesenden Mitbegründer und die langjährigen Vorsitzenden gab es in Fülle von allen Seiten und zuletzt Rosen für Rosemarie, die mit gemeinsamem Singen an die Anwesenden verteilt wurden. Es bleibt erst einmal die Wehmut, aber auch die Hoffnung, dass zumindest unabhängig von einer Organisation einige der Mitglieder aktiv bleiben werden.</p>]]></content:encoded>
			<category>Ostpreußen</category>
			<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Nach dem Sieg der Linkspartei - Polizeibeamte auf dem Sprung</title>
			<link>https://paz.de/artikel/polizeibeamte-auf-dem-sprung-a18293.html</link>
			<description>Berliner Gesetzeshüter planen offenbar in großer Zahl, der Hauptstadt den Rücken zu kehren</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis zum Mauerbau im August 1961 kehrten massenweise Ärzte, Ingenieure, Handwerker und zwangskollektivierte Landwirte dem SED-Regime den Rücken, indem sie „mit den Füßen abstimmten" und in den Westteil Deutschlands gingen. Nach dem Wahlsieg der SED-Nachfolgepartei Die Linke fragen sich nun offenbar viele Berliner Polizeibeamte, ob es Zeit ist, sich nach einer Stelle in anderen Bundesländern umzusehen.</p>
<p>Der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Frank Teichert, berichtet von zunehmenden Wechselwünschen unter den Beamten. Laut Berichten erwägen Berliner Polizisten sogar, sich gleich gruppenweise nach Brandenburg zu bewerben. Der Wunsch, den Dienstherrn zu wechseln, trifft in anderen Bundesländern auf großes Interesse. „Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen", wirbt etwa Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU).</p>
<p><strong>Andere Länder locken bereits</strong></p>
<p>Auch in Hessen und Bayern sind Polizeibeamte, die aus Berlin wegwollen, offenbar gern gesehen. Scheitern kann der Wechselwunsch frustrierter Beamter allerdings an einer dienstrechtlichen Hürde: Für einen Personaltausch müsste sich nämlich immer auch ein Beamter finden, der nach Berlin wechseln will. „In Zeiten wie diesen jemanden zu finden, der nach Berlin möchte, das ist nicht ganz so einfach," so Teichert.</p>
<p>Das benachbarte Brandenburg nutzt dessen ungeachtet die nach der Berlin-Wahl entstandene Lage. Innenminister Jan Redmann (CDU) wirbt allerdings nicht um ausgebildete Beamte, sondern um junge Leute aus Berlin, die den Berufswunsch Polizist hegen. Brandenburg will die Zahl der Polizeistellen bis 2029 auf 9.000 erhöhen – 400 mehr als 2025.</p>
<p>Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nimmt die Wechselstimmung und die Offerten aus anderen Bundesländern ebenfalls ernst. GdP-Landeschef Stephan Weh verlangt von möglichen Regierungsparteien ein „klares Bekenntnis zur Berliner Polizei". Bessere Bezahlung und geringere Einsatzbelastung anderswo machten einen Wechsel schon länger attraktiv, nun kämen auch noch politische Zweifel hinzu, erklärt Weh. Er verlangt, dass solchen Tendenzen entgegengewirkt wird, denn: „Sonst gibt es eben keinen Polizisten mehr in der Hauptstadt."</p>
<p>Wie angespannt sich die Stimmung unter Berlins Ordnungshütern seit dem Wahlsieg der Linkspartei darstellt, zeigt die Debatte über den möglichen Personenschutz für Elif Eralp. Sollte die Linken-Politikerin Regierende Bürgermeisterin werden, müssten Berliner Polizeibeamte nämlich rund um die Uhr auch für den Personenschutz Eralps sorgen. „Unsere Kollegen diskutieren viel über das Wahlergebnis und machen sich natürlich Gedanken", so Berlins GdP-Landeschef.</p>
<p>Anlass zum Nachdenken geben nicht nur das Wahlprogramm der Linkspartei und Kontakte von Linke-Genossen ins Clan-Milieu und zu Unterstützern der Hamas. Erst vor Kurzem tauchte auch noch ein Video der Berliner Linksjugend auf, in dem die Polizei als „krimineller Clan" verunglimpft wird. Im Kontrast zu Berlin ist in Brandenburg nicht damit zu rechnen, dass der Polizei Mittel und Befugnisse zusammengestrichen werden und die Arbeit der Polizei verstärkt durch „Sozialarbeit" ersetzt wird.</p>
<p><strong>Koçaks auffällige Fragen zu Clans</strong></p>
<p>Wie unlängst bekannt wurde, will Redmann in Brandenburg nicht nur deutlich mehr Polizeibeamte einstellen, er will auch Informationen über die Polizeiarbeit stärker schützen. Brandenburg war 1998 das erste Bundesland, das ein Informationsfreiheitsgesetz eingeführt hat. Die Regelung räumt Bürgern unter anderem ein Recht auf Akteneinsicht bei Polizeiunterlagen ein. Redmann will dies nun einschränken: „Wir wollen verhindern, dass Rückschlüsse auf Methoden der Polizei getroffen werden können." Einzelne Auskünfte könnten wie Puzzlestücke ein vollständiges Bild ergeben. Die Frage nach solchen Puzzlestücken stellt sich mitunter auch bei parlamentarischen Anfragen von Abgeordneten. Der heutige Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak verlangte als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses gemeinsam mit Niklas Schrader beispielsweise mehrmals sehr genaue Angaben zu Einsätzen gegen die Clankriminalität. Ausgeforscht wurden mit den Kleinen Anfragen an den Senat Orte, Uhrzeiten, beteiligte Polizei-Einheiten und deren Personalstärke, teilweise sogar die Bewaffnung der Beamten.</p>
<p>Eine Senatsantwort vom März 2022 berichtet über 46 Einsätze. Eine Antwort vom Oktober 2023 dokumentiert insgesamt 104 Schwerpunkt- und Kontrolleinsätze in umfangreichen Tabellen. Die Antworten des Innensenats sind über die Parlamentsdokumentation des Berliner Abgeordnetenhauses seitdem nicht nur für Abgeordnete, sondern für jedermann öffentlich abrufbar.</p>]]></content:encoded>
			<category>Berlin-Brandenburg</category>
			<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Brüssels Vorschriften werden national oft noch weiter aufgebläht – Österreich und Italien treiben die Initiative voran – Forderung nach Durchsicht und „Ausmisten“ der Regeln – Neue Vorschriften alle fünf Jahre überprüfen - Aufstand gegen die Bürokratie</title>
			<link>https://paz.de/artikel/aufstand-gegen-die-buerokratie-a18291.html</link>
			<description>Was EU-weit an Regulierung veranlasst wird, ist wahnwitzig genug – aber die Länder „vergolden“ den Irrsinn</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Gefährliches Zündeln an der radikalen Lunte - Die neue Lust am Extremismus</title>
			<link>https://paz.de/artikel/die-neue-lust-am-extremismus-a18282.html</link>
			<description>Wenn politische Tabus plötzlich nur noch in eine Richtung gelten und sich Forderungen von gestern wegen hemmungsloser Machtgier in Nichts auflösen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Der Preis des Bodens - Wie Pachten und Kaufpreise Bauern unter Druck setzen</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wie-pachten-und-kaufpreise-bauern-unter-druck-setzen-a18285.html</link>
			<description>Kleinliche Umweltvorschriften, künstliche Angebotsverknappung, Wucherpreis zahlende Windenergiebetreiber treffen auf einen Staat, der nicht reguliert</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die wirtschaftliche Situation auf dem deutschen Agrarmarkt gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Das Phänomen rasant steigender Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen, das die Branche bereits seit Beginn des Jahrhunderts zunehmend beschäftigt, hat sich zu einer ernsthaften Existenzfrage für die deutschen Landwirte entwickelt. Mangels staatlicher Regulierung greift mittlerweile ein Verdrängungswettbewerb um jeden Hektar Ackerland um sich, der vor allem kleinere und mittlere Betriebe an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit aber auch der Wirtschaftlichkeit bringt.</p>
<p>Ein aktuelles Gutachten des Thünen-Instituts Braunschweig liefert nun detaillierte Einblicke in diese besorgerregende Entwicklung. Die Untersuchung, die den Zeitraum von den Wirtschaftsjahren 2007/08 bis 2022/23 analysiert, zeichnet ein dramatisches Bild: In diesen 15 Jahren kletterte der mittlere Pachtpreis um rund 150 Euro auf durchschnittlich 390 Euro pro Hektar. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2023 bestätigen diesen fatalen Trend und weisen im Bundesdurchschnitt 407 Euro aus – bei neu abgeschlossenen Verträgen klettert der Betrag sogar auf 511 Euro, während Dauergrünland mit rund 212 Euro zu Buche schlägt. Parallel dazu haben sich die Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen innerhalb von zwölf Jahren mehr als verdoppelt: Von knapp 17.000 Euro im Jahr 2014 schnellten sie bis 2024 auf über 35.000 Euro pro Hektar hoch, was einem massiven Anstieg von exakt 188 Prozent entspricht.</p>
<p><strong>Immer striktere Vorschriften verschärfen die Situation</strong></p>
<p>Haupttreiber dieser Preisexplosion sind laut den Thünen-Forschern die wachstumsorientierten Top-Betriebe, die rund 40 Prozent der Gesamtfläche bewirtschaften. Durch ihre hohe Zahlungsbereitschaft und auch -fähigkeit haben sie das Preisniveau inzwischen in schwindelnde Höhen getrieben, die von einem durchschnittlichen Betrieb längst nicht mehr erwirtschaftet werden können. Besonders Ackerbaubetriebe leiden unter dieser Last. Zudem verschärften immer enger gefasste, kleinlichere und drastischere Umweltvorgaben wie die Novellierungen der Düngeverordnung in den Jahren 2017 und 2020 den Druck auf viehhaltende Höfe massiv, zusätzliche Flächen anzupachten, um ihren Dünger regelkonform auszubringen.</p>
<p>Das besorgniserregendste Ergebnis der Studie: Bei rund 60 Prozent aller Haupterwerbsbetriebe liegt die sogenannte Grundrente inzwischen unter den tatsächlichen Pachtaufwendungen. Die Grundrente beziffert den Betrag, den ein Betrieb maximal für Pachten aufwenden kann, ohne die eigene wirtschaftliche Existenzgrundlage oder eine angemessene Entlohnung zu gefährden.</p>
<p>Zusätzlich verschärft wird die Situation durch eine kontinuierliche Verknappung des Angebots. Die Umwidmung von Agrarflächen für Siedlungen, Gewerbegebiete, Infrastrukturprojekte sowie für „erneuerbare Energien" sorgt für eine stetige Flächenreduzierung. In Regionen mit hoher Konkurrenz vergrößert dies die offene Schere zwischen den Betriebsgrößen. Große, meist finanzstarke Investorenbetriebe in Ostdeutschland profitieren von moderner Technik und EU-Direktzahlungen, die seit den 2000er Jahren flächenbezogen ausgeschüttet werden. In Kombination mit staatlichen Subventionen für die Bioenergie hat dies einen Strukturwandel ausgelöst, der die Bodenpreise weiter anheizt.</p>
<p><strong>Windparks verzerren den Wettbewerb</strong></p>
<p>Einen massiven regionalen Sonderfaktor stellt der Ausbau von Wind- und Solarenergie dar. In windstarken Regionen bieten Investoren für geeignete Flächen das Zehn- bis Fünfunddreißigfache der ortsüblichen Ackerlandpacht. Landwirte erhalten hier oft Beträge zwischen 4.000 und 15.000 Euro pro Hektar und Jahr, ergänzt durch Umsatzbeteiligungen am Stromertrag, die jährliche Einnahmen von 20.000 bis 40.000 Euro pro Windkraftanlage einbringen können. Das Thünen-Institut wertet diesen Effekt jedoch eher als punktuelle und scharfe Konkurrenzsituation. Die höchsten Grundrenten verzeichnen ohnehin Regionen wie Niedersachsen, wo neben fruchtbaren Böden eine intensive Veredelungswirtschaft herrscht.</p>
<p>Zu alledem gesellt sich das Problem der Bodenspekulation. Die jahrelange Niedrigzinsphase hat Ackerland zu einem äußerst attraktiven, wertbeständigen Investment für branchenfremde Kapitalanleger gemacht. Der Handel mit landwirtschaftlichen Flächen gilt dem Bundeskriminalamt zufolge mittlerweile als anfällig für das Einschleusen illegaler Gelder.</p>
<p>Solange effektive staatliche Eingriffe allerdings ausbleiben, droht dieser Trend den ländlichen Raum und seine traditionellen Strukturen weiter tiefgreifend zu verändern.</p>]]></content:encoded>
			<category>Wirtschaft</category>
			<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Erfahrungsaustausch im Haus Kopernikus - Geschichte bewahren – Zukunft gestalten</title>
			<link>https://paz.de/artikel/geschichte-bewahren-zukunft-gestalten-a18287.html</link>
			<description>„Wir entdecken. Wir erforschen. Wir archivieren“ – Oppelner Forschungszentrum stellte in Allenstein seine Arbeit vor</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielfältige sowie komplexe Ereignisse prägen die Geschichte der Deutschen Minderheit in der Republik Polen. Sie besteht jedoch nicht nur aus großen historischen Geschehnissen und politischen Umwandlungen, sondern ebenso aus den Lebensgeschichten einzelner Menschen, der Entwicklung von Vereinen, dem kulturellen Leben sowie den alltäglichen Erfahrungen der deutschen Gemeinschaft in verschiedenen Regionen Polens. Ein wesentlicher Teil dieser Geschichte droht jedoch vergessen zu werden, falls persönliche Erinnerungen, Dokumente, Fotografien, Urkunden und andere Zeugnisse nicht gesichert und für kommende Generationen bewahrt werden.</p>
<p>An dieser Stelle muss die Rolle des Forschungszentrums der Gesellschaft der Deutschen Minderheit hervorgehoben werden, dessen Aufgabe es ist, sich mit der Vergangenheit anhand verschiedener Überlieferungen, geschichtlicher Quellen bzw. Gegenständen auseinanderzusetzen. Im Rahmen eines Treffens im Kopernikushaus stellte Bartłomiej Kempe, Leiter des Archivs des Forschungszentrums, den Mitgliedern der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit die Arbeit und die Tätigkeitsbereiche des Zentrums vor.</p>
<p><strong>Schwerpunkt Kulturelles Erbe</strong></p>
<p>Das Forschungszentrum legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Geschichte und das kulturelle Erbe der Deutschen in der Republik Polen. Die Einrichtung versteht sich nicht nur als Forschungseinheit, sondern auch als Institution, die historische Quellen sammelt, sichert, wissenschaftlich analysiert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Es befasst sich mit Projekten und Initiativen, die unterschiedliche Aspekte der Geschichte der Deutschen Minderheit und des deutschen Erbes in den Mittelpunkt stellen. Dabei handelt es sich sowohl um historische Ereignisse als auch um Fragen der Erinnerung, Identität und des Umgangs mit dem kulturellen Erbe.</p>
<p>Ein weiterer Ansatz ist die Veröffentlichung und Vermittlung der Forschungsergebnisse. Über die Publikationen werden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur in der Fachwelt verbreitet, sondern auch den Mitgliedern der Deutschen Minderheit zur Verfügung gestellt. Die Arbeit des Archivs kostet viel Zeit und Aufwand, denn die Einrichtung sammelt und bewahrt historische Materialien. Gerade diese Ameisenarbeit ist für die Geschichte der Deutschen Minderheit von großer Bedeutung. Die Sammelbestände und Materialien sind eine wertvolle Schatzkammer für Geschichts- und Ahnenforscher.</p>
<p>Die Dimension der archivalischen Mission wird deutlich, wenn man sich die Bestände näher anschaut: Das digitale Archiv umfasst mehr als 50.000 Seiten aus den Archiven verschiedener Organisationen. Rund 95 Prozent der Bestände sind bereits digitalisiert. Damit wird nicht nur die langfristige Sicherung der Quellen gewährleistet, sondern auch deren Nutzung für zukünftige Forschungsarbeiten erleichtert. Den Gesprächen mit Zeitzeugen wird dabei eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Zusammen mit Fotografien, Briefen, Vereinsunterlagen, Zeitungen und anderen persönlichen Dokumenten geben Erinnerungen von Zeitzeugen Einblicke in Lebensabschnitte von Menschen und Bestehenssperioden von Strukturen der Deutschen Minderheit.</p>
<p>Somit entsteht ein vielschichtiges, anschauliches Bild der Geschichte der Deutschen Minderheit. Für die Mitglieder der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit war Kempes Besuch deshalb eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Forschungszentrums näher kennenzulernen.</p>
<p><strong>Ein vielschichtiges Bild</strong></p>
<p>In seinem informativen Vortrag besprach der Referent die vielschichtigen Aufgaben der Einrichtung; danach wurden die Zuhörer dazu eingeladen, sich die Ausstellung anzuschauen. Die Informationstafeln mit dem Titel „Wir entdecken. Wir erforschen. Wir archivieren" widmen sich dem zehnjährigen Bestehen des Archivs des Forschungszentrums in Oppeln.</p>
<p>Die Ausstellung zeigt anhand konkreter Beispiele, welche Schätze in Archiven zu finden sind. Zu den besonderen Ausstellungsstücken gehören beispielsweise eine Schultafel aus Techlipp (Ciecholub)/Pommern aus den 1950er Jahren, Zeitungsfragmente aus derselben Dekade sowie Satzungen und Rundschreiben aus den 1980er Jahren. Die Ausstellung ist interaktiv gestaltet. Über QR-Codes können Besucher weitere Beispiele aus den Beständen des Forschungszentrums kennenlernen.</p>
<p>Das Treffen mit Kempe im Haus Kopernikus verdeutlichte, dass die Bewahrung der Geschichte nicht allein eine Aufgabe von Historikern und Archiven ist. Auch Vereine, Familien und Einzelpersonen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. Oft befinden sich gerade in privaten Schubladen und Vereinsräumen Dokumente, Fotografien, Briefe oder andere Erinnerungsstücke, die für die Geschichte der Deutschen Minderheit von unschätzbarem Wert sein können. Wer die Geschichte seiner Herkunft besser versteht, der ist sich auch seiner Identität bewusster und kann seine Zukunft verantwortungsvoller gestalten.</p>]]></content:encoded>
			<category>Ostpreußen</category>
			<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Wie Weimar das Radio zensiert hat</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wie-weimar-das-radio-zensiert-hat-a18255.html</link>
			<description>Bereits vor 1933 war der deutsche Rundfunk staatlich kontrolliert und weitgehend zentralisiert</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>„Das Glas der Vernunft“ - Wenn sich die linke Blase selbst aufbläht</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wenn-sich-die-linke-blase-selbst-aufblaeht-a18273.html</link>
			<description>Eine Preisverleihung in Kassel vermittelt ein selbstbewusstes Stimmungsbild des linksliberalen Milieus</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen können zum einen als Votum gegen die schwarz-rote Bundesregierung gesehen werden. Doch genauso gut können die bislang unerreichten Zuwächse für die rechtspopulistische AfD als die bislang schroffste Absage gegen das linksliberale Milieu interpretiert werden, das in den vergangenen Jahrzehnten in seiner woken Ausprägung das Land zutiefst vereinnahmt hat. Wie dieses Milieu die neue Situation aufgenommen hat, dazu lieferte am vergangenen Sonntag in Kassel die Verleihung des Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft" einen ersten Hinweis.</p>
<p>Der seit 1991 von einem Kasseler Bürgerverein getragene und mit 20.000 Euro dotierte Preis wird jährlich an Persönlichkeiten oder Institutionen vergeben, „die mit ihrem Wirken den Idealen der Aufklärung – Überwindung ideologischer Schranken, Vernunft und Toleranz gegenüber Andersdenkenden – in besonderer Weise dienen". In diesem Jahr ging der Preis an den deutschen Soziologen mit syrischem Migrationshintergrund Aladin El-Mafaalani, der damit für seine Wirkung als „Brückenbauer" geehrt wurde.</p>
<p>Festrede und Laudatio auf den Preisträger hielt die Medizinethikerin Alena Buyx, bekannt als frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, in dem sie auch die umstrittenen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie unterstützte. Sie würdigte El-Mafaalani als einen Wissenschaftler, der „nicht nur komplexe und bedrückende Situationen und Herausforderungen zu beschreiben weiß, sondern sie so zu interpretieren, dass es ‚Klick' macht".</p>
<p>So hob sie seine in dem Buch „Das Integrationsparadox" vorgestellte These hervor, wonach Konflikte in der Zuwanderungsgesellschaft eher ein Zeichen gelungener Integration seien, da sich so zeige, dass die Zuwanderer ihren Platz in der Gesellschaft suchten. Die letzten Wahlergebnisse zugunsten der AfD in Mitteldeutschland, die Buyx „mit Schaudern" zur Kenntnis nahm, bezeichnete sie als „vernunftwidrig", weil „Menschenverachtung immer unvernünftig ist."</p>
<p>In seiner Dankesrede gab sich El-Mafaalani bescheiden, da er den Preis für seine „orthodox-wissenschaftliche Arbeit" erhalte, die er ergebnisoffen betreibe. Die Polarisierung der Gesellschaft erklärte er durch die Bildung von Misstrauensgemeinschaften, die sich paradoxerweise im Vertrauen untereinander in den digitalen Räumen vernetzten. Die Gegenparts Misstrauen und Vertrauen sah El-Mafaalani als grundlegend für die Gesellschaft an. Doch in ihrer Verbindung zu Misstrauensgemeinschaften seien die sich hieraus ergebenden Ausprägungen wie die AfD „Autoimmunerkrankungen".</p>
<p>So kurz nach den Wahlen wäre ein linksliberaler Brückenschlag nach rechts kaum zu erwarten gewesen. Doch das Signal, das von diesem Festakt ausging, ist bedenklich: Hier versammelte sich ein allen Widrigkeiten zum Trotz selbstbewusstes Milieu, das sich nicht nur die Deutungshoheit über „Unsere Demokratie" anmaßt, sondern auch über den Begriff der Vernunft und wie sie am besten anzuwenden sei.</p>]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
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			<title>Hitzige Wahlnachlese - „Das ist mir zu wenig“</title>
			<link>https://paz.de/artikel/das-ist-mir-zu-wenig-a18269.html</link>
			<description>Trotz Wahlerfolg brodelt es in der AfD: Kampagnenleiter attackiert Holm</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Östlich von Oder und Neiße - Stadt des Mit- statt des Gegeneinanders</title>
			<link>https://paz.de/artikel/stadt-des-mit-statt-des-gegeneinanders-a18271.html</link>
			<description>Lodsch erinnert an seine verschwundene bürgerliche deutsch-polnisch-jüdische Welt</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lodsch (Łódź) erinnert im Rahmen der Europäischen Tage des Erbes an jene Epoche, in der die Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Textilzentren Europas aufstieg. Zwei Veranstaltungen führen dabei unmittelbar in die damalige Welt einstiger Fabrikanten und des wohlhabenden Bürgertums – eine Welt, die seinerzeit ein Dorf zu einem deutsch-jüdisch-polnischen Schmelztiegel in Russisch-Polen werden ließ. Es geht dabei zu einem Nachmittagskaffee im Biedermann-Palast (Podwieczorek u Biedermanna) und auf einen Rundgang durch das historische Fabrikviertel Pfaffendorf (Księży Młyn).</p>
<p>Das Lodsch der 1820er Jahre bis zum Ersten Weltkrieg hätte seine Bedeutung ohne seine deutschen Einwanderer nicht errungen. Sie bauten Fabriken auf, gründeten Unternehmen und Vereine und stellten einen großen Teil der Facharbeiter. Jüdische Unternehmer wiederum gehörten zu den wichtigsten Trägern der Industrialisierung. Unter ihnen entstand ein wohlhabendes, vielfach assimiliertes Bürgertum, das sich kulturell und sprachlich stark an Deutschland orientierte.</p>
<p>Im Rahmen der Europäischen Erbetage wird der Biedermann-Palast also wie früher einmal zum Schauplatz einer bürgerlichen Zusammenkunft, wenn auch einer nachgestellten. Im „Nachmittagskaffee" wird somit die Freizeitgestaltung Lodscher Fabrikantenfamilien um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erzählt. Eine Laienschauspielgruppe, die sich nach Włady­sław Stanisław Reymonts Lodsch-Roman „Das gelobte Land" (Ziemia Obiecana) benannte, stellt schauspielerisch damalige gesellschaftliche Gepflogenheiten nach.</p>
<p>Auch Dokumentarfilme erläutern die Geschichte Lodscher Fabrikantenfamilien. Der Name Biedermann steht dabei für die deutsche protestantische Unternehmerschicht der Stadt. Robert Biedermann baute im 19. Jahrhundert sein Industrieunternehmen auf und engagierte sich gesellschaftlich. In seinem Testament bedachte er sowohl die evangelische, die jüdische, die katholische als auch die orthodoxe Gemeinde, da auch die russisch-orthodoxe Bevölkerung zunahm. Seit 1815 gehörte Lodsch nämlich zum russischen Kongresspolen.</p>
<p>Deutsche, Juden, Polen und Russen lebten in diesem bürgerlichen Umfeld eben nicht in voneinander abgeschotteten Welten. Das war ein fundamentaler Unterschied zu anderen deutsch-polnischen Lebenswelten und Ursache für die noch heute zu spürende Weltoffenheit der Stadt. Sie waren Konkurrenten im Wirtschaftsleben, Geschäftspartner, Nachbarn und vielfach Teil derselben städtischen Bürgergesellschaft.</p>
<p>Unter den oft deutschsprachigen jüdischen Unternehmern gab es viele Fabrikanten, Kaufleute oder Bankiers, die sich an der Bürgerkultur aus dem Westen orientierten. In jüdischen Unternehmen waren vor dem Ersten Weltkrieg nicht selten deutsche Direktoren und leitende Angestellte tätig. Sprache, Bildung, Kleidung, gesellschaftliche Umgangsformen und wirtschaftliche Interessen verbanden dieses Milieu.</p>
<p>Doch neben dem assimilierten Bürgertum existierten orthodoxe und chassidische Gemeinschaften sowie breite Schichten jüdischer Arbeiter und Kleinhändler. Am 26. September führt das Museum für Kinematographie durch Księży Młyn. Schon der deutsche Name Pfaffendorf erinnert daran, dass die Geschichte dieses Viertels eng mit der deutschen Siedlungs- und Industriegeschichte Lodschs verbunden ist. Pfaffendorf entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Fabrikkomplexe der Stadt. Seinen Aufstieg verdankt Pfaffendorf vor allem dem aus Monschau an der heutigen Grenze zu Belgien stammenden Karl Wilhelm Scheibler.</p>
<p><strong>Scheibler prägte Pfaffendorf</strong></p>
<p>Der Unternehmer kam 1848 nach Kongresspolen und ließ sich wenige Jahre später in Lodsch nieder. Aus seinem Unternehmen entstand eines der größten Baumwollimperien der Stadt. Scheibler errichtete jedoch nicht einfach nur Fabrikhallen. Zu seinem Industrieimperium gehörten Arbeiterhäuser, Schulen und Geschäfte. Pfaffendorf wurde auf diese Weise zu einer regelrechten Fabrikstadt innerhalb von Lodsch. Auch die Familie Grohmann gehörte zur industriellen Oberschicht. Traugott Grohmann stammte aus Sebnitz bei Dresden. Die Verbindung der Unternehmerfamilien Scheibler und Grohmann wurde später auch familiär besiegelt: Karl Scheibler Junior heiratete Anna Grohmann.</p>
<p>Wer heute durch Pfaffendorf geht, sieht nicht nur liebevoll sanierte Industriedenkmäler aus rotem Backstein. Die Straßen, Fabrikgebäude und Arbeiterwohnungen erzählen von einer sozialen Ordnung, die durch deutsche Unternehmer und Arbeiter entscheidend mitgeprägt wurde. Und die Europäischen Erbetage erinnern an das Scheibler'sche Industrieimperium, an die mächtigen Familien, die Biedermanns, Geyers, Grohmanns, Anstädts oder die Kindermanns. Sie hinterließen prächtige Denkmäler, darunter Kirchen, Fabriken und Paläste.</p>]]></content:encoded>
			<category>Schlesien</category>
			<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Stolzes Erbe aus Preußens Befreiungskrieg</title>
			<link>https://paz.de/artikel/stolzes-erbe-aus-preuszens-befreiungskrieg-a18265.html</link>
			<description>Die Bundeswehr ehrt ihren 17. Generalinspekteur, General des Heeres Carsten Breuer, mit einem Großen Zapfenstreich</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Der sichere Weg in die Massenarmut - Ökonomische Dummheit,  die wohl nie ausstirbt</title>
			<link>https://paz.de/artikel/oekonomische-dummheit-die-wohl-nie-ausstirbt-a18267.html</link>
			<description>Das Nullsummendenken gehört zu den am meisten verbreiteten Irrlehren über die Wirtschaft. Doch Sozialisten und andere fanatische „Umverteiler“ halten stur an ihr fest – bis heute</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahre 1934 dichtete Bertold Brecht im dänischen Exil: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah'n sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich." Diese schlicht gestrickte Vorstellung des Kommunisten Brecht, dass Reichtum grundsätzlich nur auf Kosten der weniger Begüterten entstehen könne, teilen heutzutage keineswegs bloß Linke aller Couleurs, sondern auch jeder, der in die intellektuelle Falle der Nullsummenphilosophie – auf neudeutsch „Zero Sum Mindset" – getappt ist.</p>
<p>Deren Hauptcredo lautet kurz und bündig: Der wirtschaftliche Gewinn oder Erfolg des einen bewirkt unvermeidlich den Verlust oder Misserfolg eines anderen. Hierbei handelt es sich um eine Entlehnung aus der Spieltheorie. Und tatsächlich existieren etliche Spiele, wie beispielsweise Schach oder Fußball, bei denen die eine Partei ganz automatisch zum Verlierer wird, wenn die andere siegt. Allerdings beschritten der Mathematiker John von Neumann und der Wirtschaftswissenschaftler Oskar Morgenstern einen falschen Weg, als sie dieses spieltheoretische Prinzip dann ab 1944 in systematischer Weise auf die Ökonomie übertrugen, denn hier liegen die Verhältnisse zumeist ganz anders.</p>
<p>Eine Volkswirtschaft ist weder ein Fußballplatz noch ein Schachbrett und ebenso kein Kuchen von konstanter Größe, bei dessen Aufteilung man verhindern muss, dass jemand ein zu großes Stück erhält, weil sonst die anderen benachteiligt würden. Dennoch hängen viele Menschen genau diesem Irrglauben an, wie eine weltweite Umfrage im Auftrag des Historikers und Soziologen Rainer Zitelmann beweist, der auch ein Buch über die „Nullsummenfalle" geschrieben hat.</p>
<p><strong>Wachstum zu allseitigem Nutzen können sie sich nicht vorstellen</strong></p>
<p>Zu den Fehlgeleiteten gehört sogar US-Präsident Donald Trump: Was im Ausland produziert und dann in die USA importiert wird, ist in Trumps Augen automatisch ein Verlust für die US-Industrie. Dabei könnten der „Handelsbilanzkuchen" und die sich daraus ergebenden Stücke für alle Beteiligten einschließlich der Vereinigten Staaten kräftig wachsen, wenn man diesen Vorgang nicht durch Zölle oder Ähnliches behinderte.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel ist das Geheul linker Gerechtigkeitsfanatiker anlässlich des Börsengangs des Raumfahrtunternehmens SpaceX im Juni dieses Jahres. Der Wert des Unternehmens stieg durch den Ansturm auf die verfügbaren Aktien auf rund 2,7 Billionen US-Dollar, wodurch dessen Besitzer und Hauptaktionär Elon Musk schlagartig ein Vermögen von stolzen 1,1 Billionen Dollar besaß. Das passierte aber nicht deshalb, weil Musk andere Menschen um ihr Geld erleichtert oder sonst wie „arm" gemacht hat, sondern weil der Kuchen Raumfahrt, von dessen „Krümeln" fast jeder von uns auf irgendeine Weise profitiert, durch den von Musk in visionärer Weise vorangetriebenen technologischen Fortschritt immer größer wird. Anders ausgedrückt: Kapitalismus ist im Weltraum wie auf Erden kein Nullsummenspiel, vielmehr führt er zu Wachstum und Wohlstand für alle durch Innovation und Risikobereitschaft.</p>
<p>Die Wurzeln des Nullsummendenkens liegen nicht allein in der marxistisch-kommunistischen Ideologie, wie schon das Beispiel Trump zeigt. Eine wichtige Rolle spielt auch unterkomplexes Denken: Wem die Phantasie fehlt, wie man den Kuchen für alle vergrößern könnte, der fixiert sich zwanghaft auf die möglichst penible Verteilung des Vorhandenen. Dies kann man auch sonst in der Politik beobachten. Manche Parteien sind ausschließlich darauf bedacht, Gewinne oder Vermögen „abzuschöpfen" und damit die unteren Schichten zu alimentieren, weil ihnen das elementare Verständnis für die Mittel und Wege zu flächendeckendem Wachstum und Wohlstand fehlt. Im Grunde pflegen sie eine vorindustrielle Mentalität, wie sie für traditionell-bäuerliche Gesellschaften typisch ist. Denn Boden gehört tatsächlich zu den Gütern, die sich nicht unbegrenzt vermehren lassen.</p>
<p>Und dann wäre da noch die persönliche Veranlagung zu Neid. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, fehlender emotionaler Stabilität, hoher Anspruchshaltung, starken Kontrollzwängen und Verlustängsten aufgrund eines chronischen Mangelempfindens neigen stärker zu Neid als andere, was wiederum das Nullsummendenken fördert. Die bereits erwähnte Umfrage von Zitelmann hat gezeigt: 84 Prozent der stark zu Neid tendierenden Deutschen antworteten auf die Frage „Je mehr die Reichen haben, desto weniger bleibt für die Armen übrig. Stimmen Sie dem zu?" mit „Ja". Von den deutlich weniger Neidischen fand die Aussage hingegen nicht einmal jeder Dritte richtig. Im Grunde wären die neidgetriebenen Persönlichkeiten wohl zufriedener, wenn alle auf gleich niedrigem Niveau lebten, als dass ein Wachstum einsetzt, welches dann irgendwie zur Ungleichheit führt.</p>
<p><strong>Die Gesellschaft wird in Sieger und Verlierer aufgeteilt</strong></p>
<p>Das Nullsummendenken ist eines der größten Übel unserer Zeit. Es macht den Menschen Angst und führt zu geringerer Lebenszufriedenheit – als Folge der ständigen Wahrnehmung von Ungerechtigkeit, die zu Stress und Frustration führt. Außerdem verstellt es den Blick für positive Perspektiven und fördert dadurch depressive Haltungen. Ebenso scheinen keine Kompromisse möglich, da es ja angeblich nur Sieger und Verlierer geben kann.</p>
<p>Win-Win-Lösungen, die sämtlichen Beteiligten Vorteile bescheren, erfordern also zwingend das Umgehen der Nullsummenfalle. Dies gelingt am besten, wenn Konflikte nicht als Verteilungskonflikte, sondern als Methodenkonflikte betrachtet werden, bei denen im Vordergrund steht, wie man das erstrebenswerte Ziel des allgemeinen Vorteils am besten erreicht. Wichtig ist zudem auch eine Unterscheidung zwischen Interessen und Positionen: Welche Motive stecken hinter dem Ruf nach „sozialer Gerechtigkeit", also dem von oben erzwungenen Ausgleich zwischen den vermeintlichen Verlierern und Gewinnern der kapitalistischen Verhältnisse? Oder noch präziser auch und gerade mit Blick auf die hiesigen Verhältnisse gefragt: Von welchen größeren Problemen soll der ständige Hickhack um die Verteilung des Wohlstandskuchens eigentlich ablenken?</p>]]></content:encoded>
			<category>Gesellschaft</category>
			<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
			<guid isPermaLink="true">https://paz.de/artikel/oekonomische-dummheit-die-wohl-nie-ausstirbt-a18267.html</guid>
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		</item>
		<item>
			<title>Ein aufrüttelndes Buch - Europa schwebt in ernster Gefahr</title>
			<link>https://paz.de/artikel/europa-schwebt-in-ernster-gefahr-a18263.html</link>
			<description>Viel zu lange habe die Politik die Augen vor einer drohenden Kriegsgefahr verschlossen, meint die Expertin für Sicherheitspolitik Jana Puglierin</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist ein aufrüttelndes, ja alarmierendes Buch! Jana Puglierin, vielgefragte Berliner Expertin in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik, sieht Europas Sicherheit extrem bedroht zum einen durch ein militärisch immer aggressiver auftretendes Russland, zum anderen aber auch, weil die USA unter Trump ein unsicherer Partner geworden sind. Europa, so schreibt sie mit erschreckenden Beweisen, ist auf neue Kriegsgefahren nicht vorbereitet, müsste aber ab sofort alles tun, um zumindest konventionell verteidigungsfähig und in seinen inneren Strukturen sicherer zu werden.</p>
<p>Die vielzitierte „Friedensdividende" nach der Wende von 1989/90 ist Vergangenheit. Spätestens seit Russland 2014 die Krim besetzte, hätte Europa, so die Autorin, erkennen müssen, welche revisionistische, die traditionelle Ordnung in Europa infrage stellende Politik Putin verfolgt. Heute offenbare der Ukrainekrieg schonungslos Europas Schwachstellen: Es ist auf einen Krieg nicht vorbereitet, weder in seiner Mentalität und inneren Struktur noch militärisch. Die Streitkräfte wurden überall verringert, die Wehretats gekürzt, die auf dem Papier „starke" NATO hat wegen der unzulänglichen Kompatibilität ihrer Streitkräfte keineswegs die in Zahlen suggerierte Schlagkraft.</p>
<p>Ebenso dramatisch sei die Lage bezüglich Russlands: Nicht ausgeschlossen erscheint jederzeit ein russischer Angriff auf einen osteuropäischen NATO-Staat. In Moskau zirkulieren immer häufiger „Gedankenspiele" bis in höchste Regierungskreise, ein begrenzter Nuklearschlag sei durchaus denkbar. Mit einem ebenfalls rasant aufrüstenden China tut sich das auf Kriegswirtschaft umgestellte Russland immer enger zusammen.</p>
<p>Am schwierigsten sei das Verhältnis zu den USA. In der Trump-Administration wird immer öfter die unbedingte Bündnistreue infrage gestellt. Zumindest wird von den Europäern verlangt, sich konventionell selbst verteidigen zu können. Unabdingbar bleibe der nukleare Schutz Europas durch die Amerikaner; wenigstens daran dürfe sich nichts ändern.</p>
<p>Ganz düster endet die Autorin nicht. Europa habe die Zeichen der Zeit erkannt, aber unsicher bleibe doch, ob es die Wende zu mehr Sicherheit militärisch und in seiner inneren Struktur etwa gegen zerstörerische Cyberangriffe schafft.</p>
<p>Erkennbar soll das Buch, das weder dramatisiert noch übertreibt, möglichst vielen Menschen – und nicht nur in der Politik – die großen Gefahren, in denen wir schweben, bewusst machen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Bücher</category>
			<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Enge Bande über den Atlantik - Wie der Nahe Osten die USA verändert</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wie-der-nahe-osten-die-usa-veraendert-a18261.html</link>
			<description>Zahlreiche Doppelstaatler: Für viele Amerikaner ist der Palästina-Konflikt mehr als nur Außenpolitik</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in Washington über Israel und Palästina gesprochen wird, erscheint der Nahostkonflikt gewöhnlich als ein außenpolitisches Problem der Vereinigten Staaten. Doch diese Perspektive wird der Realität immer weniger gerecht. Der Konflikt im Westjordanland, in Gaza und in Israel ist inzwischen auch ein Konflikt, der mitten durch die amerikanische Gesellschaft verläuft.</p>
<p>Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist die palästinensische Stadt Turmus Ayya im Westjordanland. 80 Prozent ihrer Einwohner besitzen die amerikanische Staatsbürgerschaft. Für viele Familien ist Amerika nicht nur ein ferner politischer Verbündeter oder Gegner, sondern ein zweites Heimatland. Wenn diese Menschen von Gewalt, Angriffen oder politischen Entscheidungen betroffen sind, stellt sich eine besondere Frage: Was bedeutet amerikanischer Bürgerschutz, wenn amerikanische Staatsbürger auf beiden Seiten eines Konflikts stehen? Diese Frage erhielt neue Aktualität, als der amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, Turmus Ayya besuchte.</p>
<p>Der Besuch war symbolisch bedeutsam. Denn der US-Diplomat traf dort nicht einfach „Palästinenser", sondern in erheblichem Umfang auf Menschen, die zugleich amerikanische Staatsbürger sind, auch wenn sie immer noch palästinensische Trachten tragen. Damit wird eine Entwicklung sichtbar, die in der internationalen Berichterstattung oft unterschätzt wird: Das Westjordanland ist nicht nur ein Konfliktraum zwischen Israelis und Palästinensern. Es ist zunehmend auch ein Raum, in dem amerikanische Identitäten, Pässe, Familien und politische Loyalitäten aufeinandertreffen.</p>
<p><strong>Manche leben in beiden Ländern</strong></p>
<p>Auf der einen Seite stehen palästinensisch-amerikanische Gemeinden wie Turmus Ayya. Auf der anderen Seite gibt es israelische Siedlungen und religiöse Gemeinschaften, wie Gush Emunim oder Tekoa, deren Bewohner oder Unterstützer in der Mehrheit ebenfalls enge familiäre und politische Verbindungen in die Vereinigten Staaten unterhalten.</p>
<p>Manche besitzen die amerikanische Staatsbürgerschaft, andere leben sogar zeitweise in beiden Ländern oder gehören zu Familien, deren wirtschaftliches, religiöses und politisches Leben sich zwischen New York, Jerusalem und dem Westjordanland bewegt.</p>
<p>Gleichzeitig zeigt ein Ereignis in Washington, wie komplex das Verhältnis zwischen Amerika, dem Judentum und Israel inzwischen geworden ist. Präsident Donald Trump empfing kürzlich eine Delegation führender chassidischer Rabbiner und Vertreter orthodoxer Gemeinschaften aus New York und New Jersey. Unter ihnen befanden sich auch Vertreter der Satmarer, Vishnitzer sowie anderer großer chassidischer Gruppen.</p>
<p>Das Treffen war historisch, weil eine solche Zusammenkunft im Weißen Haus seit Jahrzehnten nicht mehr stattgefunden hatte. Doch seine politische Bedeutung liegt nicht allein darin, dass ein amerikanischer Präsident orthodoxe jüdische Führer empfängt. Denn die chassidische Welt in den Vereinigten Staaten ist keineswegs politisch oder ideologisch einheitlich. Gerade die Satmarer stehen traditionell für eine religiös begründete Distanz oder sogar Opposition zum politischen Zionismus. Gleichzeitig sind sie eine der größten und sichtbarsten jüdischen Gemeinschaften Amerikas.</p>
<p><strong>Die Chassiden und Israel</strong></p>
<p>Damit entsteht eine bemerkenswerte Konstellation: Ein ausgesprochen pro-israelischer US-amerikanischer Präsident empfängt Vertreter einer Gemeinschaft, deren Verhältnis zum Zionismus traditionell wesentlich komplizierter ist als das vieler anderer jüdischer Organisationen in den USA.</p>
<p>Das Zentrum dieser Geschichte liegt unter anderem in einem kleinen Ort im Bundesstaat New York: Kiryas Joel. Kiryas Joel wurde Ende der 1970er Jahre als Gemeinde der Satmarer gegründet und entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen, chassidischen Stadt. Tausende Familien leben dort in einer Umgebung, in der Jiddisch, eine sonst fast ausgestorbene mittelhochdeutsche Sprache, für 80 Prozent der Menschen die Sprache des täglichen Lebens ist.</p>
<p><strong>Sie bewegen die Politik im Land</strong></p>
<p>Amerika gilt als Land der Integration, der englischen Sprache und der politischen Individualität. Doch nur wenige Kilometer vom Big Apple, von Manhattan entfernt existiert eine hochgradig eigenständige Gemeinschaft, deren religiöses und sprachliches Leben bewusst eine andere kulturelle Welt bewahrt. Dennoch gehören ihre Mitglieder zur amerikanischen politischen Landschaft und können bei Wahlen und politischen Entscheidungen erheblichen Einfluss ausüben.</p>
<p>Immer mehr Menschen tragen mehrere politische und kulturelle Identitäten gleichzeitig. Sie sind amerikanische Staatsbürger und Palästinenser. Amerikaner und israelische Siedler. Amerikaner und chassidische Juden. Sie wählen in den Vereinigten Staaten, leben aber mit den Folgen politischer Entscheidungen im Nahen Osten. Oder sie leben in New York und verfolgen Entwicklungen in Jerusalem und im Westjordanland nicht als Außenpolitik, sondern als Familiengeschichte.</p>
<p>Der Nahostkonflikt ist deshalb für die Vereinigten Staaten längst mehr als eine Frage von Diplomatie, Militärhilfe oder internationalen Verhandlungen. Nicht nur Washington beeinflusst den Nahen Osten. Der Nahe Osten verändert auch Amerika.</p>]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Der Wochenrückblick - Verbrecher bleiben Verbrecher</title>
			<link>https://paz.de/artikel/verbrecher-bleiben-verbrecher-a18259.html</link>
			<description>Wie Gewalt und Extremismus eingesickert sind, und was wir jetzt viel klarer sehen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Panorama</category>
			<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Landwirtschaft in schwierigen Zeiten - Erntedank im Wandel</title>
			<link>https://paz.de/artikel/erntedank-im-wandel-a18257.html</link>
			<description>Pommerscher Weizen für norwegische Lachse – Viele Erzeugnisse bleiben im eigenen Land</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mangelte in den letzten Wochen nicht an Erntedankfesten, sowohl auf den Inseln als auch auf dem pommerschen Festland, dies- und jenseits der Oder. Aber Erntedank? Vielleicht ist der Bezug zu Gott dabei schon länger verloren gegangen. Früher hieß es einmal: „Hat Gott mit der Ernte Dir die Hände gefüllt, so danke nicht nur Gott, sondern gib denen, die Not leiden. Denn der Dankbare wird reich und fröhlich, der Undankbare verarmt innerlich."</p>
<p>Erntedankfest! Der Landwirt weiß wohl noch, was das bedeutet. Es ist ein weiter Weg von den rauen Märztagen, wenn der Pflug seine Furchen durch und der Grubber über das Erdreich zieht, die Saat in die Erde fällt – bis hin zum Herbst, wenn die letzte Ernte eingefahren wird. Viel Arbeit und Mühe, Bangen und Sorgen liegen dazwischen! Besonders an glühend heißen Tagen, wenn er Ausschau nach Regenwolken hielt, die nach Pommern ziehen mögen.</p>
<p>In diesem Jahr war die Ernte durchwachsen. Beim Weizen entsprachen 80 Dezitonnen pro Hektar dem Durchschnitt der letzten Jahre. Mit 230 Euro pro Tonne können die pommerschen Landwirte rechnen – denn die Qualität ist gut. Das ist gut für den Export. Dann wird der Weizen im Hafen Vierow auf Schiffe verladen – norwegische Lachszüchter haben ihn bestellt. Wintergerste, Roggen und Mais bleiben aber im Land – Mais unter anderem als Tierfutter.</p>
<p>Auch Raps, der in diesem Jahr von April bis in den Mai hinein blühte, wird hier schon lange verarbeitet – vor allem zu Ölen und Schmiermitteln. War er einst von wechselnder Bedeutung für die Herstellung von Margarine, so ist er heute unerlässlich bei der Erzeugung von Biokraftstoffen. Immer beliebter wird das kalt gepresste Rapsöl für Salate, Dressings und Marinaden. Auch für Lippenpflegestifte findet es Verwendung.</p>
<p>Blieben noch ein paar Worte zu den Hackfrüchten Kartoffeln und Rüben: Bei den „Tüften" ist der Ernteertrag durch die trockenen Tage weitaus geringer ausgefallen als zunächst erhofft. Und die Rüben? Die Ernte ist nun angelaufen. Trotz einer reduzierten Anbaufläche hofft man auf eine gute Ausbeute. Täglich kommen etwa 600 Lastkraftwagen zur Zuckerfabrik Anklam, um hier ihre Fruchtlieferung verarbeiten zu lassen.</p>
<p>Doch die pommersche Landwirtschaft ist unter wachsendem Druck: Die Erzeugerpreise sind wie überall zu niedrig, die Kosten für Diesel, Stickstoff, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Personal zu hoch. Dadurch ist die Kostendeckung oftmals nicht gegeben. Und die europäische Landwirtschaftspolitik? Die finanziellen Zuwendungen gehen weiter zurück. Kein Wunder, dass das den Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn treibt.</p>
<p><strong>Landwirtschaft bedeutet Risiko</strong></p>
<p>Und dann der Erntedank! Er hat sich in Bezug auf das damit verbundene Fest gegenüber den letzten einhundert Jahren stark gewandelt. War einst der Dankgottesdienst mit seinem feierlichen Ernteopfergang, mit guten Gaben am Altar, von zentraler Bedeutung, um mit Glockengeläut das „Großer Gott, wir Dich loben dich" anzustimmen. Heute dagegen wird vielfach der Umzug zum Erntedank durch den Ort bevorzugt, dazu Märkte, auf denen wenigstens auch landwirtschaftliche Erzeugnisse angeboten werden.</p>
<p>Vorbei sind darüber hinaus auch die Tage, als aus den letzten Garben eine Strohpuppe – genannt der „Alte" (platt: „de Olle") – gebunden wurde, um die später ausgelassen getanzt wurde. Wer heute das Erntedankfest verfolgt, erkennt eine zunehmende Entkopplung von den Ursprüngen des Dankes an Gott – mit dem sich eben jene Tradition einst fest verband. Allein die Freude über die Einbringung der Ernte und den Abschluss der Saison ist geblieben.</p>
<p>Zudem lässt sich beobachten, dass der Erntedank und das damit verbundene Erntedankfest sich immer weiter zeitlich verschieben: Wurde früher in Pommern der Höhepunkt des landwirtschaftlichen Jahreslaufes noch Ende September / Anfang Oktober begangen, so finden heutzutage, dies- und jenseits der Oder, die ersten Erntedankfeiern bereits Anfang September statt.</p>
<p>Auch hat sich der Charakter der Feste gewandelt. War es früher so, dass weite Teile der Landbevölkerung in Pommern einen direkten Bezug zu Ackerbau und Viehzucht hatten, so ist dieser mit einsetzender Industrialisierung weitgehend verloren gegangen. Ersetzt wird er heute teilweise durch die Erinnerungskultur in Bezug auf den Erntedank. Aber hauptsächlich ist der Erntedank heute eher ein Volksfest.</p>
<p>Vergessen wir nicht, die christlichen Traditionen zum Erntedank zu pflegen und danken wir auch den Landwirten, denn sie sichern mit ihrer Arbeit unsere tägliche Ernährung. Außerdem geht nichts über Erzeugnisse aus heimatlicher Region. Doch für die Erzeuger muss sich die Arbeit auch lohnen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Pommern</category>
			<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Die dunklen Jahre meiner Kindheit</title>
			<link>https://paz.de/artikel/die-dunklen-jahre-meiner-kindheit-a18252.html</link>
			<description>Hunger und Erniedrigung prägten die Nachkriegszeit im heimatlichen Ostpreußen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Endlich unter Denkmalschutz gestellt - Insterburger Bismarckturm wird wiederhergestellt</title>
			<link>https://paz.de/artikel/insterburger-bismarckturm-wird-wiederhergestellt-a18240.html</link>
			<description>Appelle von Experten der Region wurden erhört – Behörde stellte den Turm sowie Teile davon unter Schutz</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Frühjahr dieses Jahres regten Experten des Königsberger Gebiets an, die Ruine des Bismarckturms in Insterburg in das staatliche Register der Kulturerbestätten aufzunehmen (siehe PAZ vom 4. Februar). Ihr Appell fand offenbar Gehör, denn seit Kurzem ist der Bismarckturm offiziell als Denkmal anerkannt. Die staatliche Denkmalschutzbehörde der Region hat einen entsprechenden Erlass veröffentlicht. Das Objekt erhielt den Status eines Kulturerbes von lokaler Bedeutung.</p>
<p>Das Gebäude, das sich am nordwestlichen Stadtrand auf einer Anhöhe bei Georgenhöfen im Tal der Flüsse Pregel und Inster befindet, stammt aus dem Jahr 1913. Der Turm wurde nach Plänen des Architekten August Theodor Schlichting in nur drei Monaten errichtet. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bau von Gedenktürmen zu Ehren des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reichs, Otto von Bismarck, sehr beliebt. Ursprünglich war der 15 Meter hohe Turm mit einer Aussichtsplattform versehen, die eine Feuerschale auf Stelzen krönte. Innen maß der Turm sechs mal sechs Meter.Die Wandstärke beträgt etwa einen Meter.</p>
<p><strong>Auch die Inschrift „Bismarck" gilt als erhaltenswert</strong></p>
<p>Zu Bismarcks Ehren wurden in verschiedenen Städten Denkmäler und Gedenkstätten errichtet – darunter auch die sogenannten Bismarcktürme. Den Bau eines solchen Gedenkturms bei Insterburg regte der Rittergutsbesitzer Richard Wagner aus Neu-Lappönen an, der bei einer Bismarck-Feier im Jahr 1908 die Initiative ergriff. Nach der Gründung eines speziellen Komitees und der Sammlung von Spenden wurde ein Standort auf einer Anhöhe über dem Tal der Inster ausgewählt.</p>
<p>War der Bismarckturm von Insterburg im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt, und hätte mit wenig Aufwand repariert werden können, überließen die Sowjets ihn in der Nachkriegszeit jedoch dem Verfall. Heute ist das Gebäude eine stark beschädigte Ruine. Der obere Teil fehlt und galt bislang als nicht mehr restaurierbar. Laut der Denkmalschutzbehörde soll er nun aber wiederhergestellt werden.</p>
<p>Im Jahr 2018 stürzte der obere Teil des Turms ein. Die Aussichtsplattform und die Feuerschale gingen damals verloren. Auch die Steinverkleidung der Außenwände begann zu bröckeln. Da der Insterburger Bismarckturm neben dem in Ragnit das einzige Bauwerk dieser Art im nördlichen Ostpreußen ist, schlugen Historiker Alarm für den Erhalt des Denkmals. Der Turm befindet sich auf einem gut 14.000 Quadratmeter großen Areal, das laut den Denkmalschutz-Experten nach der Instandhaltung des Turms erhalten bleiben sollte. Frühere Pläne der Stadtverwaltung hatten ein wesentlich kleineres Gelände um den Turm vorgesehen.</p>
<p>Jetzt steht nicht nur das Gebäude unter Schutz, sondern auch einzelne Elemente davon, wie der Stein über der Türöffnung an der Südfassade. Auf dem rechteckigen Naturstein ist die Inschrift „Bismarck" eingemeißelt. Ebenfalls wurden die Grenzen und die Nutzungsbedingungen des Denkmalgeländes festgelegt.</p>
<p>Im Jahr 2011 startete eine vielversprechende Initiative zum Erhalt des Kulturerbes. Der in Berlin lebende deutsch-russische Architekt Dmitri Suchin hatte im Rahmen des von ihm ins Leben gerufenen Projekts „InsterJAHR" Studenten verschiedener Hochschulen zu Sommerpraktika eingeladen. Besonderes Interesse zeigten dabei Schüler der Kasaner Bauhochschule, die während ihres Aufenthalts in Insterburg den Bismarckturm vermaßen. Am Ende scheiterte die Umsetzung von Erhaltungsmaßnahmen jedoch an der fehlenden Finanzierung, dem Mangel an Handwerkern und dem Desinteresse der verantwortlichen Behörden. Wenn dem Denkmal nun ein zweites Leben geschenkt werden soll, hängt das sicherlich mit der Beliebtheit der Region bei russischen Touristen zusammen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Ostpreußen</category>
			<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Historische Entscheidung in Berlin - SPD in der Zwickmühle</title>
			<link>https://paz.de/artikel/spd-in-der-zwickmuehle-a18244.html</link>
			<description>Bei einem Ja zur Koalition mit der Linkspartei dürfte die „Brandmauer“ zur AfD noch stärker wackeln</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michael Müller brachte das Dilemma der Berliner Sozialdemokraten auf den Punkt: Im Interview warnte SPD-Mann Müller, der von 2014 bis 2021 als Regierender Bürgermeister an der Spitze der Hauptstadt stand, vor einer „Koalition der Verlierer", falls seine Genossen ein Bündnis mit Grünen und CDU eingingen. Andererseits fand er sich danach mit mehreren prominenten SPD-Veteranen zusammen, darunter Walter Momper, Regierender Bürgermeister in der Zeit des Mauerfalls, um eindringlich vor einer Koalition mit der Linkspartei zu warnen.</p>
<p>Tatsächlich hatten CDU, Grüne und SPD bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus allesamt kräftige Einbußen hinnehmen müssen, wobei die Sozialdemokraten nur noch zwölf Prozent erreichten, weniger als Linkspartei, CDU, AfD und Grüne. Nach einem solchen Resultat dennoch eine Regierung anzustreben gegen den eindeutigen Wahlgewinner Linkspartei, könnte wie eine Verspottung des Wählerwillens aufgefasst werden.</p>
<p>Andererseits haben die Dunkelroten an der Spree mit dem Image der „gemäßigten Sozialisten", mit dem es die Generation von Gregor Gysi schon einmal in eine rot-rote Berliner Rathauskoalition geschafft hatte, gründlich gebrochen. Die Partei von heute trägt ihren Radikalismus geradezu aufreizend offen vor sich her. Dazu kommen die aufsehenerregenden Verbindungen zu israelfeindlichen Islamisten und ins Milieu der organisierten Kriminalität.</p>
<p>Zumindest die Verwicklungen in antisemitische, israelfeindliche Kreise sind jedoch keineswegs erst jüngst bekannt geworden. Den Berlinern, die zu mehr als einem Viertel ihr Kreuz bei den SED-Fortsetzern gemacht haben, können diese dunklen Beziehungen kaum verborgen geblieben sein. Sie haben sich trotzdem oder sogar gerade deswegen für die Partei entschieden. Nicht nur beim Zentralrat der Juden ist das Wahlergebnis wie ein Schock eingeschlagen. Die Strategie des linken Lagers lief darauf hinaus, per Turbo-Einbürgerung möglichst viele Migranten in Deutschland wahlberechtigt zu machen. Darunter zahllose Menschen, in deren Herkunftskulturen Antisemitismus zur geistigen Grundausstattung gehört. Für den Rest Deutschlands, in dem die Entwicklung ähnlich verläuft wie in Berlin, lässt das nichts Gutes ahnen.</p>
<p>Indes empfehlen auch Stimmen, die aus ihrer kompletten Ablehnung der Linkspartei keinen Hehl machen, dennoch, die „Islamolinke" in Berlin ruhig einmal an die Macht zu lassen. Es wäre einerseits ein Spiel mit dem Feuer. Andererseits aber spricht das Wahlergebnis eine klare Sprache, die demokratisch zu respektieren ist.</p>
<p>Zudem sendet das Wahlverhalten in der Hauptstadt noch eine weitere Botschaft: Die Deutschen scheinen die Lehren aus dem Untergang sämtlicher sozialistischer Regime in Europa verdrängt zu haben. So konnten Elif Eralp und ihre Genossen mit Konzepten durchdringen, Stichwort Enteignung, die in der Vergangenheit schon ganze Volkswirtschaften in die Armut gezwungen hatten. Daher stellen kritische Beobachter die Frage, ob es nicht Zeit sei, dass die Deutschen das Verhängnisvolle solcher Programme wieder in der Praxis und am eigenen Leibe erfahren. Zumal das Experiment auf ein Bundesland beschränkt bliebe, auch wenn es sich dabei ausgerechnet um die deutsche Hauptstadt handelt.</p>
<p><strong>Eine erstaunliche Pointe</strong></p>
<p>Ein Bündnis von Grünen und SPD mit der Linkspartei würde überdies im Lager rechts der Mitte neue Perspektiven eröffnen. Denn während insbesondere SPD und Grüne die Unionsparteien geradezu ultimativ an der „Brandmauer" gegen die AfD festzunageln versuchen, wäre als dunkelrot-grün-rotes Bündnis auf der Linken offenbar alles möglich. Wenn selbst antisemitische Abgründe und haarsträubende Verwicklungen ins Clan-Milieu keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, ist die komplette Ausgrenzung einer Partei wie der AfD erst recht nicht mehr zu begründen.</p>
<p>Mehr noch: Die „Brandmauer" entlarvt sich im Fall eines Paktes mit dem linken Rand noch stärker als das, was sie in Wahrheit ohnehin darstellt: Ein Instrument, das zu allererst gar nicht gegen die Blauen gerichtet ist, sondern gegen die Union und die schon fast verschwundene FDP. Die Frage ist dann allerdings, ob sich CDU und Liberale bereit und mutig genug zeigen, diese neuen Möglichkeiten auch zu nutzen. Hier müsste noch einige Überwindungskraft aufzubringen sein.</p>
<p>So könnte die ideologische Geisterfahrt in der deutschen Hauptstadt auf eine erstaunliche Pointe hinauslaufen. Die völlige Entgrenzung der Koalitionsmöglichkeiten auf der Linken würde die Erstarrung im Lager rechts der Mitte lösen. Denn Michael Müllers Warnung vor einer „Koalition der Verlierer" ließe sich ohne Weiteres auf andere Bundesländer übertragen. Etwa auf Thüringen, wo eine solche Koalition nur zum Zweck der Ausgrenzung der AfD gezimmert worden ist.</p>
<p>Auf diese Weise könnte sich ein verheerendes Wahlergebnis sogar als Gewinn für die Demokratie entpuppen. Berlin indes müsste einen hohen Preis für diesen Fortschritt zahlen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Berlin-Brandenburg</category>
			<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Der Triumph der AfD in den östlichen Bundesländern spiegelt die mitteldeutsche Identität wider, die den Niedergang eines Staatssystems erlebt hat und die politischen Kontinuitäten des Westens infrage stellt - Der Osten hat den Untergang schon einmal erlebt</title>
			<link>https://paz.de/artikel/der-osten-hat-den-untergang-schon-einmal-erlebt-a18242.html</link>
			<description>Warum die DDR-Erfahrung auch 36 Jahre nach der Einheit politisch wirksam ist – und weshalb Mitteldeutschland weniger die verspätete Provinz der Bundesrepublik als ein Frühwarnsystem für ihre Veränderungen darstellt</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>282. Geburtstag von Johann Gottfried Herder - Kleine Kostbarkeiten, die begeistern</title>
			<link>https://paz.de/artikel/kleine-kostbarkeiten-die-begeistern-a18237.html</link>
			<description>Traditionelles Gedenken in Mohrungen – Der große ostpreußische Aufklärer in der Kunst</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 25. August ist ein fester Termin im kulturellen Kalender der Stadt Mohrungen. An diesem Datum wird seit vielen Jahren der bekannteste Sohn der Stadt, der Philosoph und Theologe Johann Gottfried Herder, zu seinem Geburtstag geehrt. Diese Initiative der Gesellschaft der deutschen Bevölkerung „Herder" in Mohrungen und des Oberlandmuseums, das bis vor Kurzem nach Herder benannt war, wurde auch in diesem Jahr zum 282. Geburtstag fortgesetzt.</p>
<p>Tradition an diesem Tag ist das Niederlegen von Blumen vor dem Herder-Denkmal gegenüber der Stelle, an der einst das Elternhaus des Philosophen stand. Dort erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Sohn der Stadt, die demnächst auf Initiative von Waldemar Mańka, dem Vizevorsitzenden der Gesellschaft „Herder", durch eine zweisprachige Version ersetzt werden soll. Als zweiter Programmpunkt wartet stets ein Vortrag zu einem mit Johann Gottfried Herder verbundenen Thema in den Räumlichkeiten des Museums im Stadtschloss der Familie Dohna.</p>
<p><strong>Neue Räume und ein hoher Gast</strong></p>
<p>In diesem Jahr hatte sich die Leiterin des Oberlandmuseums, Angelika Rejs, „Das Bildnis von Herder auf Medaillen, in Malerei und Skulptur" vorgenommen. Doch vor dem Vortrag gab es Neuigkeiten zum Museum selbst. Nach der langjährigen Renovierung des Gebäudes und seiner Wiedereröffnung 2025 ist die Ausstellung in Mohrungen neu arrangiert. Die Innenräume beeindrucken die Besucher, lediglich der Außenputz bedarf noch der Erneuerung. Der Anteil der Exponate zu Johann Gottfried Herder ist derzeit jedoch relativ gering und das wird sich erst einmal nicht ändern. Denn wie der Direktor des Museums von Ermland und Masuren in Allenstein, Piotr Żuchowski, betonte, der als besonderer Gast zu Herders Geburtstag erschienen war, stehen dort in der Burg umfangreiche Renovierungen an. Das Oberlandmuseum in Mohrungen als Filiale der Allensteiner Zentrale wird dann einige Ausstellungsstücke aus den dortigen Sammlungen übernehmen müssen.</p>
<p><strong>Museumsstandorte auf Medaillen</strong></p>
<p>Exponate mit dem Konterfei Herders aus den museumseigenen Sammlungen standen dann aber im Zentrum des Vortrags von Rejs. Angesichts der immensen Menge an Herder-Darstellungen weltweit konzentrierte sie sich auf die regionalen Schätze, die teilweise überraschende Details enthüllen. Eine wichtige Medaille zum 220. Geburtstag des Philosophen entstand 1964 aus Anlass der Enthüllung von Denkmal und Tafel beim Herderhaus und der Eröffnung des Museums. Es war das erste Museum überhaupt in Mohrungen und hatte seinen Sitz im historischen Rathaus der Stadt.</p>
<p>„Das Schloss der Familie Dohna war damals noch eine Ruine, es wurde erst in den 70er Jahren renoviert. Danach wurde es Teil des Museums von Ermland und Masuren und ist auf der Gedenkmedaille von 1994, zum 250. Geburtstag Herders, zu sehen", erklärte Rejs. Dazwischen wurde noch eine Medaille mit dem Bildnis Herders geprägt, das war 1977 zum 650-jährigen Jubiläum der Stadt. Es gab auch einen bundesrepublikanischen Beitrag zu Herder in den Sammlungen des Museums zu präsentieren: eine 80-Pfennig-Briefmarke und eine silberne 10-Mark-Gedenkmünze aus dem Jahr 1994.</p>
<p>Prunkstück und von Rejs im Vortrag voller Stolz gezeigt, sind die Preziosen zur Verleihung des Johann-Gottfried-Herder-Preises an den Kunsthistoriker und Ethnologen Professor Ksawery Piwocki im Jahr 1969. Der Preis wurde von der Herder-Gesellschaft Basel und der Alfred-Toepfer-Stiftung in Hamburg geschaffen und damals von der Universität Wien verliehen. Das Museum besitzt sowohl die Medaille und die Urkunde als auch das Anschreiben an Professor Piwocki, jeweils mit dem Konterfei Herders. Es sind häufig die kleinen Kostbarkeiten, die am meisten zu erzählen haben.</p>]]></content:encoded>
			<category>Ostpreußen</category>
			<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Umsatz- und Gewinneinbrüche bei VW, BMW und Mercedes im ersten Halbjahr - Die Demontage des deutschen Auto-Imperiums</title>
			<link>https://paz.de/artikel/die-demontage-des-deutschen-auto-imperiums-a18235.html</link>
			<description>Chinas Aufstieg, Fehlinvestitionen in die E-Mobilität und erdrückende Standortkosten stürzen die Kernbranche in die Krise</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zahlen sind eindeutig. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben im der ersten Hälfte dieses Jahres zusammen rund 284 Milliarden Euro umgesetzt. Nach Berechnungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) waren das 2,9 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für Deutschlands wichtigste Industriebranche ist das mehr als eine vorübergehende Schwächephase – es ist Symptom einer tiefgreifenden Strukturkrise.</p>
<p>Doch noch immer gehört Volkswagen zu den größten Autokonzernen der Welt. Im ersten Halbjahr setzte der Wolfsburger Konzern rund 158 Milliarden Euro um. Gegenüber dem Vorjahr war das nur ein leichtes Minus. Deutlich schlechter sieht es hingegen beim Gewinn aus. Das operative Ergebnis sank auf 5,9 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite lag bei lediglich 3,8 Prozent.</p>
<p>Das ist für einen Konzern dieser Größe noch nicht unbedingt dramatisch. Vor allem nicht in einer Phase, in der gleichzeitig Milliardenbeträge in Elektromobilität, Batterietechnik und Software fließen. VW-Chef Oliver Blume verwies auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Handelskonflikte, eine erlahmende Nachfrage und die wachsende Konkurrenz aus China drücken auf das Ergebnis.</p>
<p>Bei Mercedes-Benz sieht es kaum besser aus. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf rund 63,7 Milliarden Euro. Auch die Stuttgarter verdienen rapide weniger. BMW kämpft mit denselben Problemen. Vor allem das Geschäft in China, jahrelang eine verlässliche Geldquelle für die deutschen Hersteller, entwickelt sich zum Sorgenkind. Dort hat sich der Markt grundlegend verändert.</p>
<p><strong>Der Verlust des Reichs der Mitte</strong></p>
<p>Deutsche Premiumautos galten lange als Statussymbol einer wachsenden Mittelschicht. Doch inzwischen bauen chinesische Unternehmen selbst Fahrzeuge, die technologisch mithalten können. BYD, Geely und andere Hersteller sind längst keine Billiganbieter mehr, und sie produzieren E-Autos auch noch deutlich günstiger.</p>
<p>Für Volkswagen, Mercedes und BMW wird China damit gleich in zweifacher Hinsicht zum Problem. Auf dem chinesischen Markt verlieren sie sukzessive Marktanteile. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller nach Europa. Ihre Fahrzeuge sind häufig preiswerter als vergleichbare Modelle aus deutscher Produktion.</p>
<p>Energie, überhöhte Löhne, Steuern, Abgaben und immer neue bürokratische Vorschriften verteuern die Produktion in Deutschland. Dazu kommt der politisch erzwungene Umbau hin zum Elektroauto. Die Konzerne müssen alte und neue Antriebstechnologien gleichzeitig finanzieren. Verbrennermodelle werden weiterhin gebraucht und verkauft, gleichzeitig fließen Milliarden in neue Elektroplattformen.</p>
<p>Das funktioniert nur, solange die Gewinne stimmen. Doch gerade daran hapert es. Die Elektrostrategie gerät zusätzlich unter Druck, weil viele Kunden ideologiefreier und zurückhaltender reagieren als von Politik und Herstellern erwartet.</p>
<p>Besonders heikel ist die Lage für die Zulieferindustrie. Denn an einem Arbeitsplatz bei Volkswagen, Mercedes oder BMW hängen weitere Arbeitsplätze bei mittelständischen Unternehmen, Maschinenbauern und Dienstleistern. Gerät die Produktion der großen Hersteller unter Druck, spüren dies meist zuerst die kleineren Betriebe. Deshalb werden auch die Landesregierungen nervös.</p>
<p>Niedersachsen ist Großaktionär bei Volkswagen. Baden-Württemberg hängt wirtschaftlich stark von Mercedes und Porsche ab, Bayern von BMW und Audi. Was derzeit in den Vorstandsetagen entschieden wird, betrifft ganze Regionen. Dabei geht es nicht allein um die Konjunktur.</p>
<p><strong>Erstarrung statt Wettbewerbsfähigkeit</strong></p>
<p>Auch Arbeitskämpfe spielen eine Rolle. Gewerkschaften machen gegen Stellenabbau und Strukturveränderungen mobil. Das lähmt den Fortschritt. „Leute rausschmeißen wird die Wirtschaft nicht retten", konterte die IG-Metall-Chefin Christiane Benner.</p>
<p>Die Versuche der EU-Kommission, die deutsche und damit auch europäische Autoindustrie zu stützen, wirken indessen hilflos. Auf chinesische Elektroautos wurden zusätzliche Zölle verhängt. Für die deutschen Hersteller ist das allerdings kein einfacher Ausweg. Sie produzieren selbst in China und verkaufen dort Millionen Fahrzeuge. Es wirkt wie ein Teufelskreis.</p>
<p>„Die Kostenstruktur in Deutschland ist im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig", bilanziert EY-Autor Constantin Gall: „Die Autoindustrie steckt in einer Profitabilitätskrise." Und so werden Kostenprogramme verschärft, Investitionen überprüft und Produktionskapazitäten zur Diskussion gestellt. Dass selbst Volkswagen offen über die Zukunft einzelner deutscher Standorte spricht, hätte vor wenigen Jahren noch als kaum vorstellbar gegolten.</p>]]></content:encoded>
			<category>Wirtschaft</category>
			<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Eine christliche Bankrotterklärung - Wenn die Kirchen auf dem linken Auge erblinden</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wenn-die-kirchen-auf-dem-linken-auge-erblinden-a18233.html</link>
			<description>Sie wettern, warnen und wüten gegen Rechtsaußen, aber huldigen einer judenfeindlichen, kommunistischen Partei, die mit Terror und Verbrechern sympathisiert</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Ein Bekenntnis zur deutschen Abstammung - Kämpferin für den Erhalt der deutschen Sprache</title>
			<link>https://paz.de/artikel/kaempferin-fuer-den-erhalt-der-deutschen-sprache-a18249.html</link>
			<description>Besonders viel Mut zur eigenen Identität – Die Schlesierin Natalia Klimaschka ist Sprachwahrerin des Jahres</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bewahrung der eigenen Muttersprache ist weit mehr als reine Philologie; sie ist ein Akt des kulturellen Widerstands und der persönlichen Aufrechterhaltung historischer Identität.</p>
<p>Wie vital und zugleich konfliktträchtig dieses Engagement im heutigen Europa sein kann, zeigt das aktuelle Beispiel von Natalia Klimaschka. Die engagierte Wissenschaftlerin und Publizistin aus dem oberschlesischen Ratibor wurde von den Lesern der „Deutschen Sprachwelt" zur „Sprachwahrerin des Jahres" gewählt. Mit beachtlichen 26,2 Prozent der abgegebenen Stimmen setzte sie sich in der bundesweit renommierten Abstimmung gegen prominente Konkurrenz durch: Auf dem zweiten Platz folgte der bekannte „Bild"-Kolumnist Harald Martenstein mit 21,4 Prozent, während das österreichische Bundesland Steiermark mit 15,1 Prozent den dritten Rang belegte.</p>
<p>Größere überregionale Bekanntheit erlangte Klimaschka bereits im Vorjahr als schlesische Finalistin beim Wettbewerb „Auslandsdeutsche des Jahres". Ihre Nominierung rief jedoch nicht nur wohlverdiente Anerkennung, sondern auch tief sitzende Ressentiments hervor. Von nationalistischen Kreisen in Polen wurde sie als vermeintliche „Verräterin", „deutscher Abschaum" und feindliche Agentin diffamiert; sogar Gewaltandrohungen blieben nicht aus.</p>
<p>Doch die promovierte Historikerin, Juristin und Journalistin, deren Familie nachweislich seit dem 17. Jahrhundert tief in Schlesien verwurzelt ist, ließ sich von diesen Anfeindungen nicht beirren. Ihre eigene Familiengeschichte spiegelt das kollektive Trauma der Region wider: Nach 1945 mussten ihre Eltern unter dem polnischen kommunistischen Regime ihre Namen zwangsweise polonisieren und die deutsche Sprache komplett ablegen. Nach der politischen Wende erwuchs daraus das dringende Bedürfnis, die jahrzehntelang systematisch unterdrückte deutsche Kultur neu zu erforschen.</p>
<p>Heute vertritt Klimaschka eine der rund 300.000 Personen starken deutschen Minderheiten in der Republik Polen, die vor allem in Oberschlesien sowie in Ermland-Masuren beheimatet sind. In vielen Gemeinden nahe Ratibor ist Deutsch mittlerweile als zweite Amtssprache gesetzlich anerkannt, sichtbar untermauert durch zweisprachige Ortsschilder. Ihre fundierte akademische Expertise – sie promovierte an der Universität Kattowitz über das Deutschlandbild in der polnischen Nachkriegspresse – nutzt Klimaschka für ein professionelles, zweisprachiges Internetportal. Mit historischen Artikeln und aufwendigen Dokumentarfilmen, etwa über den Dichter Joseph von Eichendorff oder das Fürstenhaus Lichnowsky, wirbt sie unermüdlich für die nachhaltige deutsch-polnische Verständigung.</p>
<p>Ihr Einsatz zeigt sich auch im Kleinen: Nach langem Ringen erreichte sie, dass ihr Familienname im Ausweis wieder in der ursprünglichen deutschen Schreibweise geführt wird. Die Auszeichnung als „Sprachwahrerin" würdigt somit eine mutige Frau, die in der vordersten Reihe für die Restitution verdrängter Kulturgeschichte kämpft.</p>]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Die Streitkräfte der beiden deutschen Demokratien - Ein schwieriger Grat: Tradition oder Abgrenzung?</title>
			<link>https://paz.de/artikel/ein-schwieriger-grat-tradition-oder-abgrenzung-a18205.html</link>
			<description>Reichswehr wie Bundeswehr: Beide Armeen zeigten sich tief zerrissen im Umgang mit ihrem militärischen Erbe</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>DIREKT bestellen – solange der Vorrat noch reicht - PREUSSEN – DAS MAGAZIN: So heiß begehrt war Friedrich der Große wohl noch nie. Deshalb: Jetzt müssen Sie schnell sein</title>
			<link>https://paz.de/artikel/preussen-das-magazin-so-heisz-begehrt-war-friedrich-der-grosze-wohl-noch-nie-deshalb-jetzt-muessen-sie-schnell-sein-a17806.html</link>
			<description>Wir freuen uns riesig! Die Erstauflage von PREUSSEN – DAS MAGAZIN ist ein echter Knüller.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Kioske bestellen nach. Es scheint, als ob <strong>Friedrich der Große</strong> heute immer noch das ist, was er damals schon war: <strong>ein Großer!</strong></p>
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			<category>Preußen</category>
			<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Östlich von Oder und Neiße - Ein Mann für Balltafel und Schneekoppentörtchen</title>
			<link>https://paz.de/artikel/ein-mann-fuer-balltafel-und-schneekoppentoertchen-a18223.html</link>
			<description>Hinter deutschem Putz verstecken sich noch tiefere historische Überraschungen</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die schlesische Metropole Breslau birgt viele Zeugnisse der jahrhundertelangen deutschen Vergangenheit. Spuren im Stadtbild erzählen davon, doch längst nicht jeder kennt ihre Geschichte. Maciej Wlazło aber schon. Der gelernte Jurist und Bankangestellte spürt dem deutschen Breslau nach und zeigt, wie die Stadt heute mit diesem Erbe umgeht. „Warum zeigen Sie uns diese deutschen Inschriften? Warum sind diese überhaupt hier?", mit solchen Fragen wird Wlazło oft konfrontiert, wenn er in seiner Freizeit Führungen durch Breslau macht. Wenn solche Fragen kommen, weiß er: Diese Besucher kommen aus Ost- oder Zentralpolen. Breslau-Besucher aus dem Westen Polens seien an deutsche Überbleibsel gewöhnt und man müsse ihnen nicht erklären, dass die Geschichte Breslaus nicht 80, sondern 1.000 Jahre alt ist, so Wlazło. „Deutsche Inschriften und andere Artefakte erzählen, wie sich die Stadt veränderte, wie sich Breslaus Identität wandelte", sagt er.</p>
<p>Wlazło gehört zur zweiten Generation der in Breslau Geborenen. Der 41-Jährige wuchs in einem deutschen Haus auf, zu dessen einstigen Eigentümern er Kontakte pflegt. „Ich betrachte die Geschichte der Stadt als etwas Gemeinsames. Für mich gibt es keine weißen Flecke, die es noch für meine Großeltern gab. Sie kamen nach Kriegsende aus der heutigen Westukraine nach Breslau und mussten ihre Zukunft neu gestalten."</p>
<p>2020 rief er das Projekt „Unter dem Putz schaut Breslau hervor" ins Leben. Er dokumentierte mehr als 200 deutsche Inschriften in Form eines Stadtplans. Die Papierfassung dieses Stadtplans ist längst vergriffen, aber im Internet findet man die elektronische Variante. Wlazło kommuniziert seine Entdeckungen in sozialen Medien, denn er glaubt fest daran, dass „soziale Medien auch einen Bildungswert haben können". Im Netz bekannt als „Beard of Breslau" berichtet er über den Zustand des deutschen Kulturerbes in Niederschlesien, hält Vorträge und Lesungen und führt Besucher an Orte, die von alten Zeiten zeugen.</p>
<p>Dabei zeigt er gerne die Überbleibsel eines bestimmten Schriftzugs an einer einstigen Gaststätte in der einstigen Belltafelstraße [ul. Biskupa Tomasza Pierwszego]. Die Inschrift heißt: „Balltafel Gastwirtschaft" und wurde dank seiner Intervention während der Renovierung des Gebäudes nicht übertüncht. Balltafel, oder auch Belltafel, war ein in Schlesien beliebtes Mannschaftsspiel. „Das Gesellschaftsspiel soll in Schweidnitz [Świdnica] entstanden sein", berichtet Wlazło. In Breslau soll es bereits 1565 eine Belltafel-Gesellschaft gegeben haben. 1865 feierte sie deshalb ihr 300-jähriges Jubiläum. „Es war eine elitäre Gemeinschaft, die 300 Mitglieder zählte, und man wurde erst dann neu aufgenommen, wenn eines der Mitglieder verstorben war." Wlazło fand auch heraus, dass es in der Breslauer Balltafelgastwirtschaft einen 17 Meter langen und 70 cm breiten Tisch gab, der mit Graphit und Wachs beschichtet war und an einem Ende eine Schublade hatte.</p>
<p>Gespielt wurde mit runden, schweren Eisenscheiben, die auf beiden Seiten glatt und gehärtet waren. Diese trugen Namen und Symbole. Überliefert sind etwa Rose, König Salomo, Adler, Napoleon, Herz, Fortuna, Schlüssel, Elefant, Schwan, Venus und Victoria. Der Spieler wurde während der Partie nach dem Namen seiner Scheibe gerufen. Es traten zwei Mannschaften gegeneinander an. Die Spieler schoben die mehrere Kilogramm schweren Metallscheiben möglichst weit über die Bahn, ohne dass sie am Ende in die Schublade gerieten. Gleichzeitig versuchte man, gegnerische Scheiben wegzuschlagen oder die eigenen näher an das gegenüberliegende Ende zu bringen.</p>
<p>Und es gab eine geradezu feierliche Spielkultur. „Man durfte nicht fluchen oder mit dem Schiedsrichter diskutieren", so Wlazło. Verlor jemand eine Partie, wurde ein Glockenzeichen gegeben. Beim letzten Spiel des Tages läutete man drei kleine Glockenzeichen und erklärte mit den Worten „Feierabend des Herrn!" das Spiel für beendet. Wer danach die Kopfbedeckung nicht abnahm, musste eine Geldstrafe zahlen.</p>
<p>Die Breslauer Belltafelgesellschaft war weit mehr als eine Kneipenrunde. Nur ein angesehener Breslauer Bürger konnte Mitglied werden. Die Gesellschaft hatte einen Inspektor, Vorsteher und mehrere Kanzler. Belltafel gespielt wurde auch außerhalb Schlesiens. 1927 wurden vier Belltafeln in Deutschland genannt: zwei in Schweidnitz, eine in Breslau und eine in Königsberg.</p>
<p>Das wohl letzte Belltafelturnier in Schlesien soll 1940 in Schweidnitz stattgefunden haben. Wlazło weiß, dass damit die Geschichte der schlesischen Belltafel zu Ende ging. Doch es gibt andere Beispiele einer historischen Kontinuität: „Wir können in Breslau wieder Schlesischen Streuselkuchen oder das Himmelreich verzehren. Ich träume davon, dass auch das einst berühmte ‚Königin-Luise-Gedeck' nach Breslau zurückkehrt. Dieses Gedeck bestand aus Kaffee und einem Törtchen, das an den verschneiten Gipfel der Schneekoppe erinnerte, und das Rezept stammte vom Schweizer Conrad Perini, der es für die ins Riesengebirge verliebte Königin Luise erfand."</p>
<p>Wlazło sucht bereits nach Konditoren in Breslau, die das Gedeck ins Programm nehmen möchten – man darf gespannt sein.</p>]]></content:encoded>
			<category>Schlesien</category>
			<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Rechte Parteien - Schwierige Freunde</title>
			<link>https://paz.de/artikel/schwierige-freunde-a18220.html</link>
			<description>FPÖ-Chef Kickl feiert die Siege der AfD – und hält dennoch vorsichtig Distanz</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Trump kämpft gegen ganz Amerika</title>
			<link>https://paz.de/artikel/trump-kaempft-gegen-ganz-amerika-a18216.html</link>
			<description>Plötzlich geht es bei den anstehenden Midterms im November für den US-Präsidenten unerwartet um alles – aber wie immer und erwartungsgemäß vor allem mal wieder um ihn selbst</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Von der Wanderung der Vokabeln - Manches, was urdeutsch klingt, ist es in Wahrheit gar nicht</title>
			<link>https://paz.de/artikel/manches-was-urdeutsch-klingt-ist-es-in-wahrheit-gar-nicht-a18218.html</link>
			<description>Lehnwörter aus fremden, ja selbst toten Sprachen haben sich massenhaft in unserem Idiom festgesetzt. Sie bereichern damit einen ohnehin verblüffend umfangreichen Wortschatz</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Königsberger Marzipan und Königsberger Klopse sind weltweit bekannte kulinarische Spezialitäten aus Ostpreußen. Allerdings weiß kaum jemand, dass die Wörter „Marzipan" und „Klops" weder dem ostpreußischen Dialekt noch der deutschen Sprache entstammen.</p>
<p>Die deutsche Sprache ist voll von Lehnwörtern, die oft aus fremden Sprachwelten herübergeschwappt sind. So geht die Bezeichnung für den Kloß aus Hackfleisch auf das altenglische „Collope" zurück, aus dem später das schwedische „Kalops" wurde, welches man dann in Ostpreußen übernahm. Noch verzwickter ist die Sache beim Marzipan. Unsichere Herleitungen verweisen unter anderem auf das mehrdeutige arabisch-persische Wort „Mauthaban" und die burmesische Stadt Martaban. Dabei handelt es sich hier keineswegs um zwei seltene Einzelbeispiele.</p>
<p>Der Duden verzeichnet rund 150.000 Stichwörter – insgesamt soll die deutsche Sprache einschließlich der Zusammensetzungen und Fachbegriffe sogar bis zu 500.000 Wörter haben. Und immerhin rund 20 Prozent davon sind Lehnwörter aus anderen Sprachen – wie eben „Klops" und „Marzipan". Am häufigsten stammen solche adaptierten Wörter aus dem Lateinischen und Griechischen sowie dem Französischen, Englischen, Italienischen und Spanischen. Manchmal scheint es allerdings so, als ob man urdeutsche Schöpfungen vor sich hätte, doch der Eindruck täuscht: Beispielsweise basiert „Fenster" auf dem lateinischen „Fenestra", das seinerseits wahrscheinlich in einem noch älteren etruskischen Ausdruck wurzelte.</p>
<p><strong>Nicht mal die „Semmel" ist deutsch</strong></p>
<p>Ansonsten stand nicht selten sogar das Arabische Pate, wenn der deutsche Wortschatz einen Zuwachs erfuhr. Das dürfte im Falle von „Beduine", „Haschisch", „Kaffee", „Minarett", „Moschee" und „Sultan" kaum jemanden verwundern. Doch „Arsenal", „Havarie", „Razzia", „Tarif" und „Ziffer" sind gleichermaßen arabischer Herkunft.</p>
<p>Von den Türken übernahmen wir hingegen „Harem", „Joghurt", „Turban" und „Dolmetscher", wobei „Dilmaç" aber ein Wort aus dem längst vergangenen nordsyrischen Reich Mitanni war, das bereits zur Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. verschwand. Die alten Perser wiederum hinterließen uns Wortschöpfungen wie „Karawane", „Kiosk", „Paradies" und „Schach". Ebenso adoptierte das Deutsche etliche hebräische oder jiddische Begriffe, darunter „Ganove", „Knast", „Reibach", „Schlamassel" und „Tacheles". Nahezu unbekannt ist, dass es sogar Übernahmen aus dem Aramäischen gab – einer einstigen Weltsprache, die heute vor dem schleichenden Aussterben steht. Zu deren Beiträgen gehört etwa der „Mammon". Angesichts der geographischen Verhältnisse wimmelt das Deutsche ebenso von Lehnwörtern vom Balkan sowie aus alten und modernen nordischen oder slawischen Sprachen. Als Beispiele hierfür seien genannt: „Berserker", „Geysir", „Grenze", „Hai", „Halunke", „Krake", „Krawatte", „Paprika", „Pistole", „Ski", „Skorbut", „Slalom", „Steppe" und „Vampir" – nicht zu vergessen die russischen Klassiker „Datsche", „Sputnik" und „Troika". Aber auch das eher griechisch oder lateinisch anmutende „Roboter" ist eine Ableitung aus dem Alttschechischen.</p>
<p>Noch exotischer wurde es dann mit Beginn der europäischen Expansion nach Asien, Ozeanien, Afrika und Amerika. Aus Süd- und Ostasien kamen direkt oder auf Umwegen über andere Sprachen neue Wörter wie „Amok", „Bonze", „Bungalow", „Dschungel", „Ketchup", „Tabu" und sogar „Zucker". Und dann waren da die spanischen Kolonien in der „Neuen Welt". Dem Nahuatl der Azteken in Mexiko entlehnte das Deutsche drei wohlklingende Begriffe für drei unterschiedlich wohlschmeckende Dinge, nämlich „Kakao", „Schokolade" und „Tomate", während die Maya und weitere süd- und mittelamerikanische beziehungsweise karibische Indio-Völker ihrerseits noch „Ananas", „Kautschuk", „Kokain", „Mais", „Tabak" und „Zigarre" beisteuerten. Ebenso bediente sich die deutsche Sprache bei den Idiomen vieler Naturvölker in allen Klimazonen der Welt. Dafür stehen der „Anorak" der Eskimos und der „Zombie" der westafrikanischen Bantu.</p>
<p>Wie eingangs schon erwähnt, verwenden wir heute manchmal immer noch Wörter aus europäischen und außereuropäischen Sprachen, die schon seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden nicht mehr gesprochen werden. Zu derart archaischen Lehnwörtern zählen auch „Glocke" aus dem Keltischen, „Labyrinth" aus dem Lydischen, einer in Kleinasien während des 1. Jahrtausends v. Chr. verwendeten Sprache, und „Pott" aus dem Illyrischen, welches auf dem Westbalkan heimisch war, bevor die Römer dort Fuß fassten. Uralt ist zudem der Begriff „Semmel". In der vom 20. bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. gebräuchlichen Sprache der Assyrer in Mesopotamien hieß ein aus feinem Weizenmehl gebackenes Brötchen „Samidu". Daraus wurde bei den Griechen „Semidalis" und bei den Römern „Simila", bevor sich dann in unseren Landen um 800 n. Chr. der althochdeutsche Begriff „Semala" einbürgerte.</p>
<p><strong>Woher kommt der „Zwerg"?</strong></p>
<p>Alles in allem kommen die im Deutschen enthaltenen Lehnwörter aus mindestens 270 lebenden oder eben auch toten Sprachen – einschließlich regionaler Abweichungen und Dialekte. Allerdings handelt es sich dabei um keine endgültige Zahl. Denn wie beim erwähnten „Marzipan" ist die Urheimat mancher Wörter noch nicht sicher identifiziert. Das trifft sogar auf recht gebräuchliche Begriffe wie „Reich", „Spuk" und „Zwerg" zu. Insofern könnte uns die etymologische Forschung zur Klärung der Herkunft, Geschichte und ursprünglichen Bedeutung von Wörtern auch künftig noch überraschen.</p>
<p>Auf jeden Fall war das Althochdeutsche, das um 650 n. Chr. entstand, eine Sprache, deren Wortschatz zunächst nur maximal 30.000 Wörter umfasste, die ausschließlich die räumlich begrenzte Lebensrealität des frühen Mittelalters widerspiegelten. Wenn im Gegensatz dazu heute rund 500.000 deutsche Wörter existieren, von denen um die 100.000 Lehnwörter sind, dann besaßen die Deutschen in den vergangenen 14 Jahrhunderten ganz offensichtlich genügend Kreativität, um den „kleinen Rest" von 370.000 Wörtern selbst hervorzubringen.</p>]]></content:encoded>
			<category>Leben</category>
			<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Gute Harmonie unter Geschwistern</title>
			<link>https://paz.de/artikel/gute-harmonie-unter-geschwistern-a18225.html</link>
			<description>Demokratie in vier Stimmen: Das Mandelring Quartett aus Rheinland-Pfalz erhält den diesjährigen Brahmspreis</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Komponist Johannes Brahms kam zwar in Hamburg zur Welt, seine familiären Wurzeln väterlicherseits stammen aber aus Schleswig-Holstein. In Heide im Kreis Dithmarschen steht nicht nur ein Brahms-Haus, das Besuchern in der warmen Jahreshälfte offensteht, sondern auch die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein. Dieser 1987 auf Initiative des damaligen Intendanten des Schleswig-Holstein Musik Festivals, Justus Frantz, und des Geigers Sir Yehudi Menuhin gegründete Freundeskreis verleiht seit 1988 den inzwischen mit 10.000 Euro dotierten Brahmspreis, der an Künstler wie Leonard Bernstein und Dietrich Fischer-Dieskau oder auch an den Leipziger Thomanerchor ging.</p>
<p>Dieses Jahr zeichnet die Gesellschaft erstmals ein reines Streichquartett aus: Das Mandelring Quartett erhält die Auszeichnung am 26. September in der St.-Bartholomäus-Kirche in Wesselburen. Die Wahl fällt damit bewusst auf eine Ensembleform, die im klassischen Betrieb oft abseits des großen Starkults agiert.</p>
<p>Seit 1983 spielen die Geschwister Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt gemeinsam. Komplettiert wurde das Trio zunächst durch eine befreundete Bratschistin. Später verstärkt durch den Bratschisten Andreas Willwohl, entwickelte sich das Geschwisterensemble zu einem Quartett, das inzwischen seit mehr als vier Jahrzehnten in internationalen Konzertsälen zu Hause ist.</p>
<p>Für den Cellisten Schmidt ist der Brahmspreis zunächst eine große persönliche Ehre. „Die Auszeichnung ist überwältigend, wenn man sich die Namen der vorangegangenen Preisträger anschaut." Auf der Liste stehen auch Geiger wie Anne-Sophie Mutter oder Sänger wie der Bariton Thomas Quasthoff. Zugleich freut er sich darüber, dass mit dem Quartett eine musikalische Gattung in den Mittelpunkt gerückt wird, die im öffentlichen Bewusstsein häufig hinter großen Dirigenten und Solisten zurücksteht. Kammermusik sei „ein unheimlich reiches Feld", sagt Schmidt. Wenn der Preis dazu beitrage, dieses Genre stärker ins Rampenlicht zu rücken, dann sei das großartig.</p>
<p>Dass die Brahms-Gesellschaft ein Streichquartett ausgewählt hat, ist dabei mehr als eine Entscheidung für eine besonders traditionsreiche Gattung. Der Vorsitzende Joachim Nerger spricht vom Quartett als einem „Resonanzraum demokratischer Prinzipien". Es gibt keinen Dirigenten, der den Takt vorgibt, keinen Solisten, dem alle anderen folgen. Jeder der vier Musiker trägt Verantwortung, jeder muss zuhören und reagieren. „Kammermusik eignet sich nicht für den Starkult", sagt Nerger. Entscheidend seien Ausgeglichenheit und die Fähigkeit, einander Raum zu geben.</p>
<p>Schmidt stimmt diesem Gedanken voll zu. Auf die Frage, ob das Modell des Streichquartetts auch als Vorbild für gesellschaftliches Miteinander taugen könne, antwortet er eindeutig: „Grundsätzlich würde ich das absolut bejahen." Jeder Einzelne leiste einen substanziellen Beitrag. Es funktioniere, wenn alle etwas Interessantes beizutragen hätten und zugleich bereit seien, sich für die Beiträge der anderen zu interessieren. Dann könnten gemeinsame Lösungen entstehen, mit denen alle leben könnten. „Dieses prinzipielle Interesse am anderen und an seinen Beiträgen zur gemeinsamen Sache", sagt Schmidt, „wäre in vielen gesellschaftlichen Bereichen sehr wünschenswert."</p>
<p>Musikalisch ist das Mandelring Quartett vor allem eng mit Brahms verbunden. Die drei Streichquartette des Komponisten gehören zum Kern seines Repertoires. Brahms selbst hatte sich dieser Gattung nur zögernd genähert und zahlreiche Entwürfe vernichtet, bevor er seine Werke veröffentlichte. Für Schmidt ist gerade diese Konsequenz faszinierend. Brahms habe so lange an seinen Kompositionen gearbeitet, bis sie aus jeder Perspektive makellos erschienen und dennoch eine zutiefst persönliche Handschrift trügen. Seine Kammermusik verbinde hochemotionale Wirkung mit einer außergewöhnlich durchdachten Struktur. „Seine Werke sind absolute Meilensteine des Repertoires, die uns immer wieder herausfordern und begeistern", sagt Schmidt.</p>
<p><strong>Gründer des Hambacher Musikfests</strong></p>
<p>Doch das Quartett begnügt sich nicht damit, die bekannten Meisterwerke immer wieder neu zu interpretieren. Eine Art Schatzgräbermentalität gehöre zur musikalischen DNA der Familie Schmidt. Schon der Vater beschäftigte sich mit Komponisten, die abseits des großen Kanons standen. Diese Neugier haben die Geschwister übernommen. Brahms wird deshalb immer wieder mit weniger bekannten Zeitgenossen kombiniert. Das verändert den Blick auf die Musik. Man entdeckt vergessene Werke und erkennt zugleich deutlicher, was Brahms einzigartig macht.</p>
<p>Diese Entdeckerfreude hat das Quartett auch als Veranstalter geprägt. Seit 1997 organisiert es das Hambacher Musikfest im Hambacher Schloss, einem symbolträchtigen Ort der deutschen Demokratie. Die Idee entstand allerdings zunächst aus der Lust an außergewöhnlichen Kammermusikprogrammen. Das Schloss bot dafür nicht nur eine hervorragende Akustik, sondern auch einen geschichtlichen Resonanzraum.</p>
<p>Auch nach mehr als 40 Jahren denkt das Mandelring Quartett nicht ans musikalische Bewahren allein. Jedes Jahr kommen neue Werke ins Repertoire, vor allem vergessene Schätze der Vergangenheit, aber auch zeitgenössische Musik. Selbst ein Werk, das man zum 200. Mal spielt, kann frisch bleiben. Gleichzeitig müsse man neugierig bleiben, sagt Schmidt: „Wir bleiben also weiterhin auf Ent­deckungsreise."</p>
<p>Die Preisverleihung in Wesselburen führt all diese Linien zusammen. Der Ort ist auch deshalb gewählt, weil der Vater von Johannes Brahms hier musikalisch geprägt wurde. Das Mandelring Quartett spielt an diesem Abend Brahms' Streichquartett a-Moll op. 51/2. Hinzu kommt Brahms' zweites Streichquintett G-Dur op. 111 mit dem früheren Quartettmitglied Roland Glassl als Gast.</p>
<p>• <em>Brahms-Preisverleihung 2026 an das Mandelring Quartett am 26. September um 19 Uhr in Wesselburen, Karten für 25 bis 42 Euro im Internet unter: <a href="http://www.brahms-sh.de/"><strong>www.brahms-sh.de</strong></a></em></p>]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		<item>
			<title>Schützen proben in Südtirol den Aufstand - Von Meloni über den Tisch gezogen</title>
			<link>https://paz.de/artikel/von-meloni-ueber-den-tisch-gezogen-a18213.html</link>
			<description>Geplante Wahlkreisreform bei Bozen könnte zuungunsten der deutschsprachigen Minderheit ausfallen</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im nächsten Jahr wird in Italien ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die gerade den Rekord der Langlebigkeit einer italienischen Regierung seit 1945 gebrochen hat, möchte noch einmal antreten, hat aber neue Konkurrenz von einer neuen Partei von ganz rechts bekommen. Deshalb hat sie eine Wahlrechtsreform in die Wege geleitet, die ihr helfen soll, an der Macht zu bleiben.</p>
<p>Doch ein Protest der Südtiroler Schützen gegen die italienische Wahlrechtsreform kommt ihr in die Quere, denn dieser ist weit mehr als ein Streit über neue Grenzen auf einer Wahlkreiskarte. Im Südtiroler Unterland geht es um politische Vertretung, Minderheitenschutz und vor allem um die Frage, ob die Südtiroler Volkspartei (SVP) bei ihren Verhandlungen mit der Regierung Meloni ihre eigenen politischen Interessen zu leichtfertig aus der Hand gegeben hat.</p>
<p>Im Zentrum steht die geplante Neuzuschneidung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland. Das historisch gewachsene Unterland soll dabei auf mehrere Wahlkreise aufgeteilt werden. Gemeinden am rechten Etsch­ufer würden anderen Wahlkreisen zugeschlagen. Zurück bliebe ein veränderter Wahlkreis Bozen mit einem Rest des Unterlands.</p>
<p>Kritiker sehen darin keine neutrale technische Reform, sondern einen gezielten politischen Zuschnitt, der die Wahlchancen der italienischen Sprachgruppe verbessern soll. Auch italienische Medien berichten, dass der Vorschlag des FdI-Abgeordneten Alessandro Urzì darauf abzielt, die Wahl eines italienischsprachigen Vertreters zu erleichtern.</p>
<p>Für den Südtiroler Schützenbund ist genau das der Skandal. Ein über Jahrzehnte gewachsenes Gebiet wird nach seiner Auffassung politisch zerstückelt, um neue Mehrheitsverhältnisse zu schaffen. Der Wahlkreis Bozen-Unterland ist aus Sicht der Schützen kein zufälliges Konstrukt, sondern Teil eines historischen und politischen Gleichgewichts, das im Rahmen der Südtirol-Autonomie und des sogenannten Südtirol-Pakets abgesichert wurde. Dabei verweisen die Kritiker insbesondere auf die Paketmaßnahme 111 und die historisch ausgehandelte Wahlkreiseinteilung. Die Empörung richtet sich deshalb nicht allein gegen Rom und die Partei von Ministerpräsidentin Meloni. Sie richtet sich zunehmend auch gegen die SVP.</p>
<p>Denn die SVP hatte mit der römischen Regierungsmehrheit über eine Sonderregelung für Südtirol und das Trentino im Rahmen der Wahlrechtsreform verhandelt. Als dann der von Alessandro Urzì eingebrachte Änderungsantrag zur Verkleinerung beziehungsweise Neuordnung des Wahlkreises Bozen-Unterland auftauchte, reagierte die Partei zunächst keineswegs mit geschlossenem Widerstand. Die SVP-Abgeordneten enthielten sich teilweise oder blieben der Abstimmung fern; nur Manfred Schullian stimmte aus Bezirksräson gegen den Antrag. Erst der massive Protest aus dem Unterland zwang die Parteiführung zu einer klareren Gegenposition. Genau hier liegt der Vorwurf, die SVP habe sich von Melonis Rechtsregierung und ihren Partnern in Rom über den Tisch ziehen lassen.</p>
<p>Während die SVP glaubte, durch Verhandlungen eine Sonderregelung und zusätzliche Absicherungen für die deutsche und ladinische Minderheit zu erreichen, nutzte die Regierungsmehrheit offenbar die Gelegenheit, gleichzeitig eine für die italienische Sprachgruppe vorteilhafte Neuordnung des Senatswahlkreises durchzusetzen. Aus Sicht der Kritiker sollte die SVP einem Gesamtpaket zustimmen, während der Wahlkreis Bozen-Unterland im Kleingedruckten politisch zerlegt wurde. Die Schützen sehen darin ein klassisches Tauschgeschäft zulasten des Unterlands: mehr Absicherung an einer Stelle, Preisgabe bestehender Schutzmechanismen an einer anderen.</p>
<p>Der Widerstand hat inzwischen eine ungewöhnliche Breite erreicht. Bei Informationsveranstaltungen in Tramin und Neumarkt kamen Hunderte Bürger, Bürgermeister und politische Vertreter zusammen. Die Forderung lautete eindeutig: Die bestehende Wahlkreiseinteilung soll erhalten bleiben. Rund 200 Schützen machten mit einer kilometerweit sichtbaren „Flammenlinie" entlang der Etsch zusätzlich auf den Protest aufmerksam.</p>
<p>Der Konflikt entwickelt sich damit zunehmend zu einem Problem für die SVP selbst. Denn die Kritik kommt nicht nur von den Schützen oder politischen Gegnern, sondern auch aus dem eigenen Umfeld und direkt aus den betroffenen Gemeinden. Der Vorwurf lautet, die Parteiführung habe zunächst auf das große politische Geschäft mit Rom gesetzt und dabei übersehen, dass eine Wahlrechtsreform in Südtirol keine gewöhnliche Verwaltungsfrage ist. Wahlkreisgrenzen entscheiden gerade in einem mehrsprachigen und ethnisch sensiblen Gebiet über die politische Repräsentation. Es geht um den politischen Grundsatz, dass Minderheitenschutz keine Verhandlungsmasse werden darf.</p>
<p>Die SVP hat inzwischen erklärt, die geplante Verkleinerung des Wahlkreises abwenden zu wollen und sich im Senat für die Beibehaltung der bestehenden Regelung einzusetzen. Doch genau das reicht den Kritikern nicht mehr. Der Vertrauensschaden ist entstanden, weil die Partei den Eindruck erweckt hat, dass sie den Eingriff als Preis für ein größeres Abkommen mit der Regierung Meloni akzeptieren könnte.</p>]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Sat, 26 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Der Wochenrückblick - Der Nächste, bitte</title>
			<link>https://paz.de/artikel/der-naechste-bitte-a18211.html</link>
			<description>Was die Linke richtig ärgert, und was wohl aus der CDU würde, wenn die AfD morgen verboten wäre</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Panorama</category>
			<pubDate>Sat, 26 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Ein Meilenstein in der Vertriebenen-Literatur - Wenn Schweigen eine Stimme erhält</title>
			<link>https://paz.de/artikel/wenn-schweigen-eine-stimme-erhaelt-a18214.html</link>
			<description></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Bücher, die informieren, solche, die unterhalten, und es gibt seltene Werke, die etwas aufbrechen, das viel zu lange verschlossen geblieben ist. „Was meine Großeltern verschwiegen" von dem Autor Dr. Dr. Andreas Tank gehört zweifellos in die letzte Kategorie. Es ist ein persönliches Buch, ein mutiges und vor allem ein zutiefst menschliches. Eines, das nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, sondern mit offenen Augen und offenem Herzen. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke.</p>
<p>Tank wagt sich an einen Bereich deutscher Familiengeschichte, der über Dekaden von Schweigen, Verdrängen, Scham, Angst und Sprachlosigkeit geprägt war. Was haben unsere Großeltern erlebt? Was haben sie getan? Was haben sie erduldet? Woran haben sie geglaubt? Wo wurden sie schuldig, wo waren sie Opfer, wo Mitläufer, wo schlicht Menschen, die in Umständen lebten, die wir Nachgeborenen aus sicherer zeitlicher Entfernung kaum nachempfinden können? Und warum wurde über so vieles später nicht endlich einmal gesprochen?</p>
<p>Schon der Titel „Was meine Großeltern verschwiegen" besitzt deshalb eine enorme Kraft. Denn dieses Verschweigen ist keine individuelle Erfahrung einer einzigen Familie. Es ist ein Schicksal, das sich durch unzählige deutsche Familien zieht. Da waren Fragen, die nicht gestellt wurden. Antworten, die ausblieben. Fotoalben, über deren Bilder man hinwegsah. Erinnerungen, die nur in Andeutungen auftauchten. Sätze, die plötzlich abbrachen. Geschichten, von denen Kinder und Enkel spürten, dass es sie geben musste – die aber niemand erzählte.</p>
<p>Tank macht etwas Entscheidendes anders: Er nähert sich diesem Schweigen nicht als Ankläger. Er schreibt nicht aus der bequemen Position desjenigen, der Jahrzehnte später schon vorher weiß, wie Menschen damals hätten handeln müssen. Er versucht zu verstehen. Nicht zu entschuldigen, nicht schönzureden, nicht zu relativieren – sondern zu verstehen. Dieser Unterschied zur bisherigen Literatur in diesem Bereich ist fundamental.</p>
<p>Gerade die Unvoreingenommenheit macht das Buch so wertvoll. Tank lässt Widersprüche stehen, wo sie zum Leben gehören. Er erlaubt Ambivalenzen. Menschen müssen bei ihm nicht in einfache Kategorien passen. Geschichte erscheint dadurch nicht als sauber sortiertes Tableau aus Gut und Böse, sondern als das, was sie für Familien häufig tatsächlich ist: ein kompliziertes Geflecht aus Entscheidungen und Zwängen, Überzeugungen und Irrtümern, Schuld und Leid, Anpassung, Hoffnung, Verlust und Überleben.</p>
<p><strong>Wärme, Empathie und Menschlichkeit</strong></p>
<p>Und dann ist da diese besondere Enkel-Perspektive. Sie verleiht dem Buch die emotionale Tiefe. Tank betrachtet keine anonymen historischen Figuren. Er schaut auf Menschen, mit denen er über seine eigene Familiengeschichte verbunden ist. Plötzlich wird aus „der Geschichte" eine Geschichte. Aus historischen Ereignissen werden Familienerfahrungen. Aus Jahreszahlen werden Lebensjahre. Und aus der Frage, was damals geschah, entsteht eine viel persönlichere Frage: Was hat all das mit uns zu tun?</p>
<p>Diese Perspektive besitzt dabei einen entscheidenden Vorteil. Sie schafft Nähe und Distanz zugleich. Der Enkel ist nah genug, um berührt zu sein, und weit genug entfernt, um Fragen stellen zu können, die vorherige Generationen vielleicht nicht stellen konnten oder wollten. Genau in diesem Spannungsfeld entfaltet das Buch seine großartige Wirkung. Tank schreibt zudem sehr einfühlsam, ohne sentimental zu werden. Bewegend, ohne Emotionen zu erzwingen. Gerade diese Zurückhaltung lässt viele Passagen umso stärker wirken. Man spürt die Suche eines Menschen, der nicht bloß historische Fakten zusammentragen möchte, sondern verstehen will, woher er kommt und welche unsichtbaren Fäden Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden.</p>
<p>Darin liegt die Authentizität dieses Buches. Es vermittelt nicht den Eindruck einer nachträglich geglätteten Familienchronik. Vielmehr nimmt Tank seine Leser mit auf eine Spurensuche, bei der Erkenntnisse auch unbequem sein dürfen. Diese Offenheit verdient Respekt. Denn über die eigene Familie zu schreiben, bedeutet immer auch, sich selbst auszusetzen. Vielleicht berührt „Was meine Großeltern verschwiegen" deshalb eine gesellschaftliche Aufgabe, die noch längst nicht abgeschlossen ist. Denn manchmal wird das Nichtgesagte zum Erbe. Tank zeigt, wie wichtig es ist, dieses Erbe anzusehen.</p>
<p>Dieses Buch besitzt Wärme, Empathie und Menschlichkeit. Tank gibt seinen Großeltern und Ahnen ihre Individualität zurück und macht zugleich deutlich, dass ihre Geschichte stellvertretend Fragen aufwirft, die Millionen Familien betreffen können. Das sind unbequeme Fragen. Aber sie sind notwendig.</p>
<p>Vielleicht haben tatsächlich Generationen auf Bücher wie dieses gewartet. Auf eine neue Form der Auseinandersetzung, die weder verdrängt noch pauschal verurteilt. Die bereit ist, hinzusehen, ohne schon vor der ersten Seite das Urteil gefällt zu haben. Die historische Wahrheit sucht und gleichzeitig die Würde individueller Lebensgeschichten respektiert. „Was meine Großeltern verschwiegen" ist deshalb ein Meilenstein dieser speziellen Art der Vergangenheitsbetrachtung. Weil es den Mut besitzt, die richtigen persönlichen Fragen zu stellen.</p>
<p>Am Ende bleibt vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Wir sind nicht verantwortlich für das Leben unserer Großeltern. Aber wir können Verantwortung dafür übernehmen, wie wir mit ihrer Geschichte umgehen - gerade in Zeiten wie diesen. Tank tut genau das. Er fragt, wo andere geschwiegen haben. Er hört hin, wo lange weggesehen wurde. Er sucht nach Wahrheit, ohne Menschlichkeit gegen Wahrheit auszuspielen. Sein Werk ist deshalb nicht nur die Geschichte einer Familie. Es ist eine Einladung an eine ganze Generation, die eigenen Familiengeschichten neu zu betrachten. Offen, neugierig und ohne Scheuklappen. Ein außergewöhnlich persönliches, einfühlsames und mutiges Buch. Eines, das Diskussionen auslösen dürfte – und hoffentlich Gespräche an Küchentischen, in Familien und zwischen den Generationen. Denn manche Geschichten verschwinden nicht, nur weil über sie geschwiegen wird. Irgendwann müssen sie erzählt werden. Andreas Tank hat genau damit begonnen.</p>
<p>• <strong><em>PAZ</em>-Verlosung</strong></p>
<p><em>Schnell mitmachen – und schon können Sie <strong>eines von drei Büchern</strong> „Was meine Großeltern verschwiegen" <strong>gewinnen</strong>. Schreiben Sie einfach <strong>bis zum 1. Oktober 2026</strong> eine Postkarte an die Preußische Allgemeine Zeitung, Buchtstraße 4, 22087 Hamburg, oder eine E-Mail an <a href="mailto:redaktion@paz.de">redaktion@paz.de</a>.</em><br><em>Das Stichwort lautet „Buch".</em></p>]]></content:encoded>
			<category>Bücher</category>
			<pubDate>Sat, 26 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Aus der Landeskunde - Die Recknitz, Pommerns Westgrenze</title>
			<link>https://paz.de/artikel/die-recknitz-pommerns-westgrenze-a18209.html</link>
			<description>Wie das Fürstentum Rügen zu Pommern kam und wie die historischen Grenzen missachtet wurden</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer auf der Bundesstraße 105 von Stralsund nach Westen fährt, überquert hinter Damgarten die Brücke über die Recknitz. Sie ziert auf pommerscher Seite ein Greif, auf Mecklenburger Seite ein Stierkopf. Kein Zufall! Denn die Recknitz bildet in ihrem Unterlauf die historische Grenze alter Stämme und ist seit dem 14. Jahrhundert – und das bis heute – die Grenze zwischen Mecklenburg und (Vor-)Pommern.</p>
<p>Rückblick: Um zu verstehen, wie vor Jahrhunderten die untere Recknitz zur Grenze für zwei völlig verschiedene Kulturlandschaften – Mecklenburg und Pommern – wurde, muss man bis in die Zeit der Rügenschen Erbfolgekriege zurückgehen. Der erste Rügensche Erbfolgekrieg dauerte von 1326 bis 1328, der zweite Rügensche Erbfolgekrieg von 1340 bis 1354. Damit sind wir in der Zeit des „letzten" Rügenfürsten Wizlaw III.</p>
<p>Das Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern wurde seit Jahrhunderten immer wieder von Kriegen heimgesucht, und auch die Besitzverhältnisse bewegten sich zwischen Fürstentümern und der dänischen und schwedischen Krone. Das Fürstentum Rügen existierte zwischen 1168 und 1325, das während dieses Zeitraumes ein dänisches Lehen war. Der letzte Fürst war Wizlaw III. Da er keine Nachkommen hatte, befürchtete er, das rügensche Fürstenhaus könne aussterben. Denn auch die Nebenlinien der Rügenfürsten, die Familien von Gristow und von Putbus, hatten zugunsten der dänischen Krone ihren Verzicht auf eine Nachfolge erklärt. Er schloss daher 1310 mit seinem Lehnsherrn, dem dänischen König Erik VI. Menved, einen Erbvertrag ab, der besagte, dass das Lehen mit seinem Tode wieder zurück an die dänische Krone fallen sollte.</p>
<p><strong>Das Fürstentum als Erbe</strong></p>
<p>Dieser Plan ging nicht auf, da der dänische König 1319 starb, damit war der mit ihm verbundene Erbvertrag hinfällig. Wizlaw III. ging nun 1321 einen Erbverbrüderungsvertrag mit seinem Neffen Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast sowie den Herzögen Otto I. und Barnim III. von Pommern-Stettin ein. Als Wizlaw III. 1325, wenige Monate nach seinem einzigen Sohn Jaromar, starb, war das rügensche Fürstenhaus in seiner Hauptlinie erloschen.</p>
<p>Da Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast sich bereits 1315 von dem Bruder des Dänenkönigs Erik VI. Menved, dem späteren dänischen König Christoph II., die Übertragung des rügenschen Lehens hatte zusagen lassen, kam Mecklenburg ins Spiel. Denn Thronstreitigkeiten in Dänemark und der plötzliche Tod Wartislaws IV. im August 1326 führten zu Ansprüchen Mecklenburgs unter Heinrich II. auf das Fürstentum, die schließlich in zwei Rügenschen Erbfolgekriegen gipfelten.</p>
<p><strong>Keine historischen Grenzen mehr</strong></p>
<p>Erst 1354 endeten diese mit dem Frieden von Stralsund. Seitdem gehört das Fürstentum Rügen mit seinem Festland zu Pommern, und die Westgrenze zwischen Mecklenburg und Pommern bildet der Fluss Recknitz. Diese historische Grenze blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stabil. Mit der Gründung der DDR wurde sie jedoch missachtet. So wurde u. a. das mecklenburgische Ribnitz mit dem pommerschen Damgarten zwangsvereinigt. Auch nach der Wende nahmen die Kreisgebietsreformen keinerlei Rücksicht auf historische Grenzen.</p>
<p>Die mangelnde Klarheit der Struktur Vorpommerns treibt stattdessen immer neue Blüten: So gehen die Gebietsgrenzen der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern, der Verwaltungen oder der Tourismusregionen kreuz und quer durch Vorpommern. Dabei sind diese strukturell wahllos gezogenen Grenzen nicht einmal deckungsgleich. So zersplittern die Kräfte Vorpommerns, und seine Struktur wird unklar. Das macht es in vielen Bereichen schwer, Vorpommern einheitlich zu positionieren.</p>
<p><strong>Vorpommern heute</strong></p>
<p>Jüngst wandte sich eine Initiative an den Landesrundfunkrat mit der Bitte zu prüfen, ob nicht auf der im Norddeutschen Rundfunk (NDR) täglich eingeblendeten Wetterkarte des „Nordmagazins" für Mecklenburg-Vorpommern beide Landesteile grafisch voneinander leicht abgesetzt werden könnten. Grund: Es wird immer schwerer, Einheimischen und Gästen zu vermitteln, wo denn Vorpommern nun genau liegt.</p>
<p>Kein Wunder: Bereits seit drei Generationen ist die pommersche Landeskunde kein Teil der Schulbildung in Vorpommern mehr, übrigens auch nicht in Mecklenburg. Nun will der Rundfunkrat im Herbst mit dem Staatssekretär für Vorpommern, Heiko Miraß, beraten, ob und wie die Bitte umzusetzen sei. Laut Medienstaatsvertrag § 26 ist es Auftrag des NDR, mit seinen Angeboten der Kultur, Bildung und Information zu dienen. Dazu gehört auch das Wissen um die Westgrenze Pommerns.</p>
<p>Heutzutage wird es immer wichtiger, dass sich die Bewohner eines Landesteils mit ihrer eigenen Historie in ihrer Heimat identifizieren können. Deshalb sollte die Position Vorpommerns ganz klar herausgestellt werden, denn es gilt, das historische Erbe zu bewahren.</p>]]></content:encoded>
			<category>Pommern</category>
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Im Revier der Preußenkönige - Von der Wehranlage zum Jagdparadies</title>
			<link>https://paz.de/artikel/von-der-wehranlage-zum-jagdparadies-a18207.html</link>
			<description>Die Schorfheide: Wo sich tief im Wald jede Menge brandenburgische Geschichte verbirgt</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Geschichte</category>
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Umzug nach Mehlsack - Von St. Wendel ins Ermland</title>
			<link>https://paz.de/artikel/von-st-wendel-ins-ermland-a18198.html</link>
			<description>Exponate, die Steyler Missionare aus aller Welt mitgebracht haben, fanden im Ethnografischen Museum Pieniężno eine neue Heimat</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das 1920 gegründete Völkerkundemuseum der Steyler Missionare (SVD) in St. Wendel wurde geschlossen und seine Exponate an die Ordensniederlassung der Steyler in Mehlsack [Pieniężno] im Ermland übergeben. Dort spielen sie im missionarisch-ethnografischen Museum des Steyler Priesterseminars für Polen eine zentrale Rolle.</p>
<p>St. Wendel war 1898 nach Neiße in Schlesien die zweite Gründung der 1875 in Holland gegründeten Ordensgemeinschaft des Göttlichen Wortes, der „Steyler Missionare" in Deutschland. Mehlsack im katholischen Ermland war 1920 eine der letzten Gründungen des damals stark wachsenden Missionsordens in Deutschland. 500 Priesterberufe gingen aus St. Wendel hervor, viele zogen als Missionare in alle Welt, und brachten Utensilien aus ihren Einsatzgebieten mit. Diese Erinnerungsstücke aus China, Flores, Japan, den Philippinen und Indien bildeten das Herzstück des St. Wendeler Missionshauses. Mit der Schließung der Niederlassung St. Wendel wegen Nachwuchsmangels wurde zunächst der Hof, dann das Gymnasium und 2025 auch das im Saarland beliebte Museum geschlossen.</p>
<p>Die Steyler Niederlassung in Mehlsack basierte auf der Schenkung einer kinderlosen Familie im Jahre 1914. Damals stand die russische Armee zum ersten Mal kurz vor dem Ort. Deshalb wurde das Missionshaus erst nach Ende des Ersten Weltkrieges 1920 eröffnet. Superior der Steyler war damals Pater Johann B. Bodems SVD (1867–1927), der 1898 auch Gründungsdirektor in St. Wendel war. Der Ermländer Bischof Augustinus Bludau gab seine Zustimmung, weil das Ermland als katholische Insel im protestantischen Ostpreußen viele Priesterberufungen zählte, darunter auch viele Steyler. Deshalb eröffneten die Steyler von Anfang an dort auch ein Schülerinternat, aus dem bis 1943 80 Ordensberufungen hervorgingen. Viele Steyler Patres, wie der Märtyrerpriester P. Gottfried Fuchs aus Leverkusen, der 1945 beim Einmarsch der sowjetischen Armee erschossen wurde, wirkten in Mehlsack.</p>
<p><strong>Eine katholische Insel im protestantischen Ostpreußen</strong></p>
<p>1945 wurden viele der 4.500 Einwohner vertrieben. Obwohl polnische Flüchtlinge aus dem heute litauischen Gebiet von Wilna hinzukamen, erreichte die Bevölkerung – heute 3.000 – nie wieder ihr Vorkriegsniveau, und aus der Stadt wurde ein Dorf. Polnische Steyler übernahmen 1945 die Ordensniederlassung. Sie machten aus der kleinen Ordensschule ein Priesterseminar für ganz Polen, aus dem bis 2019 560 Priesterweihen hervorgingen.</p>
<p>Zum Priesterseminar gehört auch das 1964 eingerichtete Völkerkundemuseum. Ins Museum in Mehlsack wurden viele Exponate aus den kleineren Steyler Häusern Rybnik, Górna Grupa (Carolina) und Neiße im westlichen Polen übernommen. Im Jahr 1980 wurde der Name der Einrichtung in missionarisch-ethnographisches Museum geändert.</p>
<p>Seit 1998 ist Pater Wiesław Dudar SVD Direktor des Museums. Wie in St. Wendel liegt auch in Mehlsack der Schwerpunkt bei Exponaten aus China, Japan, den Philippinen, Indien, Indonesien, Papua-Neuguinea, Afrika und Lateinamerika. Zu den Exponaten gehören Musikinstrumente, Ornamente, rituelle Masken, stilisierte Kreuze, sowie religiöse Skulpturen und Kultgegenstände. 2015 sorgte der Ort für Schlagzeilen, als die Rathausverwaltung ein Denkmal des Sowjetgenerals Iwan Tschernjachowskij entfernen ließ, als bekannt wurde, dass er im Zweiten Weltkrieg für die Tötung tausender polnischer Soldaten verantwortlich war.</p>]]></content:encoded>
			<category>Ostpreußen</category>
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>Wie man Gefolgsleute aktiviert - Neue Mehrheit per Einbürgerung</title>
			<link>https://paz.de/artikel/neue-mehrheit-per-einbuergerung-a18202.html</link>
			<description>Die Berliner Linkspartei beklagt „Teilhabelücke“ von Ausländern: Ein durchsichtiges Manöver</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz vor der Berlin-Wahl hat Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linkspartei, noch einmal ausdrücklich höhere Einbürgerungszahlen gefordert, damit „mehr Menschen auch Zugang zum Wahlrecht erhalten". Schon seit Jahren weist Eralp auf eine angebliche „Teilhabelücke" hin, die nach Ansicht der Linke-Politikerin durch ein „modernes Einbürgerungsrecht" geschlossen werden müsse. Der Clou: In Berlin dürfte davon laut Untersuchungen keine Partei stärker profitieren als die Linkspartei.</p>
<p>Eine Einbürgerungsoffensive könnte der Partei ein beträchtliches Wählerpotenzial erschließen: Von den rund 3,3 Millionen Bewohnern Berlins im wahlfähigen Alter dürfen derzeit etwa 865.000 nicht an den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zum Bundestag teilnehmen, weil sie keinen deutschen Pass besitzen. Der Anteil dieser Nichtwahlberechtigten entspricht also etwa 26 Prozent der Einwohner Berlins ab 16 Jahren.</p>
<p><strong>Vor allem Muslime wählen links</strong></p>
<p>Hinweise darauf, wie sich eine Einbürgerungsoffensive auf künftige Wahlen in Berlin auswirken könnte, liefern bundesweite Befragungen. Nach einer von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgewerteten Wahltagsbefragung der Forschungsgruppe Wahlen erhielt die Linkspartei bei der jüngsten Bundestagswahl 29 Prozent der Stimmen muslimischer Wähler und lag damit knapp vor der SPD mit 28 Prozent.</p>
<p>Auf Berlin lassen sich diese Ergebnisse zwar nicht unmittelbar übertragen. Sie zeigen jedoch, warum eine Ausweitung des Wahlvolumens in migrantisch geprägten Milieus, etwa in Neukölln oder Berlin-Mitte, für die Linkspartei interessant sein könnte. Auch eine Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Wahlpräferenzen aufgezeigt. Demnach tendieren türkeistämmige Wähler stärker zur SPD und zur Linkspartei; bei Polenstämmigen und Spätaussiedlern liegen wiederum AfD und Union vorn.</p>
<p>Das Land Berlin hat 2025 insgesamt fast 39.000 Ausländern den deutschen Pass gegeben. Dabei waren ehemalige syrische Staatsangehörige mit 7.548 Personen die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt von 4.099 türkischen Staatsangehörigen und 3.334 eingebürgerten früheren Bürgern der Russischen Föderation.</p>
<p>Unübersehbar ist, wie sehr sich die Berliner Linkspartei um die große arabische und palästinensische Gemeinde der Hauptstadt bemüht. Auf dem Parteitag erklärte Eralp etwa: „Ich bin froh, dass hier in Berlin die größte palästinensische Community Europas lebt." Schätzungen gehen tatsächlich von 35.000 bis 45.000 Bewohnern Berlins palästinensischer Herkunft aus. Eine genaue Zahl existiert nicht, weil viele als staatenlos gelten, eine andere arabische oder inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Zudem wirbt Eralp auch für eine Städtepartnerschaft Berlins mit Ramallah. Die Stadt im Westjordanland ist Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde.</p>
<p>Die Forderungen der früher SED genannten Partei gehen allerdings über mehr „Teilhabe" durch eine Steigerung der Einbürgerungszahlen noch weit hinaus. Die Bundestagsfraktion der Linkspartei beantragte im Mai, allen Ausländern, die seit mindestens fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland leben, das Wahlrecht auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene zu geben.</p>
<p><strong>Eralp sucht nach einem Schlupfloch</strong></p>
<p>Derartigen Plänen steht insbesondere ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1990 entgegen. Die Richter erklärten damals: „Das Staatsvolk, von dem die Staatsgewalt in der Bundesrepublik Deutschland ausgeht, wird nach dem Grundgesetz von den Deutschen, also den deutschen Staatsangehörigen und den ihnen nach Art. 116 Abs. 1 gleichgestellten Personen, gebildet." Für das Wahlrecht werde damit nach der Konzeption des Grundgesetzes „die Eigenschaft als Deutscher vorausgesetzt".</p>
<p>Diese Einschätzung gelte ausdrücklich auch für die Staatsgewalt der Bundesländer. Ein Wahlrecht für Nichtdeutsche bei der Abgeordnetenhauswahl würde daher mindestens eine grundlegende verfassungsrechtliche Änderung voraussetzen. Und Berlin könnte eine solche Wahlrechtsänderung auf keinen Fall im Alleingang einführen.</p>
<p>Bereits im Juli 2023 hat Elif Eralp in einem Kommentar für die Linkspartei-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung allerdings eine Hintertür aufgezeigt, um die Einbürgerungszahlen auf Landesebene zu steigern. Unter der Überschrift „Schließt die Teilhabelücke!" beschrieb die Politikerin eine Strategie, die nicht auf Änderungen des Bundesrechts angewiesen sei. Eine großzügige Anwendung bestehender Ausnahmeregelungen auf Landesebene, etwa bei Einkommensvoraussetzungen und Sprachkenntnissen, könne die Zahl der Einbürgerungen erhöhen – und damit langfristig sowohl die Zusammensetzung der Berliner Wählerschaft als auch die Wahlchancen der Linkspartei verändern.</p>]]></content:encoded>
			<category>Berlin-Brandenburg</category>
			<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<title>GEFAHRENHERD NORDKOREA Unterstützt von China und Russland baut die Demokratische Volksrepublik ihr Atomprogramm unentwegt aus. Und der Westen unter Federführung der USA kann dabei nur tatenlos zusehen - Kim Jong-uns riskantes Nuklear-Spiel</title>
			<link>https://paz.de/artikel/kim-jong-uns-riskantes-nuklear-spiel-a18200.html</link>
			<description>Seit 2003 verlässt sich Nordkorea auf seine atomare Lebensversicherung – Die USA haben viel Anteil daran</description>
			<content:encoded><![CDATA[Weiterlesen mit dem Digital-Abo PAZ+]]></content:encoded>
			<category>Politik</category>
			<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
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