Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Legende und Wahrheit über den Ritter vom Heiligen Grab und Pommerns Geschichte
Bogislaw X. (1454–1523), der auch als „der Große“ bezeichnet wurde, ist zweifellos einer der schillerndsten pommerschen Herzöge gewesen. Außenpolitisch um Reichsunmittelbarkeit und pommersche Unabhängigkeit von Brandenburg bemüht, innenpolitisch um die Bündelung der Macht und darum mit Hansestädten und Adel ringend, strebte er die Stabilität und Einheit Pommerns an.
Außenpolitisch spiegelten sich seine Bemühungen in der Ehe mit Margarete von Brandenburg wider. Diese begünstigte 1493 den Vertrag von Pyritz, der die Lehnshoheit Brandenburgs abmilderte und so die Weichen für den späteren Vertrag von Grimnitz 1529 stellen sollte. Das hinderte Bogislaw X. aber nicht, seine bereits 1489 verstorbene Frau 1498 vor Gericht des Ehebruchs zu bezichtigen, um deren Mitgift behalten zu können.
Auch die 1491 eingegangene Verbindung mit der erst 14-jährigen Anna, der Tochter des polnischen Königs Kasimir IV., war vor dem Hintergrund der polnischen Lehen Lauenburg und Bütow von außenpolitischer Bedeutung. Dennoch war sie auch in Bezug auf die gemeinsamen Nachkommen fruchtbar.
Reise ins Heilige Land
Nachdem König Maximilian I. die Pyritzer Verträge bestätigt hatte, folgte Bogislaw im Dezember 1496 einem Aufruf Maximilians nach Innsbruck zum Römerzug. Mit stattlichem Gefolge machte er sich auf den Weg. Zwischenzeitlich wurde ihm wohl klar, dass König Maximilian seine Heerfahrt nach Rom, um sich vom Papst zum Kaiser krönen zu lassen, nicht mehr unternehmen würde. Vom König ehrenvoll in Innsbruck empfangen, befand Bogislaw sich in der Verlegenheit, die ursprüngliche Reise abbrechen zu müssen.
Also entließ er einen Teil seines Gefolges in die Heimat und entschloss sich zur Pilgerfahrt ins Heilige Land. Über die Alpen zog Bogislaw nach Venedig. Hier vereinbarte er mit einem Schiffsführer für sich und seine verbliebenen Mitstreiter die Überfahrt auf einer Galeere und begann die Schiffsreise am 7. Juni 1497. An dieser Stelle setzen zahllose Legendenbildungen ein, die unter anderem mit einem Überfall türkischer Seeräuber beginnen: „Da aber trat der edle Fürst Bogislaff, Herzog zu Pommern, unerschrocken hervor. Er warf den Pilgermantel ab, legte den stählernen Harnisch an und rief seinen pommerschen Knechten mit lauter Stimme zu, mutig für den christlichen Glauben zu streiten. Als die Feinde das Schiff entern wollten und die ersten Knechte des Sultans die Reling erstiegen, griff der Herzog selbst zu einer langen Jagdlanze – einem Entenspieß...“
Allen heldenmütigen Darstellungen wie dieser, von einem ruhmvollen Kampf zum Trotz – der auch 1860 in einem Gemälde von Otto Heyden nachempfunden wurde –, gibt der Historiker Martin Wehrmann (1861–1937) zu bedenken, dass in Wahrheit nur einige Begleiter Bogislaws verletzt wurden und die Seeräuber die Galeere besetzten. Eine Freilassung und Weiterreise war nur noch durch Lösegeld möglich.
So erreichten Bogislaw und die Seinen, wie viele ihrer Zeitgenossen, dann doch noch die Heilige Stadt. Hier, in Jerusalem, soll Bogislaw einige Zeit zugebracht und die heiligen Stätten besucht haben. Am Abend des 24. August, dem Bartholomäustag, wurden die Pilger schließlich auch in den Tempel hineingelassen. Um Mitternacht schlug Bruder Hans von Preußen aus dem Kloster Zion den pommerschen Herzog zum Ritter vom Heiligen Grab.
Darauf hat auch Bogislaw die Seinen zu Rittern geschlagen: Degener von Bugenhagen, Kurt von Flemming, Peter von Podewils, Döring von Namel, Ewald von der Osten, Otto von Wedell, Achim von Dewitz, Kurt von Krekewitz, Michael von Podewils, Arad von Namel, Sigmund von Barvotien und Achim von Wreech.
Am 18. November des gleichen Jahres kamen die Pilger wieder in Venedig an, wo der Doge und seine Frau sich ihrer annahmen. Bei einem sich anschließenden Aufenthalt in Rom erhielt Bogislaw von Papst Alexander VI., der ihm eine Audienz gewährte, neben dem Herzogshut und einem prachtvollem geweihten Schwert wichtige Privilegien. Am 12. Februar traf er in Innsbruck erneut auf König Maximilian. Eine Entscheidung zur Reichsunmittelbarkeit Pommerns konnte er nicht erzielen, sie wurde erst durch seine Söhne mit dem Vertrag von Grimnitz erreicht.
Bugenhagen und die Pomerania
Am 12. April 1498 wurde Bogislaw wieder feierlich in Stettin empfangen. Seine Reise, deren ursprüngliche Zielsetzung sich änderte und bei der er nicht alles erreichte, was er sich ursprünglich vornahm, hatte dennoch Auswirkungen für Pommern. Der Herzog hatte die Verhältnisse im Reich und die Bedeutung des römischen Rechts erkannt. Auch beauftragte er Johannes Bugenhagen mit der Erstellung der „Pomerania“.
Heute gilt die „Pomerania“ als erste Gesamtdarstellung der pommerschen Geschichte und – neben der Gründung der pommerschen Universität in Greifswald 1456 und der Einführung der Reformation durch Beschluss auf dem Landtag zu Treptow an der Rega 1534 – als eine der großen Kulturleistungen pommerscher Herzöge, die bis heute Basis sind und den Fortgang der Entwicklung des Landes seit Jahrhunderten beeinflussen.