13.10.2026

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Puy du Fou in Ostpreußen

Burg Pr. Eylau wird zum Besuchermagnet

Ritterturniere, Hobbit-Dorf und ein Nostalgiezug – In den Ruinen entsteht ein Erlebnispark nach französischem Vorbild

Manuela Rosenthal-Kappi
09.09.2026

Unser Vorbild ist das französische Puy du Fou ... Dort werden völlig unterschiedliche Epochen miteinander verbunden – vom alten Rom bis zu den Musketieren. Wir möchten hier ein ähnliches Konzept umsetzen“, so Wladislaw Masurok. Puy du Fou ist ein historischer Themenpark in Les Epesses im Westen Frankreichs, der in den 1970er Jahren entstand und heute jährlich ein Millionenpublikum anzieht.

Der St. Petersburger Unternehmer Masurok wurde im Herbst 2022 im Rahmen einer Versteigerung Eigentümer der Burgruine Pr. Eylau. Die Behörden bewilligten dem Investor damals einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von umgerechnet knapp zwei Millionen Euro, um den historischen Komplex in einen Anziehungspunkt für Touristen umzuwandeln. Die Bauarbeiten begannen sofort, sodass sich die Pforten der Burg im Mai 2023 erstmals nach einem Vierteljahrhundert des Verfalls wieder für Besucher öffneten.

Rundumservice inklusive

In diesem Jahr kamen täglich bis zu 200 Besucher, die entweder mit dem seit Juni zweimal wöchentlich zwischen Königsberg und Pr. Eylau pendelnden Nostalgiezug anreisten oder auf eigene Faust herkamen. Professionelle Reiseführer zeigten ihnen die bereits restaurierten Teile der Burg. Es gibt ein Ritterlager sowie einen Souvenirladen. Bis zur nächsten Saison soll ein Vier-Sterne-Hotel auf dem Gelände entstehen.

Der Nostalgiezug wird begeistert angenommen. Die 180 Plätze sind bereits zwei Wochen im Voraus ausgebucht. Zum Service gehört, dass ein Reiseführer die Besucher vom Bahnhof abholt und sie durch die Innenstadt zur Burg führt. Der Rundgang durch das Burggelände führt durch den Souvenirladen, in dem Schmuckstücke aus Bernstein, Dekoartikel aus Holz, Messing und Keramik oder Magnete mit Motiven aus dem Königsberger Gebiet zum Verkauf angeboten werden.

Links vom Ausgang des Ladens sind noch Überreste der Festung zu sehen, die über die Jahre völlig zugewachsen und vernachlässigt gewesen waren. In der erhaltenen Vorburg gibt es ein Gästehaus. Hier sollen in Zukunft ein Café und ein Hotel entstehen. Pläne für einen Hotelbau gab es bereits in den 1990er Jahren, weshalb die bauliche Struktur der Vorburg auch stark verändert wurde. Die Moskauer „Elix-Bank“ hatte das Hotel bereits zu 90 Prozent fertiggestellt, als ihr im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 1998 das Geld ausging. Im südlichen Flügel der Vorburg wird das geplante Vier-Sterne-Hotel entstehen, in dem bereits im kommenden Jahr die ersten Gäste übernachten können.

In einer Taverne, die sich im Bereich zwischen der Vorburg und dem Souvenirladen befindet, entsteht ein Bankettsaal mit einem Sternenhimmel als Besonderheit. Der Künstler Wassilij Kaptyrew schmückt Decken und Fassaden des gesamten Komplexes mit seinen dekorativen Malereien aus. Im Burgmuseum sind Porträts von Märchenfiguren wie der Baronin Lisizyna (Füchsin) und des Feldwebels Koljutschkij (ein Igel) zu sehen, anhand derer die Geschichte der Ordensburg erzählt wird. Außerdem sind Porträts der deutschen Malerin Catharina Antonie Klein aus Karlshöfchen, Kreis Pr. Eylau, des Fürsten Peter Bagration, des Namensgebers der heutigen Stadt, sowie des adligen Ritters Heinrich Reuß von Plauen ausgestellt, dem die Burg im 15. und 16. Jahrhundert gehörte.

Ein Teil des Erlebnisparks wird der Baronin Lisizyna gewidmet sein. Aufbauend auf einer Geschichte, die sich um Graf Heinrich Valentini, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts Eigentümer der Burg war, und eine zu Unrecht des Diebstahls verdächtigte Dienstmagd rankt, die von der Füchsin gerettet wird, soll die Füchsin als Symbol für Frieden und Wohlstand in Pr. Eylau gelten. Feldwebel Koljutschkij rettete einen Ritter des Deutschen Ordens vor einem Schlangenbiss.

Was haben Hobbits mit Ostpreußen zu tun?

Ein besonderer Höhepunkt des ehrgeizigen Projekts dürfte jedoch das Hobbit-Dorf sein. Derzeit entstehen kleine Erdhütten wie die der Helden aus J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“. Die kleinen Häuschen mit drei Einzel- und vielen Zweibettzimmern erhalten derzeit noch den letzten Schliff. Im Innenhof des Hobbit-Dorfs soll es eine Feuerstelle sowie Sitzgelegenheiten geben. Doch was haben die Hobbits mit Ostpreußen zu tun?

Das Geheimnis liegt in der Herkunft des Schriftstellers Tolkien. Jüngere Forschungen u. a. der Deutschen Tolkien-Gesellschaft haben ergeben, dass dessen väterliche Vorfahren aus dem Kreis Pr. Eylau stammen.

Von der Geschichte der Ritter zeugt das sogenannte Ritterlager entlang der Verteidigungsmauer. In Zelten legt eine Hexe Tarotkarten und deutet die Zukunft, und Besucher können sich in mittelalterlichen Künsten versuchen, Holz und Keramik bemalen oder historische Kostüme und Ritterrüstungen anprobieren.

Wer sich dafür nicht erwärmen kann, kann es sich auf der Tribüne der Arena bequem machen, um den täglich stattfindenden Ritterkämpfen zuzusehen, bei denen auch Schusswaffen vorgeführt werden.


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