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Chinas Aufstieg, Fehlinvestitionen in die E-Mobilität und erdrückende Standortkosten stürzen die Kernbranche in die Krise
Die Zahlen sind eindeutig. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben im der ersten Hälfte dieses Jahres zusammen rund 284 Milliarden Euro umgesetzt. Nach Berechnungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) waren das 2,9 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für Deutschlands wichtigste Industriebranche ist das mehr als eine vorübergehende Schwächephase – es ist Symptom einer tiefgreifenden Strukturkrise.
Doch noch immer gehört Volkswagen zu den größten Autokonzernen der Welt. Im ersten Halbjahr setzte der Wolfsburger Konzern rund 158 Milliarden Euro um. Gegenüber dem Vorjahr war das nur ein leichtes Minus. Deutlich schlechter sieht es hingegen beim Gewinn aus. Das operative Ergebnis sank auf 5,9 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite lag bei lediglich 3,8 Prozent.
Das ist für einen Konzern dieser Größe noch nicht unbedingt dramatisch. Vor allem nicht in einer Phase, in der gleichzeitig Milliardenbeträge in Elektromobilität, Batterietechnik und Software fließen. VW-Chef Oliver Blume verwies auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Handelskonflikte, eine erlahmende Nachfrage und die wachsende Konkurrenz aus China drücken auf das Ergebnis.
Bei Mercedes-Benz sieht es kaum besser aus. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf rund 63,7 Milliarden Euro. Auch die Stuttgarter verdienen rapide weniger. BMW kämpft mit denselben Problemen. Vor allem das Geschäft in China, jahrelang eine verlässliche Geldquelle für die deutschen Hersteller, entwickelt sich zum Sorgenkind. Dort hat sich der Markt grundlegend verändert.
Der Verlust des Reichs der Mitte
Deutsche Premiumautos galten lange als Statussymbol einer wachsenden Mittelschicht. Doch inzwischen bauen chinesische Unternehmen selbst Fahrzeuge, die technologisch mithalten können. BYD, Geely und andere Hersteller sind längst keine Billiganbieter mehr, und sie produzieren E-Autos auch noch deutlich günstiger.
Für Volkswagen, Mercedes und BMW wird China damit gleich in zweifacher Hinsicht zum Problem. Auf dem chinesischen Markt verlieren sie sukzessive Marktanteile. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller nach Europa. Ihre Fahrzeuge sind häufig preiswerter als vergleichbare Modelle aus deutscher Produktion.
Energie, überhöhte Löhne, Steuern, Abgaben und immer neue bürokratische Vorschriften verteuern die Produktion in Deutschland. Dazu kommt der politisch erzwungene Umbau hin zum Elektroauto. Die Konzerne müssen alte und neue Antriebstechnologien gleichzeitig finanzieren. Verbrennermodelle werden weiterhin gebraucht und verkauft, gleichzeitig fließen Milliarden in neue Elektroplattformen.
Das funktioniert nur, solange die Gewinne stimmen. Doch gerade daran hapert es. Die Elektrostrategie gerät zusätzlich unter Druck, weil viele Kunden ideologiefreier und zurückhaltender reagieren als von Politik und Herstellern erwartet.
Besonders heikel ist die Lage für die Zulieferindustrie. Denn an einem Arbeitsplatz bei Volkswagen, Mercedes oder BMW hängen weitere Arbeitsplätze bei mittelständischen Unternehmen, Maschinenbauern und Dienstleistern. Gerät die Produktion der großen Hersteller unter Druck, spüren dies meist zuerst die kleineren Betriebe. Deshalb werden auch die Landesregierungen nervös.
Niedersachsen ist Großaktionär bei Volkswagen. Baden-Württemberg hängt wirtschaftlich stark von Mercedes und Porsche ab, Bayern von BMW und Audi. Was derzeit in den Vorstandsetagen entschieden wird, betrifft ganze Regionen. Dabei geht es nicht allein um die Konjunktur.
Erstarrung statt Wettbewerbsfähigkeit
Auch Arbeitskämpfe spielen eine Rolle. Gewerkschaften machen gegen Stellenabbau und Strukturveränderungen mobil. Das lähmt den Fortschritt. „Leute rausschmeißen wird die Wirtschaft nicht retten“, konterte die IG-Metall-Chefin Christiane Benner.
Die Versuche der EU-Kommission, die deutsche und damit auch europäische Autoindustrie zu stützen, wirken indessen hilflos. Auf chinesische Elektroautos wurden zusätzliche Zölle verhängt. Für die deutschen Hersteller ist das allerdings kein einfacher Ausweg. Sie produzieren selbst in China und verkaufen dort Millionen Fahrzeuge. Es wirkt wie ein Teufelskreis.
„Die Kostenstruktur in Deutschland ist im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig“, bilanziert EY-Autor Constantin Gall: „Die Autoindustrie steckt in einer Profitabilitätskrise.“ Und so werden Kostenprogramme verschärft, Investitionen überprüft und Produktionskapazitäten zur Diskussion gestellt. Dass selbst Volkswagen offen über die Zukunft einzelner deutscher Standorte spricht, hätte vor wenigen Jahren noch als kaum vorstellbar gegolten.
Thomas Epp am 06.10.26, 15:27 Uhr
Wenn die Politik in Deutschland und die Autoindustrie die Zeichen der Zeit erkannt hätten, dann wäre die deutsche Autoindustrie weltweit führend in der Entwicklung und Produktion der e-Fahrzeuge geblieben.
Marcus Junge am 30.09.26, 17:15 Uhr
China stieg nicht einfach nur auf, es wurde nach OBEN geschoben, weil hirnlose Idioten bei uns nur die schnelle Mark machen wollten, um hinterher ohne einen einzigen Euro dazustehen, weil die Chinesen alles an Spezialwissen geklaut haben und daher selbst produzieren (und wer davor warnte war halt der übliche "Nazi", nicht!!!). Das ist ein gewaltiges geliefert wie bestellt, eine Folge der (1990, "Preis der Einheit", aufgezwungenen) Verinternationalisierung und Amerikanisierung unserer ehemaligen Industrie.