24.10.2026

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Größte Sorge: drohende Arbeitslosigkeit

Eltern haben immer häufiger Angst vor dem Abstieg

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Väter und Mütter in Deutschland fürchten zunehmend, die Grundbedürfnisse der Familie nicht mehr bezahlen zu können

Sverre Gutschmidt
09.09.2026

Rund 2,2 Millionen Kinder gelten in Deutschland aktuell nach offizieller Statistik als von Armut gefährdet. Neben der schwer zu messenden Armut – statistisch trifft es jeden, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens für sich hat – wächst unter Eltern die Angst, grundlegende Bedarfe wie Heizung, Kleidung oder Ernährung nicht mehr finanzieren zu können. Das ergibt eine aktuelle Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der international tätigen gemeinnützigen Organisation „Save the Children“.

Die befragte 1.001 Eltern minderjähriger Kinder nach ihren finanziellen Aussichten. Ganze 27 Prozent der Befragten gaben an, sie machten sich Sorgen, ihre familiären Grundbedürfnisse in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr decken zu können. Im Januar 2025 hatte die inzwischen zum dritten Mal durchgeführte Umfrage „nur“ bei 15 Prozent entsprechende Sorgen offengelegt. Die Angst vor Not hat sich demnach in Familien faktisch nahezu verdoppelt.

Unabhängig von der Debatte um Armut in Familien, daraus resultierende Kinderarmut und deren Ursachen legt die Erhebung eine brisante Stimmung in vielen Familien offen, die auch politisch Wellen schlagen dürfte. Zudem kommt „Save the Children“ sogar zu noch schlimmeren Ergebnissen: „Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in Deutschland in Armut.“ Die deutsche Sektion der Organisation unterstützt ausdrücklich das politische Vorhaben der Kindergrundsicherung, die eigentlich 2025 als einheitliche Transferleistung für Kinder eingeführt werden sollte und noch von der Ampelkoalition geplant war.

Die neue Umfrage legt einen massiven Anstieg bei den Kosten jeder vierten Familie nahe, was deren Perspektiven stark verdüstert.

Verzicht und Sparsamkeit

Ob die gemessene Erwartung belastbaren Daten entspricht und worin sie gründet, bleibt indes unklar. Die in Deutschland gemessene größere Kaufkraft – sie steigt dieses Jahr um rund fünf Prozent auf 31.193 Euro pro Kopf – kommt demnach nicht bei den Familien an. Zumindest fürchten viele, mit den steigenden Ausgaben und Anforderungen nicht mehr mithalten zu können. Der Anteil der Eltern ohne jede Zukunftssorgen ging in der Erhebung parallel von 48 Prozent im September 2025 auf jetzt 40 Prozent zurück. Ganze 21 Prozent gaben an, Anschaffungen wie Möbel, Urlaube oder Hobbys für die Kinder seien „eher nicht drin“ während 22 Prozent sagten, sie hätten in den vergangenen Monaten bewusst auf Dinge verzichtet oder bei Ausgaben für das Kind wie Freizeitaktivitäten genauer nachgerechnet als früher.

Besorgniserregend sei laut „Save the Children“, dass „alltägliche Ausgaben, gesunde Ernährung oder Kleidung sogar für Stress in Familien sorgen.“ Eine Hauptursache der Kinderarmut sowie der Sorgen sei die Arbeitslosigkeit von Eltern. Die Organisation leitet aus der Umfrage eine klare politische Handlungsaufforderung ab: 83 Prozent der Befragten sagten aktuell, die Bundesregierung solle gegensteuern.

Wo und wie das sinnvoll möglich ist, bleibt umstritten. Andere Organisationen wie UNICEF berechnen für Deutschland seit Jahren den Faktor Kinderarmut auf „konstant 15 Prozent“. Im EU-Vergleich sind 24,7 Prozent laut Humanium.org von Armut betroffen oder bedroht. Dort werden die Pandemie und gestiegene Lebenshaltungskosten als wichtige Langzeitgründe angegeben. Eine spezielle messbare Zunahme für Deutschland ist demnach zumindest bis 2025 nicht zu verzeichnen.

Ärmeren Ländern geht's besser

Im EU-Vergleich liegt Deutschland bei den Sozialleistungen europaweit auf dem fünften Platz – nur Luxemburg, Norwegen, Dänemark und Island liegen bei den Familienleistungen pro Kopf davor. An der Höhe der staatlichen Ausgleichszahlungen lässt sich die neue Sorge daher nur schwer abmessen.

UNICEF bemängelte im neuesten Bericht trotzdem eine ähnliche Tendenz wie „Save the Children“: „Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Kinder, bei denen grundlegende Bedürfnisse aus finanziellen Gründen nicht gestillt werden können, in Deutschland deutlich höher als in einigen anderen europäischen Ländern. Dazu gehören wirtschaftlich starke Länder wie Finnland oder Norwegen, aber auch wirtschaftlich schwächere, wie Slowenien oder Portugal.“ Also haben es selbst in einigen ärmeren EU-Ländern mit weniger Ausgleichsleistungen von Armut bedrohte Kinder besser.

Deutschland stagniere beim Kampf gegen Armut, so das UNICEF-Fazit. Die Gruppe der besonders benachteiligten Kinder, die gar keine Unterstützung erhalte, falle in Deutschland deutlich zurück, so eine weitere Erkenntnis dieser Beobachtung.


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Kommentare

Peter Wendt am 15.09.26, 05:34 Uhr

Angst treibt die Menschen wohin sie sollen, erzeugt durch meist unbewiesene Narrative. Die mangelnde Bildung und Erziehung sind zusätzlich Ursache für die derzeitige Hysterie und die allgegenwärtigen Phobien. Das linke Leitmilieu arbeitet dabei stetig an einer neuen Gesellschaftsordnung, die im wesentlichen auch eine Zweiklassengesellschaft sein wird. Allerdings mit unterschiedlichen Profiteuren. Die Herrschaftskaste wird links, die Arbeitsbienen dumm sein.
So gesehen nichts neues.

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