13.10.2026

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Die St.-Johannes-Kirche in Zirkow auf der Insel Rügen aus dem 15. Jahrhundert: Hier bereitet man sich auf die Erntedankfeier am 4. Oktober um 14 Uhr vor
Bild: SeegertDie St.-Johannes-Kirche in Zirkow auf der Insel Rügen aus dem 15. Jahrhundert: Hier bereitet man sich auf die Erntedankfeier am 4. Oktober um 14 Uhr vor

Landwirtschaft in schwierigen Zeiten

Erntedank im Wandel

Pommerscher Weizen für norwegische Lachse – Viele Erzeugnisse bleiben im eigenen Land

Torsten Seegert
02.10.2026

Es mangelte in den letzten Wochen nicht an Erntedankfesten, sowohl auf den Inseln als auch auf dem pommerschen Festland, dies- und jenseits der Oder. Aber Erntedank? Vielleicht ist der Bezug zu Gott dabei schon länger verloren gegangen. Früher hieß es einmal: „Hat Gott mit der Ernte Dir die Hände gefüllt, so danke nicht nur Gott, sondern gib denen, die Not leiden. Denn der Dankbare wird reich und fröhlich, der Undankbare verarmt innerlich.“

Erntedankfest! Der Landwirt weiß wohl noch, was das bedeutet. Es ist ein weiter Weg von den rauen Märztagen, wenn der Pflug seine Furchen durch und der Grubber über das Erdreich zieht, die Saat in die Erde fällt – bis hin zum Herbst, wenn die letzte Ernte eingefahren wird. Viel Arbeit und Mühe, Bangen und Sorgen liegen dazwischen! Besonders an glühend heißen Tagen, wenn er Ausschau nach Regenwolken hielt, die nach Pommern ziehen mögen.

In diesem Jahr war die Ernte durchwachsen. Beim Weizen entsprachen 80 Dezitonnen pro Hektar dem Durchschnitt der letzten Jahre. Mit 230 Euro pro Tonne können die pommerschen Landwirte rechnen – denn die Qualität ist gut. Das ist gut für den Export. Dann wird der Weizen im Hafen Vierow auf Schiffe verladen – norwegische Lachszüchter haben ihn bestellt. Wintergerste, Roggen und Mais bleiben aber im Land – Mais unter anderem als Tierfutter.

Auch Raps, der in diesem Jahr von April bis in den Mai hinein blühte, wird hier schon lange verarbeitet – vor allem zu Ölen und Schmiermitteln. War er einst von wechselnder Bedeutung für die Herstellung von Margarine, so ist er heute unerlässlich bei der Erzeugung von Biokraftstoffen. Immer beliebter wird das kalt gepresste Rapsöl für Salate, Dressings und Marinaden. Auch für Lippenpflegestifte findet es Verwendung.

Blieben noch ein paar Worte zu den Hackfrüchten Kartoffeln und Rüben: Bei den „Tüften“ ist der Ernteertrag durch die trockenen Tage weitaus geringer ausgefallen als zunächst erhofft. Und die Rüben? Die Ernte ist nun angelaufen. Trotz einer reduzierten Anbaufläche hofft man auf eine gute Ausbeute. Täglich kommen etwa 600 Lastkraftwagen zur Zuckerfabrik Anklam, um hier ihre Fruchtlieferung verarbeiten zu lassen.

Doch die pommersche Landwirtschaft ist unter wachsendem Druck: Die Erzeugerpreise sind wie überall zu niedrig, die Kosten für Diesel, Stickstoff, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Personal zu hoch. Dadurch ist die Kostendeckung oftmals nicht gegeben. Und die europäische Landwirtschaftspolitik? Die finanziellen Zuwendungen gehen weiter zurück. Kein Wunder, dass das den Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Landwirtschaft bedeutet Risiko

Und dann der Erntedank! Er hat sich in Bezug auf das damit verbundene Fest gegenüber den letzten einhundert Jahren stark gewandelt. War einst der Dankgottesdienst mit seinem feierlichen Ernteopfergang, mit guten Gaben am Altar, von zentraler Bedeutung, um mit Glockengeläut das „Großer Gott, wir Dich loben dich“ anzustimmen. Heute dagegen wird vielfach der Umzug zum Erntedank durch den Ort bevorzugt, dazu Märkte, auf denen wenigstens auch landwirtschaftliche Erzeugnisse angeboten werden.

Vorbei sind darüber hinaus auch die Tage, als aus den letzten Garben eine Strohpuppe – genannt der „Alte“ (platt: „de Olle“) – gebunden wurde, um die später ausgelassen getanzt wurde. Wer heute das Erntedankfest verfolgt, erkennt eine zunehmende Entkopplung von den Ursprüngen des Dankes an Gott – mit dem sich eben jene Tradition einst fest verband. Allein die Freude über die Einbringung der Ernte und den Abschluss der Saison ist geblieben.

Zudem lässt sich beobachten, dass der Erntedank und das damit verbundene Erntedankfest sich immer weiter zeitlich verschieben: Wurde früher in Pommern der Höhepunkt des landwirtschaftlichen Jahreslaufes noch Ende September / Anfang Oktober begangen, so finden heutzutage, dies- und jenseits der Oder, die ersten Erntedankfeiern bereits Anfang September statt.

Auch hat sich der Charakter der Feste gewandelt. War es früher so, dass weite Teile der Landbevölkerung in Pommern einen direkten Bezug zu Ackerbau und Viehzucht hatten, so ist dieser mit einsetzender Industrialisierung weitgehend verloren gegangen. Ersetzt wird er heute teilweise durch die Erinnerungskultur in Bezug auf den Erntedank. Aber hauptsächlich ist der Erntedank heute eher ein Volksfest.

Vergessen wir nicht, die christlichen Traditionen zum Erntedank zu pflegen und danken wir auch den Landwirten, denn sie sichern mit ihrer Arbeit unsere tägliche Ernährung. Außerdem geht nichts über Erzeugnisse aus heimatlicher Region. Doch für die Erzeuger muss sich die Arbeit auch lohnen.


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