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„Wir entdecken. Wir erforschen. Wir archivieren“ – Oppelner Forschungszentrum stellte in Allenstein seine Arbeit vor
Vielfältige sowie komplexe Ereignisse prägen die Geschichte der Deutschen Minderheit in der Republik Polen. Sie besteht jedoch nicht nur aus großen historischen Geschehnissen und politischen Umwandlungen, sondern ebenso aus den Lebensgeschichten einzelner Menschen, der Entwicklung von Vereinen, dem kulturellen Leben sowie den alltäglichen Erfahrungen der deutschen Gemeinschaft in verschiedenen Regionen Polens. Ein wesentlicher Teil dieser Geschichte droht jedoch vergessen zu werden, falls persönliche Erinnerungen, Dokumente, Fotografien, Urkunden und andere Zeugnisse nicht gesichert und für kommende Generationen bewahrt werden.
An dieser Stelle muss die Rolle des Forschungszentrums der Gesellschaft der Deutschen Minderheit hervorgehoben werden, dessen Aufgabe es ist, sich mit der Vergangenheit anhand verschiedener Überlieferungen, geschichtlicher Quellen bzw. Gegenständen auseinanderzusetzen. Im Rahmen eines Treffens im Kopernikushaus stellte Bartłomiej Kempe, Leiter des Archivs des Forschungszentrums, den Mitgliedern der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit die Arbeit und die Tätigkeitsbereiche des Zentrums vor.
Schwerpunkt Kulturelles Erbe
Das Forschungszentrum legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Geschichte und das kulturelle Erbe der Deutschen in der Republik Polen. Die Einrichtung versteht sich nicht nur als Forschungseinheit, sondern auch als Institution, die historische Quellen sammelt, sichert, wissenschaftlich analysiert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Es befasst sich mit Projekten und Initiativen, die unterschiedliche Aspekte der Geschichte der Deutschen Minderheit und des deutschen Erbes in den Mittelpunkt stellen. Dabei handelt es sich sowohl um historische Ereignisse als auch um Fragen der Erinnerung, Identität und des Umgangs mit dem kulturellen Erbe.
Ein weiterer Ansatz ist die Veröffentlichung und Vermittlung der Forschungsergebnisse. Über die Publikationen werden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur in der Fachwelt verbreitet, sondern auch den Mitgliedern der Deutschen Minderheit zur Verfügung gestellt. Die Arbeit des Archivs kostet viel Zeit und Aufwand, denn die Einrichtung sammelt und bewahrt historische Materialien. Gerade diese Ameisenarbeit ist für die Geschichte der Deutschen Minderheit von großer Bedeutung. Die Sammelbestände und Materialien sind eine wertvolle Schatzkammer für Geschichts- und Ahnenforscher.
Die Dimension der archivalischen Mission wird deutlich, wenn man sich die Bestände näher anschaut: Das digitale Archiv umfasst mehr als 50.000 Seiten aus den Archiven verschiedener Organisationen. Rund 95 Prozent der Bestände sind bereits digitalisiert. Damit wird nicht nur die langfristige Sicherung der Quellen gewährleistet, sondern auch deren Nutzung für zukünftige Forschungsarbeiten erleichtert. Den Gesprächen mit Zeitzeugen wird dabei eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Zusammen mit Fotografien, Briefen, Vereinsunterlagen, Zeitungen und anderen persönlichen Dokumenten geben Erinnerungen von Zeitzeugen Einblicke in Lebensabschnitte von Menschen und Bestehenssperioden von Strukturen der Deutschen Minderheit.
Somit entsteht ein vielschichtiges, anschauliches Bild der Geschichte der Deutschen Minderheit. Für die Mitglieder der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit war Kempes Besuch deshalb eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Forschungszentrums näher kennenzulernen.
Ein vielschichtiges Bild
In seinem informativen Vortrag besprach der Referent die vielschichtigen Aufgaben der Einrichtung; danach wurden die Zuhörer dazu eingeladen, sich die Ausstellung anzuschauen. Die Informationstafeln mit dem Titel „Wir entdecken. Wir erforschen. Wir archivieren“ widmen sich dem zehnjährigen Bestehen des Archivs des Forschungszentrums in Oppeln.
Die Ausstellung zeigt anhand konkreter Beispiele, welche Schätze in Archiven zu finden sind. Zu den besonderen Ausstellungsstücken gehören beispielsweise eine Schultafel aus Techlipp (Ciecholub)/Pommern aus den 1950er Jahren, Zeitungsfragmente aus derselben Dekade sowie Satzungen und Rundschreiben aus den 1980er Jahren. Die Ausstellung ist interaktiv gestaltet. Über QR-Codes können Besucher weitere Beispiele aus den Beständen des Forschungszentrums kennenlernen.
Das Treffen mit Kempe im Haus Kopernikus verdeutlichte, dass die Bewahrung der Geschichte nicht allein eine Aufgabe von Historikern und Archiven ist. Auch Vereine, Familien und Einzelpersonen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. Oft befinden sich gerade in privaten Schubladen und Vereinsräumen Dokumente, Fotografien, Briefe oder andere Erinnerungsstücke, die für die Geschichte der Deutschen Minderheit von unschätzbarem Wert sein können. Wer die Geschichte seiner Herkunft besser versteht, der ist sich auch seiner Identität bewusster und kann seine Zukunft verantwortungsvoller gestalten.