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Der Wochenrückblick

Gesellen im Glashaus

Warum die Spanier Ceuta abtreten sollen, und was die Türken an dieser Forderung stören könnte

Hans Heckel
15.08.2026

Das Drama in Ceuta beschenkt uns mit einem ganzen Haufen an beunruhigenden, aber auch sehr aufschlussreichen Erkenntnissen. Wir sehen, wie sich ein links regiertes Land, flankiert von einem merkwürdigen Gerichtsurteil, von einem skrupellosen Nachbarn durch die Arena jagen lässt. Wir lernen, was vom Schutz der EU-Außengrenzen übrig bleibt, wenn er mal ordentlich „getestet“ wird, wie es dann etwas dröge heißt.

Und man präsentiert uns einen bunten Strauß an Selbstgerechtigkeit, der in den Farben fast aller Beteiligten blüht. Madrids Linksregierung etwa piesackt Israel mit dem Vorwurf, ein kolonialistisches Besatzungsregime zu unterhalten, hält aber unverdrossen an seinen Ansprüchen auf die Exklaven an der afrikanischen Küste fest.

Das greifen wiederum die „Antikolonialisten“ begierig auf und fordern die Spanier auf, endlich auf ihre „Kolonien“ am Südufer des Mittelmeers zu verzichten. Schließlich seien die Spanier ja ein europäisches Volk, doch Ceuta, Melilla und eine kleine Felshalbinsel dazwischen, die auch noch zu Spanien gehört, befänden sich aber in Afrika.

Wie kam es eigentlich dazu, dass die Spanier da hocken? Nun, daran sind eigentlich die Portugiesen schuld. Die haben den gesamten Küstenstreifen mit Tanger und Ceuta 1415 in Besitz genommen und „Algarve ultra mar“ getauft, also in etwa „die Algarve jenseits des Meeres“. Zu jener Zeit herrschten in Granada noch die Mauren. Später verschmolzen Spanien und Portugal zu einer Personalunion, trennten sich nach jahrelanger Keilerei wieder, woraufhin Ceuta schließlich in der Erbmasse der Spanier landete.

Dass die Spanier Ceuta aufgeben sollen mit dem Argument, dass sie Europäer sind und Ceuta in Afrika liegt, wird nun besonders von orientalischen Heißspornen und ihren europäischen, „antikolonialistischen“ Unterstützern mit frischer Inbrunst hervorgekehrt. Ceuta müsse wieder muslimisch werden, fordern arabisch-muslimische Influencer dieser Tage lautstark. Allerdings übersehen sie wohl etwas, dass ihnen schwer in die Magengrube fahren sollte.

Als Ceuta schon von christlichen Europäern und nicht mehr von Muslimen beherrscht wurde, war Konstantinopel noch für Jahrzehnte christlich-byzantinisch. Erst 1453 rissen sich die asiatisch-islamischen Osmanen die alte oströmische Metropole unter den Nagel. Wenn die Europäer aus Ceuta verschwinden sollen, weil es erobertes Land auf einem fremden Kontinent sei, was haben die aus Zentralasien stammenden Türken dann noch in Konstantinopel zu suchen, das sie (so würden „Antikolonialisten“ es wohl einordnen) später in kolonialistischer Selbstherrlichkeit auch noch in „Istanbul“ umgetauft haben? Ei-ei-ei, was für hässliche Fragen!

Vielleicht sollten die Griechen die Konstantinopel-Sache mal aufs Tapet bringen. Wir wären gespannt: Die Reaktion der genannten muslimischen Influencer dürfte interessant ausfallen. Die Spanier dagegen sollten das Thema besser nicht hochjazzen, denn Madrid fingert ja seinerseits schon seit Generationen an der britischen Souveränität über Gibraltar herum. Und da sind die Parallelen, zumindest geographisch, zu den eigenen Afrika-Exklaven noch weitaus näherliegend als im Falle der alten byzantinischen Kaiserstadt.

Ja, so ist das: Man wäge seine Forderungen wohl und denke sie erst mal zu Ende, bevor man sich damit das eigene Glashaus zertrümmert.

Selbstgerechtigkeit rächt sich nämlich gelegentlich, was die Selbstgerechten nur allzu gern verdrängen, bis es zu spät ist. In einer Demokratie ist es am Ende der Wähler, der bittere Quittungen in die Urne werfen darf, wenn es die politisch Mächtigen zu weit treiben. Oder auch nicht. Das hängt davon ab, ob die Bürger das schräge Wirken der Regierenden überhaupt stört.

Auf Bayerns Kosten verplempert

Die Berliner, wo ja demnächst Wahlen stattfinden, scheinen da ein Höchstmaß an Genügsamkeit entwickelt zu haben. Viele Deutsche im Rest der Republik blicken mit Staunen an die Spree und darauf, was da so alles möglich ist. Während insbesondere die Klimabesorgten den grassierenden Wassermangel im Land beklagen, gönnt sich die stramm linke Berliner Volksbühne ein 25 Meter langes Planschbecken vor der Theatertür. 300.000 Euro soll der Spaß kosten, eingetrieben beim Steuerzahler, und nach acht Wochen wieder abgebaut werden. Begründet wird die Aktion irgendwie linkspolitisch.

Gleichzeitig fördert eine Anfrage der AfD an den Berliner Senat ein Füllhorn zutage, an dem sich linker Aktivismus kräftig bedienen kann. Offiziell gehen jedes Jahr mehr als fünf Millionen Euro vom Finanzsenator an Stiftungen und andere Organisationen, damit die sich dem edlen Werk der Entwicklungshilfe in der Dritten Welt widmen können. In Wahrheit findet die „Entwicklungshilfe“ fast ausschließlich in Berlin selbst statt: Ausgegeben wird das Geld etwa für Aktionen für Gender und Nachhaltigkeit oder gegen „globale Ungerechtigkeit“ oder „Rassismus“. Dabei wird viel Papier produziert, das dann beispielsweise an Schulen gehen soll, um dort die gewünschte linkslastige Sicht auf die Welt zu fördern.

Hauptnutznießer ist laut Medien die Stiftung Nord-Süd-Brücken, die pro Jahr mehr als zwei Millionen Euro aus dem Stadtsäckel erhalte. Damit werden neben linker Propaganda auch Demos vor dem Kanzleramt unterstützt. Die Stiftung hat mittlerweile sogar ein Vermögen von elf Millionen Euro in Wertpapieren und zwei Millionen in Grundstücken aufgebaut.

Der Fall hat das Zeug zu einem mittelschweren Skandal, der kurz vor den Berliner Landtagswahlen am 20. September ziemlich peinlich werden könnte – sofern er das angemessene Echo in der Bevölkerung fände. Aber damit ist an der Spree den Erfahrungen zufolge kaum zu rechnen. Die Regierenden können also aufatmen und die Sache gemütlich abheften.

Erleichtert sein dürfen aber auch die Afrikaner, nicht obwohl, sondern gerade weil von den Millionen, die Berlin für „Entwicklungszusammenarbeit“ verplempert, bei ihnen nichts ankommt. Kritische Stimmen vom Schwarzen Kontinent monieren seit Jahrzehnten, dass der Geldsegen aus Europa und anderswo bei ihnen vor allem dazu dient, korrupten Regimen die Taschen zu füllen. Da die Kleptokraten dafür nicht an das Geld der eigenen Bürger gehen müssten, sähen die Einwohner der afrikanischen Länder auch kaum einen Grund, gegen ihre gierigen Herrscher aufzumucken. Zahlen ja die aus dem „Norden“. So stützt die Hilfe bloß die Misere.

Dieses klebrige System der Bürger-Sedierung funktioniert auch in Berlin: Warum sollten sich die Hauptstädter über Verschwendung und Selbstbedienung ihrer politischen Klasse aufregen, wo es doch sowieso vor allem die Bayern sind, die den Quatsch über den Länderfinanzausgleich schultern müssen? So verrottet die deutsche Hauptstadt aus ganz ähnlichen Gründen wie so manches afrikanische Land.


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