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Das jüngste Modell des Unternehmens, der BMW i3 (NA0). Der elektrisch angetriebene Pkw der Mittelklasse soll ab diesem Herbst zu haben sein
Bild: Berthold Werner / BMWDas jüngste Modell des Unternehmens, der BMW i3 (NA0). Der elektrisch angetriebene Pkw der Mittelklasse soll ab diesem Herbst zu haben sein

Im Würgegriff der Politik

Die Krise bei BMW folgt einer historischen Konstante: Staatliche Vorgaben prägen den Autobauer seit seiner Gründung

Dr. Manuel Ruoff
18.08.2026

Nach Volkswagen und Mercedes-Benz schwächelt nun mit BMW auch der dritte große deutsche Autokonzern. Alles andere wäre auch erstaunlich – bei den aktuellen politischen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik. Letztere sind grundsätzlich wirtschaftsfeindlich. Genannt seien nur die im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast, die wuchernde Bürokratie sowie die künstliche Verteuerung von Energie. Bei der Autoindustrie kommt die früher noch unverhohlenere Autofeindschaft der grünen Politiker in den etablierten Parteien hinzu.

Für BMW ist dieser Einfluss politischer Rahmenbedingungen allerdings nichts Neues, hat vielmehr geradezu Tradition. Das fängt schon mit dem offiziellen Gründungsdatum 1916 an. Damals befand sich Deutschland als einer der Hauptakteure im Ersten Weltkrieg. Konsum, Nachfrage, der Markt wurde vornehmlich durch den Staat bestimmt.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen jedoch bis in die Vorkriegszeit zurück. Das gilt auch für das berühmte Firmenlogo. Letzteres geht zurück auf das Markenzeichen eines der BMW-Vorgängerunternehmen: der 1913 von Karl Rapp mit Julius Auspitzer gegründeten Rapp Motorenwerke GmbH. Dieses bestand aus einem schwarzen Ring mit dem Wort „Rapp“ oben und „Motor“ unten in weißer Schrift sowie einer schwarzen Springerfigur des Schachspiels im weißen Zentrum.

Wurzeln im Schatten des Krieges

Die Wurzeln des Unternehmens selbst sind etwas komplizierter und die Angaben dazu widersprüchlich. Lassen wir also die BMW Group selbst hierzu zu Worte kommen: „Die Anfänge von BMW gehen auf Karl Rapp und Gustav Otto zurück. Aus der Flugmaschinenfabrik Gustav Otto geht 1916 auf staatliches Betreiben die Bayerische Flugzeug-Werke AG (BFW) hervor. Aus den Rapp Motorenwerken entsteht parallel dazu 1917 die Bayerische Motoren Werke GmbH, die 1918 zur AG umgewandelt wird. 1922 überträgt die BMW AG ihren Motorenbau samt Firmen- und Markennamen an die BFW. Das BFW-Gründungsdatum, der 7. März 1916, ist damit auch das Gründungsdatum der Bayerischen Motoren Werke AG. Seit 1917 tragen alle Firmenprodukte das BMW-Emblem, das in Anlehnung an die bayerischen Landesfarben entworfen wird.“

Mit der Kriegsniederlage des Deutschen Reiches und dem anschließenden Friedensdiktat von Versailles ging das Geschäftsmodell des Flugmotorenherstellers verloren. Wie nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch schon nach dem Ersten Deutschland die Produktion von Flugzeugen einschließlich deren Motoren erst einmal verboten. Ähnlich wie Heinkel nach dem Zweiten Weltkrieg stieg BMW schon nach dem Ersten schließlich in die Zweiradproduktion ein. 1923 präsentierte BMW auf der Berliner Automobilausstellung mit der R 32 sein erstes Motorrad.

Von Versailles zur Kriegsproduktion

Ein halbes Jahrzehnt später vergrößerte der Fahrzeughersteller sein Produktportfolio nach oben. In jenem Jahr stieg BMW mit dem Kauf der 1896 gegründeten Fahrzeugfabrik Eisenach – dem späteren VEB Automobilwerk Eisenach – in den Automobilbau ein. Alle BMW-Automobile der Vorkriegszeit wurden ab 1929 in Thüringen gefertigt. Zunächst baute BMW nur Kleinwagen nach einer Lizenz der Austin Motor Company, ab 1932 dann eigene Entwicklungen.

Mit der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 änderten sich die politischen Rahmenbedingungen wieder grundlegend. Man könnte von einer Rückkehr zu den Ursprüngen sprechen. Zwar wurden Motorräder und Automobile weiterhin produziert, der Großteil des Umsatzes wurde nun aber wieder – wie in der Anfangszeit – im Flugmotorenbau erwirtschaftet. Im Zuge der Aufrüstung wurden neue Standorte erbaut und die Produktion massiv ausgeweitet. Das Wachstum zeigte sich auch in der Mitarbeiterzahl. Sie stieg von sechseinhalbtausend beim Übergang von der Weimarer Republik zum Dritten Reich über dreißigtausend bei Kriegsbeginn bis auf über 56.000 im Jahr 1944.

Die Zäsur danach war noch extremer als die von 1918. Denn nicht nur, dass den Deutschen der Bau von Flugzeugen und deren Motoren wieder verboten wurde, ihr Land wurde auch von den Siegern besetzt. Letztere klassifizierten BMW als Rüstungsbetrieb, womit Maschinen und Werkzeuge für die Demontage freigegeben waren.

1948 konnte BMW wieder die Motorradproduktion aufnehmen, und wieder war gleich das erste präsentierte Produkt, die R 24, ein Erfolg. Bereits im ersten vollständigen Produktionsjahr 1949 wurden 9.144 Exemplare der Weiterentwicklung des Vorkriegsmodells R 23 abgesetzt.

Über die Krise zum Durchbruch

Weniger erfolgreich ließ sich hingegen die Wiederaufnahme des Autobaus an. 1952 präsentierte BMW mit dem 501 ein absolutes Luxusauto zu einer Zeit, als das sogenannte Wirtschaftswunder gerade erst angefangen hatte und noch kaum Früchte trug. Am anderen Ende des Marktes bot das Unternehmen ab 1955 das von ihm in Lizenz produzierte, ursprünglich italienische Rollermobil „Isetta“ an. Zwischen den Extremen klaffte eine große Lücke.

BMW geriet in die Krise. Sein Fortbestand als unabhängiges Unternehmen war ernsthaft in Frage gestellt. Doch 1959 geschah Zweierlei. BMW stieß mit dem nicht ganz billigen, aber gefälligen Kleinwagen 700 in die Mitte des Marktes und bediente nicht mehr nur die extremen Ränder. Und der von diesem BMW 700 überzeugte Industrielle Herbert Quandt erweiterte sein finanzielles Engagement und verhalf dem Unternehmen durch den Ausbau des von ihm gehaltenen Aktienpakets aus der Finanzkrise.

Drei Jahre später gelang BMW mit der „Neuen Klasse“ endlich der ultimative Durchbruch. Das Unternehmen konnte im Automobilbau an die Erfolge bei den Motorrädern anschließen. Die kompakten, sportlich ausgelegten, viertürigen Limousinen der Mittelklasse im Stufenheck-Design trafen den Geschmack der Zeit und fanden in ihrem Produktionszeitraum von Anfang der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre genügend Menschen, die dieses Auto sowohl fahren wollten als auch sich leisten konnten. Von 1966 bis 1977 wurde dieses Angebot mit den ähnlich motorisierten und gestylten, aber zweitürigen Coupés der 02er-Reihe nach unten abgerundet. Mit der „Neuen Klasse“ und der 02er-Reihe sowie deren Nachfolgern, der 3er- und der 5er-Reihe, deckt BMW bis heute ziemlich erfolgreich ein breites Spektrum in der Mitte des Automobilmarktes ab.


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