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Hält in Polen die deutsche Sprache am Leben: Natalia Klimaschka
Bild: spectrum.direct/KlimaschkaHält in Polen die deutsche Sprache am Leben: Natalia Klimaschka

Ein Bekenntnis zur deutschen Abstammung

Kämpferin für den Erhalt der deutschen Sprache

Besonders viel Mut zur eigenen Identität – Die Schlesierin Natalia Klimaschka ist Sprachwahrerin des Jahres

Harald Tews
29.09.2026

Die Bewahrung der eigenen Muttersprache ist weit mehr als reine Philologie; sie ist ein Akt des kulturellen Widerstands und der persönlichen Aufrechterhaltung historischer Identität.

Wie vital und zugleich konfliktträchtig dieses Engagement im heutigen Europa sein kann, zeigt das aktuelle Beispiel von Natalia Klimaschka. Die engagierte Wissenschaftlerin und Publizistin aus dem oberschlesischen Ratibor wurde von den Lesern der „Deutschen Sprachwelt“ zur „Sprachwahrerin des Jahres“ gewählt. Mit beachtlichen 26,2 Prozent der abgegebenen Stimmen setzte sie sich in der bundesweit renommierten Abstimmung gegen prominente Konkurrenz durch: Auf dem zweiten Platz folgte der bekannte „Bild“-Kolumnist Harald Martenstein mit 21,4 Prozent, während das österreichische Bundesland Steiermark mit 15,1 Prozent den dritten Rang belegte.

Größere überregionale Bekanntheit erlangte Klimaschka bereits im Vorjahr als schlesische Finalistin beim Wettbewerb „Auslandsdeutsche des Jahres“. Ihre Nominierung rief jedoch nicht nur wohlverdiente Anerkennung, sondern auch tief sitzende Ressentiments hervor. Von nationalistischen Kreisen in Polen wurde sie als vermeintliche „Verräterin“, „deutscher Abschaum“ und feindliche Agentin diffamiert; sogar Gewaltandrohungen blieben nicht aus.

Doch die promovierte Historikerin, Juristin und Journalistin, deren Familie nachweislich seit dem 17. Jahrhundert tief in Schlesien verwurzelt ist, ließ sich von diesen Anfeindungen nicht beirren. Ihre eigene Familiengeschichte spiegelt das kollektive Trauma der Region wider: Nach 1945 mussten ihre Eltern unter dem polnischen kommunistischen Regime ihre Namen zwangsweise polonisieren und die deutsche Sprache komplett ablegen. Nach der politischen Wende erwuchs daraus das dringende Bedürfnis, die jahrzehntelang systematisch unterdrückte deutsche Kultur neu zu erforschen.

Heute vertritt Klimaschka eine der rund 300.000 Personen starken deutschen Minderheiten in der Republik Polen, die vor allem in Oberschlesien sowie in Ermland-Masuren beheimatet sind. In vielen Gemeinden nahe Ratibor ist Deutsch mittlerweile als zweite Amtssprache gesetzlich anerkannt, sichtbar untermauert durch zweisprachige Ortsschilder. Ihre fundierte akademische Expertise – sie promovierte an der Universität Kattowitz über das Deutschlandbild in der polnischen Nachkriegspresse – nutzt Klimaschka für ein professionelles, zweisprachiges Internetportal. Mit historischen Artikeln und aufwendigen Dokumentarfilmen, etwa über den Dichter Joseph von Eichendorff oder das Fürstenhaus Lichnowsky, wirbt sie unermüdlich für die nachhaltige deutsch-polnische Verständigung.

Ihr Einsatz zeigt sich auch im Kleinen: Nach langem Ringen erreichte sie, dass ihr Familienname im Ausweis wieder in der ursprünglichen deutschen Schreibweise geführt wird. Die Auszeichnung als „Sprachwahrerin“ würdigt somit eine mutige Frau, die in der vordersten Reihe für die Restitution verdrängter Kulturgeschichte kämpft.


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