Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Die Bundeswehr ehrt ihren 17. Generalinspekteur, General des Heeres Carsten Breuer, mit einem Großen Zapfenstreich
Der seit dem 17. März 2023 amtierende 17. Generalinspekteur der Bundeswehr, der General des Heeres Carsten Breuer, wurde am vorletzten Sonnabend vom NATO-Militärausschuss, der obersten militärischen Instanz des Bündnisses, zu dessen Vorsitzendem gewählt. Im Juli kommenden Jahres soll er das Amt antreten. Zum Ausscheiden aus seiner jetzigen Funktion wird er von der Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich geehrt werden.
Hierbei handelt es sich um das protokollarisch höchstrangige militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Hierbei handelt es sich um das das protokollarisch höchstrangige militärische Zeremoniell der Bundeswehr und gilt als höchste Auszeichnung, welche die deutschen Streitkräfte einer Zivilperson zuteilwerden lassen können. Grundsätzlichen Anspruch auf eine Verabschiedung durch einen Großen Zapfenstreich haben der Bundespräsident, der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister. Aber auch Militärs im Range eines Generals oder Generalleutnants bzw. eines Admirals oder Vizeadmirals steht ein Großer Zapfenstreich zu, wenn sie aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Außerdem wird er zu besonderen Anlässen wie etwa bei öffentlichen Gelöbnissen, bei Verbandsjubiläen oder zum Abschluss großer Manöver abgehalten.
Weit verbreitete Verwendung
In Österreich und in der Schweiz gehört er ebenfalls zum militärischen Ritual, und auch außerhalb der Streitkräfte ist er anzutreffen. So ist er in der Bundesrepublik inzwischen längst auch Bestandteil von Feuerwehr- und Schützenfesten oder Stadtjubiläen, wo er dann von zivilen Musikkapellen, Spielmannszügen und Vereinsorchestern zur Aufführung gelangt.
Ein ungleich höheres Alter als der Große Zapfenstreich hat der weniger zeremonielle einfache Zapfenstreich, auf den er zurückgeht. Erstmals erwähnt wurde der Begriff „Zapfenstreich“ 1596, als den Landsknechten per Trommel, Horn oder Trompete signalisiert wurde, dass nun Nachtruhe zu herrschen habe. Der Ausdruck stammte vermutlich aus der frühen Gastronomie, als der Wirt auf den Zapfen des Getränkefasses schlug, was als Ende des Ausschanks galt. Beim Militär schlug der Wachhabende zum Zeichen des Feierabends mit dem Säbel auf den Zapfen der Bierfässer. Heute wird der Brauch noch im Heer und in der Luftwaffe verwendet; bei der Marine heißt es „Ruhe im Schiff“, und bei der Kavallerie wurde der Zapfenstreich einst als „Retraite“ bezeichnet.
Allerdings gilt der Zapfenstreich, der heute auf 23 Uhr angesetzt ist, nur für die Mannschaften und die Unteroffiziere ohne Portepee. Unteroffiziere mit Portepee (ab Feldwebel) und Offiziere unterliegen dagegen keinem nächtlichen Ausgehverbot; sie müssen sich nach dem Zapfenstreich lediglich ruhig verhalten und die Nachtruhe einhalten.
Ursprünglicher Zweck
Der Ursprung des Großen Zapfenstreichs liegt am Beginn der Befreiungskriege gegen die Armee Napoleons. Als der preußische König Friedrich Wilhelm III. nach der Schlacht von Großgörschen am 2. Mai 1813 zusammen mit dem russischen Zaren Alexander I. in den Abendstunden das russische Lager besichtigte, sangen die Soldaten nach dem Zapfenstreich einen Choral. Der König war tief beeindruckt und befahl mittels Kabinettsorder vom 10. August des Jahres für die preußischen Truppen, nach dem Zapfenstreich ein Gebet einzuführen sowie ein Militärlied zu blasen. Dabei wurde das Gewehr präsentiert. Mit dieser Ausweitung des Zapfenstreichs folgte Preußen nicht nur dem Beispiel Russlands, sondern auch Österreichs und Schwedens, wo dies ebenfalls üblich war.
Nicht überliefert ist, welches Musikstück ursprünglich als Gebet gespielt wurde. Allerdings setzte sich schon bald der noch heute verwendete Choral Ich bete an die Macht der Liebe durch. Hierfür kombinierten um das Jahr 1824 der deutsche Autor, Pfarrer, Kirchenlieddichter und Missionar Johannes Evangelista Goßner sowie der russische Organist, Pianist, Musikpädagoge und Komponist Johann Heinrich (Iwan Karlowitsch) Tscherlizki eine Melodie, die der russische Komponist und Dirigent Dmitri Bortnjanski wahrscheinlich 1794 auf einen anderen Text komponierte, mit der Choralstrophe Ich bete an die Macht der Liebe, die der deutsche Weber, Laienprediger und Schriftsteller Gerhard Tersteegen um 1750 schuf.
Russische Inspiration
Die endgültige Gestaltung des Großen Zapfenstreichs erfolgte dann durch den Direktor aller Musik-Kapellen des Garde-Korps der preußischen Armee, Wilhelm Friedrich Wieprecht. Am 12. Mai 1838 fand zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I. in Berlin die erste Aufführung statt. Als der Zar am 10. August desselben Jahres erneut die preußischen Truppen besichtigte, ordnete Friedrich Wilhelm III. den Zapfenstreich in dieser Form für die gesamte preußische Armee an. Diesen „Russischen Zapfenstreich“, wie er nun auch genannt wurde, erweiterte Wieprecht anschließend unter anderem um die Kavallerie-Retraite und einige weiteren Elemente.
Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 wurde, wenn der Monarch anwesend war, vor dem Gebet die Kaiserhymne „Heil dir im Siegerkranz“ gespielt. In der Weimarer Republik ertönte ab 1922 zum Abschluss der Zeremonie die deutsche Nationalhymne. Heute wird bei Anwesenheit hoher ausländischer Gäste oder Truppenteile auch deren Nationalhymne gespielt. Ab 1938 gab es den Großen Zapfenstreich der Deutschen Polizei, der 1940 in „Der Abendruf der Deutschen Polizei“ umbenannt wurde und dessen Aufführung nur für die Musikkorps der Polizei und der Allgemeinen SS vorgesehen war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben beide deutsche Teilstaaten die Tradition aufgegriffen. Die Nationale Volksarmee führte 1962 den Großen Zapfenstreich wieder ein. 1981 wurde er dort um „Elemente des progressiven militärischen Erbes“ ergänzt – etwa um das Lied „Für den Frieden der Welt“ des sowjetischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch.
Von der Bundeswehr wird er jährlich etwa 20- bis 30-mal durchgeführt; seine Gesamtdauer beträgt rund 20 Minuten. Die Ausführung erfolgt durch eine spezielle, nur für den jeweiligen Zweck vorgesehene Formation. Dazu gehören ein Musikkorps mit angeschlossenem Spielmannszug, zwei Züge Gewehrbegleitkommando in der Stärke von jeweils 31 Soldaten sowie eine Begleitformation aus 76 Fackelträgern. Die gesamte Abteilung wird vom kommandierenden Offizier als „Der Zapfenstreich“ angesprochen, womit also sowohl das Zeremoniell selbst als auch die daran beteiligten Soldaten gemeint sind. Findet der Große Zapfenstreich in Berlin statt, gehören die beteiligten Soldaten in der Regel dem Wachbataillon und dem Stabsmusikkorps an.
Der Große Zapfenstreich wird immer am Abend und meist in der Öffentlichkeit durchgeführt. Er umfasst die vier Elemente Aufmarsch, Serenade, Musikfolge und Ausmarsch. Aufmarsch und Aufstellung der Truppe sind genau geregelt. Abweichungen sind nur mit Genehmigung des Bundesministeriums der Verteidigung erlaubt.
Friedrich Wieprechts Werk
Der Aufmarsch beginnt mit dem Kommando „Großer Zapfenstreich – stillgestanden“ und schließt mit dem „Marsch des Yorckschen Korps“. Er beinhaltet zudem die Meldung an die zu ehrende Person bei personenbezogenen Großen Zapfenstreichen oder an den ranghöchsten anwesenden Militär oder Zivilisten bei anlassbezogenen Großen Zapfenstreichen wie Verbandsjubiläen.
Der zweite Teil wird mit dem Kommando „Serenade“ eingeleitet. Die Serenade ist eine Abfolge von drei Musikstücken und kann auch als eigene Zeremonie begangen werden. In der Serenade sind die Musikstücke nicht festgelegt. Beim personenbezogenen Großen Zapfenstreiches darf der zu Verabschiedende sie sich aussuchen. Zu den bisher gewählten Musikstücken gehören „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von Karat für Bundespräsident Joachim Gauck 2017, „Smoke on the Water“ von Deep Purple für Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg 2011 und „Wind of Change“ der Scorpions für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.
Struktur und Ablauf des Rituals
Danach beginnt mit dem Kommando „Großer Zapfenstreich stillgestanden!“ der eigentliche Große Zapfenstreich. Zunächst ertönt unter Leitung des Tambourmajors der Spielmannszug, was an die einstigen Trommelsignale erinnert, die den Zapfenstreich verkündeten. Es folgen der Preußische Zapfenstreichmarsch in der Tradition der Infanterie sowie drei Fanfarenrufe für die frühere Kavallerie.
Dann gibt der Spielmannszug das Zeichen zum Gebet. Dem Kommando „Helm ab zum Gebet!“ folgt „Ich bete an die Macht der Liebe“ als symbolische Gelegenheit zur Andacht für alle Glaubensgemeinschaften und als Aufforderung zu Frieden und Toleranz. Die beteiligten Soldaten halten dabei den Helm mit der linken Hand vor die Brust; andere anwesende Soldaten in Uniform nehmen ihre Kopfbedeckung ab. Damit dieser Vorgang zackig, zügig und reibungslos verläuft, wird beim Großen Zapfenstreich zum Großen Dienstanzug ein besonderer Helm getragen, der sich leichter abnehmen lässt als der herkömmliche Gefechtshelm.
Das Kommando „Helm auf!“ verkündet das Ende des Gebets, und nach dem Kommando „Achtung, präsentiert!“ beziehungsweise „Achtung, präsentiert das Gewehr“ wird die deutsche Nationalhymne gespielt. Zum Schluss erfolgt die Abmeldung des Großen Zapfenstreichs und unter den Klängen des Preußischen Zapfenstreichmarsches der Ausmarsch der Formation.