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Gumbinnen ist nun um eine Erinnerungsstätte reicher: die neu aufgestellten Kaiserpaarskulpturen vor dem Stadtmuseum
Bild: Screenshot Kaliningrad.ruGumbinnen ist nun um eine Erinnerungsstätte reicher: die neu aufgestellten Kaiserpaarskulpturen vor dem Stadtmuseum

Gumbinnen ehrt letzte Zarenfamilie

Büsten für Nikolaj II. und Alexandra

Lange verschollene Skulpturen des von den Bolschewisten ermordeten Kaiserpaars vor dem Stadtmuseum

Bodo Bost
28.10.2026

In Gumbinnen erinnern seit Anfang September zwei neue Denkmäler an das letzte russische Herrscherpaar. Vor dem örtlichen Historisch-Landeskundlichen Museum wurden Büsten von Zar Nikolaus II. und seiner deutschen Gemahlin, Kaiserin Alexandra, der gebürtigen Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt, aufgestellt. Die Enthüllung fand im Rahmen der sogenannten Zarentage statt, die in diesem Jahr in der Region Königsberg veranstaltet werden. An der Entstehung des Projekts waren nach Angaben der Gebietsregierung Vertreter der Regionalverwaltung, von Wissenschaft und Museen, Heimatforscher sowie private Förderer beteiligt.

Bemerkenswert ist die Herkunft der beiden Arbeiten. Geschaffen wurden sie vom weißrussischen Monumentalkünstler Leonid Michailjonok (1930–2011), der zu Sowjetzeiten mit dem Titel „Verdienter Künstler der RSFSR“ ausgezeichnet worden war und Träger des Staatspreises der UdSSR gewesen war. Die beiden Büsten wurden erst 2011 nach dem Tod des Bildhauers wiederentdeckt. Zuvor befanden sie sich in der Sammlung des St. Petersburger Künstlerverbandes. Sie gingen auf Michailjonoks Kollegen Jewgenij Tunij über, einen leitenden Dozenten am Lehrstuhl für Bildhauerei der Ilja-Repin-Kunstakademie in St. Petersburg. Er war auch der Architekt des Gedenkkomplexes, der in Gumbinnen zur Aufstellung der Büsten errichtet wurde.

Damit gelangten die Darstellungen des letzten Zarenpaares schließlich in eine Region, die historisch eng mit der Geschichte des russisch-deutschen Grenzraums verbunden ist. Gumbinnen gehörte bis 1945 zu Ostpreußen. Die Stadt war Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Gumbinnen und spielte damit eine wichtige Rolle in der Geschichte der östlichen preußischen Provinz.

Die Erinnerung an Nikolaus II. hat zugleich eine besondere Dimension. Er war von 1894 bis zu seiner Abdankung im März 1917 Kaiser von Russland. Unter seiner Herrschaft erlebte das Russische Reich die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg, die Revolution von 1905 und schließlich den Zusammenbruch der Monarchie während des Ersten Weltkriegs. Nikolaus II. und seine Frau Alexandra Fjodorowna sowie ihre fünf Kinder wurden 1918 in Jekaterinburg von den Bolschewiki ermordet.

Heute wird das letzte russische Kaiserpaar in Russland nicht allein als historische Herrscherpersönlichkeit betrachtet. Die Russisch-Orthodoxe Kirche verehrt Nikolaus II. und seine Familie als Märtyrer. Die Familie wurde im Jahr 2000 heiliggesprochen. Die Büsten können also auch als Heiligenikonen verstanden werden. Die neu aufgestellten Büsten sind daher mehr als bloße Porträtdarstellungen. Sie stehen zugleich für den Wandel des öffentlichen Umgangs mit der russischen Monarchie im heutigen Russland. Ihre Aufstellung in Gumbinnen verbindet diese Erinnerung mit einem Ort, dessen eigene Geschichte durch den politischen Umbruch des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig verändert wurde.

St. Petersburg und Gumbinnen vertiefen Zusammenarbeit

Die Geschichte der Skulpturen schilderte bei der Eröffnung der Kurator des Projekts, Alexej Aranowitsch, Professor an der Staatlichen Universität für Industrietechnologien und Design in St. Petersburg und vom Kulturministerium der Russischen Föderation akkreditierter Experte für Kulturgüter. Der St. Petersburger Künstlerverband ist eine der ältesten Künstlervereinigungen der nördlichen Hauptstadt. Er und das Museum in Gumbinnen werden ihre Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter ausbauen. Diese Pläne haben der Vorsitzende des St. Petersburger Künstlerverbandes, Andrej Basanow, und die Direktorin des Geschichts- und Heimatkundemuseums von Gumbinnen, Natalja Sitnikowa, mit einem Kooperationsvertrag in den Bereichen Kultur, Museumswesen und Ausstellungstätigkeit besiegelt.

Anna Gromowa, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stiftung „Elisabeth-und-Sergius-Gesellschaft für Aufklärung“, würdigte bei der Enthüllung die Zusammenarbeit von Verwaltung, wissenschaftlichen und musealen Einrichtungen, Heimatforschern und privaten Förderern. So treffen in Gumbinnen mehrere historische Erinnerungsebenen aufeinander: die preußische Vergangenheit der Stadt, die Geschichte des Russischen Reiches und die Erinnerung an dessen letztes Herrscherhaus. Die beiden Büsten geben dieser vielschichtigen Geschichte nun einen sichtbaren Platz vor den Mauern des Museums.


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