Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Die geringe Eigentümerquote in Deutschland verstärkt die Gefahr von Armut und Ungleichheit – ganz besonders im Alter
Die Eigentümerquote in Deutschland sinkt. Immer weniger Deutsche wohnen im eigenen Heim – sei es ein Haus oder eine Wohnung. Nur 26 Prozent der 25- bis 45-Jährigen besitzen eigene vier Wände – rund ein Fünftel weniger als im Immobilienboom von 2008. Das ist die „Generation Miete“.
Laut neuesten Zahlen liegt die aktuelle Gesamtquote über alle Altersklassen bei rund 43,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit gut 20 Jahren. Im europäischen Vergleich bildet Deutschland damit mit der Schweiz das Schlusslicht. Dass junge Menschen kaum Vermögen in Form von Eigentum aufbauen und mehr als die Hälfte der Deutschen von Mieten abhängig ist, hat Folgen – für sie, für den Staat und für folgende Generationen.
In Deutschland macht das Sachvermögen den mit Abstand größten Teil des Gesamtvermögens privater Haushalte aus. Immobilien, vor allem selbst genutzte, bilden den Hauptpfeiler. Wohneigentum ist Teil der Vermögensentwicklung in Deutschland, und die gestaltet sich ebenfalls immer schwieriger als in der Vergangenheit. So werden Ausweichmöglichkeiten zur klassischen Idee vom Eigenheim als übersichtliche und einst leicht erreichbare Anlage rar: Das Medianvermögen, also das eines „typischen“ Haushalts in der Mitte, liegt laut Deutscher Bundesbank aktuell bei 76.000 bis 103.000 Euro.
Zwar steigt das durchschnittliche Nettovermögen privater Haushalte, doch dessen eher statistische Höhe von 324.800 Euro wird durch wenige Vermögende verfälscht, und zudem frisst die Inflation daran. So ist selbst diese eher künstliche Größe zuletzt leicht rückläufig.
Die Frage, wer Wohnraum sein Eigen nennt, ist keine Randfrage. Sie ist auch keine Modefrage für urbanes Leben gegen ein Leben auf dem Lande, sondern ein Schlüssel für den Aufbau von Wohlstand an sich. Denn im Markt stiegen die Preise von Grund und Boden in den letzten Jahrzehnten so stark, dass die Gewinne in kaum einem anderen Bereich mithalten können. Wenn immer mehr Deutsche an diesem Standbein der Vermögensbildung nicht mehr teilhaben, leiden vor allem fünf Bereiche: die Altersvorsorge, die soziale Sicherheit einschließlich sozialen Friedens, der gesellschaftliche Zusammenhalt auf der Basis von Freiheit und Selbstverantwortung und der Mietmarkt.
Rund jeder dritte Deutsche (32 Prozent laut einer repräsentativen DIVA-Umfrage 2024 mit rund 2.000 Befragten) nennt das Eigenheim oder die Eigentumswohnung als wichtigste private Vorsorge für das eigene Alter. Ähnliche Umfragen zeigen: Die Sicherung des Vermögens, aber auch der Rente, planen die Deutschen vorrangig auf diesem Weg.
Es droht Altersarmut
Wer diese langfristige Kapitalanlage und Mietfreiheit nicht hat, bildet weniger Vermögen, insbesondere wenn der Mietmarkt steigt. Der „Generation Miete“ entgeht in ihren leistungsfähigsten Jahren der Einstieg in die Immobilie. Sie kann nur noch auf einen günstigen Mietmarkt und Renditen aus anderen Anlagen hoffen. Altersarmut ohne Rückhalt kann die Folge sein, die sich durch staatliche Sozialmaßnahmen kaum abfedern ließe.
Zwar gibt es schon jetzt hohe Liquiditätsarmut im Alter – also Rentner die Wohneigentum haben, aber nicht genug Einkommen für laufende Kosten aufbringen. Doch ihnen bleibt wenigstens die Möglichkeit zum Verkauf oder zur Verpfändung, um liquides Einkommen zu schaffen, teils ohne den Wohnsitz zu verlassen. Ohne eigenes „Betongold“ sind Haushalte nicht in der Lage, eine steingewordene Reserve für ein Pflegeheim oder Krankheit im Alter einzuplanen. Statt das eigene Heim einzusetzen, sitzen sie in zu großen Mietwohnungen, deren Wechsel aber wegen Wohnraummangels und hoher Mieten wiederum zu riskant wird – ein Turbo für weitere Mietanstiege.
Nicht nur im Alter zahlen sich Haushalte in urbanen Räumen arm für die Miete, deren Anteil an den Gesamtkosten der Haushalte steigt. Der Folgegeneration bleibt weniger Erbe, der Wohlstand wird aufgezehrt: Statt ein Haus oder eine Wohnung im Bedarfsfall zu Geld machen zu können, droht die Abhängigkeit vom Sozialamt, das letzte Vermögenswerte einzieht. Finanzielle Fremdsteuerung droht.
Vermögenslos in die Zukunft
Sogar psychische Belastungen werden von Experten auf die abnehmende Eigentumsquote der Deutschen zurückgeführt: Mehr Unsicherheit erzeugt Stress. Auch der Ost-West-Gegensatz bei Vermögen und Vermögensbildung droht sich durch verpasste Einstiege in die Wertentwicklung von Immobilien zu steigern.
Die Vermögensungleichheit wächst so insgesamt, warnen Experten: Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen schon jetzt einen Großteil des Gesamtvermögens, während die untersten 20 bis 30 Prozent kaum oder gar kein Vermögen beziehungsweise verschuldet sind.