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Der Deutsche Orden begann mit Hohlpfennigen, dann folgten die Silbertaler und schließlich kamen Goldgulden in den Umlauf
Ländereien zu erobern ist das eine, sie zur wirtschaftlichen Blüte zu führen, das andere. Diese Erfahrung musste auch der Deutsche Orden machen, nachdem es ihm gelungen war, einen eigenen Staat im ehemaligen Siedlungsgebiet der Prußen und weiterer baltischer Völker zu schaffen. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Geldwesen: Das einfache Volk brauchte Kleingeld für den Erwerb von Waren des täglichen Bedarfs, um vom Tauschhandel wegzukommen, während der Adel und die Kaufleute imposantere Summen bewegen wollten. Und der Orden wiederum benötigte zudem eine Währung wie jeder sonstige Landesherr auch.
Lust auf Gold
Dabei folgte er zunächst der üblichen Praxis des Hochmittelalters und gab papierdünne Hohlpfennige aus Silber aus – größere Nominale wie der Schilling oder die Preußische Mark waren anfangs nur fiktive Recheneinheiten. Zur Zeit des Hochmeisters Winrich von Kniprode, die von 1351 bis 1382 währte, wurden dann allerdings in den Münzstätten von Thorn, Elbing und Königsberg auch andere Silberstücke geprägt, nämlich der Schilling im Wert von zwölf Pfennigen, wobei 60 Schillinge eine Mark ergaben, der Halbschoter zu 16 Pfennigen und das Vierken zu vier Pfennigen. Das machte die Bezahlung wertvollerer Güter deutlich unkomplizierter. So kostete ein Paar Stiefel damals 180 Pfennige, deren Transport und Abzählung sich bislang recht umständlich gestaltet hatten.
Außerdem brachten die Hochmeister ab 1396 auch Goldgulden in Umlauf, die vor allem zwei Zwecken dienten: Zum einen sollten sie dem Deutschen Orden Prestige im In- und Ausland verschaffen, zum anderen bestanden die häufig angeworbenen ausländischen Söldner in der Regel auf einer Entlohnung in Gold. Typisch war dabei, dass die preußischen Prägungen sehr stark den ungarischen Gulden ähnelten. Und auch sonst orientierte sich der Orden selbst zur Zeit der höchsten wirtschaftlichen Blüte seines Staates in ausgeprägtem Maße am Geldwesen des Auslandes.
Vielfalt an Geld und Währungen
Das führte zu der paradoxen Situation, dass der Orden zwar erhebliches politisches Gewicht besaß, aber keine finanzielle Großmacht mit einem originären Währungssystem darstellte. Das äußerte sich auch im reichlichen Umlauf fremder Geldstücke, unter denen die Böhmischen Groschen die wichtigste Rolle spielten. Zudem stammten die Edelmetalle, die im Ordensstaat ausgemünzt wurden, in aller Regel aus Bergwerken in Oberungarn.
Eine weitere Besonderheit des damaligen Geldwesens in Ost- und Westpreußen war das ausgeprägte Mitspracherecht des Adels und der Bürger in Währungsfragen, das es dem Orden erschwerte, geldpolitische Entscheidungen ausschließlich zum eigenen Vorteil zu treffen. Aber die Ordensritter wollten mit den Ständen kooperieren, um auf diese Weise Recht und Frieden im eigenen Herrschaftsbereich zu bewahren und der Idee des Gemeinnutzes Geltung zu verschaffen. Ungeachtet dessen mussten sie aber immer wieder auch unpopuläre Entscheidungen treffen und Währungsreformen durchführen.
So sah der Erste Frieden von Thorn nach der katastrophalen Niederlage des Ordens gegen Polen und Litauen eine horrende Geldzahlung für die Freilassung der Gefangenen und die Räumung der Ordensburgen durch die Truppen des Feindes in Höhe von 100.000 Schock Böhmischer Groschen vor – das waren sechs Millionen Silberstücke im Gesamtgewicht von rund 15 Tonnen, zahlbar in vier Jahresraten bis 1414.
Um dem hierdurch ausgelösten Silbermangel im Ordensstaat entgegenzuwirken, wurde der Anteil des Edelmetalls in den Prägungen der Hochmeister drastisch reduziert, was natürlich die Kaufkraft der preußischen Münzen schmälerte, weil diese im Gegensatz zum heutigen Papiergeld nicht vom offiziell festgelegten Nennwert, sondern ausschließlich vom realen Feinsilbergehalt abhing. Und dieser sank nun von 845 von 1000 auf 260 von 1000.
Zwecks Ankurbelung der Wirtschaft des Ordensstaates bemühte sich der Hochmeister Michael Küchmeister ab 1416 um die forcierte Reformierung des desolaten Geldwesens, die jedoch zu guter Letzt nur Verlierer kannte und deshalb zu einem Aufstand führte. Also setzte man fortan wie früher auf die massenhafte Prägung von Pfennigen.
Kompatibel durch Abkommen
Eine gewisse Besserung trat erst unter den Hochmeistern Johann von Tiefen und Friedrich von Sachsen ein, die von 1489 bis 1510 amtierten. Im Anschluss entfesselte Friedrichs Nachfolger Albrecht von Brandenburg-Ansbach Ende 1519 den Reiterkrieg gegen Polen, der bis 1525 zur völligen Zerrüttung des Ordensgeldwesens führte. Allerdings gelang es Albrecht dann später als mittlerweile weltlicher Herzog in Preußen, die Währung seines Landes zu einer der härtesten in ganz Europa zu machen, weil die spanische Flotte, welche Unmengen von Silber aus der Neuen Welt heranholte, etliche ihrer Schiffe in Königsberg bauen oder überholen ließ und dafür mit dem begehrten Edelmetall zahlte, aus dem sich gutes Geld prägen ließ.
Darüber hinaus schlossen Albrecht und der polnische König Sigismund I. ein vorteilhaftes Münzabkommen, durch das die Währungssysteme Preußens und Polens sowie der Hanse miteinander kompatibel wurden.