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Fälschungen, unfairer Wettbewerb, Umweltschäden und eine riesige Konkurrenz für den Handel fordern Europa heraus
Die schnelle, günstige Mode von Shein ist inzwischen ein fester Begriff im Handel, in Blogs sowie unter Influencern. „Gefälschte Produkte und andere Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte sind auf großen chinesischen E-Commerce-Plattformen wie Temu, AliExpress und Shein ein immer größeres Problem“, schreibt die Interessenvertretung Händlerbund im Internet.
Der Ärger des deutschen sowie europäischen Handels über die direkte Internetkonkurrenz aus China ist groß. In kleinen Paketen um Zollgrenzen herum versenden sie direkt nach Hause zu einem Bruchteil normaler Produktkosten. Jetzt schaltet sich die EU-Kommission ein und leitet ein Verfahren gegen einen der ganz großen dieser Konkurrenten, gegen die vor allem für Mode bekannte Plattform Shein ein. Als Grund gibt die EU suchtförderndes App-Design und abstoßende Sexpuppen mit Kindergesichtern an. In Italien verhängte die Umweltbehörde bereits eine Million Euro Strafe gegen den Versandkonzern wegen irreführender Umweltversprechen und zu aggressiver Werbung auf ihren Plattformen.
Frankreichs Kartellbehörde vergatterte die Chinesen im Juli letzten Jahres gleich zu einer 40-Millionen-Euro-Strafe. Mutmaßlicher Betrug, irreführende Rabatte und unklare Angaben zur Umweltbelastung ihrer Produkte waren ausschlaggebend.
Schon 2025 warnten EU-Verbraucherschützer wegen künstlicher Rabatte und Verstößen gegen das Umtauschrecht vor Shein. Die EU-Behörden kritisierten damals bereits Shein-Rabatte, die nicht auf den ursprünglichen Preis der Produkte zurückgingen. Künstliche Fristen für den Kauf setzten Verbraucher unter Druck.
Im Internetauftritt ahmt Shein dabei Erfolge großer Handelsriesen wie Amazon nach, einschließlich dessen in vielen Jahren gewachsener psychologischen Verkaufsoptimierung, nur schneller und – nach Auffassung der EU – erheblich aggressiver.
Rekordumsätze durch Billigware
Auch der Onlinehändler Temu sieht sich seit November 2024 einem EU-Verfahren ausgesetzt. Die Vorwürfe sind ähnlich. Mangelnde Produktqualität, teilweise gefährliche Produkte aufgrund der Minderwertigkeit, hohe Umweltbelastungen, Arbeitsbedingungen gegen alle Gesetze – die Liste der Vorwürfe ist lang. Während die EU versucht, Rechte und Standards durchzusetzen, drängen die Versandgrößen aus Fernost zu ihren Bedingungen in den europäischen Handel und wachsen dabei überaus rasant: Shein und Temu verzeichneten 2024 in Deutschland laut Handelsverband Deutschland (HDE) Umsätze zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Täglich werden etwa 400.000 Pakete von diesen Plattformen allein an deutsche Kunden verschickt, und die Tendenz ist weiter steigend.
Die Handelsketten sind kurz, Mode kann trotz Produktion in China in kürzerer Zeit zum Endkunden gelangen, als europäische Handelsketten produzieren und liefern lassen, und das Sortiment ist riesig. Besonders in der Modebranche zerstört Sheins „Fast Fashion“ die Preis- und Wettbewerbsstruktur, so der Vorwurf der Behörden. Stichproben von Greenpeace und Stiftung Warentest ließen erkennen, welche Shein-Produkte giftige Chemikalien – wie beispielsweise Phthalate – aufweisen. Aber auch die Wegwerfkultur von Kleidung, die nur wenige Euro kostet und schnell verschleißt, belastet Umwelt und Verbraucher. Wegen der enormen Sprengkraft der Warenflut aus Fernost prüft die EU ferner, wegen Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA) gegen Shein vorzugehen, weil auch illegale Produkte verkauft würden. Eine Abschaffung der Zollfreigrenze für Drittstaaten ab 2028 ist im Gespräch. Bisherige Strafen stehen indes in keinem Verhältnis zu den enormen Umsätzen von Shein und ähnlichen Anbietern. Derzeit diskutiert die EU eine Strafe von sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.