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Ein bis heute umstrittener Pontifex zwischen kultureller Verbundenheit, politischer Klugheit und historischer Kontroverse
Wohl kaum ein Pontifikat des 20. Jahrhunderts ist bis heute so umstritten wie das von Papst Pius XII. Eugenio Pacelli, der von 1939 bis 1958 als Oberhaupt der katholischen Kirche wirkte. Es steht im Zentrum einer historischen Debatte, die sich vor allem an seiner Haltung zum nationalsozialistischen Deutschland entzündet. Während Kritiker ihm moralisches Versagen, politisches Schweigen oder gar eine problematische Nähe zu Berlin vorwerfen, sehen andere in ihm einen hochgebildeten Diplomaten, der unter extremen Bedingungen versuchte, Schaden von der Kirche, von Europa und nicht zuletzt von Deutschland abzuwenden. Gerade der Aspekt seiner häufig behaupteten „Deutschfreundlichkeit“ bedarf einer nüchternen, historisch fundierten Betrachtung jenseits moralischer Verkürzungen.
Pius XII. war kein deutscher Papst, doch er war einer der deutschkundigsten und deutschgeprägtesten Päpste der Neuzeit. Seine Beziehung zu Deutschland war weder zufällig noch oberflächlich, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger persönlicher, kultureller und politischer Prägung. Bereits als junger Priester trat Pacelli in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Von 1917 bis 1929 wirkte er als Apostolischer Nuntius, zunächst in München, später in Berlin. In diesen Jahren erlebte er Deutschland in seinen dramatischsten Umbruchphasen: den Ersten Weltkrieg, die Revolution von 1918, die instabile Weimarer Republik, politische Gewalt von links wie von rechts sowie wirtschaftliche Not und kulturelle Neuorientierung.
Pacelli lernte die deutsche Sprache fließend, bewegte sich sicher in theologischen und politischen Kreisen und entwickelte eine tiefe Wertschätzung für das deutsche Ordnungsdenken, den Rechtsstaat und die kirchliche Disziplin. Zeitzeugen berichten, dass er sich in Deutschland nicht als bloßer Gesandter, sondern als Verbundener verstand. Seine Hochachtung galt nicht der deutschen Machtpolitik, sondern der geistigen Tradition Deutschlands, seiner Philosophie, seiner Theologie und seinem stark organisierten Katholizismus. Gerade die Standfestigkeit vieler deutscher Katholiken in Zeiten politischer Wirren beeindruckte ihn sehr.
Eine Enzyklika auf Deutsch
Diese Nähe zu Deutschland setzte sich auch nach Pacellis Rückkehr nach Rom fort. Als Kardinalstaatssekretär unter Papst Pius XI. war er maßgeblich an der vatikanischen Deutschlandpolitik beteiligt. In diese Zeit fällt auch der Abschluss des Reichskonkordats von 1933, eines der bis heute umstrittensten Kapitel seines Wirkens. Kritiker sehen darin eine politische Aufwertung des NS-Regimes, während Befürworter darauf verweisen, dass es dem Schutz kirchlicher Strukturen diente. Unstrittig ist: Pacelli handelte aus einer defensiven Grundhaltung. Er wusste um die ideologische Feindschaft des Nationalsozialismus gegenüber der Kirche, hoffte aber, durch ein rechtlich bindendes Abkommen wenigstens minimale Schutzräume für Seelsorge, Bildung und kirchliches Leben zu sichern.
Dass diese Hoffnung nur begrenzt erfüllt wurde, zeigte sich rasch. Das Konkordat wurde systematisch gebrochen, katholische Organisationen aufgelöst, Geistliche verfolgt. Die vatikanischen Archive belegen zahlreiche Protestnoten und diplomatische Interventionen, die Pacelli verantwortete. Seine Strategie war nicht die offene Konfrontation, sondern der Versuch, durch rechtliche und diplomatische Mittel Schaden zu begrenzen. Ob diese Strategie erfolgreich war, ist bis heute umstritten – dass sie jedoch aus Sorge um die deutsche Kirche geboren war, steht außer Zweifel.
Ein klares Zeichen der Distanz zum NS-Staat setzte die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von 1937. Sie wurde ungewöhnlicherweise auf Deutsch verfasst und in deutschen Kirchen verlesen. Darin verurteilte der Papst den Rassenwahn, den Götzenstaat und die Missachtung des Naturrechts. Die scharfen Reaktionen der nationalsozialistischen Führung, darunter Verhaftungen und Verschärfungen der Kirchenpolitik, zeigten, dass diese Kritik verstanden wurde. Von einer ideologischen Nähe kann hier kaum die Rede sein.
Als Pacelli 1939 zum Papst gewählt wurde, stand Europa unmittelbar vor dem Krieg. Pius XII. sah sich als Hirte einer Weltkirche, deren Gläubige sich auf allen Seiten der Fronten befanden – darunter Millionen deutscher Katholiken. Seine viel kritisierte Zurückhaltung während des Zweiten Weltkriegs entsprang diesem universalen Amtsverständnis. Der Papst wollte vermeiden, durch öffentliche Parteinahme die Lage der Katholiken in Deutschland weiter zu verschärfen oder die Kirche insgesamt zum Ziel staatlicher Repression zu machen.
Hier liegt ein zentraler Punkt der Kontroverse. Kritiker werfen Pius XII. vor, angesichts der Verbrechen des NS-Regimes, insbesondere des Holocaust, nicht laut genug gesprochen zu haben. Diese Kritik ist ernst zu nehmen und darf nicht relativiert werden. Zugleich zeigen neuere Forschungen, dass der Papst im Stillen wirkte: durch diplomatische Kanäle, durch Unterstützung kirchlicher Hilfsmaßnahmen und durch die Öffnung von Klöstern und kirchlichen Einrichtungen für Verfolgte. Der jüdische Historiker Pinchas Lapide sprach später davon, dass kirchliche Netzwerke unter Pius XII. Hunderttausenden das Leben gerettet hätten – eine Einschätzung, die zwar umstritten, aber durchaus begründet ist.
Päpstliche Warnung vor dem atheistischen Kommunismus
Bemerkenswert ist, dass zeitgenössische jüdische Stimmen den Papst vielfach positiv beurteilten. Golda Meir würdigte 1958 den Einsatz des Papstes für die Opfer des Krieges. Auch andere jüdische Vertreter dankten dem Vatikan für konkrete Hilfeleistungen. Das Bild des moralisch versagenden Papstes entstand erst Jahre später, insbesondere durch das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth, das 1963 das öffentliche Bild nachhaltig prägte. Historiker weisen heute darauf hin, dass dieses Werk stärker von politischer Dramaturgie als von archivalischer Beweisführung geprägt war.
Nach dem Krieg zeigte sich die Deutschfreundlichkeit Pius' XII. besonders deutlich. Er wandte sich gegen die Idee einer kollektiven Schuld des deutschen Volkes und warnte vor einer dauerhaften moralischen und politischen Ausgrenzung Deutschlands. In mehreren Ansprachen betonte er, dass Frieden nicht durch Rache, sondern durch Gerechtigkeit und Versöhnung entstehe. Diese Haltung war in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht selbstverständlich und brachte ihm auch Kritik ein.
Pius XII. unterstützte den Wiederaufbau Deutschlands nicht nur moralisch, sondern auch praktisch. Kirchliche Hilfswerke erhielten päpstliche Rückendeckung, deutsche Bischöfe und Theologen wurden gezielt gefördert. Gleichzeitig warnte der Papst vor neuen totalitären Ideologien, insbesondere dem atheistischen Kommunismus, den er als ebenso menschenfeindlich betrachtete wie den Nationalsozialismus. In der jungen Bundesrepublik sah er einen wichtigen Stabilitätsfaktor für Europa.
Theologisch war Pius XII. fest im klassischen Naturrechtsdenken verankert. Er glaubte an objektive moralische Ordnungen und lehnte ideologische Heilsversprechen ab. Seine Nähe zu Deutschland entsprang diesem Denken: Er unterschied zwischen Staat und Volk, zwischen Schuld und Verantwortung, zwischen politischem Irrweg und kultureller Identität. Diese Differenzierung ist es, die ihm heute häufig abgesprochen wird.
Papst Pius XII. bleibt eine schwierige Figur. Seine Entscheidungen sind nicht frei von Kritik, seine Zurückhaltung bleibt erklärungsbedürftig. Doch wer ihn allein durch die Brille späterer moralischer Gewissheiten beurteilt, verkennt die historischen Zwänge seiner Zeit. Seine Deutschfreundlichkeit war keine ideologische Parteinahme, sondern Ausdruck kultureller Verbundenheit, kirchlicher Verantwortung und menschlichen Mitgefühls.
Gerade für eine konservative Betrachtung der Geschichte lohnt es sich, Papst Pius XII. nicht vorschnell zu verurteilen, wie es linksgerichtete Zeitgeister immer wieder tun. Denn er war ein Mann seiner Zeit, geprägt von europäischer Bildung, diplomatischer Erfahrung und einem tiefen Pflichtgefühl gegenüber allen Völkern – vor allem jenem, dem er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hatte.
unterstützt von ChatGPT
Peter Wendt am 26.02.26, 07:03 Uhr
Es ist so leicht sich für Freiheit und Recht einzusetzen, wenn man selbst keiner Bedrohung ausgesetzt ist. Was die Kritiker vergessen ist, Pius XII war im Vatikan umzingelt von Feinden, auch aus der der Kirche. Die Grenze zu Italien, den Nazis war nichts als eine eine weisse auf den Petersplatz gemalte Linie. Er persönlich hatte sicherlich auch Angst, war kein klassischer Held. Trotzdem hat er den Nazis widersprochen, hat Fluchtorganisationen unterstützt, hat Juden im Vatikan bzw. in der Kirche versteckt. Immer ein schmaler Grad zwischen offenen Widerstand und scheinbarer Kooperation. Ein Mann der grosse Hochachtung verdient, weil er seine persönliche Angst überwunden, Rückgrat gezeigt und seinem Amt Ehre gemacht hat.Die Alliierten haben ihn dabei schändlich im Stich gelassen. Welcher deutscher und europäischer Politiker der Gegenwart hat ein solches Format? Keiner!