26.08.2026

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Ist Mittelpunkt der Stadt und steht auch im Mittelpunkt vieler Feste: Die Frauenkirche hier beim Kulturfestival im Juni
Bild: IMAGO/Andreas WeihsIst Mittelpunkt der Stadt und steht auch im Mittelpunkt vieler Feste: Die Frauenkirche hier beim Kulturfestival im Juni

Ein Berg aus Sandstein mitten in der Stadt

Der prunkvollste Bau des Protestantismus – Vor 300 Jahren erfolgte die Grundsteinlegung von Dresdens Frauenkirche

Veit-Mario Thiede
25.08.2026

Die steil aufragende steinerne Kuppel der Frauenkirche trägt ganz wesentlich zur Unverwechselbarkeit von Dresdens Stadtsilhouette bei. Die Grundsteinlegung zur prachtvollsten protestantischen Kirche Deutschlands geschah am 26. August 1726. Ihre Vollendung erfolgte im Jahr 1743. Bei den verheerenden Luftangriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg brannte sie am 13. Februar 1945 aus und stürzte zwei Tage später in sich zusammen. Die Trümmer blieben als Mahnmal gegen den Krieg liegen.

Die ganze DDR-Zeit über war die Kirche nicht aus ihren Ruinen auferstanden. Erst nach der deutschen Einheit erschallte am 13. Februar 1990 der „Ruf aus Dresden“, mit dem eine Bürgerinitiative zu Spendengeldern für den Wiederaufbau des barocken Wahrzeichens der Stadt aufrief. Dank Spenden aus aller Welt gelang das Projekt. Seit der Weihe der wiederaufgebauten Kirche im Jahr 2005 strömen alljährlich rund zwei Millionen Besucher in den Sakralbau.

Der auf dem Neumarkt stehende Zentralbau aus Elbsandstein ist 60.000 Tonnen schwer. Er ist eine reich durchfensterte, elegante Erscheinung. Auf den Dreiecksgiebeln über den Eingängen und auf den Dächern der Gaupenhäuser stehen steinerne Flammenvasen. Sie versinnbildlichen die brennende Gottesliebe der Christen. Aus dem quadratischen Grundriss tritt die Außenmauer des Altarraums leicht hervor. Sie ist, wie auch große Teile des Mauerwerks des nordwestlichen der an allen vier Ecken stehenden Treppentürme 1945, nicht eingestürzt.

Altar mit 1.642 Bruchstücken

Insgesamt wirkt die Fassade scheckig, denn im Gegensatz zu den hellen neu verbauten Steinen haben die wiederverwendeten alten eine schwärzliche Patina. Der Wiederaufbau erfolgte zu 45 Prozent mit historischem Steinmaterial. Wesentlich für den Eindruck der scheinbaren Schwerelosigkeit ist die Kuppel, deren Glockenform einzigartig ist. Auf ihr sitzt die von einem goldenen Kreuz bekrönte Laterne. Mitsamt dem Kreuz ist die Kirche etwa 92 Meter hoch.

Überwältigende Pracht zeichnet das mit Blattwerk und Blütengehängen aus Stuck geschmückte Kircheninnere aus. Acht Pfeiler markieren das Rund des Kirchenschiffs, in dem die Bänke bogenförmig angeordnet sind. Weitere Sitzplätze befinden sich in den auf fünf Ebenen mal konkav, mal konvex gebogen zwischen die Pfeiler gespannten Holzemporen.

Gelbe, blaue, rote, grüne und braune Pastelltöne an den Pfeilern und Emporen sorgen für eine heitere Note. Von der Innenkuppel blicken die vier Evangelisten sowie die Allegorien von Glaube, Liebe, Hoffnung und Barmherzigkeit auf die Besucher. Gemalt hat sie Christoph Wetzel als getreue Rekonstruktionen der vom Hofmaler Giovanni Battista Grone geschaffenen Fresken.

Eine Brüstung trennt das Kirchenschiff vom höher liegenden Altarraum ab. Seine Ausstattung leuchtet weiß und funkelt golden. Bei genauerem Hinsehen nimmt man auch Hinweise auf die Zerstörung der Kirche wahr. So haben die Kapitelle der Apsispfeiler sowohl rekonstruierte als auch beschädigte originale, vierflügelige Engelsköpfe. Der Altar ist zu 80 Prozent aus Elementen zusammengesetzt, die aus den Trümmern geborgen wurden. Somit befinden sich 1.642 Bruchstücke an ihrem angestammten Platz.

Im Zentrum des Altars kniet Christus, der voller Angst im Garten Gethsemane betet. Über ihm schwebt ein Engel und spricht ihm Mut zu. Rechts sind drei schlafende Jünger zu sehen. Aus dem im Hintergrund dargestellten Stadttor marschieren die von Judas angeführten Häscher, um Jesus gefangen zu nehmen. Auf ihn weist aus den Wolken, die das Auge Gottes umgeben, ein goldenes Strahlenbündel, vor dem als Hinweis auf Jesu Tod ein Engel mit dem Kreuz in den Händen schwebt. Geschaffen hat dieses Ensemble der Bildhauer Johann Christian Feige (1689–1751) nach einem Entwurf von George Bähr (1666–1738), dem Baumeister der Frauenkirche.

Steinkuppel widerstand Beschuss

Bähr war der Ratszimmermeister der Stadt Dresden. Seine August Christoph Graf von Wackerbarth vorgelegten Pläne zum Bau der Frauenkirche stießen auf dessen Skepsis. Er war der Leiter des sächsischen Oberbauamtes. Wackerbarth beauftragte den Oberlandbaumeister Johann Christian Knöffel mit einem Gegenentwurf. Das war nicht böse gemeint, wie Matthias Gretzschel in seinem der Frauenkirche gewidmeten Buch schreibt: „Es war damals gängige Praxis, zu jedem Entwurf mindestens einen Gegenentwurf anfertigen zu lassen.“

Bähr übernahm aus Knöffels Entwurf den quadratischen Grundriss mit vier gleich hohen Ecktürmen und die gestreckte Gestalt der Kuppel. Die sollte eigentlich als mit Kupfer beschlagene Holzkonstruktion verwirklicht werden. Doch später schlug Bähr deren Bau aus Sandstein vor, was der Rat der Stadt nach mehrjährigen Diskussionen genehmigte. Nicht zuletzt, weil der Katholik August der Starke (1670–1733), der als Landesherr Oberhaupt der lutherischen Kirche Sachsens war, sich für die Steinkuppel aussprach.

Aber Fachleute wie Gaetano Chiaveri, der Architekt der 1739 bis 1755 errichteten katholischen Hofkirche Dresdens, forderten den Wiederabbau der Steinkuppel, da sie viel zu schwer sei. Dem von König Friedrich dem Großen 1760 während der Belagerung Dresdens befohlenen Beschuss hielt sie ohne nennenswerte Schäden stand. Aber sie verursachte in der Folgezeit wegen ihres Gewichts Bauschäden, die wiederholt aufwendige Reparaturen erforderten.

Bähr hatte sein Amt als Ratsbaumeister zehn Tage vor seinem Tod niedergelegt. Sein Grabmal steht in der sandsteinsichtigen, tonnengewölbten Unterkirche, die im Vergleich zu Kirchenschiff und Altarraum geradezu archaisch wirkt.

Empfehlenswert ist auch eine Expedition hinauf zur Laterne. Für die ersten 24 Meter kann man zwischen Treppe und Lift wählen. Dann geht es im Treppenturm weiter. Vorbei am Auge der Innenkuppel mit Blick ins Kirchenschiff gelangt man zur Hauptkuppel. Die weist zwischen Außen- und Innenschale eine um 14 Prozent ansteigende Wendelrampe auf. Nachdem man die Kuppel zweieinhalb Mal umrundet hat, gelangt man zu einer steilen Leitertreppe. Auf sie folgt eine Wendeltreppe hinauf zur 67 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattform mit Weitblick bis nach Meißen und ins Elbsandsteingebirge, aus dem das Material zum Bau der Frauenkirche stammt.

Lesetipp: Matthias Gretzschel: Die Dresdner Frauenkirche. Ihre Entstehung, Zerstörung und Wiedergeburt, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2025, 240 Seiten mit 138 Abbildungen, 19,95 Euro
www.frauenkirche-dresden.de


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