Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Im Berliner Dom ist die neu hergerichtete Hohenzollerngruft zu einem Anziehungspunkt für Kunstinteressierte geworden
Ein 1987 gedrehter Film von Wim Wenders heißt „Der Himmel über Berlin“. In Anlehnung daran bezeichnet die Leitung des Berliner Doms die nach sechsjähriger Umbau- und Sanierungsarbeit wiedereröffnete Hohenzollerngruft als den „Himmel unter Berlin“. Der hat die Form von weiß getünchten Kreuzgewölben, die von 51 gedrungenen Sandsteinsäulen gestützt werden. In der Grablege befinden sich 91 Sarkophage aus fünf Jahrhunderten, in denen Mitglieder des Hauses Hohenzollern ruhen. Der Berliner Dom bewirbt die Anlage als Deutschlands bedeutendste Fürstengruft.
Die Anlage ist noch recht jung. Die verstorbenen Hohenzollern bezogen sie im 1905 fertiggestellten Dom, dessen Bauherr Kaiser Wilhelm II. war. Der Dom erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden. Die Kuppellaterne stürzte nach einem Bombentreffer brennend in den Dom, durchschlug das Gewölbe der Gruft und führte zur völligen Zerstörung von Särgen. Etwa dem der zwar vom Volk, jedoch nicht von ihrem Ehemann Friedrich dem Großen geliebten Königin Elisabeth Christine. Die Wiederherstellung des Doms begann vor 51 Jahren. Ab 1999 konnte die Gruft besucht werden. Aber es herrschten widrige Präsentationsbedingungen: schummriges Licht, schlechte Luft und massive Gitter vor reinigungs- und restaurierungsbedürftigen Särgen.
Etwas über 29 Millionen Euro bezahlten der Bund, das Land Berlin und die Domgemeinde für die Ertüchtigung der Anlage. Sie ist jetzt barrierefrei zugänglich, hat moderne Haustechnik und einen neu inszenierten Andachtsraum. Der Altarstein stammt aus der zum Dom gehörenden, aber 1975 abgerissenen Denkmalskirche. Niedriges Gestänge hält die Besucher auf Abstand zu den Särgen und teilt per dezenter Leuchtschrift mit, wer in ihnen liegt. Gedämpftes Licht sorgt für würdevolle Stimmung.
Hell erleuchtet ist dagegen ein der Grablege vorgeschalteter Vermittlungsraum. Er präsentiert Wandtexte, die über die Hohenzollern und die Historie der Gruft informieren. Kurfürst Joachim II. erkor 1536 die Gewölbe unter der ehemaligen Dominikanerkirche am Schlossplatz zur Familiengruft. Friedrich der Große ließ die Kirche samt Gruft 1747 abreißen und an der Stelle des heutigen Doms neu erbauen. Ende des 19. Jahrhunderts war Baustart für den heutigen Dom.
Wichtigstes Element der Vermittlung ist ein interaktiver Tisch. In dessen Mitte leuchten kleine Sarkophage gemäß der Aufstellung in der Gruft. Um den Tischrand sind mehrere Grundrisse verteilt, in denen die 91 Särge markiert sind. Wer einen berührt, sieht das Bildnis des Bestatteten und erhält Informationen über dessen Leben, seine Gebrechen, seine Todesursache und die Trauerfeier. Über den als der „Große Kurfürst“ berühmten Friedrich Wilhelm berichtet der Tisch zum Beispiel, dass ihm Gicht sowie Nierensteine Schmerzen bereiteten und er an Herzversagen starb. Er wurde einbalsamiert und öffentlich aufgebahrt. Monate später fand seine feierliche Beisetzung statt. Sein barocker Prunksarkophag befindet sich in der Predigtkirche. Unter ihr in der Hohenzollerngruft aber ruhen die sterblichen Überreste in einem schmucklosen kastenförmigen Marmorsarkophag.
Diesem schlichten, aber monumentalen Bautyp gehören auch die Sarkophage seiner zweiten Gattin Dorothea (1636–1689), seines Sohnes Friedrich III./I. (1657–1713), der sich zum ersten König in Preußen krönte, sowie von dessen Gemahlin Sophie Charlotte (1668–1705) an. Damit sind schon die prominentesten Hohenzollern genannt, die hier ruhen.
Im ältesten Sarg der Gruft liegt die 1595 verblichene Herzogin Elisabeth Magdalena von Braunschweig-Lüneburg, Markgräfin von Brandenburg. Der schmucklose kastenförmige Sarg besteht aus Zink. Den prächtigsten Sarkophag besitzt der Halbbruder König Friedrichs I.: Markgraf Philipp Wilhelm von Brandenburg-Schwedt (1669–1711). Im einfachen Sarg wurde er in der Gruft des alten Doms bestattet. Sein Prunksarkophag war erst vier Jahre später vollendet.
Das aus Zinn gegossene Prunkstück ist teilweise vergoldet. Es steht auf kugelrunden, wie in Explosion begriffenen Bomben. Das ist Hinweis darauf, dass der Markgraf Generalfeldzeugmeister war. Szenische Reliefs bedecken die Langseiten des Sarkophags. Sie bekrönt jeweils ein mit Fledermausflügeln ausgestatteter Totenschädel mit Stundenglas obenauf. Der Sargdeckel ist mit der Nachbildung der preußischen Königskrone ausgestattet. Ausführliche Lobestexte zu Herkunft, Leben und Taten ziehen sich über den Sarkophag.
Das gegenteilige Erscheinungsbild bietet der Sarkophag von Philipp Wilhelms Sohn: Friedrich Heinrich (1709–1788), der wegen seiner vielen amourösen Abenteuer als „der schlimme Markgraf“ bekannt war. Sein schmuckloser, aus weißem Marmor hergestellter Sarkophag hat Eleganz. Auch der geräumige Sarkophag des Prinzen August Ferdinand (1730–1813), jüngster Bruder Friedrichs des Großen, ist rin dekorlos schlichter, aber edler Blickfang. Seinen aus Eichenholz geschaffenen Korpus schmückt Furnier aus Rosenholz und ostindischem Palisander.
Während die Bestattungen in der Hauptgruft eng beieinanderstehen, hat die „namenlose Prinzessin“ die Adalbertgruft ganz für sich allein. Den auf Tatzen stehenden kleinen weißen Marmorsarkophag der am 4. September 1915 geborenen und gestorbenen Prinzessin schmücken Blumenreliefs. Die „namenlose Prinzessin“ war eine Tochter des Prinzen Adalbert und Enkelin von Kaiser Wilhelm II. Sie hat natürlich auch einen Namen. Den erfährt man am interaktiven Tisch: Victoria Marina, Prinzessin von Preußen.
• Der Rundgang durch Dom und Hohenzollerngruft kostet 15 Euro.
www.berlinerdom.de