Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Greifenhagen, früher Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, liegt am östlichen Mündungsarm der Oder
Ende 2025 statteten wir Gartz, diesseits der Oder gelegen, bereits einen Besuch ab. Jetzt wollen wir auch einen Blick über die Oder werfen, genauer: an den östlichen Mündungsarm der Oder, der Reglitz, nach Greifenhagen. Die ehemalige pommersche Kreisstadt befindet sich nordöstlich und nur etwa 14 Straßenkilometer von Gartz entfernt.
Über die Stahlskelettbrücke aus den Jahren 1912/1913 erreichen wir Greifenhagen, welches sich über das Ufer zur links noch stehenden Kirche nach 1945 wieder aufbaute. Das Stadtbild selbst hat sich in jenen Tagen des Frühjahrs 1945 durch den Krieg verloren. Bereits Anfang Februar 1945 lag die Straße von Bahn nach Greifenhagen unter Beschuss.
Die vorgenannte Oderbrücke war, als letzte vor Stettin, vor 81 Jahren eine wichtige Verbindung zwischen Vor- und Hinterpommern und von strategischer Bedeutung. Nach Pyritz und Bahn stand Greifenhagen als Teil des deutschen Brückenkopfes Stettin auch im März 1945 unter Feuer. Nördlich davon hielten sich nur noch Dievenow und Langenberg.
Direkt vor der Stadt war damals eine Verteidigungslinie aufgebaut worden. Die Kämpfe um Greifenhagen flammten mehrfach in diesen Wochen auf – zum letzten Mal im April, während bereits die Absetzbewegungen über die Hochwasser führende Oder erfolgten. Dann setzte am 20. April der finale Kampf der Roten Armee um die Oderübergänge ein.
Wer heute Greifenhagen besucht, kann diese Wunden, die die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs geschlagen haben, deutlich sehen. Von der Altstadt sind nur wenige Zeugnisse wie die Kirche und das Bahner Tor übrig. Der Rest sank in Schutt und Asche, wurde nach Kriegsende geräumt und entlang alter Straßenführungen zum Teil wieder zumeist mit Wohnblocks bebaut.
Schon zuvor hatte die einstmals von Fischern begründete Siedlung, die vom pommerschen Herzog Barnim I. 1254 das Stadtrecht erhielt, bedingt durch einen Stadtbrand 1530, den Dreißigjährigen Krieg, wo bereits die ersten Oderbrücken von den Schweden zerstört wurden, sowie durch Überschwemmungen reichlich an Substanz verloren.
Ausgerichtet nach Westen, öffnet sich die Stadt auch heute immer noch über die Brückenstraße. Nördlich des Marktplatzes grüßt die St.-Nikolai-Kirche – heute Marienkirche. Ihre gefällige und dennoch wuchtige Bauform ist in der Zeit des Übergangs von der romanischen Bauweise zur Gotik entstanden. Mit der seltenen Grundform einer Kreuzkirche und dem südlichen, also dem Marktplatz zugewandten Portal, hebt sie sich von anderen pommerschen Gotteshäusern deutlich ab. Auch ihr westlich ausgerichteter massiver Turm hatte ursprünglich zu ebener Erde eine zu drei Seiten offene Halle, die so leider nicht mehr zugänglich ist.
Kaum historische Bauten
In spätgotischer Zeit gab es allerdings zahlreiche Umbauten, die dem geistlichen Bau einen Teil seines eigenen Charakters nahmen. Interesse weckte die Kirche wieder, als im 19. Jahrhundert ihr Inneres nach den Plänen des Berliner Malers Seeliger ausgestaltet wurde, da sie sich nun von den sonst eher schlichten Kirchen Pommerns deutlich abhob. Äußerlich hat sich die Kirche kaum verändert – mit Ausnahme des Turmes: Hatte dieser im Jahr 1899 noch eine spitze Form, so ist er heute achteckig ausgeformt und verjüngt sich in barocker Formgebung. Südlich der Kirche gelangt man über die Baustraße zum bereits erwähnten Bahner Tor, das früher einmal ein letzter Gruß der Stadt in Richtung Bahn und Pyritz war.
Östlich davon, an der alten Wallstraße, kann man über die Grünanlagen Greifenhagens, die von der Bahnlinie in Richtung Stettin begrenzt werden, immer noch – wie früher – zum Bahnhof und zur Post gelangen. Durch das Bahner Tor aber führt heute kein Verkehr mehr. Die ehemals angrenzenden Häuser wurden 1899 abgetragen, so kann das Tor umfahren werden. Früher war das Bahner Tor natürlich ein Teil der alten Befestigung. Seine Verbindung zu den nahen Überresten der Stadtmauer lässt sich auch heute noch gedanklich herstellen. Auf einem mächtigen Unterbau von Findlingen ruhend, ist das spitzbogige Tor, das damals als Durchgang diente, noch immer markant mit seinem quadratischen Unterbau. Bekrönt durch ein eigenes Stockwerk, welches mit Backsteinen ausgeführt wurde, verjüngt es sich durch einen schlichten runden Turm, der von einem spitzen massiven Helm auf 15 Meter Höhe abgeschlossen wird. Tor und Kirche wurden übrigens in der Zeit der Stadtgründung errichtet – beide gehören zu Greifenhagens letzten mittelalterlichen Zeugnissen.
Weiter westlich geht es unweit des Hafenplatzes nun die Oderstraße entlang. Heute findet sich hier eine Promenade, wo bei Sonnenschein der Blick über die Oder in Richtung Gartz schweifen darf. Noch gibt es hier Eisgang. Aber: Wenn das Frühjahr kommt, werfen hier auch wieder die Petrijünger ihre Angelruten aus, so wie sie es schon immer taten.