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Ganze Industrien, insbesondere die Chip- und Halbleiterproduktionen, hängen weltweit von diesem sicher lagerbaren Edelgas ab – doch die Vorräte neigen sich
Auch nach dem Waffenstillstand am Golf hält die Krise um einen bestimmten Schlüsselrohstoff an: Helium. Kaum berücksichtigt, geht es aber ohne gar nicht. Medizinprodukte und Weltraumtechnik sowie moderne Wissenschaft – ohne das Edelgas drohen viele Engpässe und Folgeprobleme.
Denn zerstörte Produktionsstätten und die wachsende Nachfrage nach Helium sorgen für einen kritischen Mangel des global bedeutsamen Edelgases. Ein Drittel der Weltproduktion von Helium ist durch den Irankrieg ausgefallen. Letztes Jahr wurden weltweit rund 190 Millionen Kubikmeter Helium hergestellt. Nur acht Staaten sind dafür verantwortlich: USA, Katar, Russland, Algerien, Kanada, Polen und China. Die Chip- und Halbleiterproduktion boomt weltweit, Deutschland ist als Halbleiterhauptproduzent Europas („Silicon Saxony“) angewiesen auf Helium. Dieses Nebenprodukt der Erdgasverarbeitung – als solches insbesondere in Katar produziert – ist unverzichtbar für die deutsche Industrie, denn nur tiefgekühlte, supraleitende Magnete ermöglichen die Produktion des hochreinen Siliziums, Grundstoff aller Halbleiter.
Die EU listet Helium im „Critical Raw Materials Act“ offiziell als „kritischen Rohstoff“. Die heimische Auto-, Medizin-, KI- sowie Industrietechnik braucht Helium. Wie viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt davon abhängen, ist noch unbekannt. Der deutsche Markt für Helium ist laut Expertenschätzungen rund 815 Millionen Euro schwer. Das Wachstumspotenzial ist groß. Schon 2032 wird der deutsche Heliummarkt auf über eine Milliarde Euro geschätzt, auch weil Anwendungen in Technik, Luft- und Raumfahrt sowie Laboren zunehmen.
Neben der Rolle als Kühlmittel fungiert Helium zudem als Trägergas für Chemikalien. In der deutschen Autoindustrie arbeiten insgesamt rund 700.000, in der Medizintechnikindustrie rund 200.000 Menschen mit diesem Stoff. Er ist somit von kritischer Bedeutung, selbst wenn nicht jeder Arbeitsplatz direkt oder indirekt am Edelgas hängt.
Asthma-Patienten müssen sich wegen der Knappheit auf Engpässe bei ihrer Behandlung einstellen, auch der Urlaubsflug oder die Party-Ballonfüllung könnten bald weniger sorgenfrei ablaufen, da Helium auch hier nötig ist. Selbst Smartphones dürften bald teurer werden, da im Irankrieg wichtige Herstellungsanlagen – vor allem in Katar – zerstört wurden und die Wiederherstellung laut Experten bis zu fünf Jahre dauern wird. Mediziner sind beunruhigt, denn Helium ist der einzige Stoff, der Bildgebung über Magnetresonanz (MRT) ermöglicht – eine wichtige Untersuchungsmethode der modernen Medizin. In der Physik kommt das Gas bei wichtigen Versuchen als Tiefkühlmittel zum Einsatz. Allein die globale Halbleiterindustrie benötigt rund 18 Prozent des weltweit produzierten Heliums für sich.
Zivile und militärische Nutzung
Der Engpass hat viele Gründe. Im Kern geht er auf die Entscheidung der US-Regierung zurück, die nationale Heliumreserve aufzulösen. Diese Federal Helium Reserve, die in Texas bereitgehalten wurde, reichte als Puffer nicht nur für einen Großteil des US-Bedarfs, sondern hatte Relevanz für den Weltmarkt. Experten kritisieren den ursprünglich 1996 vom damaligen US-Kongress gefällten Entschluss, die Rücklagen aufzugeben. Schon damals war ihre Bedeutung für eine Reihe von Schlüsselindustrien bekannt. Vor zwei Jahren kam es zum endgültigen Verkauf des bei Amarillo in unterirdischen Lagerstätten aufbewahrten Edelgases. „Helium ist ein nicht erneuerbarer Rohstoff – die NASA und SpaceX benötigen ihn für Flüssigtreibstoffraketen, die MRT-Branche benötigt Helium, die Pharmaindustrie ist darauf angewiesen und das Gleiche gilt für das Verteidigungsministerium“, brachte der US-Physikprofessor Bill Halperin das Dilemma auf den Punkt.
Ob Wetter- oder Überwachungsballon, Quantencomputer oder Chipindustrie – militärische wie zivile Anwendungen benötigen das Gas. Die USA galten lange als verlässlichste Quelle. Doch durch die geopolitische Lage sowie lokale Förderprobleme in den acht wesentlichen Förderländern hat sich so eine regelrechte Verknappung aufgeschaukelt.
Ob Tiefseetauchern (ihre Atemmischung enthält Helium) oder anderen Branchen bald die Luft ausgeht, hängt davon ab, ob Katar mit seinen für Deutschland wichtigen langfristigen Lieferverträgen die Erdgasanlagen schnell instand setzen kann. Alternativen gibt es kaum. Allein das betroffene Werk Rafar hatte eine Jahreskapazität von 40 Millionen Kubikmetern. Für die größten Chip-Hersteller der Welt in Taiwan und Südkorea wäre eine Verknappung eine Katastrophe. Auch die Energiepreise und die Gasknappheit könnten dort die Chip-Produktion lähmen. Die Heliumvorräte dieser Chip-Herkunftsländer reichen noch rund drei Monate – dann kommt es zum Stillstand.