13.10.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Ziel ist nicht nur Südkorea, sondern der gesamte Westen: Nuklear bestückte nordkoreanische Interkontinentalraketen könnten sogar die Vereinigten Staaten erreichen
Bild: ShutterstockZiel ist nicht nur Südkorea, sondern der gesamte Westen: Nuklear bestückte nordkoreanische Interkontinentalraketen könnten sogar die Vereinigten Staaten erreichen

GEFAHRENHERD NORDKOREA Unterstützt von China und Russland baut die Demokratische Volksrepublik ihr Atomprogramm unentwegt aus. Und der Westen unter Federführung der USA kann dabei nur tatenlos zusehen

Kim Jong-uns riskantes Nuklear-Spiel

Seit 2003 verlässt sich Nordkorea auf seine atomare Lebensversicherung – Die USA haben viel Anteil daran

Wolfgang Kaufmann
24.09.2026

Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf den Ukraine- und den Iran-Krieg schaut, verschlechtert sich die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel kontinuierlich. Das ist vor allem das Resultat des nordkoreanischen Kernwaffenprogramms. Mittlerweile verfügt die Demokratische Volksrepublik Korea über bis zu 80 Nuklearsprengköpfe – so die Schätzung verschiedener Experten, während der US-Präsident Donald Trump von „57 sehr mächtigen Atomwaffen“ spricht. Dazu kommen etliche leistungsfähige Trägersysteme, darunter auch Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von bis zu 15.000 Kilometern.

Die atomare Aufrüstung in Nordkorea begann dabei erst 2003. Zuvor konzentrierte sich die Volksrepublik auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Außerdem trat sie 1985 auf Drängen der Sowjetunion dem Atomwaffensperrvertrag bei. Der später entwickelte Plan, dennoch ein eigenes großes Kernwaffenprogramm zu starten, wurde 1994 nach der Unterzeichnung des Genfer Rahmenabkommens zwischen den USA und Nordkorea aufgegeben.

Als aber US-Präsident George W. Bush Nordkorea Anfang 2002 auf die Liste der feindlichen „Schurkenstaaten“ setzte, was die Gefahr von Angriffen durch die Vereinigten Staaten und eines gewaltsamen Regimewechsels barg, änderte sich alles. Als Konsequenz hieraus erklärte Pjöngjang 2003 seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

Bei der schnellen Entwicklung eigener Kernwaffen, die einen Großteil des nordkoreanischen Nationaleinkommens verschlang und zusätzlich durch Cyberkriminalität finanziert wurde, war vor allem die Islamische Republik Pakistan behilflich. Bereits am 9. Oktober 2006 fand der erste von bislang sechs Kernwaffentests des Kim-Regimes statt – die Sprengkraft lag vermutlich nur bei mageren 0,7 Kilotonnen TNT. Beim zweiten Test 2009 sollen es dann indes schon um die fünf Kilotonnen gewesen sein. Und 2017 soll beim bisher letzten Versuch sogar eine Wasserstoffbombe mit bis zu 280 Kilotonnen Sprengkraft gezündet worden sein.

Im Verlauf der Testserie modifizierte Nordkorea seine Einsatzdoktrin für Kernwaffen mehrmals. Die letzte Fassung vom 8. September 2022 sieht nun auch nukleare Präventivschläge bei einer Bedrohung der „strategischen Ziele“ der Volksrepublik sowie die abgestufte Delegierung der Befehlsgewalt über die Atomwaffen nach der Ausschaltung der nordkoreanischen Staats- und Armeeführung vor.

Zeit für Entwaffnung läuft ab

Die Vereinten Nationen antworteten auf das nordkoreanische Atomprogramm mit insgesamt neun Resolutionen sowie Sanktionen wie Lieferembargos, Kontensperrungen und Reiseverboten. Diese Maßnahmen blieben jedoch genauso ergebnislos wie die ständigen Forderungen der Weltgemeinschaft nach einer „vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas“. Das ist nicht zuletzt ein „Verdienst“ der Trump-Regierung und deren Tauwetterpolitik gegenüber Pjöngjang. So verkürzte Donald Trump vor einigen Wochen das laufende gemeinsame US-amerikanisch-südkoreanische Militärmanöver Ulchi Freedom Shield unter Verweis auf seine angeblich „sehr guten Beziehungen“ zu dem „ausgesprochen kooperativen“ nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un.

Gleichzeitig brachte der US-Präsident die Haltung Seouls zum Irankrieg ins Spiel. So habe Trump kürzlich den südkoreanischen Präsidenten gefragt, ob sich sein Land „bei der Denuklearisierung der Islamischen Republik Iran anschließen möchte, und er sagte: ‚Nein, danke!'“

Des Weiteren verfolgt Trump ganz offensichtlich auch die Strategie, den Atomkonflikt mit Nordkorea auf kleiner Flamme zu halten, um mehr Handlungsspielraum gegenüber der Volksrepublik China als Hauptkonkurrent im indopazifischen Raum zu haben.

Mittlerweile ist die Zeit nun schon fast abgelaufen, was die atomare Entwaffnung Nordkoreas betrifft. Denn das Land verfügt inzwischen über genügend nuklear bestückbare Interkontinentalraketen, um das US-amerikanische Raketenabwehrsystem Ground-Based Midcourse Defense (GMD) in Alaska und Kalifornien auszumanövrieren. Insofern verbieten sich militärische Schläge gegen Nordkorea, welche im Prinzip die letzte Möglichkeit wären, Pjöngjang nachhaltig in die Schranken zu weisen. Lediglich China als Schutzmacht Nordkoreas könnte vielleicht noch in bilateralen Gesprächen eine Kursänderung in Richtung nukleare Abrüstung erreichen, plant derzeit aber nichts Derartiges. Zudem klammert sich die Kim-Dynastie an ihre atomare Lebensversicherung.

Das Schicksal der Diktatoren Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi, Nicolas Maduro und Ajatollah Ali Chamenei, welche allesamt über keine Kernwaffen verfügten, steht dem Machthaber Kim Jong-un und dessen Familienclan deutlich vor Augen. Daher erklärte Kims Schwester Kim Yo-jong kürzlich ebenso glaubhaft wie knallhart: „Unser Status als Atommacht ist absolut nicht verhandelbar.“


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS