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Schwedenbanden rekrutieren deutsche Strafunmündige für schwerste Verbrechen
Bandenkriminalität ist in Schweden inzwischen ein wachsendes Problem. Dabei greifen kriminelle Gruppen auch gezielt auf Kinder und Jugendliche als Handlanger zurück, die sie vorher in sozialen Medien oder über spezielle Spiel-Netzwerke im Internet ansprechen. Der widerwärtige Trend bedroht laut Bundeskriminalamt (BKA) inzwischen auch junge Menschen in Deutschland.
Die Daten des BKA werten einen internationalen Trend aus, doch zur Bundesrepublik gibt es (noch) wenig aussagekräftige Erkenntnisse. Zwar könne derzeit kein direkter Bezug zwischen der „steigenden Tendenz“ von Straftaten wie Raub, Körperverletzung oder auch Mord bei Jugendlichen seit 2020 und Formen organisierter Kriminalität ermittelt werden, doch „liegen ebenfalls unterschiedliche Einzelfälle vor“, so die Studie.
In der aktuellen Kurzstudie „Rekrutierung von Minderjährigen über Online-Dienste für Gewaltstraftaten“ haben die Polizisten zusammen mit Kriminologen neuste Daten bewertet und ein „systematisches „Rekrutierungsmodell“ identifiziert. In dem Modell gibt es nicht nur feste Rollen und „Parallelen zur Rekrutierung bei extremistischen Gruppen“, vielmehr geht es den Drahtziehern vor allem um eine Abwälzung ihrer eigenen Risiken auf Strafunmündige.
Verbrechen als Lebensstil
Sie gehen dabei ausgesprochen organisiert vor, ködern besonders „Kinder und Jugendliche mit (psychischen) Vulnerabilitätsfaktoren (z.B. Drogenmissbrauch, Verhaltensstörungen, geringes Selbstwertgefühl, familiäre Vernachlässigung) oder Kinder, die in sozial/wirtschaftlich schwachen Verhältnissen aufwachsen“ und sich nach Status, Anerkennung und Zugehörigkeit sehnen“.
Die Verherrlichung von Verbrechen aller Art in sozialen Medien mache es ihnen dabei leichter. Der Slogan „Verbrechen als Lebensstil“ wird so zur Realität.
Derzeit gebe es in Deutschland keine vorbeugenden Maßnahmen gegen diese neue Gefahr, die der Bericht als weltweite Bedrohung einstuft – als betroffene Beispielländer nennt das Papier neben Schweden noch Belgien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien, Mexiko und Kolumbien. Verlässliche Fallzahlen gibt es keine. Wer einen genauen Blick auf die verheerenden Auswirkungen der neuen angeleiteten Jugendgewalt werfen will, findet in Schweden mehr Daten, wo seit fünf Jahren die Jugendkriminalität deutlich steigt, berichtet die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland.
Auch die Praxis, junge Menschen anzuwerben, gibt es dort schon länger. „In der Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen lag die Zahl der Tatverdächtigen bei Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge im Jahr 2014 bei 34. Bis 2023 hat sich diese Zahl auf 167 verfünffacht“, so der Verein über die Lage in Schweden.
Das Land antwortete mit einer nationalen Strategie, die auf mehr Prävention, Herabsetzung der Strafmündigkeit, mehr Polizeibefugnisse und früheres Eingreifen abzielt. „Die meisten Maßnahmen – sowohl repressive als auch präventive Bemühungen – konzentrieren sich auf Jungen und junge Männer aus Stadtteilen oder Gebieten, in denen sich Armutslagen konzentrieren, von denen viele aus der Einwanderergemeinschaft stammen“, heißt es – damit ist ein weiterer Faktor benannt, den das aktuelle deutsche Papier ausspart. Auch mögliche Verbindungen zu Clanstrukturen sind nicht erforscht.
Mord bringt bis zu 200.000 Euro
Es fehlten repräsentative Befunde, die Hinweise liefern, welche Kinder oder Jugendliche von besonderem Interesse für die Online-Rekrutierung durch organisierte Netzwerke sind“, so das BKA. Laut Europol seien 13-bis 17-Jährige in über 70 Prozent der kriminellen Märkte beteiligt, die vor allem Cyberkriminalität und Onlinebetrug, Drogenhandel und damit verbundene Gewalt sowie Vermögenskriminalität umfassen. Sowohl Mädchen als auch Jungen stehen demnach im Visier der Drahtzieher. Das BKA zitiert dabei wiederholt die schwedische Polizei, die eine Verlagerung der Rekrutierung in den digitalen Raum feststellt.
Wenn die organisierte Kriminalität einzelne geeignete und bereitwillige Jugendliche ausgemacht hat, wechseln die Lockvögel mit ihnen in verschlüsselte Chats, um die Tat konkret zu planen. Nach einem in Schweden ermittelten vierstufigen Modell gibt ein Anstifter den Auftrag und finanziert die Tat, ein Rekrutierer sucht über digitale Plattformen mögliche junge Ausführende, wobei er rund um die Uhr erreichbar ist. Ein Vermittler besorgt dann Tatmittel, Fahrzeug und Geld, kümmert sich also um die Logistik, während der Jugendliche gegen Geld und mit geringer Erfahrung sowie ohne Bezug zur eigentlichen kriminellen Gruppe die Tat begeht. Während und nach der Tat bleiben die Drahtzieher im Hintergrund, überlassen die Jugendlichen sich selbst. Videospiele zur Einübung der Tat sind in Schweden ebenfalls üblich.
Für einen Mord ködern Kriminelle junge Menschen laut Schwedens Polizei mit bis zu 200.000 Euro, ein Bombenanschlag bringe 1.000 bis 4.000 Euro, das Ausspähen von Zielen 100 bis 200 Euro. In den Niederlanden fanden Polizisten heraus, wie locker sich Täter über Snapchat mit den Jugendlichen austauschen. Trotzdem gelang es in sechs Ermittlungsverfahren der Studie nicht, die Hintermänner aufzudecken. Die Verbrecher werten ihr Tun systematisch aus, scheinbar unverbindliche Netzwerke aus losen „Freundschaften“ entstehen, die auch weitere spontane Straftaten verüben.