Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Das Symbol Preußens und seines Militärs schlechthin ersetzte nach der Rheinkrise den Tschako und wurde erst im Ersten Weltkrieg in Preußens Armee durch den Stahlhelm abgelöst. Aber andere Streitkräfte nutzen ihn teilweise heute noch
Ähnlich wie heute die Drohnenentwicklung erfolgte vor knapp zwei Jahrhunderten die Entwicklung der Pickelhaube vor dem Hintergrund weltpolitisch unruhiger Zeiten. Krisen und Konflikte setzen Mittel für militärische Entwicklungen frei. Das ist heute zu Zeiten von Ukraine- und Irankrieg nicht anders als vor knapp zwei Jahrhunderten nach der Orient- und der anschließenden Rheinkrise.
Bei der Orientkrise von 1839 bis 1841 war Europa mehr noch als beim jetzigen Irankrieg involviert. Damals unterstützten die europäischen Großmächte in Nahost unterschiedliche Kriegsparteien. Frankreich stand auf der Seite Ägyptens, während die übrigen vier Großmächte das Osmanische Reich unterstützten. Damit wiederholte sich die innereuropäische Frontenbildung der Befreiungskriege. Und wieder verlor Frankreich. Das Wort vom „diplomatischen Waterloo“ machte die Runde.
Orient- und Rheinkrise
Zur Ablenkung und Kompensation bemühte sich der angeschlagene französische Ministerpräsident Adolphe Thiers nun um den Erwerb des linksrheinischen Deutschlands, da ja der Rhein zu Frankreichs „natürlichen Grenzen“ gehöre. Damit löste er die Rheinkrise und heftige antifranzösische Reaktionen in Deutschland und nicht zuletzt in Preußen aus. Das nannte ja seit der europäischen Neuordnung nach den napoleonischen Kriegen auf dem Wiener Kongress den größten Teil des linksrheinischen Deutschlands sein eigen und hatte damit nolens volens die „Wacht am Rhein“ übernommen. Angesichts der heftigen Reaktion in Deutschland verlor Thiers zwar die Unterstützung seines Königs, des Bürgerkönigs Louis Philippe, der auf Deeskalation setzte, und musste als Regierungschef zurücktreten. Aber Preußen war gewarnt.
Ähnlich dem Ukrainekrieg war die Rheinkrise geeignet, in Deutschland die Bereitschaft in Staat und Gesellschaft zu erhöhen, der Optimierung der Streitkräfte und deren Ausrüstung mehr Aufmerkasamkeit sowie Mittel und Ressourcen zu widmen. Optimierungsmöglichkeiten gab es in der preußischen Armee nicht zuletzt bei der Kopfbedeckung. Bis dahin war diese der Tschako. Doch dieser wies gravierende Nachteile auf. Er bot kaum Schutz gegen Säbelhiebe auf den Kopf, und sein Filz sog sich bei Regen mit Wasser voll.
Das war bei der den Tschako ablösenden Pickelhaube besser. Von dem gehärteten und lackierten Leder, aus dem die Standardvariante für die Infanterie größtenteils bestand, perlte das Regenwasser ab. Sein bis auf Höhe der Augenbrauen heruntergezogen Augenschirm verhinderte, dass seinem Träger Regenwasser in die Augen tropfte, und sein weit heruntergezogener Nackenschirm hielt den Nachen trocken. Vorder- und Hinterschirm hatten noch zwei weitere Vorteile. Erster schützte vor der Blendung durch die Sonne und letzterer vor Säbelhieben.
Dem Schutz vor Säbelhieben, diente aber vor allem das bekannteste Charakteristikum der Pickelhaube, die Messingspitze. Sie lenkte Hiebe mit dem Säbel von oben auf die Kopfmitte zur Seite ab, wo sie auf einen ebenfalls aus Messing gefertigten Kreuzbeschlag stießen, dessen Arme die Säbelklinge vom Kopf auf die Schultern lenkten. Dort warteten dann Schulterstücke oder zumindest Schulterklappen darauf, ihren Dienst zu verrichten. Denn Schulterstücke haben ja nicht nur den Zweck, den Träger breitschultriger erscheinen zu lassen, sondern auch den, dessen Schultern zu schützen, ein Umstand der heute vielen nicht mehr bewusst ist.
Messing hat den Vorteil sowohl leicht als auch robust zu sein. Und so schmücken die Pickelhaube noch weitere Teile aus diesem Metall, die der Säbelhiebabwehr dienen und dem Lederhelm auch zusätzlich Stabilität geben. Zu nennen ist hier das vorne angebrachte große Abzeichen. In der Regel handelt es sich um die Darstellung eines Wappentieres oder ein Wappen oder ein sonstiges Emblem wie beispielsweise einen Gardestern. Im Falle Preußens war dies in der Regel der preußische Adler. Weitere Bestandteile, die diesen Zwecken dienten, waren die Messingschiene am Vorderschirm und die Nackenschiene.
Vor Säbelhieben von der Seite schützte wenigstens etwas die sogenannte Schuppenkette. Hierbei handelte es sich um einen den Helm im Kampfgetümmel auf dem Kopf haltenden Kinnriemen, der mit Messingplättchen bestückt war. Bei Nichtbedarf wurde der Kinnriemen wie bei heutigen Schirmmützen über dem Vorderschirm getragen. Das schmückt ungemein. Und so haben auch heute noch Schirmmützen meist einen Kinnriemen, obwohl dieser kaum noch gebraucht wird, da diese Mützen in der Regel nicht mehr im Kampfeinsatz getragen werden.
Die Messingspitze war auf einen Sockel, der zur Lüftung des Kopfes mit Löchern versehen war, nur aufgeschraubt. So konnte man sie bei Paraden mit relativ geringem Aufwand durch einen Haarbuschtrichter ersetzen.
Die neue Kopfbedeckung hieß im Amtsdeutsch „Helm“, „Lederhelm“ oder „lederner Helm“. International berühmt wurde sie als „Pickelhaube“. Diese Bezeichnung hat sie jedoch nicht ihrer Spitze zu verdanken, sondern völlig losgelöst davon vielmehr ihrer Ähnlichkeit mit der mittelalterlichen Beckenhaube. Lautverschiebungen ließen aus der „Beckenhaube“ die „Pickelhaube“ werden. Die Gebrüder Grimm definieren die „Pickelhaube“ als eine „beckenförmige eisen-, blechhaube der gemeinen kriegsknechte“. Aus der „beckenhûbe“ sei über die „beckelhûbe“, die „peckelhawbe“, die „poggelhaub“, die „beckelhaube“ und die „bickelhaube“ dann die „pickelhaube“ geworden.
Ähnlich kompliziert wie die Geschichte des Begriffs ist auch die der so genannten Kopfbedeckung. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, und auch die erfolgreiche Pickelhaube hat mehr als einen. Eine Legende besagt, dass Friedrich Wilhelm IV. 1842 bei einem Besuch des Zaren ein Vorserienmodell einer Pickelhaube auf dessen Schreibtisch gesehen und sich davon habe inspirieren lassen, eine andere, dass er den Militärmaler Hermann Stilke beauftragt habe einen Helm zu entwerfen. Wahrscheinlicher indes ist, dass der Anteil des Königs an der Entwicklung etwas geringer und indirekter war.
Per königlicher Kabinetts-Order wurden Mitte Mai 1841 zwei Kommissionen zur „Prüfung und Revision des Montierungs- und Bewaffnungswesens“ geschaffen, eine für „Bekleidung und Ausrüstung“ und eine zweite für „Organisations- und Formationsangelegenheiten“. Als Ergebnisse legten diese Kommissionen neben einem Waffenrock und einem Packsystem für den Soldaten auch die Pickelhaube vor. Letztgenanntes Kommissionsergebnis soll vor allem das Verdienst des Leiters der Kommission für „Organisations- und Formationsangelegenheiten“ gewesen sein, des Prinzen Friedrich von Preußen.
Der Enkel Friedrich Wilhelms II. war General der Kavallerie und hatte bereits vor der Übertragung des Kommissionsvorsitzes durch seinen Vetter auf eigene Faust und Kosten an der Entwicklung eines Helmes für die Infanterie gearbeitet. Dafür hatte er mit Wilhelm Jaeger zusammengearbeitet. Der Metallwarenfabrikant aus Elberfeld hatte nicht nur mit zivilen Produkten wie Geschirren und Essbestecken Erfahrung, sondern auch mit Helmen und Brustpanzern, sogenannten Kürassen. Damit hatte Jaeger bereits Friedrich Wilhelms IV. Vater und Vorgänger, Friedrich Wilhelm III., überzeugt. Für ein diesem geschenkten Kürass hatte sich jener immerhin mit einem Brillantring bedankt. Jaegers Brustpanzer waren nicht nur im Deutschland gefragt. Auch die niederländische Regierung orderte sie zur Ausstattung ihrer Offiziere. Jaeger war gut im Geschäft. Der Rheinländer pflegte nicht nur gute Kontakte zu den preußischen Militärbehörden, sondern auch zu Prinz Friedrich, der als Kommandeur der 14. Division in Düsseldorf und auf Burg Rheinstein residierte.
Aus dieser Zusammenarbeit ging neben der ledernen Pickelhaube für die Infanterie auch ein metallener Helm für die Reiterei hervor, der ebenfalls mit der markanten Messingspitze ausgestattet war. Bereits im Juli 1841 wurde dem Kriegsministerium ein solches metallenes Exemplar für Versuchszwecke zur Verfügung gestellt. Die Erprobung übernahm die Crème de la Crème der Armee, das Kürassierregiment der Gardes du Corps.
Lederne und metallene Version
Nicht nur, dass Regimentsangehörige zu Testzwecken diese Helme trugen. Sie wurden auch auf mannshohe Holzpfähle mit Strohköpfen gesetzt, um auf diese dann von kräftigen Soldaten der Garde mit Säbeln einschlagen zu lassen. Hier zeigte sich der Vorteil der neuen Helmspitze. Die bisherigen ledernen Kürassierhelme mit einem Kamm statt der Messingspitze überstanden diese Tests nicht so gut. In dem Kamm konnte sich zudem leichter der Wind verfangen, und er erhöhte den Schwerpunkt des Helms, der dadurch weniger stabil auf dem Kopf saß.
Gegen eine schnelle Einführung einer neuen Uniform samt Pickelhaube sprach im sparsamen Preußen allerdings, dass sich noch alte Uniformen für fast eine halbe Million Soldaten in den Lagern befanden. Die Zeit arbeitete jedoch für die Neuerung. Im August/September 1842 wurde für das große Königsmanöver in Euskirchen das 1. Bataillon des 15. Infanterie-Regiments für eine großen Praxistest mit den neuen Uniformen samt lederner Pickelhauben ausgestattet. Das Ergebnis war derart positiv, dass der König in den sauren Apfel biss. Am 23. Oktober 1842 ordnete er die Einführung der neuen Uniform samt lederner Pickelhaube für seine Armee an.
Modifizierungen über die Jahrzehnte
Die Erprobung der für die Kürassiere bestimmten metallenen Helme dauerte etwas länger, führte schließlich aber auch zu einem positiven Ende. Am 22. Februar 1843 erfolgte die Anordnung zu ihrer Einführung.
In den folgenden Jahrzehnten bis in den Ersten Weltkrieg hinein waren die Pickelhauben aus Leder und Metall schlechthin die Kopfbedeckung des preußischen Soldaten. Naheliegenderweise erfuhren die Helme in dieser langen Zeit diverse Verbesserungen und Änderungen. Hierbei lässt sich insbesondere ein Trend feststellen: Die Helme wurden flacher. Das machte sie leichter, verringerte den Materialaufwand und führte zu einem niedrigeren Schwerpunkt und damit zu einem stabileren Sitz auf dem Kopf. Die Helme, die wir gemeinhin von Fotos aus der Kaiserzeit vor Augen haben, bilden dabei (eher) den Endpunkt dieser Entwicklung. Die ersten Exemplare waren ungleich höher. Wir sollten nicht vergessen, dass der Vorgänger der Pickelhaube zumindest bei der Infanterie der Tschako war, und so waren denn die ersten Pickelhauben ähnlich hoch wie ein Tschako. Außerdem wurden Vorder- und Hinterschirm tendenziell kleiner und runder.
Die 1842 eingeführte erste Lederhelmvariante, die sogenannte Version M1842 oder M42, hatte eine Höhe von immerhin zwischen 34 und 38 Zentimetern. Die aufgesetzte Spitze war mit Beschlag 13 bis 14 cm hoch. Die metallenen Anbauteilen waren aus Mes-sing oder Neusilber. Bei der Garde waren die Beschläge aus Tomback. Der komplette Helm wog zwischen neunhundert und tausend Gramm.
In der Regel war auf der Stirn ein 12,5 bis 13 cm großer preußischer Adler in heraldischer Form mit der Buchstabenkombination „FR“ für „Friedericus Rex“ auf der Brust zu sehen. Ausnahmen bildeten die alten Regimenter 1 bis 12, deren Adler einen ovalen Schild mit „FWR“ zu Ehren des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. auf der Brust trugen, sowie die Garde-Regimenter, deren Helm statt des heraldischen ein fliegenden Adler mit Gardestern auf der Brust zierte.
Die ein Jahr nach der ledernen Pickelhaube eingeführte metallene Version trägt gemeinhin die Bezeichnung „M1843“ oder „M43“. Ihr Helmkopf wurde aus einem 0,8 mm dicken Stahlblech oder einem Millimeter dicken Blech aus Tombak im Tiefziehverfahren hergestellt. Die Form des Helmkopfes hing vom Hersteller ab. So gab es halbkugelförmige und parabelförmige Helmköpfe. Auch die Höhe variierte leicht. Der niedrigste Helm war 17 bis 19 cm hoch, was der ungefähren Höhe vom Lederkorpus eines M42 entspricht. Auch die Höhe der Spitze entsprach der der Ledervariante.
Der eckige Vorderschirm war 7,3 bis 7,8 cm hoch und 21 bis 23,3 cm breit. Der Hinterschirm bestand aus drei Platten, die nur locker am Helmkopf befestigt waren. Das sollte die Verletzungsgefahr bei Stürzen des Reiters vom Pferd minimieren.
Wie bei der ledernen war auch bei der metallenen Ausführung der Standardhelmschmuck der preußische Adler. Bei der Garde war es stattdessen ein Stern in der Form des Ordens vom Schwarzen Adler. Des Weiteren unterschied sich der Helm der Garde dadurch, dass bei ihm zu Paraden die Spitze durch einen samt Krone rund 14 cm hohen, 20,5 cm breiten und rund 150 Gramm schweren dreidimensionalen Adler mit nach hinten gerichteten und gespreizten Flügeln ersetzt wurde. Die Offiziersvariante unterschied sich von der Mannschaftsversion durch bessere, aufwendigere Verarbeitung im Detail sowie die Verwendung edlerer Materialien.
Der Einsatz der Pickelhaube blieb nicht auf die preußische Armee beschränkt. Zivile, aber uniformierte Organisationen wie Polizei, Zoll und Feuerwehr übernahmen sie ebenso wie Streitkräfte außerhalb Preußens. Parallel mit dem Bedeutungsgewinn der norddeutschen Großmacht in und für Deutschland übernahmen die deutschen Nachbarstaaten Preußens die preußische Kopfbedeckung. Den Anfang machte bereits 1843 das Großherzogtum Oldenburg. Es folgten zwei Jahre später die Herzogtümer Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Altenburg und Anhalt, die Fürstentümer Reuss, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe und Waldeck sowie die Stadtrepubliken Bremen, Hamburg und Lübeck. Im Revolutionsjahr 1848 kamen die beiden mecklenburgischen Großherzogtümer hinzu, im darauffolgenden Jahr die Großherzogtümer Baden und Hessen, 1850 die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen sowie 1853 die Herzogtümer Sachsen-Corburg-Gotha und Sachsen-Meiningen.
Überzüge im Ersten Weltkrieg
Nach der Gründung des Norddeutschen Bundes übernahm mit dem Bundesstaat Sachsen das erste der anderen drei deutschen Königreiche die preußische Kopfbedeckung. Im Zusammenhang mit der Reichsgründung folgten mit dem neuen Bundesstaat Württemberg ein zweites Königreich sowie das neugeschaffene Reichsland Elsass-Lothringen.
1886 schließlich kamen nach langem Widerstand das Herzogtum Braunschweig und mit Bayern das letzte der deutschen Königreiche hinzu. Die bayerische Landwehr benutzte zwar bereits seit 1848 die Pickelhaube, aber bei der Armee erfolgte die Aufgabe des geradezu identitätsstiftenden Raupenhelms erst jetzt.
Die Aufgabe des Widerstandes von Braunschweig und Bayern wird im Zusammenhang mit zwei Todesfällen gesehen. 1884 starb der Herzog Wilhelm von Braunschweig. Der Welfe hatte den Preußen übel genommen, dass sie 1866 nach dem Deutschen Krieg die Welfenherrschaft in Hannover beendet hatten. Als Regent folgte ihm nach einer Interimslösung 1885 mit Prinz Albrecht ausgerechnet ein Preuße. Der schloss mit Preußen 1886 eine Militärkonvention, in deren Folge die braunschweigische Infanterie erst den preußischen Helm und bis 1892 dann auch andere Teile der preußischen Uniformierung übernahm.
In Bayern kam es 1886 durch Ludwigs II. Erklärung für regierungsunfähig und anschließenden Tod zum Wechsel in der Regentschaft zu Prinzregent Luitpold. Ludwig hatte Preußen den Deutschen Krieg übel genommen und dass sein Bayern 1871 von einem souveränen Königreich zu einem Bundesstaat des preußisch dominierten Deutschen Reiches geworden war. Unter Luitpold blieben zwar die Uniformen hellblau und den Generälen ihr Generalshut erhalten. Aber die Pickelhaube löste den Rautenhelm ab.
Die preußische Kopfbedeckung breitete sich jedoch nicht nur Deutschland, sondern in der ganzen Welt aus. Zum Einsatz kam und kommt sie teilweise auch heute noch beispielsweise in Botswana, Chile, Ecuador, Jordanien, Kolumbien, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Österreich-Ungarn, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien dem Vereinigten Königreich und auch den Vereinigten Staaten.
An seine Grenzen als zweckdienliche Kopfbedeckung des Militärs stieß die Pickelhaube allerdings schließlich im Ersten Weltkrieg. Gefahr für den Soldaten ging nun weniger von Säbelhieben als von weitreichenden Geschossen aus. Tarnung und Splitterschutz gewannen an Bedeutung. Da wies die Pickelhaube schwerwiegende Nachteile auf. So funkelten und blitzten ihre Messingteile, und die über den Schützengrabenrand hinausragende Spitze verriet ihren Träger.
Hier ließ sich noch Abhilfe schaffen. So wurde 1915 für die Spitze ein Bajonett-Verschluss eingeführt, der ein schnelles Entfernen ermöglichte. Und die Messingteile konnten abgedeckt werden. Nachdem dieses ab 1849 mit schwarzem Bernsteinlack erfolgt war, war ab 1892 ein Helmüberzug in Tarnfarbe eingeführt worden, der in der Folgezeit kontinuierlich verbessert wurde. Allerdings kam es einem Schildbürgerstreich gleich, dass dieser anfänglich mit Kennzeichnungen in Signalrot versehen waren. Dieser Irrsinn wurde erst nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet.
Noch im Einsatz bei Paradeeinheiten
Während bei der Tarnung also nachgebessert werden konnte, war dieses beim Schutz des Soldatenkopfes gegen die hochgefährlichen Artilleriesplitter nicht der Fall. Hier war der ab 1916 ausgegebene Stahlhelm weit überlegen. Zudem war dieser auch noch günstiger herzustellen. Das war angesichts der Massenheere und der angespannten Versorgungslage im Reich ein wichtiger Vorteil. Bis zum Kriegsende löste der Stahlhelm zumindest an der Westfront die Pickelhaube nahezu vollständig ab. Die Pickelhaube ging im Ersten Weltkrieg als Standardhelm des deutschen Soldaten unter und kehrte nicht zurück.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie noch von Veteranen bei festlichen Anlässen getragen. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich Reichspräsident Paul von Hindenburg. Ansonsten blieb sie in Deutschland zivilen Uniformen vorbehalten. Im Zivilleben ließ man sich mit der Ausmusterung mehr Zeit, sind Tarnung und Schutz vor Artilleriesplittern dort doch weniger relevant. Deutsche Polizisten trugen die Pickelhaube bis in die 20er Jahre, bayerische Gemeindepolizisten sogar über die Weimarer Zeit hinaus bis 1936. Dann war auch dort Schluss.
Im Ausland überlebte die Pickelhaube als Uniformbestandteil von Paradeeinheiten. Als prominentes und gar nicht so fernes Beispiel sei hier auf die schwedische Livgarde (Leibgarde) verwiesen. Nicht nur deren Helme, sondern deren gesamte Uniformierung lässt sich zurückführen auf die des preußischen Füsilier-Regiments (Pommersches) Nr. 34, dessen Chef die gebürtige Deutsche Königin Viktoria von Schweden war.