04.09.2026

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Vor allem die Grünen biegen für ihre eigene ideologische Moral reflexartig vor der wichtigen, wertvollen Realität ab
Bild: ShutterstockVor allem die Grünen biegen für ihre eigene ideologische Moral reflexartig vor der wichtigen, wertvollen Realität ab

Nie war ein kräftiger Ruck nötiger

Schluss mit falscher Moral und verkehrter Rücksichtnahme

Deutschland braucht weniger moralische Arroganz, dafür mehr Vernunft, Realitätssinn und endlich den Mut für echte Könner und Macher

Jens Eichler
26.08.2026

Deutschland hat ein Problem. Und es ist nicht nur die Bürokratie, die Wirtschaftskrise, die Migration, der Bildungsmangel oder der marode Staat. Das wahre Problem liegt darunter: Wir haben uns daran gewöhnt, politische Fragen primär moralisch zu behandeln. Wir fragen nicht mehr: Was funktioniert? Sondern: Was ist richtig im Sinne einer einseitig vorgegebenen moralischen Gesinnung? Das Ergebnis ist ein Land, das nur noch diskutiert, wer sich, ach, wie fühlen könnte, während immer weniger darüber gesprochen wird, was getan werden muss.

Moral ist unverzichtbar. Ohne Werte wird es kalt und beliebig. Aber Moral und Moralisierung sind nicht dasselbe. Moral setzt Maßstäbe für das eigene Handeln. Moralisierung hingegen macht aus politischen Gegnern schlechte Menschen, aus abweichenden Meinungen Gesinnungsverstöße, und aus Sachfragen werden Glaubensfragen.

Wer darauf hinweist, dass ein Sozialstaat Grenzen braucht, ist herzlos. Wer Leistung fordert, gilt als unsolidarisch. Wer von Pflichten spricht, setzt Menschen unter Druck. Wer Migration begrenzen will, muss sich moralisch rechtfertigen. Wer Wirtschaftswachstum fordert, ist ein böser Ausbeuter. Nationale Interessen sind uneuropäisch und ziemlich „rechtsextrem“. Schwachsinn! Damit muss endlich Schluss sein! So wird ein Land dauerhaft unregierbar.

Denn Politik ist nicht die Kunst, die moralisch schönste Absicht zu formulieren. Es geht um das Tun, um das Handeln. Und Deutschland hat inzwischen eine bemerkenswerte Kultur des Nicht-Handelns entwickelt. Man bildet Arbeitsgruppen, bestellt Gutachten, entwickelt Strategien, formuliert Leitbilder und veranstaltet Gipfel. Man erklärt ausführlich, warum ein Problem kompliziert ist – nur damit es anschließend nicht gelöst wird.

Deshalb müssen wir wieder stärker zwischen Schwachen und Starken unterscheiden – ohne den Schwachen die Würde abzusprechen. Eine Gesellschaft darf aber diejenigen nicht zum Maßstab ihrer Politik machen, die am wenigsten leisten (können oder wollen), sondern muss die in den Vordergrund stellen, die Verantwortung übernehmen, Unternehmen gründen, Jobs schaffen, investieren, ausbilden, erfinden und Risiken eingehen – auch für die Schwachen. Denn die Starken einer Gesellschaft sind ihre wichtigste Ressource. Nicht weil sie besser wären, sondern weil eine Gesellschaft von ihrer Leistungsfähigkeit lebt. Wer ständig nur fragt, was der Staat den Menschen abnehmen kann, vergisst irgendwann die viel wichtigere Frage: Was müssen Menschen können und dürfen, damit sie selbst etwas leisten können?

Ungerechtigkeiten sind die Folge

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem fürsorglichen und einem bevormundenden Staat. Ein guter Sozialstaat hilft demjenigen, der fällt, wieder aufzustehen. Ein schlechter Sozialstaat richtet sich darauf ein, dass Menschen dauerhaft liegen bleiben. Das gilt auch für die Wirtschaft. Wenn ein Land diejenigen, die investieren wollen, mit Steuern, Vorschriften, Berichtspflichten und immer neuen Auflagen überzieht, darf es sich nicht wundern, wenn Kapital, Unternehmen und schließlich Menschen gehen. Wer Leistungsträger vertreibt, soll anschließend nicht darüber klagen, dass ihm Leistung fehlt. Die neue politische Priorität muss heißen: Wir müssen die Starken stärken, damit sie die Schwachen mitnehmen können. Das ist kein Sozialdarwinismus. Es ist soziale Vernunft.

Die Alternative ist eine ungerechte Gesellschaft, in der am Ende immer weniger Menschen immer mehr Lasten tragen müssen. Und genau deshalb ist es so gefährlich, wenn politische Debatten zunehmend vom Ausnahmefall statt vom Normalfall her gedacht werden. Natürlich muss eine moderne Gesellschaft Minderheiten schützen. Natürlich muss sie Menschen auffangen, die unverschuldet in Not geraten. Aber daraus folgt nicht, dass die gesamte Gesellschaft nach den Bedürfnissen derjenigen organisiert werden sollte, die am wenigsten beitragen können. Solidarität funktioniert nur, wenn es genügend Menschen gibt, die etwas erwirtschaften, aufbauen und tragen. Wer den Ast absägt, auf dem der Sozialstaat sitzt, handelt unsozial und kurzsichtig.

Deutschland braucht deshalb einen mentalen Kurswechsel. Weg von der permanenten Empörung, weg vom moralischen Reflex, weg von der Angst, irgendeine Gruppe könnte sich übergangen fühlen. Wir müssen wieder lernen, dass nicht jede Ungleichheit ungerecht ist. Dass nicht jeder Misserfolg das Ergebnis gesellschaftlicher Benachteiligung ist. Dass Eigenverantwortung keine Zumutung, sondern eine Voraussetzung für Freiheit ist. Und dass Erfolg nicht verdächtig ist, sondern das Ergebnis von Wille, Leistung, Arbeit und Beharrlichkeit. Können und Wollen müssen wieder etwas zählen und kein Anlass für Neid, Hetze und ideologische Lügen sein. Denn ein Land, das seine Besten ständig gängelt und ihnen noch mehr nehmen will, darf sich nicht wundern, wenn sie irgendwann fragen, warum sie eigentlich bleiben sollen.

Die Stärken stärken – jetzt

Konservative Politik spielt nicht die Schwachen gegen die Starken aus. Im Gegenteil. Sie schafft die Ordnung, in der Stärke entsteht, Leistung sich lohnt und Verantwortung Anerkennung findet. Und wo jeder, der will, zu den Starken zählen kann. Denn jeder hat Stärken – die es nur zu stärken gilt. Genau das kommt am Ende auch den Schwachen zugute.

Wir brauchen wieder eine Gesellschaft, die Mitgefühl besitzt, ohne aber davon allein dominiert und bestimmt zu werden. Vor allem aber brauchen wir wieder den Mut zu begreifen, dass primär das zählt, was am Ende funktioniert. Wie einige wenige das dann moralisch bewerten, ist sekundär. Deutschland weiß doch genau, was zu tun ist. Jetzt ist darum exakt die Zeit, es auch endlich zu tun.


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Kommentare

Thomas Godderidge am 31.08.26, 19:52 Uhr

Ausgezeichnet - genau auf den Punkt gebracht!

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