03.03.2026

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DDR-Geschichte

Vom Ende der Volksarmee

Jörg Echternkamp und Klaus Storkmann legen eine Dokumentation vor, für die sie 170.000 Frauen und Männer, die in der NVA gedient hatten, befragten

Roger Töpelmann
03.03.2026

Zum 35. Jahrestag der deutschen Vereinigung erschienen der Dokumentationsband „Vom Verschwinden der NVA 1989/90“ erstmals, und sie sind überzeugend: Als der aus preußischer Tradition übernommene Stechschritt der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR 1990 offiziell abgeschafft wurde, kam mit dem Aus des „Exerzierschritts“ zugleich eine deutsche Armee an ihr Ende. Wie tief der erste deutsche Staat des Sozialismus vom Militär und Politik geprägt war, enthüllen neun Zeitzeugen-Gespräche, die Jörg Echternkamp und Klaus Storkmann vom ZMSBw in Potsdam präzise geführt haben: 170.000 Männer und Frauen standen für die NVA in Uniform.

Doch die Betriebskampftruppen sowie die Angehörigen der Zivilverteidigung und die Gesellschaft für Sport und Technik (GTS) mit hunderttausenden Mitgliedern führten dazu, dass jeder 4. oder 5. Erwerbstätige in der DDR in die Landesverteidigung eingebunden war. Zu Wort kommt auch der frühere Ministerpräsident Lothar de Maizière: „Die DDR war ohnehin preußischer, wenn Sie wollen im Sinne von preußischen Sekundärtugenden, als es der Westen je gewesen ist.“

Der ehemalige Minister für Abrüstung und Verteidigung, Rainer Eppelmann, versichert, ohne den Zusatz „Abrüstung“ hätte er das Ministerium nicht übernommen. Er erinnert daran, wie Wehrdienstverweigerer und Friedensbewegte, die den Aufnäher „Schwerter zu Flugscharen“ trugen, behandelt wurden. Mit der Wende 1990 hatte es die Forderung gegeben, die Wehrpflicht abzuschaffen. Empfunden wurde das in der DDR aber als eine Unterminierung der Existenzgrundlage der Berufssoldaten.

Eindrücklich schildert Generalleutnant a.D. Manfred Grätz die Grenzöffnung in Berlin: ünter Schabowski sei mit seinem Wort „Nach meiner Kenntnis ist das ... sofort, unverzüglich“ den Militärs in den Rücken gefallen. Die Öffnung war für den nächsten Tag geplant. Die Führungsorganisation der Grenztruppen war nicht zu erreichen. Am Grenzübergang Bornholmer Straße musste ein Kommandant vor Ort die Entscheidung treffen. „Es ist ja nicht so, dass dort die Tür zu einer Kantine geöffnet wurde, die verschlossen war. Dort ging es um eine Grenze, nicht nur zwischen zwei deutschen Staaten, sondern zwei Systemen, die viele Jahre unantastbar und heilig war.“ Die NVA war eine Armee ohne Lobby, ihr Schicksal wurde nicht in Ost-Berlin, sondern in Bonn entschieden. Die Bundeswehr übernahm nur 11.000 Mann.

Jörg Echternkamp/Klaus Storkmann: „Vom Verschwinden der NVA 1989/90. Deutungskontroversen in Zeitzeugengesprächen“, Ch. Links Verlag, Berlin 2025, gebunden, 396 Seiten, 40 Euro


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