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Ethnografisches Museum in Mehlsack
Bild: muzeumpieniezno.plEthnografisches Museum in Mehlsack

Umzug nach Mehlsack

Von St. Wendel ins Ermland

Exponate, die Steyler Missionare aus aller Welt mitgebracht haben, fanden im Ethnografischen Museum Pieniężno eine neue Heimat

Bodo Bost
25.09.2026

Das 1920 gegründete Völkerkundemuseum der Steyler Missionare (SVD) in St. Wendel wurde geschlossen und seine Exponate an die Ordensniederlassung der Steyler in Mehlsack [Pieniężno] im Ermland übergeben. Dort spielen sie im missionarisch-ethnografischen Museum des Steyler Priesterseminars für Polen eine zentrale Rolle.

St. Wendel war 1898 nach Neiße in Schlesien die zweite Gründung der 1875 in Holland gegründeten Ordensgemeinschaft des Göttlichen Wortes, der „Steyler Missionare“ in Deutschland. Mehlsack im katholischen Ermland war 1920 eine der letzten Gründungen des damals stark wachsenden Missionsordens in Deutschland. 500 Priesterberufe gingen aus St. Wendel hervor, viele zogen als Missionare in alle Welt, und brachten Utensilien aus ihren Einsatzgebieten mit. Diese Erinnerungsstücke aus China, Flores, Japan, den Philippinen und Indien bildeten das Herzstück des St. Wendeler Missionshauses. Mit der Schließung der Niederlassung St. Wendel wegen Nachwuchsmangels wurde zunächst der Hof, dann das Gymnasium und 2025 auch das im Saarland beliebte Museum geschlossen.

Die Steyler Niederlassung in Mehlsack basierte auf der Schenkung einer kinderlosen Familie im Jahre 1914. Damals stand die russische Armee zum ersten Mal kurz vor dem Ort. Deshalb wurde das Missionshaus erst nach Ende des Ersten Weltkrieges 1920 eröffnet. Superior der Steyler war damals Pater Johann B. Bodems SVD (1867–1927), der 1898 auch Gründungsdirektor in St. Wendel war. Der Ermländer Bischof Augustinus Bludau gab seine Zustimmung, weil das Ermland als katholische Insel im protestantischen Ostpreußen viele Priesterberufungen zählte, darunter auch viele Steyler. Deshalb eröffneten die Steyler von Anfang an dort auch ein Schülerinternat, aus dem bis 1943 80 Ordensberufungen hervorgingen. Viele Steyler Patres, wie der Märtyrerpriester P. Gottfried Fuchs aus Leverkusen, der 1945 beim Einmarsch der sowjetischen Armee erschossen wurde, wirkten in Mehlsack.

Eine katholische Insel im protestantischen Ostpreußen

1945 wurden viele der 4.500 Einwohner vertrieben. Obwohl polnische Flüchtlinge aus dem heute litauischen Gebiet von Wilna hinzukamen, erreichte die Bevölkerung – heute 3.000 – nie wieder ihr Vorkriegsniveau, und aus der Stadt wurde ein Dorf. Polnische Steyler übernahmen 1945 die Ordensniederlassung. Sie machten aus der kleinen Ordensschule ein Priesterseminar für ganz Polen, aus dem bis 2019 560 Priesterweihen hervorgingen.

Zum Priesterseminar gehört auch das 1964 eingerichtete Völkerkundemuseum. Ins Museum in Mehlsack wurden viele Exponate aus den kleineren Steyler Häusern Rybnik, Górna Grupa (Carolina) und Neiße im westlichen Polen übernommen. Im Jahr 1980 wurde der Name der Einrichtung in missionarisch-ethnographisches Museum geändert.

Seit 1998 ist Pater Wiesław Dudar SVD Direktor des Museums. Wie in St. Wendel liegt auch in Mehlsack der Schwerpunkt bei Exponaten aus China, Japan, den Philippinen, Indien, Indonesien, Papua-Neuguinea, Afrika und Lateinamerika. Zu den Exponaten gehören Musikinstrumente, Ornamente, rituelle Masken, stilisierte Kreuze, sowie religiöse Skulpturen und Kultgegenstände. 2015 sorgte der Ort für Schlagzeilen, als die Rathausverwaltung ein Denkmal des Sowjetgenerals Iwan Tschernjachowskij entfernen ließ, als bekannt wurde, dass er im Zweiten Weltkrieg für die Tötung tausender polnischer Soldaten verantwortlich war.


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