22.10.2021

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Plagiats-Affäre

Baerbocks Skandale spalten das grüne Lager

Die Union dagegen hält sich auffällig zurück. Offenbar überwiegen Koalitionspläne schon jetzt Wahlkampfmotive – und zeigen Macht der Grünen

Hans Heckel
07.07.2021

Die Flucht nach vorn ist gescheitert. Hatte sich Annalena Baerbock nach dem Auffliegen ihres aufgeblasenen Lebenslaufs und der Nachlässigkeiten in der ordnungsgemäßen Meldung von Zusatzeinnahmen noch zerknirscht gegeben, wählte sie in der Plagiatsaffäre um „ihr“ Buch das Mittel der Offensive.

Was die grüne Kanzlerkandidatin hierzu aufbot, wirkte indes wie eine endlose Reihe selbstgerechter Ausflüchte und billiger Retourkutschen auf dem Niveau einer Schulhofkeiferei. Schließlich wurde es sogar der Kommentatorin der „taz“ zu viel. Zum Wochenbeginn forderte die Zeitung die Kandidatin unverblümt zum Rückzug auf: „Es ist vorbei, Baerbock!“ Die Reaktion der Grünen-Spitze sind von Fassungslosigkeit geprägt, maßlose Attacken auf das linksgrüne Hausblatt der Partei folgten.

Als „auffällig unauffällig“ kann man dagegen die Rolle der CDU/CSU in der Kontroverse um Baerbocks Fehltritte umschreiben. Obschon sie als Hauptkonkurrent der Grünen bei der kommenden Bundestagswahl ins Rennen geht, waren kaum sichtbare Anstalten aus den führenden Reihen der Union zu erkennen – Armin Laschet beließ es dabei, lediglich absurde verbale Übergriffe aus dem grünen Lager auf seine Person abzuwehren.

Woher rührt diese Zurückhaltung? Manche werden darin einen weiteren Beleg für die inhaltliche Annäherung der Union an die Grünen sehen. Zweifellos haben die Schwarzen unter Angela Merkel etliche grüne Positionen übernommen, etwa bei Atomkraft, „Klimaschutz“ oder Einwanderung und offene Grenzen. Auch gehört der „Kampf gegen Rechts“ längst zum Grundrepertoire der einst selbst als rechts bezeichneten CDU/CSU.

Maue CDU-Reaktion nährt Verdacht

Mehr noch aber scheint hier reines Machtkalkül am Werk zu sein. Wichtig war es Laschet und den Seinen vor allem, dass die Grünen soweit hinter die Union zurückfallen, dass außer Zweifel steht, wer den Kanzler stellen wird. Seitdem dies erledigt scheint, sieht die Unionsführung in der Öko-Partei nur noch den künftigen Koalitionspartner, mit dem man im Herbst Gespräche führen will, die man sich nicht schon im Vorwege atmosphärisch vergiften möchte durch ein hartes Angehen der grünen Kandidatin.

Auf diese Weise aber nährt die Union die Kritik jener, welche die einstigen Parteien von Kohl und Strauß nurmehr zu reinen Machtmaschinen herabgesunken sehen. Zu einem Apparat, dem es nur darum geht, oben zu bleiben, ganz gleich, durch wen und mit wem das gelingt. Und vor allem: Wofür man überhaupt in der Führung des Landes sitzt. Eine weitere Phase der inhaltlichen Beliebigkeit, welche gerade konservative und liberale Anhänger der Union in den Merkel-Jahren so schmerzlich konstatiert haben, würde sich abzeichnen, wenn diese Stimmen Recht behalten sollten. Die Grünen könnten ihre inhaltlichen Vorstellungen zum radikalen Umbau des Landes in einer kommenden Regierung mit CDU und CSU durchdrücken, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.

Trotz ihrer derzeitigen Schwäche zeigt sich selbst in dieser Auseinandersetzung abermals die erhebliche Macht, welche die Grünen mittlerweile erlangt haben. Sie dominieren, bemerkenswert für eine 20-Prozent-Partei, nicht nur die wesentlichen Debatten im Lande. Für Annalena Baerbock wurde die Lage auch erst in dem Moment wirklich heikel, als Kritik an ihrem Gebaren und Zweifel an ihrer Kompetenz, fachlich wie charakterlich, aus dem grünen Lager selbst kamen. So, als mache man dort unter sich aus, wer im Lande stehen oder fallen soll, während die übrigen 80 Prozent die Entscheidung geduldig oder murrend abzuwarten haben.

Das ist umso erstaunlicher, als mit dem Baerbock-Desaster ein „feministischer“ Grundpfeiler grüner Ideologie als Irrweg entlarvt wurde – die Bevorzugung von Frauen ohne Blick auf deren Befähigung. Doch die Macht der Grünen scheint groß genug zu sein, dass sie wohl selbst dies einfach übergehen können.



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Kommentare

Tom Schroeder am 08.07.21, 18:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Angermann, Ihr Zitat von Willi Busch ist Spitze - dazu noch das Bild des (vielleicht grünen) Frosches aus der Geschichte. Ich verwende das Zitat mit dem Baum gerne auch für unsere Jungmanager, die ihr eben erst aus Management-Kursen erworbenes "psychologisches Wissen" (ha, ha!) auch an den älteren Mitarbeitern ausprobieren wollen - da lache ich mich nur noch kaputt! Die Parallelen zu den Grünen Allwissenden liegt auf der Hand. Nun noch das irdische Ende der frommen Helene, nach Willi Busch: "Und hilflos und mit Angstgewimmer, verkohlt dies fromme Frauenzimmer, hier sieht man ihre Trümmer rauchen, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen".

Cornelius Angermann am 08.07.21, 09:33 Uhr

Bei Baerbock fällt mir folgendes Gedicht von Wilhelm Busch ein:
Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, dass er ein Vogel wär
Dann irrt sich der

Hein ten Hof am 07.07.21, 12:17 Uhr

Zitat Anfang

Zitat Ende

Obiges aus der aktuellen WIRTSCHAFTS WOCHE, online.
Kann man also davon ausgehen, dass unter dem Tisch schon alles ausgekungelt wurde und dass WIR (die das schaffen sollen) eine Art Spiegelfechterei erleben und die Dame verfährt nach dem Motto: Mir kann Keener.
KANN DAS SEIN?

Tina Petkovic am 07.07.21, 11:34 Uhr

@Siegfried Herrmann:
Das ist so ziemlich das, was ich mir auch denke. Leider haben wir da beide einen Haufen mehr Optimismus als gut für uns ist. Immer dem Untergang entgegen!

Siegfried Hermann am 07.07.21, 09:17 Uhr

Herr Heckel,
das riecht doch seit "dem Buch" nach orchestrieren von Heckenschützen!
Und weiß Gott, das wird bis zu den BTW steigend so weiter gehen und erst Kobold-Lena wundweid geschossen und schließlich die ganzen Grünen (Kinder-sex-missbrauch) in den Abgrund reißen und deren Kompetenzlosigkeit bei Beratungsresistenz und skrupellose Machtgier und Raffgier nach Fleischtöppe dem Volk vorgeführt!
Wie Q sagte: Das Volk MUSS es SEHEN!
Allein das Grüne stalinistische Auftreten bei Kritik (Kretschmann und Vasallen der letzten RAF-Sympathisanten) schreckt doch jeden Bürger ab, der auch nur halbwegs noch denken kann.

Wenn die FDP schlau wäre...
Lindner feuern, Kubicki als Rechtsstaatheld auftreten und
würden jetzt genauso auf die Unfähigkeiten der Grünen drauf dreschen und sich der diktatorischen
Handels der schwarzen Witwe annehmen und für die komplette Abschaffung der Kokolores-Regeln, auch bis zum europäischen Gerichtshof, kämpfen.
Die AfD sollte die Meuthenfraktion feuern und Einigkeit zeigen (!) und sich konsequent für Deutsche einsetzen und ständig mit Würzburg argumentieren, wenn die Grünen jetzt die Schleuserinvasion begrüßen wollen.
Im Ergebnis wandern die CDU-Wähler zur FDP und AfD ab, auch auf Kosten der Grünen.
So könnte erstmals in der Geschichte die FDP vor der großen Schwester stehen und zusammen mit der AfD ein "Kabinett der Vernunft und nationalen Einheit" bilden. Der machtgeile lasche Armin wird sich dem nicht verschließen mit dem Verweis "dem Willen der Wähler zu folgen".
Das hörige Merkelsystem wird dann blitzartig zusammenbrechen wie 45 die NSDAP und 89 die SED.
Und keiner, außer den Bonzen, wird es vermissen.
Ok. Nichts ist unmöglich.

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