Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Das Autorenpaar Iris Plehn und Sebastian Weirauch entzaubert die verschiedenen Sozialismus-Varianten in der Geschichte bis zur Gegenwart
Wie ist es zu erklären, dass gescheiterte Staatsmodelle links-ideologischer Ausprägung, z. B. die ehemals führenden Ostblock-Länder wie die Sowjetunion und/oder die DDR, dennoch und auch weiterhin über eine nicht unbedeutende Anhängerschaft verfügen, zumindest wenn es um deren politisch-weltanschaulichen Grundlagen geht? Warum sind sie nicht völlig diskreditiert und im Orkus der Geschichte verschwunden?
Das sind berechtigte Fragen, denen im hier vorzustellenden Buch nachgegangen wird. Erste Antworten und Erklärungsansätze lauten: Der „Sozialismus“ als gesellschaftspolitische Zielsetzung und Staatsform tritt chamäleonartig auf und präsentiert sich anpassungsbereit an die jeweils unterschiedlichen historischen Lagen. Hinzu kommt seine mobilisierende Kraft aus naiver Faszination für das Positive im Menschen, wobei weniger die Faszination für das Positive im Menschen kritikwürdig erscheint, sondern deren überdimensionale Realitätsferne.
Auf dem sozialistischen Weg soll nämlich – final – ein hierarchiefreier Staat durch Gleichheit für alle propagiert und geschaffen werden, und das in bester Gestaltungsabsicht: „Wir haben festgestellt, dass alle Sozialistenführer von Anfang an, d. h., vom Altertum bis zur Neuzeit, nur das Gute für den Menschen, für die Gesellschaft, im Auge hatten.“ So resümieren die Autoren Iris Plehn und Sebastian Weirauch in ihrem Buch „Der Sozi-Virus. Wie der Rote, Braune und Grüne Sozialismus unter immer neuen Masken die Gesellschaften von innen zerstört“.
Gleich im Vorwort wartet Regierungsdirektor a.D. Josef Schüßlburner mit einem geschichtspolitisch bedeutsamen Zitat aus dem „Wörterbuch der Völkermorde“ (Hrsg. Gunnar Heinsohn) auf, das eine weitgehend verdrängte Realität grell beleuchtet: „Unter keiner Weltanschauung wurden in der Menschheitsgeschichte größere Megatötungen vollzogen als unter Regierungen, die sich dem Marxismus bzw. dem wissenschaftlichen Sozialismus verpflichtet fühlten.“ Die tragische Widersprüchlichkeit von Anspruch und Wirklichkeit sozialistischer Ideologeme könnte kaum dramatischer ausfallen!
Zum Buch: Es ist in zehn Kapitel gut und übersichtlich gegliedert, geht systematisch auf gemeinsame Merkmale der verschiedenen Sozialismus-Varianten ein, blickt chronologisch weit zurück auf frühe Formen des Sozialismus und konzentriert sich dann auf den roten (klassischer Marxismus, Kommunismus und sozialdemokratische Umverteilungspolitik), den braunen (Nationalsozialismus, im Kern letztlich auch ein linker Kollektivismus) und den grünen Sozialismus (Öko-Politik, Klimaschutz-Religion, Genderismus, Wokeness, Multikulti, Anti-Rassismus) sowie sozialistische Strömungen im Islam (Anspruch auf Weltherrschaft). Letzterer wurde aufgrund seines Vordringens in Deutschland und Europa ebenfalls in den kritischen Betrachtungsbogen aufgenommen, was zu begrüßen ist.
Dabei lautet die Kernthese, dass der Sozialismus wie ein gesellschaftlicher „Virus“ agiere, so die medizinisch-biologische Metapher. Er greife die gesunden Abwehrkräfte wie individuelle Freiheit, Eigenverantwortung, Familie und (soziale) Marktwirtschaft an, manipuliere und zerstöre sie letztendlich. Ob als klassischer Klassenkampf, nationaler Sozialismus wie im Dritten Reich oder sich als modern gebende Klimareligion – der Sozialismus kehre immer wieder zurück, nur seine Masken wechselten ständig.
Damit bricht das lesenswerte Buch mit dem Tabu der strikten Trennung von „Rot“, „Braun“ und „Grün“. Die Slawistin und Germanistin Plehn und der Psychologe Weirauch, beide führend im „Institut für Gesellschaftsentwicklung“ (Kürten/NRW) tätig, zeigen, wie diese scheinbaren Gegenpole in ihren Methoden – von der Gleichschaltung der Institutionen bis hin zur Anwendung psychologischer Manipulation und Gewalt – sich vielfältig überschneidend vereint auftreten. Die empfehlenswerte Streitschrift bietet nicht nur eine klare Diagnose unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage, sondern liefert auch die intellektuellen Werkzeuge, um eine abwehrstarke Immunität gegen die zerstörerischen Kräfte von Utopien zu entwickeln.