11.06.2026

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Elon Musk schickt sich an, mit dem Börsengang seines Unternehmens SpaceX der erste US-Dollar-Billionär der Welt zu werden
Bild: shutterstockElon Musk schickt sich an, mit dem Börsengang seines Unternehmens SpaceX der erste US-Dollar-Billionär der Welt zu werden

Tech-Milliardär Elon Musk könnte der erste Dollar-Billionär der Welt werden – Für ETF-Anleger drohen herbe Verluste – Experten halten die Aktie für stark überbewertet – Wird das Kapital anderer Investoren aufgesaugt?

Brisante Finanzwette mit dem Kosmos

Der Börsengang von SpaceX mutiert zum Mega-Spektakel – aber wird es top, oder droht ein Superflop

Wolfgang Kaufmann
04.06.2026

Am 12. Juni soll es so weit sein. Dann wird der 2002 von Elon Musk gegründete Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Konzern Space Exploration Technologies Corporation (SpaceX) an die Technologiebörse Nasdaq gehen. Aktuell wird der Gesamtwert von SpaceX auf 1,5 bis 1,75 Billionen US-Dollar geschätzt – nicht zuletzt aufgrund der kürzlich erfolgten Übernahme des ebenfalls im Besitz von Musk befindlichen KI-Riesen X.AI mitsamt des sozialen Netzwerkes X. Dadurch könnte das Unternehmen künftig zu den zehn wertvollsten börsennotierten Firmen auf der Welt gehören.

Nach verschiedenen Medienberichten will SpaceX durch die erstmalige Ausgabe von regulären Aktien mit einem Schlag um die 80 Milliarden Dollar einsammeln. Sollte dies tatsächlich gelingen, würde die Welt den größten Börsengang aller Zeiten erleben. Der Noch-Rekordhalter ist hier der Ölkonzern Saudi Aramco, der im Dezember 2019 bei seinem Debüt an der Tadawul-Börse in Riad 25,6 Milliarden US-Dollar erlöste. Darüber hinaus besteht die reale Möglichkeit, dass Elon Musk demnächst der erste Billionär der Welt sein wird. Momentan beziffert das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ das Vermögen des 54-Jährigen gebürtigen Südafrikaners bereits auf 830 Milliarden Dollar. Diese Summe resultiert unter anderem aus dem Besitz von etwa 42 Prozent der bislang noch nicht frei handelbaren SpaceX-Anteile, wobei sich Musks Stück vom Kuchen durch die Übernahme weiterer Aktien noch deutlich vergrößern könnte.

Obwohl der Börsengang erst in einigen Tagen erfolgt, gibt es bereits einen inoffiziellen Spekulationsmarkt rund um SpaceX über dezentrale Krypto-Plattformen wie trade.xyz. Dort kann man zwar keine echten SpaceX-Papiere erwerben, aber auf die Entwicklung des Aktien- beziehungsweise Unternehmenswertes wetten. Zunächst lag der Referenzpreis bei 150 US-Dollar pro virtueller Aktie, was der Bewertung von SpaceX mit 1,75 Billionen Dollar entsprach. Dann kletterten die „Kurse“ binnen kürzester Zeit auf 210 bis 380 Dollar. Daher taxiert die Krypto-Szene den Wert von SpaceX nun auf 2,5 Billionen Dollar und mehr, was allerdings völlig überzogen ist, weil selbst die angeblich konservativ angesetzten 1,75 Billionen bereits dem 94-fachen des SpaceX-Umsatzes von 2025 entsprechen. Zum Vergleich: Der Google-Mutterkonzern Alphabet wird derzeit mit dem 11,6-fachen seines Vorjahresumsatzes bewertet.

Der Hype um SpaceX birgt die Gefahr, dass mit dem Börsengang massiv Kapital von umschichtungswilligen institutionellen Investoren aufgesaugt wird, das dann an anderer Stelle fehlt. Darüber hinaus droht eine branchenbezogene Bewertungsblase, wenn die übrigen Raumfahrtunternehmen ebenfalls höher notiert werden.

Und dann wäre da noch ein Haken. Sollte der Börsengang von SpaceX so grandios verlaufen wie erwartet, könnte das Unternehmen aufgrund einer Nasdaq-Ausnahmeregelung bereits nach 15 Tagen in den Index NASDAQ 100 aufgenommen werden. Dies wiederum würde Anbieter von börsengehandelten Indexfonds (ETF), die sich am NASDAQ 100 orientieren, dazu verpflichten, umgehend SpaceX-Aktien zu erwerben. Das Resultat wären dann natürlich Verluste für die ETF-Anleger, sollten die Anfangsbewertungen des Unternehmens zu hoch ausgefallen sein. Und dafür gibt es neben den Umsatzzahlen auch noch weitere Hinweise, wie die nach wie vor extremen Ausgaben für die Entwicklung neuer Technologien.

Abwarten heißt die kluge Devise

Andererseits bergen die SpaceX-Aktien, von denen übrigens auf Wunsch von Musk bis zu 30 Prozent an Kleinanleger gehen sollen, durchaus Zukunftspotenzial. Immerhin ist das Unternehmen der globale Marktführer beim Transport von Nutzlasten ins All und erzielt zudem auch mit dem Satelliten-Netzwerk Starlink beträchtliche Einnahmen. Darüber hinaus kann Musk weiterhin mit lukrativen Aufträgen seitens der Weltraumbehörde NASA, des US-Kriegsministeriums sowie der Geheimdienste Washingtons rechnen. Deshalb hegt SpaceX die Hoffnung, dass der Unternehmenswert per­spek­tivisch auf bis zu 28 Billionen Dollar
hochschießt.

Dennoch bleibt fraglich, ob die hehren Visionen von bemannten Mond- und Marsflügen sowie der Kolonisierung des Roten Planeten, der Rohstoffgewinnung auf Asteroiden und dem Betrieb gigantischer KI-Rechenzentren im Kosmos tatsächlich realisierbar sind. Vor diesem Hintergrund ist der Kauf von SpaceX-Aktien keine Investmententscheidung wie jede andere, sondern eine Wette auf die Zukunft der Spitzentechnologien – man könnte sogar von einem Glaubensbekenntnis sprechen.

Nüchternen Anlegern, die unter anderem auch auf die Konkurrenz von SpaceX wie Amazon schauen, wird daher empfohlen, abzuwarten und zunächst lieber in solche Unternehmen zu investieren, die von dem Rummel um den Musk-Konzern profitieren, ohne aber dessen beträchtliche Risiken zu tragen.

Spielt Musk mit gezinkten Karten?
Undurchsichtigkeiten mehren Zweifel
Gemauschel und interne Kapitalverschiebungen sowie schwer erklärbare Zahlen und Ergebnisse offenbaren Schwachstellen

Ein bevorstehender Börsengang verlangt stets Transparenz. Dabei treten im Falle von SpaceX zunehmend Fakten zutage, die einen skeptisch stimmen sollten.

So erzielte das Unternehmen 2025 durch seine erfolgreichen Raketenstarts zwar einen Umsatz von knapp 19 Milliarden US-Dollar, doch aufgrund der erforderlichen hohen Investitionen in neue Technologien blieb es am Ende auf einem Verlust von fast fünf Milliarden sitzen. Ähnlich schlecht waren die Zahlen von 2025 bei dem kürzlich übernommenen KI-Riesen X.AI. Der Umsatz lag zwar bei 3,2 Milliarden, aber der operative Verlust bei 6,4 Milliarden, was aus dem kostenintensiven Bau von Rechenzentren resultierte. Als größter finanzieller Risikofaktor gilt derzeit aber die Riesenrakete Starship, deren Entwicklung inzwischen schon 15 Milliarden Dollar verschlang, ohne dass sie bislang überhaupt kommerziell vermarktet werden konnte.

Letztlich beruhen die hohen Bewertungen des Unternehmens SpaceX vor allem auf der Satelliteninternet-Sparte Starlink, die zuverlässig Erlöse bringt und weltweiter Marktführer ist. Besonders beeindruckend wirkt dabei die Zahl der Abonnenten: Diese stieg von 2,3 Millionen im Jahre 2023 auf 8,9 Millionen Ende 2025. Und jetzt sollen es sogar 10,3 Millionen sein. Dieses finanzielle Standbein, das SpaceX 2025 einen Gewinn von 7,2 Milliarden US-Dollar bescherte, trägt aber nur dann weiter, wenn die Konkurrenz schwach bleibt und die Nachfrage anhält. Ebenso offenbarte der Bericht für die US-Börsenaufsicht fragwürdige Transaktionen zwischen den verschiedenen Musk-Unternehmen. So kaufte SpaceX in großem Umfang Waren und Dienstleistungen von Tesla, was wiederum auf einen möglicherweise gefährlichen Geldabfluss hindeutet.

Eine weitere Schwachstelle von SpaceX sind die Ambitionen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Dass die KI-Firma Anthropic jetzt für 1,25 Milliarden Dollar pro Monat Rechenleistung von SpaceX mietet, schlägt zwar positiv zu Buche. Andererseits könnten sich die geplanten KI-Rechenzentren im All aber als ruinöse Seifenblase erweisen.

Zu guter Letzt wäre da noch die Existenz von zwei Aktienklassen. Die sichern Elon Musk de facto 85 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX – gleichzeitig will der reichste Mann der Welt weiter als Konzernchef, Technikvorstand und Verwaltungsratsvorsitzender fungieren. Durch diese Machtkonzentration bleibt das Unternehmen empfindlich für individuelle Fehlentscheidungen. Darüber hinaus drohen Interessenkonflikte, weil Musk auch um das weitere Wohlergehen seiner anderen Firmen, allen voran Tesla, bemüht bleiben dürfte.

Noch zu viele Pannen
Wird Starship doch zum Rohrkrepierer?

Die komplett wiederverwendbare Riesenrakete Starship soll das neue Zugpferd von SpaceX werden und die Kosten für die Beförderung schwerer Nutzlasten ins All drastisch senken. Das würde dann auch günstige Flüge zum Mond oder Mars ermöglichen. Daher ist es verständlich, dass SpaceX den ersten Testflug der kommerziellen Version Starship V3 mit stärkeren Triebwerken auf den 22. Mai, also einen Termin kurz vor dem Börsengang des Unternehmens gelegt hat. Allerdings verlief die Mission des nunmehr größten und angeblich auch leistungsfähigsten Trägersystems der Welt mit der Gesamthöhe von 124 Metern alles andere als fehlerfrei.

So misslang die erneute Zündung der Startstufe nach Abtrennung der Oberstufe, woraufhin der Booster Super Heavy in den Golf von Mexiko stürzte. Außerdem fiel beim Start eines der mächtigen Raptor-Triebwerke aus. Ein weiteres Triebwerksversagen gab es in der Oberstufe, dem eigentlichen Starship. Dadurch blieb die Flugbahn des Gespanns gefährlich flach.

Raumfahrtexperten schließen daraus, dass die Triebwerke über die technisch gebotenen Grenzen hinaus belastet wurden, um Leistungsschwächen zu kaschieren und potenzielle Investoren zu beeindrucken. Dazu passt auch die Praxis von SpaceX, keine genauen Angaben zur tatsächlichen Effizienz der Triebwerke und ähnlich wichtigen Details zu machen. Vor den bislang zwölf Testflügen der Starship-Versionen 1 bis 3 war zunächst immer von einer künftigen Nutzlast von 100 bis 250 Tonnen die Rede, aber auch beim ersten Einsatz der V3 trug die Rakete nur ganze 45 Tonnen, wobei die Oberstufe samt Zuladung auch lediglich von Texas bis Madagaskar flog und somit nicht in eine Erdumlaufbahn einschwenkte.

Daher blieb SpaceX keine andere Wahl, als das Starship jetzt in seinen gesetzlich vorgeschriebenen Informationen vor dem Börsengang als größtes Risiko für die künftige Wachstumsstrategie des Unternehmens zu bezeichnen.


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