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Der Historiker Stig Förster betrachtet die deutsche Militärgeschichte vom 16. Jahrhundert bis heute
Die deutsche Militärgeschichte reicht mehr als 2000 Jahre zurück – mindestens bis zur Schlacht im Teutoburger Wald, in der germanische Krieger unter Führung des Arminius drei römische Legionen vernichteten. Es ist schier unmöglich, das Thema in ein einziges Buch zu pressen. Dies demonstrierte indirekt auch der deutsche Historiker Stig Förster, der bis 2016 an der Universität Bern lehrte. Sein monumentales Werk „Deutsche Militärgeschichte“ behandelt lediglich den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, benötigt dafür aber trotzdem schon knapp 1.300 Seiten.
Es bietet einen weitreichenden Überblick über alle wichtigen militärischen Konflikte, an denen die deutschen Staaten oder das Deutsche Reich und die Bundesrepublik bis 2021 beteiligt gewesen waren. Ebenso erfährt der Leser viel Wissenswertes über Waffengattungen, Uniformen, Militärtaktiken und Ähnliches. Gleichzeitig thematisiert Förster das individuelle Erleben des Krieges, die internationale Dimension des militärischen Handelns der deutschen Protagonisten sowie die Verflechtungen zwischen dem Militär und der Zivilgesellschaft – womit er in der Tradition der britischen War-and-Society-Schule steht, deren Gründungsvater Michael Howard das Buch gewidmet ist. Eine andere Herangehensweise wäre auch kaum vorstellbar, denn Militärgeschichte gilt in der universitären Landschaft der Bundesrepublik als etwas „Unappetitliches ..., das man den Waffennarren und Lehnstuhlfeldherrn überlassen kann“, sofern das Ganze nicht eng in politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet wird. Trotz dieses Zugeständnisses an den Zeitgeist ist das Werk aber durchaus lesenswert.
Allerdings merkt man der Darstellung an, dass Förster bei der Quellen- und Literaturauswahl selektiv vorgegangen ist, was zu Fehlern führte. Hierzu ein Beispiel: In seinen Ausführungen über den Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika schreibt der Historiker, die Stammeskrieger hätten keine Frauen und Kinder der europäischen Siedler getötet. Tatsächlich ermordeten die Herero allein schon am 12. und 13. Januar 1904 fünf Frauen und zwei Kinder im Raum Okahandja. Ebenso entkamen keineswegs nur – wie behauptet – einige wenige Herero der deutschen Rache durch Flucht über die Grenze nach Betschuanaland und Angola, sondern etliche Tausend.