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Warum kaum Landsleute für Deutschland zur Waffe greifen wollen, und was das über uns sagt
Selbst kluge Köpfe zeigen sich ratlos bei der Frage, wie man junge Leute für den Wehrdienst begeistern könnte. Das Problem ist unübersehbar: Deutschland benötigt mehr Soldaten, denn trotz aller technischen Fortschritte müssen selbst die schneidigsten Waffensysteme am Ende von irgendwem bedient werden. Trotz Hochtechnologie bleibt Krieg eine blutige, tödliche Veranstaltung. Um da freiwillig hinzugehen, will man schon wissen und insbesondere auch fühlen, wofür.
Was soll das heißen: wofür? Was ist denn das für eine dumme Frage? Wofür kämpfen Soldaten eines Landes denn überall auf der Welt, sofern sie nicht von üblen Diktatoren zum Waffengang gezwungen werden? Fürs Vaterland natürlich, für die Freiheit ihres Volkes, den Fortbestand ihrer Nation und das glückliche Leben ihrer Landsleute. Also aus Patriotismus, ist doch wohl selbstverständlich.
Das dachten wir zumindest, bis man uns neulich erst wieder auf die Nase gebunden hat, auf welch schmalem Grat wir uns bewegen, wenn wir uns zu solchen Sachen wie „Vaterland“, „Volk“ oder „Nation“ bekennen. Ein falsches Wort, ein irrtümlicher Griff – und schon droht uns das Donnerwetter der allzeit bereiten Zeitgeisthüter.
Bei dem Feuerwehrmann in Sachsen-Anhalt war es der Griff in den Plattenschrank, der ihm zum Verhängnis wurde. Sie haben es in der PAZ neulich gelesen. Er holte bei einer Sportveranstaltung eine alte Aufnahme des Sängers Heino heraus, auf der alle drei Strophen des Deutschlandliedes zu hören sind, woraufhin ihn die Feuerwehrführung für alle Zeit in Acht und Bahn schlug. Selbst seine Verteidigung, er habe das nicht mit Absicht gemacht, half kein bisschen. Die erste Strophe war zu hören gewesen, und das sollte sein polit-moralisches Todesurteil besiegeln – ob mit Absicht gespielt oder nicht.
Nun muss man wissen, dass jenes Lied der Deutschen seit 1952 offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland war, und zwar mit allen drei Strophen: „Deutschland, Deutschland, über alles“, „Deutsche Frauen, deutsche Treue“, „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Auf Wunsch des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde lediglich empfohlen (!), bei offiziellen Anlässen nur den dritten Teil zu singen.
Als Heino die seinerzeit dreistrophige Nationalhymne vertonte, schrieben wir das Jahr 1978. Damals war Helmut Schmidt Bundeskanzler. Der gehörte der SPD an und damit derselben Partei wie Friedrich Ebert, der als Reichspräsident das bis dato nur als patriotisches Volkslied bekannte Stück 1922 zum ersten Mal zur Nationalhymne der deutschen Republik erhoben hatte.
Erst 1991 einigten sich dann Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Kanzler Kohl darauf, die ersten beiden Strophen aus der Hymne zu streichen. Seitdem ist nur noch der dritte Teil offiziell. Der brave Feuerwehrmann hatte sich also lediglich in der Dekade vertan, war dabei aber keineswegs in den braunen 1930er, sondern in den sozialdemokratischen 1970er Jahren gelandet, mehr nicht. Egal: Raus und weg für immer.
Warum erzähle ich das hier eigentlich so ausführlich? Na ja, das hat was mit dem „schmalen Grat“ zu tun. Wir sind streng gehalten, wie ein artiger Hund stets auf die aktuellen Regungen unserer politischen und medialen Herrchen zu blicken, wenn es um angeblich erlaubte oder verpönte Äußerungen von Patriotismus geht. Die können sich jederzeit ändern, sogar so sehr, das heute als verfassungsfeindlich gilt, was vor ein paar Jahren und auch unter sozialdemokratischer Führung noch Hymne war. Wer das nicht rechtzeitig mitbekommt, der landet im Eimer.
Auf ganz schmalem Grat
Selbst beim Verwenden des Begriffs „Volk“ müssen wir äußerste Vorsicht walten lassen. Was, wenn ein junger deutscher Soldat bekennen sollte, dass er sich seinem Volk so verbunden fühle, weil seine Familie ja schon seit Jahrhunderten hier verwurzelt sei? Er müsste wohl damit rechnen, dass ihm staatliche Geheimdienstler einen „ethnisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff“ attestieren, was ihm nach Lage der Dinge ziemlich sicher als Hinweis auf Verfassungsfeindlichkeit ausgelegt wird.
In anderen Ländern wird auch viel auf nationale Militärtradition gehalten, und ich erinnere mich, dass beim Nordsee-Urlaub Ende der 1970er die kaiserliche Marineflagge über dem Strand wehte. Keine Sache damals: Maritime deutsche Militärtradition fanden die Leute offenbar hübsch und dem Ort angemessen. Atmen wir kurz durch, um uns auszumalen, was ein solches Flaggezeigen heutzutage zur Folge hätte. Die Medien würden bundesweit brodeln, und der Verantwortliche müsste sich zu dem Feuerwehrmann ins ewige Abseits gesellen, wobei er ja nicht mal ein naives Versehen zu seiner Verteidigung anmelden könnte. Nein, wer sich die preußisch-deutsche Militärtradition als Ankerpunkt für seine historische Identität als deutscher Soldat aussucht, muss ebenfalls auf jede Silbe und jedes Detail achten, um nicht auf Höllenfahrt geschickt zu werden. Was umso merkwürdiger erscheint, als dass andere Länder der Welt, von den USA über Israel bis hin nach Lateinamerika, eben gerade jene preußische Tradition in ihr eigenes Militärwesen voller Bewunderung aufgesogen haben.
Beispiele für das ausgeprägt verseuchte Verhältnis deutscher Meinungsvorbeter zu Volk, Vaterland und Patriotismus ließen sich noch unendlich viele mehr finden. Sehr wahrscheinlich sind Ihnen selbst schon etliche weitere eingefallen, während Sie das hier gerade lesen.
Zeitgeist-Verteidiger feiern dieses Labyrinth aus Fallgruben als Beleg für ihre besondere „Sensibilität“, die sie selbstverständlich auch von anderen einfordern. Nur dass es für junge Menschen, die fürs Vaterland ihre Haut riskieren sollen, vielleicht nicht sonderlich motivierend wirkt, wenn jede patriotische Regung mit dicken Beipackzetteln aus Mahnungen und Warnungen versehen wird, an die man sich zu halten hat, um nicht in Teufels Küche zu geraten. Ein bisschen mehr Natürlichkeit und Gelassenheit im Umgang mit den eigenen Wurzeln könnte hier hilfreich sein. Aber dafür haben die „Sensiblen“ eben kein Sensorium.
Wer sich von diesem Labyrinth noch nicht entmutigen lässt, dem helfen unsere Politiker mit ihrem ganz praktischen Versagen dabei, vom Dienst fürs Vaterland Abstand zu nehmen. Das stümperhafte Geflatter um Reisebeschränkungen für wehrfähige Männer hatte das Zeug, weiteren Wehrwilligen den Rest zu geben. Gibt es eigentlich irgendwas, das die in Berlin nicht vergeigen?
Ach, wir Deutsche sollen nicht so viel meckern, raten uns wohlgesinnte Ausländer. Also gut, vielleicht steckt in dem ganzen Schlamassel ja auch etwas Gutes. Beispielsweise die Erkenntnis, dass Patriotismus nicht die Marotte ewiggestriger alter Männer ist, sondern im Ernstfall überlebensnotwendig für ein Land. Diese Einsicht könnte den Blick auf uns selbst erfrischend aufhellen – und sei es auch nur aus der Not heraus.
sitra achra am 28.04.26, 14:21 Uhr
Die Pickelhaube würde Herrn Pistorius wunderbar kleiden. Also: Helm auf zum (letzten) Gebet!
Michael Holz am 27.04.26, 07:01 Uhr
"Gibt es eigentlich irgendwas, das die in Berlin nicht vergeigen?"
Natürlich! Einen Schluck aus der Pulle und 500 Teuro mehr ist "kein" vergeigen.
Jan Kerzel am 25.04.26, 11:42 Uhr
Es gibt schlicht und einfach keine reale Bedrohung der Bundesrepublik. Die offiziellen Bemühungen hierfür sind eine reine Inszenierung. So wird es in der breiten Öffentlichkeit und bei den Bürgern auch wahrgenommen. Hier gibt es nichts zu holen und irgendein sonstiges Interesse ist nicht feststellbar. Im Grunde genommen ist dieses Desinteresse schon eine gewisse Art von Beleidigung. Ein chinesischer Botschaftsmitarbeiter wurde vor gut einem Jahr bezüglich der Agententätigkeit befragt. Er meinte, das sei ja alles schön und gut, aber sagt mir erst einmal, was wir hier ausspionieren sollen. Wenn wir jetzt auf Bürgerkosten brav aufrüsten, dann wird man uns 2029/2030 sagen, der Angriff ist unterblieben, weil wir so stark sind. Also freut euch, es hat schon seinen Sinn gehabt.
Peter Wendt am 17.04.26, 11:17 Uhr
In einem Land in dem die voranschreitende Diskriminierung von Männern als Erfolg des überbordenden Feminismus verkauft wird, sollte es niemand wundern, dass sich Männer nicht auch noch für die Wehrpflicht missbrauchen lassen wollen. Und überhaupt für wen sollen sich jungen Männer opfern? Für die Champagner trinkenden Sozialisten, die moralisierenden Endzeitjünger der Grünen, für Herrn Merz oder Herrn Klingbeil. Wohl eher nicht! In einem Land in dem demokratische Grundregeln nicht mehr eingehalten werden, der Rechtsstaat kein Recht vorhält, keine Wehrgerechtigkeit gilt, die Politik sich wie der „Sonnenkönig“ aufführt, Politik keinen Respekt für die Bürger/ Männer hat, wird sich auch niemand finden der für dieses Land kämpfen will.