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Syrer, Afghanen, Iraner, Türken: Der Einbürgerungs-Rekord verändert alles
Die Staatsbürgerschaft galt in Deutschland lange als Abschluss eines erfolgreichen Integrationsprozesses. Wer deutscher Staatsbürger werden wollte, musste sich über Jahre hinweg in Gesellschaft und Arbeitsmarkt bewähren, die Sprache beherrschen und seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Spätestens mit der Einbürgerungsreform der Ampel im Jahr 2024 wurde dieses Prinzip jedoch grundlegend verändert. Heute erscheint der deutsche Pass zunehmend als migrationspolitisches Instrument. Allein 2024 haben 291.955 Einwanderer die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Das war ein gewaltiger Anstieg um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2025 wurde dann sogar die Marke von 300.000 gerissen.
Innerhalb der Union mehrten sich zuletzt die Stimmen, die eine teilweise Rückabwicklung der Reform fordern. Vor allem die sogenannte „Turbo-Einbürgerung“ steht in der Kritik. Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, ist zudem für die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft. Außerdem wäre es aus seiner Sicht „richtig, die Einbürgerungsfrist wieder auf acht Jahre zu verlängern. Die Ampelkoalition hatte sie auf fünf Jahre Mindestaufenthalt verkürzt.
Throm schlug auch eine Niederlassungserlaubnis vor, die sich Ausländer zunächst erarbeiten müssten. Als Voraussetzung sollen sie zuvor mindestens 60 Monate in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Eine Einbürgerung direkt aus dem Schutzstatus wäre damit ausgeschlossen. Interessant: Mittlerweile haben mehr als 3,6 Millionen Menschen in Deutschland zwei Pässe.
Passwechsel ändert Statistiken
Besonders stark vertreten sind Antragsteller aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und dem Irak. Für die politische Linke gilt diese Entwicklung als Beleg eines modernen Einwanderungslandes. Sie will die Asylsucher jetzt sogar noch mit dem Wahlrecht nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland „belohnen“.
Die Debatte verdeutlicht zudem mehrere Aspekte. Mit jeder Einbürgerung verändert sich auch die statistische Wahrnehmung gesellschaftlicher Entwicklungen. Wer gestern noch als ausländischer Tatverdächtiger in Polizeistatistiken auftauchte, erscheint nach der Einbürgerung als plötzlich Deutscher. Die Aussagekraft vieler Zahlen verändert sich dadurch zwangsläufig. Bereits heute warnen Kritiker davor, dass Entwicklungen innerhalb bestimmter Migrantenmilieus künftig schwerer sichtbar werden könnten, weil die bisherigen Kategorien verschwimmen. Der Passwechsel verändert nicht automatisch soziale Probleme oder kulturelle Prägungen – wohl aber die amtliche Einordnung. Zumal die Linke und Teile der Grünen vehement dafür kämpfen, dass der Migrationshintergrund in amtlichen Statistiken nicht untersucht wird.
Linke Parteien betrachten erleichterte Einbürgerungen naturgemäß auch als gesellschaftspolitisches Projekt. Die wahrscheinlichere Absicht: Neue Staatsbürger gelten insbesondere in urbanen Räumen als potenziell offen für Parteien, die auf expansive Sozialpolitik, Diversitätskonzepte und eine liberale Migrationspolitik setzen. Grünen-Politikerin Filiz Polat kritisierte die Forderungen der Union deshalb auch geradezu reflexartig als „Rolle rückwärts in der Integrationspolitik“. Kein Wunder: Dass ihr grüner Parteifreund Cem Özdemir Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden konnte, verdankte er dem überdurchschnittlichen Zuspruch aus der türkischen Community.
Bürgerliche Kritiker beklagen einen tiefgreifenden Wandel des Staatsverständnisses. Der klassische Nationalstaat verstand Staatsangehörigkeit nicht nur als Verwaltungsakt, sondern als Ausdruck gewachsener kultureller und historischer Zugehörigkeit. Das moderne Einwanderungsmodell betrachtet sie dagegen stärker funktional: Wer dauerhaft hier lebt, soll möglichst schnell dazugehören – unabhängig von kultureller Identifikation oder nationalem Selbstverständnis.
Es droht eine islamistische Migranten-Partei
Besonders brisant wird diese Entwicklung durch die faktische Irreversibilität der Einbürgerung. Wer einmal Deutscher geworden ist, kann praktisch nicht mehr abgeschoben oder remigriert werden. Aus einem zeitweisen Geduldeten wird binnen weniger Jahre ein vollwertiger Staatsbürger mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht und Wahlrecht. Die Migrationspolitik schafft damit unumkehrbare Tatsachen. Kritiker sprechen deshalb von einer politischen Vorfestlegung der Einwanderungsgesellschaft.
Die Union versucht nun zumindest rhetorisch gegenzusteuern. Doch selbst eine mögliche Abschaffung der Turbo-Einbürgerung würde an den grundlegenden Veränderungen wenig ändern. Die doppelte Staatsangehörigkeit bleibt bestehen, hunderttausende Einbürgerungen wurden bereits vollzogen, und die rechtlichen Möglichkeiten einer späteren Aberkennung sind äußerst begrenzt. Die Reform und damit die alte Ampelregierung hat fatale Fakten geschaffen, die sich kaum noch zurückdrehen lassen.
Die eigentliche Frage reicht deshalb weit über die Tagespolitik hinaus. Sie lautet: Was bedeutet deutsche Staatsangehörigkeit derzeit überhaupt noch? Ist sie Ausdruck einer historisch gewachsenen Nation – oder nur noch ein administrativer Status innerhalb einer postnationalen Gesellschaft? Und: Wird es in naher Zukunft sogar eine Migranten-Partei geben, die dann Machtansprüche – wahrscheinlich stark islamistisch geprägt – anmelden wird? Es ist befürchten.
Jan Kerzel am 15.06.26, 07:57 Uhr
Ubi bene, ibi patria. Das alte Deutschland gibt es schon lange nicht mehr. Man mag das bedauern, zurückholen kann man es nicht. Entscheidend ist letztlich , wie man sich selber positioniert und für die Zukunft aufstellt. Die Faktenlage ist klar, an Informationen fehlt es nicht. Die persönliche Kosten-Nutzen-Analyse muss jeder selbst durchführen. Qualifizierte sinnvolle Ausbildung, Sprachkenntnisse und weitgehende persönliche Lebens- und Standortunabhängigkeit sind die besten Parameter, um auf jede Herausforderung angemessen reagieren zu können. Wunder gibt es immer wieder, aber sie sind verdammt selten.
Thomas Godderidge am 08.06.26, 17:35 Uhr
Sehr gut geschrieben, Herr Entinger - wir haben dieselben Probleme in Österreich und wollen nicht wahr haben, was der Begriff Einbürgerung derzeit bedeutet: nur nehmen aber nichts geben ist zuwenig. Esmuß eine rigorose Auslese bei Migranten getroffen werden - ist die berufliche Ausbildung und die mentale Einstellung für eine neue Umgebung vorhanden?
Wir sind von Österreich nach Niedersachsen „ausgewandert“ und sogar dieser Wechsel war am Anfang nicht leicht.
Bestehende Kulturkreise zu verlassen und neu zu beginnen erfordert ein intellektuelles Niveau…