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Edelmetallpreise schwanken auffällig: Finanzexperten wittern dahinter erste Signale einer Schuldenkrise, die den ganzen Globus erschüttern könnte
Noch ist kaum absehbar, ob die jüngsten Ausschläge des Goldpreises eine neue Rallye einläuten, wie sie vor gut einem Jahr begonnen hatte. Damals war der Preis des gelben Metalls von rund 2.900 Euro Anfang August 2025 auf mehr als 4.600 Euro im vergangenen Februar hochgeschossen. Es folgte ein monatelanger Rückgang auf rund 3.500 Euro im Juni und Juli. Seitdem geht es wieder aufwärts. Wie stabil die neuerliche Erholung ist, muss sich aber erst noch zeigen.
Zwar fielen die jüngsten Schwankungen der Edelmetallpreise historisch betrachtet bemerkenswert heftig aus. An sich ist das Auf und Ab der Kurse dennoch normal. Trotzdem zeigen sich Finanzmarktexperten ausgerechnet über die jüngsten Bewegungen beunruhigt, weil es sie nach klassischer Sichtweise so gar nicht geben dürfte. Für sie deutet diese Entwicklung auf ein fundamentales Problem hin, das nach Meinung gewichtiger Stimmen schon in wenigen Jahren zu schwersten Verwerfungen führen könnte. Verwerfungen, die wesentliche Pfeiler des Weltfinanzkreislaufs ins Wanken bringen könnten. Sie sehen im Goldpreis nämlich ein Fieberthermometer, das die Vorzeichen einer Schuldenkrise epischen Ausmaßes anzeigt.
Gold konkurriert als Anlageobjekt traditionell mit Zinsanlagen. Da das Metall keine Zinsen abwirft, verliert es für Anleger an Anziehungskraft, wenn die Zinsen hoch sind. Fallen die Zinsen, wird das Metall entsprechend attraktiver. So wirkten die Jahre realer Null- und Negativzinsen nicht zufällig als idealer Treiber für den Goldpreis.
Die global umfangreichste Zinsanlage ist die US-Staatsanleihe. Die „US Bonds“ gelten daher als Eichmaß und Taktgeber der weltweiten Zinsentwicklung. Derzeit aber liegt deren Zinssatz bei rund fünf Prozent und damit relativ hoch, was eigentlich schlecht ist für Gold. Ohne Interventionen wäre der Zinssatz womöglich sogar noch höher.
Gegenmaßnahme prallt ab
Um den Zins, den die US-Regierung für ihre Staatsschulden zahlen müsste, nicht weiter steigen zu lassen, hat Trumps Finanzminister Scott Bessent unlängst US-Schuldtitel im Wert von mehreren Milliarden Dollar zurückkaufen lassen. Damit sollte das Angebot an US-Schuldtiteln am Weltkapitalmarkt verringert werden, damit die Anleger sie auch für geringere Zinsen kaufen. Es funktioniert nach der simplen Mechanik von Angebot und Nachfrage: Je mehr der Markt mit solchen Papieren geflutet wird, desto stärker muss man Anleger locken, sie auch zu kaufen. Das Lockmittel sind die Zinsen. Wenn man die Zinsen dämpfen will, muss man umgekehrt das Angebot von US-Bonds verknappen, was Bessent getan hat.
Doch der erhoffte Effekt blieb zunächst aus. Die Zinsen sind nicht gesunken. Daraus schließen Finanzexperten, dass immer mehr Anleger Zweifel bekommen, ob die USA ihre immer weiter steigenden Schulden dauerhaft bedienen können, weshalb sie hohe Zinsen als Risikoprämie verlangen. Und deshalb verlassen sich immer mehr Investoren und Sparer lieber auf das zinslose Gold, selbst wenn die verschuldeten Staaten mit hohen Zinsen für ihre Schuldtitel werben.
Das Problem ist nicht auf die USA beschränkt. Japan ist seit Langem Spitzenreiter bei den Staatsschulden. Dort hat das angehäufte Defizit bereits 250 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung erreicht, in den USA ist es etwa die Hälfte. Auch andere Länder wie Frankreich und Großbritannien versinken immer tiefer im Schuldensumpf, und das bislang recht gut aufgestellte Deutschland eilt ihnen neuerdings mittels astronomischer „Sondervermögen“ nun auch hinterher.
Laut der US-Investorenlegende Ray Dalio könnte die Regierung der USA bereits in drei Jahren in eine schwere Schuldenkrise geraten. Dann nämlich, wenn die Anleger den Verantwortlichen in Washington tatsächlich nicht mehr glauben, dass sie einen Ausweg finden aus dem Teufelskreis: Immer höhere Schulden kosten immer mehr Zinsen und damit Geld, das dann im Haushalt für die eigentlichen Staatsaufgaben fehlt, weshalb noch mehr Schulden aufgenommen werden müssen, die dann weitere Zinskosten verursachen – und so weiter, und so weiter.
Wenn nur noch ein Ausweg bleibt
Am Ende steht der Punkt, an dem die Schulden den Staatshaushalt gleichsam erstarren lassen: Wegen der drückenden Zinslasten wäre kaum noch Geld für anderes übrig. Und dann? Denkbare Maßnahmen, die in so einer Situation übrig bleiben, laufen auf die massenhafte Enteignung der Anleger und/oder eine rasante Geldentwertung hinaus. Auch was Deutschland angeht, sehen große Rating-Agenturen dunkle Wolken aufziehen und denken bereits darüber nach, die Bonitätsnote herunterzustufen. Bislang genoss die Bundesrepublik mit der Note „AAA“ stets die höchste Bewertung. Fällt diese, muss auch Berlin für seine Schulden höhere Zinsen anbieten, was den gleichen Teufelskreis in Gang setzt, wie er für die USA befürchtet wird.
Die Antwort nervöser Investoren auf dieses heraufdämmernde Donnerwetter ist unter anderem Gold. Dass selbst große Notenbanken, also die Zentralgestirne des Weltfinanzsystems, ihre Depots mit dem gelben Metall füllen (siehe S. 6), macht sichtbar, dass der 77-jährige Dalio und seine Investorenkollegen an den Kapitalmärkten keineswegs allein sind mit ihren Befürchtungen.
Dabei bleibt allerdings zu beachten, dass der Goldpreis trotz allem weiterhin starken kurz- und mittelfristigen Schwankungen ausgesetzt bleibt. Selbst in einem insgesamt goldfreundlichen Umfeld sind Rücksetzer, auch sehr starke, jederzeit einzukalkulieren.