02.06.2026

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Das einzige vollständig erhaltene Stadttor aus dem gesamten Römischen Reich: Die Porta Nigra von Trier
Bild: Trier Tourismus und Marketing GmbH/Crastulo MediaDas einzige vollständig erhaltene Stadttor aus dem gesamten Römischen Reich: Die Porta Nigra von Trier

Das kostbare Vermächtnis einer Besatzungsmacht

Imperium Romanum auf deutschem Boden: Trier feiert 40 Jahre Weltkulturerbe – und Berlin 75 Jahre deutsche Welterbe-Kommission

Helga Schnehagen
02.06.2026

In keiner Stadt in Deutschland ist man dem untergegangenen Imperium Romanum so nah wie in Trier. Bis heute ist die Porta Nigra nicht nur das monumentale Wahrzeichen der Stadt, sondern auch das einzige vollständig erhaltene Stadttor aus dem ganzen Römischen Reich.

Vor genau 40 Jahen wurden in der Mosel-Stadt insgesamt acht Denkmale in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen: die Porta Nigra, die Kaiserthermen, das Amphitheater, die Römerbrücke, die Barbarathermen, die Konstantin-Basilika sowie der Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche. Ergänzt wird die Liste durch die im nahe gelegenen Igel stehende „Igeler Säule“, das größte erhaltene römische Pfeilergrab nördlich der Alpen.

2004 folgte die Aufnahme des Codex Egberti in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Die in der Schatzkammer der Trierer Stadtbibliothek aufbewahrte Handschrift aus dem 10. Jahrhundert enthält den ältesten und umfangreichsten Bilderzyklus zum Leben Jesu Christi in einem Buch und gehört damit zu den bekanntesten Bilderhandschriften der Welt.

Auf eine weitere römische Thermenanlage am Viehmarkt stieß man 1987 beim Ausheben einer Grube für eine geplante Tiefgarage. Für die Aufnahme in die Trierer Welterbeliste kamen die Relikte aus dem 1. Jahrhundert ein Jahr zu spät. Dafür ließ man den Fund nach jahrelangen archäologischen Ausgrabungen von dem deutschen Stararchitekten Oswald Mathias Ungers mit einem eindrucksvollen Glasbau umhüllen.

Die Dichte an antiker Hinterlassenschaft im Stadtbild wird durch die Exponate im Rheinischen Landesmuseum ergänzt. Sie alle spiegeln den römischen Lebensstil wider. Besonders lebensnah begegnet man den alten Römern in den hervorragend erhaltenen Reliefs der beeindruckenden Monumente der sogenannten Gräberstraße, zu denen auch das berühmte Neumagener Weinschiff gehört. Besonders luxuriös sind die Mosaike, unter denen das Prachtmosaik des Wagenrennfahrers Polydus nochmals herausragt. Die siegreiche Quadriga im Mittelfeld des knapp 5,90 Meter hohen und 4,40 Meter breiten Mosaiks ist ein Zeugnis aus dem Trierer Circus, von dem heute oberirdisch nichts mehr zu sehen ist.

Besonders kostbar ist der bei Bauarbeiten 1993 entdeckte Goldmünzenschatz – der größte aus der römischen Kaiserzeit weltweit. Ein Unbekannter hatte ihn wohl 196 n. Chr. in den Wirren des Bürgerkriegs unter Kaiser Septimius Severus versteckt und keine Gelegenheit gehabt, ihn wieder auszugraben. Der Münzschatz besteht aus nahezu reinem Gold und wiegt ca. 18,5 Kilogramm. Die rund 2.650 römischen Goldmünzen, sogenannte Aurei, stammen von bis dato unbekannten Prägungen und zeigen Porträts von 29 Kaisern, Kaiserinnen und weiteren Angehörigen des Kaiserhauses. Nach vereiteltem Raub kann man die goldene Pracht seit Ende 2022 wieder im Münzkabinett des Rheinischen Landesmuseums bestaunen.

Wallfahrt zum Heiligen Rock

Noch ein antiker Schatz, der nicht explizit auf der Welterbeliste steht, verdient besondere Erwähnung. Von 303 bis 316 residierte Kaiser Konstantin zeitweilig in Trier. Bei Ausgrabungen in den 1960er Jahren entdeckte man in etwa 3,5 Metern Tiefe unter dem Boden des Trierer Doms Fragmente eines Deckengemäldes aus jener Zeit. In jahrzehntelanger Puzzle-Arbeit wurden die mehr als 30.000 Bruchstücke wieder zusammengesetzt. Zu Tage kamen 15 kassettenähnlich angeordnete Bildfelder. Das Deckengemälde schmückte einst einen Prunksaal. Vielleicht aus dem Palast der Kaisermutter Helena, die ihr Haus der Überlieferung nach dem Trierer Bischof Agritius für die Domkirche zur Verfügung gestellt haben soll. Die restaurierten Bildtafeln sind heute im Museum am Dom aus nächster Nähe zu betrachten.

Die Doppelanlage von Dom und Liebfrauen ist einzigartig in Deutschland, ihre Baugeschichte lang und kompliziert. Während sich an dem dreischiffigen doppelchörigen Dom kirchliche Bautätigkeit von der Antike bis in die Neuzeit hinein fast lückenlos ablesen lässt, präsentiert sich die angeschlossene Liebfrauenkirche als „zierlicher“ kreisrunder Zentralbau in reinster französischer Kathedral-Gotik. Jeden Frühling erinnern die „Heilig Rock Tage“ an die kostbarste Reliquie des Trierer Doms: die Tunica Christi. Der Legende nach brachte Helena das ungeteilte Gewand des Heilands von Palästina nach Trier. Die Reliquie befindet sich in einem verschlossenen Schrein in der für sie an den Ostchor angebauten Heiltumskammer. Zu sehen ist das fragile Textil nur selten bei den sogenannten Heilig-Rock-Wallfahrten. Die letzte war 2012 und zog über eine halbe Million Pilger nach Trier.

Die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco kommt einem Ritterschlag gleich. Sie steht für kulturell erhaltenswert und damit wertvoll, was gleichbedeutend ist mit sehenswert und somit von unschätzbarem Wert für die Tourismus-Industrie. Aber ist es ein Erfolgsmodell? Zum besseren Schutz des Natur- und Kulturerbes sicherlich, für die Steigerung von dessen Sichtbarmachung auch. Aber der Grundgedanke, der dem Übereinkommen zum Schutz des Welterbes – kurz: Welterbekonvention – zugrunde liegt, wird nach wie vor mit Füßen getreten: durch Kultur- und Naturschutz den Frieden im Geist der Menschheit zu verankern. Gleich zu Beginn des aktuellen Irankriegs wurde der prunkvolle Golestanpalast im Herzen Teherans durch die israelisch-amerikanischen Angriffe stark beschädigt.

195 Staaten – also praktisch die ganze Welt – haben die Welterbekonvention unterzeichnet, darunter auch die USA, Russland, die Ukraine, Israel, der Iran und der Sudan. Die Bundesrepublik Deutschland trat der Welterbekonvention 1976 bei und feiert dieses Jahr ihr 75-jähriges Engagement für den Frieden.

Zwei UNESCO-Jubiläen in einem Jahr, womit die Eröffnungsfeier in der Konstantin-Basilika nicht nur den festlichen Auftakt des Jubiläumsjahres in Trier bildete. Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Deutschen UNESCO-Kommission ist die öffentliche Veranstaltung am Vorabend zu dessen Mitgliederversammlung am 2. Juni in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel. UNESCO-Generaldirektor Khaled El-Enany soll sein Kommen bereits zugesagt haben.


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