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In der Straße von Hormus wird’s langsam eng, da erst die Iraner niemanden mehr raus- und jetzt die USA keinen mehr reinlassen
Bild: picture alliance / Zoonar | alexlmxIn der Straße von Hormus wird’s langsam eng, da erst die Iraner niemanden mehr raus- und jetzt die USA keinen mehr reinlassen

Schuld ist der Engpass in der Straße von Hormus

Der Pharma-Chemie-Industrie geht die Luft aus

Peter Entinger
22.04.2026

Es sind oft die unscheinbaren Stellschrauben, an denen sich die Stabilität einer Volkswirtschaft entscheidet. Für die Bundesrepublik gehört die chemisch-pharmazeutische Industrie zweifellos dazu. Als drittgrößter Industriezweig und zentrale Vorleistungsbranche steht sie am Anfang nahezu aller industriellen Wertschöpfungsketten. „Die Chemie ist das Rückgrat industrieller Wertschöpfung in Deutschland“, heißt es beim Verband der Chemischen Industrie. Doch genau dieses Rückgrat gerät nun ins Wanken. Der Irankrieg trifft die Branche nicht über direkte Handelsbeziehungen – diese sind seit Jahren begrenzt. Er trifft sie dort, wo moderne Industrie am empfindlichsten ist: bei Energie, Rohstoffen und Logistik. Und er trifft sie über ein Nadelöhr, das weit entfernt liegt, aber über Wohlstand oder schleichenden Niedergang entscheidet – die Straße von Hormus.

Die Lage ist ernst. „Für viele Chemieunternehmen geht es jetzt um die Existenz“, warnt die Ökonomin Anna Wolf vom ifo-Institut. Der Krieg trifft eine Branche, die bereits zuvor geschwächt war. Hohe Energiepreise, schwache Nachfrage und strukturelle Standortprobleme haben die Substanz ausgehöhlt. Was lange als konjunkturelle Delle galt, entpuppt sich nun als strukturelle Krise – beschleunigt durch geopolitische Probleme. „Die Lage der Branche wird immer kritischer – dass der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus die Situation verschlimmern, ist zu milde formuliert“, sagt Wolf mit Nachdruck.

Globalisierung zeigt Kehrseite

Denn Öl und Gas sind in der Chemie nicht nur Kostenfaktoren, sie sind Produktionsgrundlage. „Bei beiden sehen wir nun eine Verteuerung und Verknappung“, so Wolf. Damit gerät ein System ins Rutschen, das auf verlässliche Preise und stabile Lieferströme angewiesen ist. Was früher kalkulierbar war, wird zur Risikozone. Produktionsentscheidungen werden unsicher, Investitionen vertagt, Standorte infrage gestellt. Gleichzeitig geraten die globalen Transportwege ins Wanken. Die Blockade rund um den Iran sorgt für Unsicherheit bei Reedereien, Versicherern und Händlern. Die Folge: steigende Prämien, längere Routen, wachsender Aufwand. Lieferketten, die auf Effizienz getrimmt waren, verlieren ihre Grundlage. Die viel beschworene Globalisierung zeigt ihre Kehrseite. Experten sprechen von maximaler Abhängigkeit bei minimaler Kontrolle.

Und die Probleme sind tiefgreifend. Neben Öl und Gas rücken nun auch weniger beachtete Rohstoffe ins Zentrum. Die Pharmaindustrie warnt vor Engpässen bei Helium (siehe PAZ vom 17. April), einem unscheinbaren, aber unverzichtbaren Gas. Es wird in der Qualitätskontrolle von Medikamenten eingesetzt – ohne Helium keine Freigabe, ohne Freigabe keine Lieferung. „Helium ist ein kritischer Querschnittsrohstoff – Deutschland ist nahezu vollständig auf Importe angewiesen, die zu einem großen Teil durch die Straße von Hormus laufen“, teilt der entsprechende Fachverband mit.

Die Konsequenzen sind gravierend. Wird Helium knapp, geraten nicht nur einzelne Produktionsprozesse ins Stocken, sondern ganze Versorgungsketten. Medikamente können nicht mehr im gewohnten Umfang freigegeben werden. Lieferengpässe sind in der Medizin derzeit ohnehin ein Thema. Nun könnte eine echte Systemkrise ausbrechen.

Damit wird deutlich: Der Irankrieg trifft nicht nur Energiepreise, sondern die Substanz industrieller Produktion. Die Chemie ist Grundversorger der gesamten Wirtschaft. Ihre Produkte stecken in Baustoffen, Düngemitteln, Kunststoffen und Medikamenten. Gerät sie unter Druck, geraten alle unter Druck – von der Industrie bis zum Verbraucher.
Gefährdete Versorgungssicherheit
Deutschland ist zwar weniger direkt abhängig von Rohstoffen aus dem Nahen Osten. Doch das ist eine trügerische Sicherheit. In globalen Märkten zählt nicht die Herkunft, sondern der Preis. Und der wird an neuralgischen Punkten wie Hormus gemacht. Jede Störung schlägt unmittelbar durch – auf Kosten, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Die politische Dimension ist unübersehbar. Ifo-Forscherin Wolf sieht gar die Grenzen der Marktwirtschaft erreicht. „Wir können es leider nicht mehr wie früher dem Markt überlassen, dass Industrien abwandern, wenn sie hierzulande nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Das geht in einer offenen Weltwirtschaft mit zuverlässigen Partnern. Aktuell gibt es kaum noch verlässliche Partnerschaften. Wenn Europa Industriezweige verliert, die für sehr viele Bereiche systemrelevant sind, etwa für Verteidigung, die Pharmaindustrie oder auch Industriegase, ist unsere Versorgungssicherheit gefährdet“, lautet ihr ebenso eindringliches wie bitteres Fazit.

Fahrlässig verdrängt

Der Irankrieg wirkt damit einmal mehr wie ein Brennglas. Er legt offen, was lange bisher fahrlässig überdeckt wurde: die strukturelle Verwundbarkeit eines Industriestandorts, der auf globale Stabilität angewiesen ist, diese aber immer weniger beeinflussen kann. Die Abhängigkeit von Energie, Rohstoffen und sicheren Handelswegen ist mittlerweile politische Realität. Und die Politik schaut wie so oft staunend, hilf- und tatenlos zu.

Die Straße von Hormus liegt geografisch zwar sehr weit entfernt. Ökonomisch jedoch verläuft sie mitten durch das Herz der deutschen Industrie.


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Kommentare

Valentina Selge am 29.04.26, 07:01 Uhr

Ich begrüße diese Entwicklung, nur weiter so, bis Deutschland am Boden ist. Dann müssen wir Willy Brandt klonen und von vorne mit der Demokratie beginnen.
Die Narkotika und Narkotiseure, unter denen Giselle Pelicot litt, können so effektiv bekämpft werden.
Die größten Firmenkomplexe der Welt sind immer noch der Menschenhandel, der Drogenhandel und der Waffenhandel.
Blackrock verkauft Papier für Aktiengewinne, auch Pflegeheimen sollen Gewinne abwerfen. Wie kann das funktionieren? Subventionen werden dafür gebraucht oder aber pharmazeutische Versuchsreihen. Ein Psychopharmaka für jeden Zweck. Die Trümmerfrauen sind parallelisiert im Heim, "damit sie ihren Zustand nicht bemerken".
Aber schließlich haben sie haben diese Psychopathen großgezogen, die jetzt regieren und alle Gerichte besetzen.
Die Blockade der Straße von Homus hilft den Pflegebedürftigen, klar zu sehen. Die dürfen übrigens auch wählen in ihrem umnebelten Zustand.

Walter Frieß am 22.04.26, 16:16 Uhr

Es sind Binsenweisheiten, die ich in diesem Beitrag lese. Dass ein kleines Land wie Deutschland bei vielen wichtigen Rohstoffen nicht autark ist, ist ja wirklich nichts Neues. Außer dass man sich bei der Versorgung mit Gas der reichlich unter der norddeutschen Tiefebene vorhandenen Gasvorkommen bedienen könnte, und zwar ziemlich rasch, bleibt noch eines zu sagen: Wer auf Lieferländer angewiesen ist, sollte mit seinen diplomatischen Bemühungen alles tun, um mit diesen Ländern ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen und sich mit aller Kraft gegen Krieg und für Frieden einzusetzen. Die Einseitigkeit unserer Politik im Nahen und Mittleren Osten beraubt uns nicht nur jeglicher Neutralität, sie macht uns zum stillen Abnicker einer mensnchenverachtenden genozidalen und hegemonistischen Politik. Das daraus folgende Risiko für uns ist immens: Wenn nicht bald in den USA rationale Politiker die wirren Kriegstreiber in der Regierung und in Israel stoppen und diese stattdessen weiter Iran schweren Schaden zufügen, wird der Iran dank seiner Fähigkeiten im Bereich Raketen- und Drohnentechnik die Westseite des Golfes in Schutt und Asche legen und unbewohnbar machen. Was eine Katastrophe gigantischen Ausmaßes für uns, die gesamte Weltwirtschaft und insbesondere eine Hungerkatastrophe auslösen wird. Gerade weil die Golfregion essentiell wichtig für die Welt ist, geht es extrem um rasche diplomatische Lösungen und nicht um Kriegsgeschrei und Parteinahme.

Gregor Scharf am 22.04.26, 14:20 Uhr

Katastrophenentertainment und mehr nicht, denn wenn es wirklich so schlimm ist, wie kann es dann sein, dass die Verursacher noch auf ihren Posten hocken, dicke Kohle einstreichen und die Politshow ungehindert weiter läuft. Es ist alles eine Mischpoke.

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