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Planung und Baugenehmigung liegen bereits vor – Für die Finanzierung benötigt die Stadt jedoch Unterstützung
Die Johanniskirche war eine bedeutende evangelisch-lutherische Kirche Memels. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1946/47 vollständig abgetragen. Der Wiederaufbau ist deshalb nicht nur ein Kirchenbauprojekt, sondern auch ein Vorhaben zur Wiedergewinnung eines wichtigen Bestandteils der historischen Stadtsilhouette.
Die Wiederaufbaupläne der Johanniskirche haben in diesem Jahr einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht. Nachdem die Planungen über längere Zeit von offenen Fragen hinsichtlich der architektonischen Gestaltung, der Finanzierung und der baulichen Umsetzung geprägt waren, zeichnet sich inzwischen ein konkreter Weg zur Wiedergewinnung zumindest eines Teils des verlorenen Kirchenbauwerks ab. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion des Kirchturms, der einst die Silhouette der preußisch-deutschen Hafenstadt entscheidend geprägt hatte.
Im Mai wurde der überarbeitete Entwurf zur Prüfung im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens eingereicht. Bereits im Juli erteilte die Stadt die Baugenehmigung für den Turm. Als nächste Schritte stehen die Ausarbeitung der ausführungsreifen Bauplanung sowie die Ausschreibung der Bauarbeiten an. Ein verbindlicher, öffentlich bestätigter Termin für den Baubeginn liegt bislang nicht vor. Als möglicher Zeitpunkt für die Umsetzung des Gesamtvorhabens wurde das dritte Quartal 2028 genannt. Eine wesentliche Herausforderung bleibt die Finanzierung. Die Stadt Memel hat bereits 170.000 Euro für die technische Projektplanung bereitgestellt. Die Baukosten für den Turm werden auf rund sechs Millionen Euro geschätzt. Diese Summe ist bislang nicht vollständig gesichert. Deshalb bemüht sich die Stadt um zusätzliche Unterstützung durch die zuständigen litauischen Ministerien. Darüber hinaus wurde erwogen, über die litauische Botschaft in Deutschland potenzielle Förderer und private Spender anzusprechen.
Soll nur der Turm oder auch die Kirche wiederaufgebaut werden?
Die gegenwärtigen Planungen werfen zugleich eine grundsätzliche Frage auf: Soll langfristig nur der Turm rekonstruiert werden, oder besteht auch eine realistische Perspektive für den Wiederaufbau der gesamten Johanniskirche? Die evangelisch-lutherische Gemeinde setzt sich für die Wiedererrichtung des vollständigen Kirchengebäudes einschließlich des Kirchenschiffs ein. Für dieses umfassendere Vorhaben wurden Kosten von bis zu 30 Millionen Euro genannt. Nach dem im Januar 2026 veröffentlichten Bericht ist hierfür jedoch bislang keine entsprechende Finanzierung durch die Stadt oder den litauischen Staat vorgesehen.
Die Johanniskirche hat für die Geschichte Memels eine besondere Bedeutung. Als evangelisch-lutherisches Gotteshaus war sie über Generationen hinweg der religiöse und städtebauliche Bezugspunkt der Stadt. Mit dem Verlust der Kirche verschwand nicht nur ein bedeutendes Sakralgebäude, sondern auch ein prägendes Element des historischen Stadtbildes. Die Wiederherstellung des Turms könnte die historische Stadtsilhouette bereichern und zugleich einen neuen Anziehungspunkt schaffen. Er soll nach den Planungen auch für Besucher zugänglich sein und Raum für Ausstellungen sowie eine Aussichtsplattform bieten.
Ob aus dem genehmigten Turmprojekt langfristig eine umfassende Rekonstruktion des historischen Kirchenbaus hervorgehen kann, wird wesentlich davon abhängen, ob zusätzliche finanzielle Mittel mobilisiert und die politischen sowie gesellschaftlichen Unterstützer für dieses Vorhaben gewonnen werden können.