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Die Menschen hierzulande sind oft übergewichtig und daher chronisch krank
von Wolfgang KaufmanÜbergewicht wird in Deutschland immer mehr zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem. Dies ergibt sich aus den Ergebnissen des Mikrozensus, also der jährlichen Befragung ausgewählter Haushalte für amtliche Statistiken. Genau 53,4 Prozent der erwachsenen Bundesbürger weisen einen Body-Mass-Index (BMI) von über 25 auf, ab dem sie laut den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits als übergewichtig gelten.
Allerdings fehlt der BMI-Formel „Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern hoch zwei“ die hundertprozentige Aussagekraft, weil sie beispielsweise keinen Unterschied macht, ob das Körpergewicht eher durch Fett oder durch Muskelmasse zustande kommt. Andererseits hat jeder Fünfte hierzulande einen BMI von über 30, womit er dann ganz eindeutig adipös beziehungsweise fettleibig und somit auch bereits potenziell behandlungsbedürftig ist. Das wäre beispielsweise bei einer 1,75 Meter großen Person mit einem Gewicht von über 92 Kilogramm der Fall. Und dann gibt es noch die schwer Adipösen mit einem BMI über 35 und die extrem Adipösen, bei denen der BMI über 40 liegt. Diese machen immerhin ebenfalls um die acht Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung aus.
Dabei existieren unübersehbare Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. So sind Männer deutlich häufiger übergewichtig als Frauen. Fast 63 Prozent der Männer hatten 2025 einen BMI von über 25, und rund 20 Prozent waren mehr oder weniger adipös. Dahingegen erweisen sich nur 44 Prozent der Bundesbürgerinnen als übergewichtig, wobei allerdings der Anteil der adipösen Frauen bei 16 Prozent liegt.
Krebsgefahr bei Übergewicht
Langfristig betrachtet steigt die Quote der Übergewichtigen in unserem Lande jedoch bei beiden Geschlechtern kontinuierlich an – über wirklich belastbare Zahlen verfügt man aber erst seit 2005. Damals waren 58 Prozent der Männer übergewichtig und reichlich 14 Prozent adipös. Bei den Frauen lagen die Werte vor 20 Jahren noch bei 41 und 13 Prozent.
Neben geschlechtsspezifischen Differenzen hat sich herauskristallisiert, dass es auch bestimmte Berufsgruppen gibt, deren Angehörige seltener ein Normalgewicht besitzen. Dazu zählen insbesondere Fernfahrer und Außendienstler, Schichtarbeiter, Büroangestellte, Lehrer und Sozialarbeiter sowie – das ist kein Klischee – Polizisten.
Übergewicht beziehungsweise Adipositas resultieren in der Regel aus zahlreichen Risikofaktoren. An erster Stelle stehen hier ganz klar die Fehlernährung und der Bewegungsmangel. Fast Food und hochverarbeitete oder sehr zuckerhaltige Lebensmittel konsumiert man dabei natürlich eher, wenn in der konkreten Situation keine praktikablen Alternativen zur Verfügung stehen oder der unregelmäßige Tagesablauf in Kombination mit Stress für Heißhungerattacken sorgt.
Ein weiteres Problem ist der Alkoholgenuss. Laut der letzten Erhebung des Health Information National Trends Survey Germany trinkt jeder vierte Erwachsene mehrmals pro Woche Alkohol.
Und dann wäre da noch der Bildungsstand. Ist dieser niedrig, geht das statistisch nachweisbar mit einem höheren Risiko für Übergewicht und Adipositas einher. Denn gesunde Lebensmittel sind vergleichsweise teuer, sodass Personen mit weniger Bildung, die deswegen auch häufiger ein geringeres Einkommen erzielen, eher zu günstigeren und zugleich energiereicheren Lebensmitteln greifen, ohne die darin liegende Gefahr zu erkennen. Und die gesundheitlichen Risiken des Übergewichts sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Mehr als jeder zehnte Deutsche leidet mittlerweile an Typ-2-Diabetes, der in wesentlichem Maße aus Überernährung, Bewegungsmangel sowie Alkohol- und Nikotinmissbrauch resultiert. Übergewicht erhöht zudem den Blutdruck sowie die Blutfettwerte. Beide Faktoren führen dann wiederum zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, welche für rund 34 Prozent aller Todesfälle hierzulande sorgen. Ebenso stehen etliche Arten von Krebs in einem engen Zusammenhang mit zu vielen Pfunden. Nach Schätzungen des Deutschen Krebsforschungszentrums sind rund sieben Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf Übergewicht zurückzuführen, wobei die Ursache-Wirkungs-Kette besonders bei Dickdarm- und Nierenkrebs sichtbar wird.
Insofern müssten etliche Menschen hierzulande dringend ihre Ernährung umstellen und sich mehr sportlich bewegen. Dem stehen aber nicht zuletzt die psychischen Störungen im Wege, welche sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht haben und oft mit einem starken Sucht- oder Vermeidungsverhalten aufgrund diverser Ängste und Zwänge einhergehen.
Dr. Rolf Lindner am 08.07.26, 20:31 Uhr
In den letzten Jahren der DDR wurden schwangerschaftsdiabetische Frauen erfasst und antidiabetisch behandelt. Nach fünf Jahren konnte festgestellt werden, dass die Zahl der Neuerkrankungen an Typ 1 Diabetes vor dem fünften Lebensjahr auf ein Drittel gesunken war. Weiterhin wurde der epigenetische Zusammenhang von Überernährung während der Schwangerschaft und Babyzeit und der Entwicklung von Adipositas und Typ 2 Diabetes im Erwachsenenalter anhand epidemiologischer und tierexperimenteller Daten erforscht. Gerade die epigenetische Determinierung der Übergewichtsentwicklung ist die Ursache dafür, dass Erwachsenen die Umstellung von Ernährungsgewohnheiten selten gelingt bzw. eine eiserne Disziplin voraussetzt.