23.05.2026

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Einfach mal standhaft bleiben

Die Angst der Konservativen vor Worten als Waffe

Nazi, Rassist, Demokratiefeind, alter weißer Mann: Die Hasstiraden der Linken werden immer aggressiver – Mut und Anstand des bürgerlichen Lagers sind jetzt nötig

Jens Eichler
08.04.2026

Papst Leo XIV. warnte in seiner Osterbotschaft davor, dass wir beginnen, uns an Gewalt zu gewöhnen. Gemeint war nicht nur die sichtbare Gewalt der Waffen, sondern auch die stille Gewalt der Worte. Wer diese Warnung ernst nimmt, erkennt schnell: In weiten Teilen der politischen Debattenkultur hat sich eine rhetorische Praxis etabliert, die nicht mehr oder immer seltener argumentiert, sondern anprangernd etikettiert. Ziel dabei ist die Zerstörung der bürgerlich-konservative Mitte.

Die Strategie ist so einfach wie leider auch wirksam. Wer nicht zustimmt, wird moralisch delegitimiert. Kritik an Migrationspolitik? Rassistisch. Skepsis gegenüber Genderpolitik? Phob. Zweifel an bestimmten Klimamaßnahmen? Wissenschaftsfeindlich oder Klimaleugner. Und wer grundsätzliche Einwände gegen linke Gesellschaftsentwürfe formuliert, wird selbstverständlich mit dem schärfsten verfügbaren Etikett versehen: Nazi.

Doch diese Inflation moralischer Kampfbegriffe hat Folgen. Sie verschiebt die politische Kontroverse weg vom Argument hin zur Verdächtigung. Wer aber ständig damit rechnen muss, diffamiert zu werden, äußert sich irgendwann gar nicht mehr. Genau das wollen Linke und Grüne erreichen, um über alles die Deutungshoheit zu erlangen und so die Mechanismen einer freiheitlichen Demokratie zu eigenen Gunsten auszuhebeln.

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel bot jüngst eine Demonstration gegen sexualisierte Gewalt im Internet in Hamburg. Berichten zufolge wurde dort pauschal von „Männergewalt“ gesprochen, während zugleich differenziert wurde, welche Männer gemeint seien – nämlich primär „weiße“. Oha, Rassismus in Reinkultur! Ob bewusst oder unbewusst: Solche Zuschreibungen kehren das Prinzip individueller Verantwortung ins Gegenteil um. Nicht mehr das Verhalten zählt, sondern nun doch Herkunft oder Geschlecht. Etwas, das von linker Seite bisher immer bekämpft wurde. Ein linker Rückfall in alte kollektive Schuldzuweisungen sowie eine bemerkenswert historische Kurzfristigkeit. Positionen, die gestern noch als moralisch geboten galten, werden heute verworfen, ohne dass diese Widersprüche reflektiert würden. Der Zweck heiligt die Mittel. Noch vor wenigen Jahren war kulturelle Differenzsensibilität ein hohes Gut; heute gilt sie als verdächtig. Früher galt Gleichbehandlung als Leitprinzip; heute wird Differenzierung nach Identitätsmerkmalen zunehmend als gerecht dargestellt. Kontinuität scheint Links keine politische Tugend mehr zu sein, sondern eher ein Hindernis.

Noch paradoxer wirkt die gleichzeitige Selbstinszenierung als Verteidiger der Demokratie. Seit Monaten wird behauptet, diese sei „in Gefahr“. Doch als Gegenmittel werden z.B. Einschränkungen der Meinungsfreiheit gefordert: strengere Sprachregeln, erweiterte Zensurbefugnisse digitaler Plattformen, Petzportale oder politische Ausschlussforderungen gegenüber missliebigen Positionen. Wer Demokratie retten will, indem er zentrale Freiheitsrechte relativiert, verteidigt sie nicht, sondern verändert sie lediglich zu seinen eigenen Vorlieben und Definitionen.

Die bürgerlich-konservative Mitte reagiert darauf häufig nur defensiv bis gar nicht. Statt die Logik dieser rhetorischen Angriffe offenzulegen, versucht sie, sich gegen Vorwürfe zu rechtfertigen, die meistens nicht einmal argumentativ begründet sind. Das ist falsch! Denn wer sich permanent für etwas entschuldigt, wo es gar nichts zu entschuldigen gibt, da die Anschuldigungen falsch, unbegründet und durchtrieben sind, akzeptiert parallel stillschweigend die moralischen Maßstäbe seiner Gegner, verleiht den Falsch-Anschuldigungen so überhaupt erst Gewicht und lässt das perfide System wirken.

Diffamierung statt Dissens

Dabei wäre die Antwort ganz einfach: Gelassenheit und Klarheit. Wer weiß, dass politische Etiketten keine Argumente ersetzen können, verliert die Angst vor ihnen. Ein inflationär verwendeter Begriff verliert seine Schärfe, so wie ein zu oft zu falsch benutztes Messer seine Klingenschärfe verliert. Das bedeutet ja nicht, dass es keine echten Grenzüberschreitungen gibt – aber eher auf Seiten linker Hasser und Hetzer. Gerade deshalb sollten Begriffe stets ihrer Bedeutung entsprechend präzise verwendet werden. Wer sie aber zur allgegenwärtigen Stigmatisierungswaffe macht, entwertet ihren eigentlichen Sinn – und erschwert die Bekämpfung tatsächlicher Gefahren.

Die wahre Bedrohung für die demokratische Kultur liegt daher nicht im Streit unterschiedlicher politischer Positionen. Sie liegt vielmehr in der wachsenden Bereitschaft von Links und Grün, Streit durch moralische Ausgrenzung zu ersetzen. Eine vitale, intakte Demokratie aber lebt insbesondere davon, dass widersprochen werden darf. Sie stirbt nicht am offenen Dissens, sondern an der klammheimlichen Diffamierung dessen.

Oder, um es mit der Botschaft des Papstes zu sagen: Die wirksamste Antwort auf sprachliche Gewalt ist nicht Gegenbeschimpfung, sondern Standfestigkeit in der eigenen Argumentation. Wer sich nicht einschüchtern lässt, entzieht der Eskalation ihre Grundlage. Genau darin liegt die tatsächliche Stärke.

Am Ende steht eine einfache, aber entscheidende Frage: Lässt man sich in eine Rolle drängen, die andere definiert haben – oder bleibt man bei sich selbst? Wer sich für Letzteres entscheidet, mag angegriffen werden. Aber er verliert nicht, was im Kern jeder offenen Gesellschaft steht: die Freiheit, anders zu denken – und es auch auszusprechen.

Die eigentliche Entscheidung fällt daher nicht im Lärm der Schlagworte, sondern im Inneren des Einzelnen: Lasse ich mir meine Maßstäbe von anderen diktieren – oder bleibe ich ihnen treu? Wer diese Frage für sich mit Standhaftigkeit beantwortet hat, braucht weder die Anfeindungen der Lauten noch ihre Etiketten zu fürchten. Er ist, im besten Sinne des Wortes, das, was zunehmend für Linke verdächtig erscheint: ein freier Mensch.


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Kommentare

sitra achra am 16.04.26, 15:39 Uhr

Natürlich lässt sich der Versuch der pseudolinken Kretins, die die diskursive Hoheit vermitels ihrer enthirnten und abgedroschenen Phraseologie beanspruchen, nicht leugnen. Die verschreckte bis ängstliche Reaktion der "Konservativen" beweist aber, dass sie einen Volltreffer gelandet haben.
Wie erbärmlich ist die Reaktion des einstmal stolzen bürgerlichen Lagers! Statt diese ekelhaften Anarchisten zu konfrontieren, duckt man sich vor ihnen, schließt Bündnisse sowie Koalitionen und verrät sein Wählervolk.
Ja, man übernimmt sogar ihre Diktion und ihre Kampfbegriffe.
Wer soviel Furcht im Leib vor diesen albernen Hyänen hat und zu mannhaftem Widerstand nicht in der Lage ist, der gehört schlichtweg in den Mülleimer der Geschichte.

Jan Kerzel am 15.04.26, 08:42 Uhr

Die Sprachregulierungen und Denkschablonen der sogenannten Linken werden erfahrungsgemäß von den Konservativen meist sukzessive zeitgeistig übernommen
In der Ära Merkel konnte man hier geradezu von einer Verschmelzung sprechen. Dies hat natürlich immer weitreichende Folgen für die Wahrnehmung und Interpretation der Realität und letztlich deren Ausgestaltung. In der Bundesrepublik wird es aufgrund der herrschenden Umstände weiterhin einen großen Block des Nicht- und Unsagbaren geben, quasi ausgeblendete Realität. Die Manipulationsstränge reichen weit in die Kindheit hinein und sind prägend. Das allgemeine Bildungsniveau fördert diesen Prozess. Es ist den Ideologen klar, dass sie etwa ein Drittel nicht erreichen können, dies nehmen sie aber bei einer Zwei-Drittel-Mehrheit gerne in Kauf.

Peter Wendt am 10.04.26, 09:11 Uhr

Angst vor diesen linken Bubis und schrill kreischenden Mädels? Unser Staat wird beherrscht von einer zahlenmässig kleinen Gruppe von Salon Linken, allesamt gehobenen bürgerlichen Haushalten entstammend, spärlich gebildet und ideologisch vernagelt aber den eigenen Luxus über alles liebend. Desinformation, Agitation und ihren Hass auf alles Bewährte eint sie im Kampf gegen rechts. Warum aber sollte man vor denen, deren Worten Angst haben? Eigentlich sind diese Leute leichte Beute für jeden halbwegs aufgeklärten Menschen. Was sie aber wirklich gefährlich macht ist der gleichzeitige Bildungs - und Werteverfall der breiten Masse. Die merken schlicht nicht mehr mit welch banalen Wahrheiten sie gefüttert und tagtäglich veralbert werden. Schwindende Bildung und der Verlust des Denkapparates ist das eigentliche Probleme der Deutschen.

Rolf Lindner am 09.04.26, 08:44 Uhr

180 °

Vor Zeiten war Herrschaft gefährlich,
wollte man sich ihrer entledigen,
damals war sie jedoch so ehrlich,
tat nichts Gegenteiliges predigen,
bis sie sich Sozialismus nannte,
gar mit Demokratie verbrämt,
was man von ihr vorher nicht kannte,
basalen Lugs sie sich nicht schämt.
Wenn sie sich heute dreht und wendet,
um die Erkenntnis zu vermeiden,
dass Lügen immer einmal endet.
müssen die Lügner doppelt leiden,
denn sie können dem nicht entrinnen,
dem Niedergang, den sie geschaffen,
und können ihn auch nicht gewinnen,
den Köpfekampf mit ihren Waffen.
Anfangs läuft's dann irgendwie,
doch häufen sich die Brüche.
Bleiben von der Demokratie
am Ende nur noch hohle Sprüche,
gilt sie plötzlich nicht mehr für alle
und wird in "uns're" umbenannt,
was denen zeigt, die es begreifen,
das System steckt in einer Falle,
die als Sackgasse ist bekannt,
aus der entrinnt man nicht durch Keifen,
nicht Medien, die am Boden krauchen,
helfen, auch keine Polizei,
hundertachtzig Grad wir brauchen,
ihr Lügner, sonst ist es vorbei.

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