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Mouhanad Khorchide: „Ohne Judentum kein Islam. Die verleugnete Quelle“, Herder Verlag, Freiburg 2025, gebunden, 221 Seiten, 22 Euro
Mouhanad Khorchide: „Ohne Judentum kein Islam. Die verleugnete Quelle“, Herder Verlag, Freiburg 2025, gebunden, 221 Seiten, 22 Euro

Judentum und Islam

Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln

Der Islamforscher Mouhanad Khorchide verbindet in seinem Buch „Ohne Judentum kein Islam“ Theologie mit Gegenwartsanalyse

Bodo Bost
16.05.2026

Mit „Ohne Judentum kein Islam“ legt der Münsteraner Islamtheologe Mouhanad Khorchide ein ebenso engagiertes wie provozierendes Buch vor. Es erscheint in einer Zeit, in der sich das Verhältnis zwischen Muslimen und Juden dramatisch verschärft hat. Khorchides Studie ist daher weniger eine rein akademische Abhandlung als ein programmatischer Beitrag zur Gegenwartsdebatte.

Der Islam lässt sich wie das Christentum ohne seine jüdischen Bezüge weder historisch noch theologisch verstehen. Dies ist die zentrale Ausgangsthese des Autors. Während Israel und sogar Zion über 40-mal im Koran erscheinen und dort die Israeliten das auserwählte Volk Allahs sind, ist von Palästina nirgendwo die Rede. „Israel“ und „Zionismus“ sind heutzutage für viele Muslime und ihre linksgrünen Mitläufer Kampfbegriffe geworden, dabei kann der Islam ohne das Judentum nicht verstanden werden.

Khorchide wendet sich klar gegen die Vorstellung eines grundsätzlich judenfeindlichen Islams ebenso wie gegen innerislamische Lesarten, die antijüdische Ressentiments religiös legitimieren: „Zentrale Elemente der islamischen Praxis – von Reinheitsvorschriften über das Fasten bis hin zur Gebetsrichtung – stehen erkennbar in engem Zusammenhang mit jüdischen Traditionen. Auch die theologischen Kernaussagen des Korans, insbesondere der strikte Monotheismus und die Verantwortung des Menschen am Jüngsten Tag, knüpfen an bereits vorhandene jüdische Denkformen an und werden durch sie verständlich gemacht. Indem sich die Verkündigung Mohammeds auf bekannte religiöse Überlieferungen stützte, erschien sie nicht als Neuerung, sondern als Erinnerung und Bestätigung einer schon offenbarten Wahrheit.“

Eine historisch-kritische Lesart ist vonnöten

Besonders stark ist das Buch dort, wo es die Ambivalenz religiöser Texte freilegt. Khorchide zeigt, dass sich im Koran sowohl konfliktgeladene als auch wertschätzende Passagen gegenüber Juden finden und dass deren Bedeutung ohne historischen Kontext kaum zu verstehen ist. Daraus entwickelt er die Forderung nach einer historisch-kritischen Auslegung, die den Korantext nicht als zeitlose Handlungsanweisung liest, sondern als Teil einer konkreten Entstehungssituation.

Eine historisch kritische Lesart ist in der derzeitigen islamischen Theologie jedoch tabu. Deshalb werden die Lesungen von Khorchide, trotz seiner treffenden Analysen zum Koran, auch nicht von muslimischen Würdenträgern besucht, die in der öffentlichen Debatte in Deutschland den Ton angeben und dafür öffentliche Unterstützung bekommen.

Khorchide verbindet seine Textanalyse mit einer Diagnose der Gegenwart. Antisemitische Einstellungen unter Muslimen werden als reales und ernstes Problem benannt, das aus bestimmten Deutungstraditionen herrührt. Religiös aufgeladene Narrative, so seine Beobachtung, prägen häufig stärker als fundierte Textkenntnis. Daraus leitet der Autor die Notwendigkeit ab, innerislamische Gegenentwürfe zu stärken und den Kampf gegen Antisemitismus als Teil religiöser Praxis zu begreifen.

Khorchide verfolgt die Rehabilitierung eines dialogischen, am Judentum orientierten Islamverständnisses. Diese Perspektive verleiht dem Text seine Dringlichkeit. Jedoch werden die Vielfalt islamischer Traditionen und die unterschiedlichen sozialen Kontexte, in denen antisemitische Einstellungen heute im Islam entstehen, nicht immer ausreichend differenziert dargestellt. Die Nähe zur aktuellen politischen Lage lässt analytische und programmatische Passagen bisweilen ineinanderfließen.

Dennoch liegt gerade in dieser Verbindung von Theologie und Gegenwartsanalyse die Stärke des Buches. Khorchide versteht Religion nicht als abgeschlossenen Wissensbestand, sondern als interpretativen Raum, der aktiv gestaltet werden muss. Sein Plädoyer für eine Rückbesinnung auf die jüdischen Wurzeln des Islam ist deshalb weniger historisches Argument als ein Vorschlag für die Zukunft.


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Kommentare

Lars Otto von Ebenerd am 29.05.26, 05:54 Uhr

Die Herangehensweise lässt den fundamentalen Unterschied außer Acht, nämlich dass es sich beim Islam auf der einen, dem Judentum (und Christentum) auf der anderen Seite, um unterschiedlichen Geist handelt. In der Tat gäbe es ohne das Judentum keinen Islam, denn der Islam hat die endzeitliche Funktion, um Israel herum eine Mauer zu bilden, bis die Deckelung des Bewusstseins für den eigentlichen Willen Gottes (Jesus Christus) weggenommen werden wird (2 Korinther 3,16). Daher dienen (und sind versklavt) die Völker um Israel herum den arabischen Wüstengottheiten, die sich Allah nennen und dem einen wahren Gott entgegengesetzt sind, ohne dass diese Mächte den Ablauf zum Ende hin werden aufhalten können. Es ist eine Mauer, die Israel zusammenhält als Israel. Man stelle sich nur vor, was aus Israel würde, wenn die bibeltreuste (wenn auch jetzt stark in Abfall begriffene) Konfession mit den großartigsten Zeitigungen (Statistik der Nobelpreisträger, Korruptionsindizes, Freiheitsindizes etc.), also der Protestantismus um Israel herum statt des Koran maßgebend wäre.

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