04.09.2026

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Geht der Horror nach dem Ampel-Grusel etwa wieder von vorn los? Der grüne Robert Habeck – für viele Experten ein Polit-Clown ohne ökonomischen Sachverstand – droht mit seiner Rückkehr auf die politische Bühne
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr; ShutterstockGeht der Horror nach dem Ampel-Grusel etwa wieder von vorn los? Der grüne Robert Habeck – für viele Experten ein Polit-Clown ohne ökonomischen Sachverstand – droht mit seiner Rückkehr auf die politische Bühne

Die grüne Spur der Verwüstung

Robert Habecks neuer Job in der Immobilienbranche könnte nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu neuer politischer Macht sein. Dabei leidet Deutschland noch heute unter seinem Erbe. Wird er vom Totengräber zum politischen Leichenschänder?

Holger Fuß
09.08.2026

Ein eigenartiges Lebensgefühl ist allenthalben im öffentlichen Raum zu spüren. Es ist, als ob politische Funktionsträger zwischen skrupelloser Lügerei und enthemmtem Irrsinn oszillieren. Als Folge schwindet unser Vertrauen in die Integrität von Institutionen, und die Stabilität der Gemeinschaft gerät ins Wanken. Wohin wir auch schauen: Altmodische Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Treue, Rückgrat, Anstand und Zuverlässigkeit werden mit einem Schlag abgeräumt. Sie werden zwar noch augenzwinkernd zitiert, aber allzu oft sind sie bloß nur noch Anlauf zur nächsten frechen Schwindelei – alles ohne Konsequenzen.

Ein Beispiel? Als die AfD am ersten Juli-Wochenende ihren Parteitag in Erfurt abhielt, streuten Linke das Gerücht, der Termin sei ein historischer Fingerzeig, wonach 100 Jahre zuvor, am 3. und 4. Juli 1926, die NSDAP ihren ersten Parteitag nach der Neugründung in Weimar durchführte. Für Antifaschisten der Herzen machen Erfurt und Weimar kaum einen Unterschied: Hauptsache Thüringen, wo der Gott-sei-bei-uns Rechts-ganz-weit-außen Björn Höcke sein Unwesen treibt.

Dass der MDR rasch aufklärte, dass die von rechter Gesinnung ebenso extrem weit entfernte Messeleitung in Erfurt den Parteitagstermin selber vorschlug, kümmerte AfD-Gegner überhaupt nicht. Sogar am Rednerpult des Bundestages erklärte Katrin Göring-Eckardt mit künstlich erhitztem Gemüt: „Denn es ist kein Zufall, dass diese AfD ihren Parteitag exakt genau 100 Jahre veranstaltet, nachdem die NSDAP in Weimar nahe bei Erfurt ihren Parteitag veranstaltet hat. Nein, es ist kein Zufall!“ Wenn es um sinnlos konstruierten Symbolismus geht, dürfen die Formulierungen auch gern mal holpern.

Generell korrespondieren derlei beharrlich wiederholte Falschbehauptungen mit der unverwüstlichen Correctiv-Erfindung von den Remigrationsplänen der AfD, die sämtliche Einwanderer aus Deutschland betreffen sollen; der Halluzination, ein Industrieland wie unseres könne mit Wasser-, Wind- und Sonnenkraft ausreichend mit Energie versorgt werden – bis hin zum Panik-Evergreen der menschgemachten Erderwärmung, die uns alle zu verbrennen droht.

Orang-Utan mit Telefonbuch

Mit der Lebenskultur der Grünen hat sich Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Parallelzone zur Realität entwickelt. Seit den 1970er Jahren sind Umweltschutzgedanken und grüne Imperative zur Lebensführung bis in unpolitische Haushalte eingesickert, jedes Alltagsutensil spielt sich seither irgendwie nachhaltig auf. Mittlerweile hat diese verbissene Ära der guten Vorsätze unsere Gesellschaft gespalten, die Wirtschaft in die Knie gezwungen und das kulturelle Leben zu einem woken Eiferertum entgeistert.

Das Gesicht der deutschen Selbstüberschätzung ist Robert Habeck. Der grüne Frontmann, der mit dem Scheitern der Ampel-Regierung aus der Politik geschleudert wurde und der zum 1. September 2025 freiwillig aus dem Bundestag ausgeschieden ist, hat nun seinen Wechsel in die Privatwirtschaft bekanntgegeben. Künftig will er als „Senior Adviser“, also leitender Berater, bei der dänischen Investmentfirma Urban Partners anheuern, um dort den Forschungsbereich städtische Infrastruktur weiterentwickeln und die Präsenz des Unternehmens auch in Deutschland auszubauen.

Habecks neuer Arbeitgeber frohlockt bereits und wähnt, einen gewaltigen Fang gemacht zu haben. Denn ein ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler als Lobbyist an Bord schmückt einen bei der Geschäftsakquise geradezu vorzüglich. Da ist es unerheblich, dass Habeck als Fachminister jeder Sachverstand fehlte und er die deutsche Wirtschaft mit EU-weit den höchsten Energiepreisen hinterließ, als die Ampel-Koalition im November 2024 an die Wand fuhr und vorgezogene Neuwahlen nötig wurden. Mit Habecks Telefonbuch in der Hand, hätten die Dänen auch einen Orang-Utan einstellen können. Die Zusammenarbeit von privatem mit dem öffentlichen Sektor bezeichnet Jens Stender, Co-Chef von Urban Partners, als „unsere DNA“ und erklärt: „Dr. Habeck bringt unschätzbare Erfahrungen und eine beeindruckende Erfolgsbilanz im öffentlichen Dienst mit.“

Entlang grüner Lebenslügen

Soweit das übliche PR-Gerede, wozu auch der unvermeidliche Hinweis gehört, dass das Unternehmen auf eine „nachhaltige Stadtentwicklung“ abzielt. „Wie die Energiewende als Ganzes steht Habecks neuer Arbeitgeber unter dem Verdacht, Gemeinwohlrhetorik zur Veredelung von Investoreninteressen zu nutzen“, spottete die „Welt“ über Habecks neuen Job. Und natürlich geht es der einstigen Galionsfigur der Grünen in Kopenhagen nicht einfach um schnödes Geldverdienen, sondern um grüne Sinnstiftung: „In unseren Städten entscheidet sich der Erfolg der großen Transformationen unserer Zeit.“ Darunter macht es ein Habeck nicht. Passend dazu dreht auch der Firmenchef das große Rad: „Als ehemaliger Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz bringt Robert eine einzigartige Kombination aus Führungserfahrung, langfristigem Denken und tiefgreifendem Verständnis für einige der wichtigsten Herausforderungen Europas mit.“

Übersetzt heißt das: Freunde, wir greifen jetzt mitten ins Labyrinth des European Green Deal, mit dem die EU-Kommission den Kontinent bis 2050 klimaneutral machen will – sofern er ökonomisch solange durchhält und nicht von den Chinesen aufgekauft wird oder zum Empfänger internationaler Entwicklungshilfen absinkt. Bis dahin jedoch steht uns eine Schatzkiste mit Subventionsmilliarden in Aussicht. Und Robert Habeck kennt den Zahlencode, um die Tresortüren zu öffnen.

Wie eng sich grüne Politik an persönlichen Lebenslügen entlangschlawinert, hat bereits Annalena Baerbock vorgeturnt, die Trampolinakrobatin, die sich 2021 unbekümmert die Kanzlerkandidatur zutraute („Ich habe zwar noch keine Erfahrung, aber ich lerne schnell“), um hernach als Außenministerin von einem Fettnäpfchen zum nächsten zu stolpern – und sich anschließend als Präsidentin der UNO-Generalversammlung und Lifestyle-Influencerin in New York City neu zu erfinden. Unter Baerbock ist Deutschland außenpolitisch zum Nobody erschlafft. Bis heute hat sich die deutsche Diplomatie davon nicht erholt.

Schneise der Verwüstung

Auch Habeck schaffte seinen kometenhaften Aufstieg vom Landesminister in Kiel zum Parteiführer und Vizekanzler in Berlin nur unter Nutzbarmachung der popkulturellen Kindlichkeit derer, die seit den 1960er Jahren zur Welt kamen und entschlossen blieben, sich mit dauerjugendlichen Allüren die Zumutungen des Erwachsenseins vom Halse halten zu wollen. 2019 ließ sich Habeck als Parteichef in der „Bild am Sonntag“ zitieren: „Hey, wir bauen ein reiches Land um. Wer macht mit?“

Im Tonfall des ewigen Kindergeburtstags und der angetäuschten Vertraulichkeit ist es Habeck immer wieder gelungen, das linke Spießbürgertum für sich zu gewinnen, sein Verlangen zu füttern, die Widersprüchlichkeiten der Lebenswirklichkeit am Ende doch auflösen und sich letztlich einen entscheidenden menschlichen Reifungsgrad ersparen zu können. Der betont juvenile Habitus vieler Grüner kommt nicht von ungefähr – entwicklungsdynamisch sind sie oft im Stadium halbwüchsiger Popkonzerte festgefroren.

Dieser Mangel an Abgeklärtheit dürfte auch der Grund sein, weshalb die Grünen eine Schneise der Verwüstung durchs Land ziehen konnten. Die britischen Komiker der Monty Python-Truppe hatten einst mit prophetischem Blick verkündet, was uns bevorsteht. In dem Film „Das Leben des Brian“ (1979) gibt es diese Szene, in der judäische Rebellen zusammensitzen und Eric Idle einen Mann spielt, der eine Frau sein will („Das ist mein Recht als Mann!“), Loretta gerufen werden möchte und Babys gebären will. Nach anfänglicher Irritation schlägt Michael Palin vor: „Es ist symbolisch für unser Ringen gegen die Unterdrückung!“ Und John Cleese entgegnet: „Es ist symbolisch für sein Ringen gegen die Realität.“

In diesem Dialog hat der ganze grüne Aberwitz seine dramaturgisch klassische Gestalt gefunden. In gewissem Sinne ist das grüne Bewusstsein eine aufgeblähte Form jenes Trugschlusses der Aufklärung, wonach der Machbarkeit für den Menschen keinerlei Grenzen gesetzt ist. Die Wissenschaft ist das Werkzeug, um die Welt dem Menschen technisch zu unterwerfen. In dieser Tradition steht auch der grüne Größenwahn, der Mensch könne das Klima kontrollieren und seinen eigenen Wandel irgendwie steuern.

Zerstörung des heteronormativen Familienbildes

Und so ereilen uns täglich neue Nachrichten, die den Eindruck erwecken, als lebten wir in einer Freiluftpsychiatrie. Da forderte die klimapolitische Sprecherin der Bundestags-Grünen, Lisa Badum, einen Gedenktag für Hitzetote: „Es geht darum zu zeigen, dass die Klimakrise nichts Abstraktes ist oder nur weit entfernt in Pakistan und Bangladesch stattfindet, sondern bei uns zusätzliche Tote nach sich zieht.“

Von einem Gedenktag für Todesopfer durch Migrantengewalt ist aus grünen Kreisen bislang nichts verlautet worden. Stattdessen pries Herbert Grönemeyer, zeitlebens Barde der grünen Gesinnung, bei der Entgegennahme des diesjährigen Deutschen Nationalpreises die Willkommenskultur von 2015 „als eine der humanistischen Gesten in diesem Jahrhundert. Und diese Geste ist nicht von oben verordnet worden. Das hat eine erwachsene Gemeinschaft aus sich heraus entschieden.“ Mit solchem Pathos könnte auch ein Funktionär der Linkspartei den Unrechtsstaat DDR feiern und die Mauertoten süffisant lächelnd beschweigen.

Der grüne Kulturkampf gegen die Vernunft hat uns die Transgender-Ideologie eingebracht, die wider die Biologie über das weibliche und männliche Geschlecht hinaus beliebig viele weitere Pseudo-Geschlechtsidentitäten deliriert; die Frühsexualisierung von Kindern mit all den damit einhergehenden Seelenverwirrungen; die Zerstörung des heteronormativen Familienbildes und den Abschied von archaischen Geborgenheitsstrukturen. Es scheint als sei der lange grüne Marsch eine Art Selbstentfremdungstechnologie, mit welcher künftige Herrscher aus der Asche der individuellen Persönlichkeiten einen Neuen Menschen nach ihrem Gutdünken zu formen imstande sind.

Wenig Begeisterung für lästige Details

Manche Beobachter spekulieren, dass Robert Habeck insgeheim sein politisches Comeback für 2029 vorbereitet. Spätestens dann steht die nächste Bundestagswahl an und Habeck könnte abermals die Grünen als Kanzlerkandidat anführen. Noch hält er sich bedeckt. Sein „politischer Ansatz“ habe „im Moment wenig Raum“, sagte er dem „Spiegel“. Ein Dementi klingt anders.

Immerhin versucht er, sich im Gespräch zu halten. Anfang Oktober erscheint sein neues Buch „Arctic Meltdown“ über die geopolitischen Folgen des Abschmelzens des vermeintlich ewigen Eises um den Nordpol. „Die Neuvermessung der Welt“ lautet der Untertitel. Hier ist Habeck in seinem Element: in großen Linien denken mit wenig Begeisterung für lästige Details. Vielleicht träumt er manchmal davon, ein großer schriftstellernder Politiker zu sein, ein Henry Kissinger, ein Friedrich von Gentz oder ein Otto von Bismarck. Aber am Ende ist er eben doch einfach nur der Robert.


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