Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Denkmäler im landläufigen Sinne werden – künstliche Intelligenz (KI) hier einmal ausgeblendet – von Menschen erdacht, konzipiert und gestaltet. Tiere hinterlassen in menschlicher Wahrnehmung Spuren oder Duftmarken; weit darüber hinaus sind Tiere jedoch auch im alltäglichen Leben seit jeher omnipräsent – als Haustiere, Nutztiere, Nahrungslieferanten oder auch nur als Lebewesen zur Unterhaltung und Zuneigung oder als Objekte des Interesses in Wissenschaft oder der Kunst, in letzterer nicht selten verfremdet – wie beispielsweise im „Turm der blauen Pferde“ von Franz Marc.
„Richtige“ Denkmäler für Tiere, also zu deren Gedenken geschaffene, sind dagegen eher selten. Beispiele aus dem tierlieben England sind das in London zum Gedenken der im Dienste der Army im Zweiten Weltkrieg gestorbenen (darf man sagen: gefallenen?) Hunde und das ebenfalls in London errichtete bronzene Denkmal des Hundes von William Hogarth, von dem gesagt wird, sein Hund „ist zum Inbegriff des aufrechten Engländers geworden“. Königin Elizabeth II., eine passionierte Reiterin, ließ ihr aus der kanadischen Provinz Saskatschewan stammendes Lieblingspferd nach dessen Ableben mit einer bronzenen Statue verewigen; die Statue schenkte die Queen der Heimatprovinz des Pferdes, in deren Hauptstadt das Bronzepferd vor dem Parlament noch heute steht. Ansonsten sind Tiere – dies allerdings auffallend häufig – nur ein Beiwerk in Denkmälern, die eben hauptsächlich an anderes erinnern sollen.
Typisches Beiwerk ist das Ross unter einem Monarchen oder unter einem Krieger. Das Reitpferd selbst kann in ruhigem Schritt dargestellt sein oder aber, was das ganze Bild dynamischer und kämpferischer erscheinen lässt, mit aufgerichtetem Vorderteil; Beispiele hierfür bilden die kleine Reiterstatue von Alexander dem Großen im Museo Archeologico Nazionale von Neapel und seine große Statue auf der Promenade in Thessaloniki (die höchste Statue in Griechenland überhaupt), das Denkmal des reitenden Volkshelden Skanderbeg in der Hauptstadt Albaniens, das Denkmal von Zar Peter dem Großen auf dem Senatsplatz in St. Petersburg und das Denkmal des früheren Bürgermeisters Hans Waldmann auf der Münsterbrücke vor dem Rathaus in Zürich (wegen der nahen Limmat sind Waldmanns Kopf und seine Schultern ein beliebter Landeplatz für Möwen). Und auch vor dem früheren Rathaus in Hamburg-Altona sitzt Kaiser Wilhelm I. noch fest im bronzenen Sattel.
Das Ross war für Napoleon sein Freund und ebenso seine Waffe
Eine Information am Rande noch zum Ross und Reiter-Denkmal für Hans Waldmann: Viele Jahre nach seiner Errichtung wurde das Denkmal ein Fall für Kunstgeschichte und für Kunstpolitik in der größten Stadt der Schweiz. Der als „Der Sprayer von Zürich“ bekanntgewordene Harald Naegeli versah bei Nacht heimlich den Sockel des Waldmann-Denkmals mit einem seiner berühmt gewordenen Graffiti (sein Urteil zu dieser seiner Kunstbetätigung: „Keine Sachbeschädigung, sondern Sachbeschichtung“). In der Biografie „Harald Naegeli. Nur fliegen kann er nicht“ von Res Strehle werden die damals wegen dieses Vorfalls geweckten Emotionen darin begründet, das Denkmal „ist der zentrale Ort, es ist auch die Zeit der Auseinandersetzung um Denkmäler, die dieser kleinen Figur, schwarz auf grauem Stein, eine Bedeutung geben wird, die allseitig große Emotionen weckt“. Nachdem die Züricher „Arbeitsgruppe für Kunst im öffentlichen Raum“ in langer Befassung den Fall nicht lösen konnte, griff ein junges Mitglied der Züricher Zunft, die das Waldmann-Denkmal im Jahr 1937 der Stadt geschenkt hatte und sich deshalb für die Reinigung des Denkmals verantwortlich und berechtigt fühlte, zur Selbsthilfe: Mit einem Hochdruckreiniger entfernte der Jungzünfter am helllichten Tag das Naegeli-Graffiti vom Sockel des Rosses.
Napoleons Lieblingspferd „Marengo“ – nach der dortigen Schlacht benannt – wurde nach der Niederlage von Waterloo als Kriegstrophäe nach England verbracht und nach dem Ableben als Skelett im National Army Museum von London ausgestellt; eine Kunststoff-Kopie des Skeletts von „Marengo“ wurde in der Ausstellung im Pariser Invalidendom „Napoléon n'est plus“ anlässlich dessen 200. Todestages über dem Grab des berühmten Reiters präsentiert.
Für Kriegsherren war das Pferd nicht nur ein treuer Begleiter, sondern auch eine Waffe, jedenfalls in Zeiten, in denen die Kavallerie mit allen ihren berittenen Soldaten (Husaren, Ulanen, Kürassierer, Dragonern) eine wichtige Rolle spielte. In Friedenszeiten symbolisierte der Landesherr zu Pferde die erhöhte Stellung gegenüber dem zu Fuß gehenden Untertanen.
„Ein Königreich für ein Pferd“ lautet ein berühmter historischer Wunsch. Ein Denkmal ganz allein für ein Pferd ist eher selten, ganz im Unterschied zu Denkmälern oder Skulpturen mit Pferden als Beigabe, wie der Bamberger Reiter oder die Quadriga auf dem Brandenburger Tor.
Mensch und Pferd als Traumpaar
Noch häufiger als Pferde zieren Löwen zahlreiche Denkmäler. Der „König der Tiere“ ist ein Symbol für Macht und Stärke und deshalb ein vor allem im Mittelalter verbreitet gebrauchtes Wappentier als Attribut, wie z.B. „Heinrich der Löwe“ mit dem Denkmal des Löwen in Braunschweig. Allein in der ukrainischen Stadt Lemberg, deren deutscher Name sich ebenso wie das polnische Lwów und das ukrainische Lwiw von Lew (der Löwe) ableitet, sind über 3000 (!) steinerne Exemplare des Wappentiers gezählt worden.
Ungewöhnlich, aber gerade deshalb eindrucksvoll ist das Denkmal des weinenden Löwen in Luzern, errichtet zum trauernden Gedenken an die 1792 in Paris getöteten Angehörigen der Schweizer Garde. Sofern Tierskulpturen nur als Beigabe zu einer anderen Hauptfigur eines Denkmals dienen, ergibt sich der Bezug aus einer thematischen Verwandtschaft.
So werden Brunnendenkmale oft mit maritimen Tierwesen verziert. Der Phantasie des Künstlers sind bei der Konzeption eines Denkmals – abgesehen von etwaigen Vorgaben des Auftraggebers – kaum Grenzen gesetzt. Brehms „Tierleben“ nennt viele Möglichkeiten; nicht wenige Tierarten, wie z.B. Flöhe und Bettwanzen, sind aber nicht denkmalgeeignet.
Doch was wäre die Menschheit ohne Pferde? Als Arbeitspferd, Reitpferd, Therapiepferd oder Kuschelpferd ist dieses Tier ein so treuer Begleiter des Menschen wie kaum ein anderes Lebewesen. Verständlich ist daher, dass das Pferd in unzähligen Sprüchen vorkommt, z.B. in „Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, und für nicht wenige Künstler aus der bildenden Kunst ein beliebtes Motiv bot das Pferd beispielsweise für das eingangs erwähnte Bild von Franz Marc „Der Turm der blauen Pferde“ oder für Hans Baldung Grien mit „Wildpferde mit kämpfenden Hengsten“. Interessant ist schließlich auch, dass die Leistung von Kraftfahrzeugmotoren noch heute weltweit in „Pferdestärken“ (PS), englisch horsepowers (hp) gemessen wird.
In bleibender Erinnerung sollten auch die von Pferden gezogenen Flüchtlingstrecks aus den deutschen Ostgebieten 1944/45 bleiben. Ein Einzelschicksal aus Ostpreußen bietet mir Anlass zum Nachdenken: Die später erfolgreiche prominente Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“, Marion Gräfin Dönhoff, flüchtete in dem eisigen letzten Kriegswinter mit einem Treck von ihrem Gut Friedrichstein in Richtung Westen. Als der Treck wegen der widrigen Wetter- und Straßenverhältnisse stockte, entschied man sich umzukehren; das daraus folgende spätere konkrete Schicksal der Rückkehrer ist nicht bekannt.
Auf dem Pferderücken in die Freiheit des Westens
Die dem Treck voranreitende Gräfin Dönhoff begleitete diesen „ihren“ Treck nicht heimwärts, sondern ritt auf ihrem Pferd „Alarich“ allein weiter; sie gelangte schließlich nach vielen langen Tagen im Sattel in den rettenden Westen. Ein Vertrauter der Gräfin Dönhoff wies den Vorwurf, die Gräfin habe den Treck im Stich gelassen, als „Unsinn“ zurück.
Ist der Weiterritt unter Zurücklassung des Trecks aus heutiger Sicht kritisch zu beurteilen? Dazu sollte man wissen: In Friedrichstein wäre die Gräfin Dönhoff nach dem Einmarsch der sowjetischen Soldaten als aristokratische Gutsbesitzerin wahrscheinlich erschossen oder als Frau zuvor sehr wahrscheinlich vergewaltigt worden – ein Schicksal, das viele Frauen gerade in Ostpreußen brutal traf (s. dazu mein Buch „Frau, komm!“, Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45“).
Darf man über die flüchtende Reiterin aus Ostpreußen richten? Wie hätte man selbst in jener schwierigen Situation entschieden? In einer warmen Stube auf einem Sofa sitzend lässt sich im Jahr 2026 über eine Entscheidung aus dem Jahr 1945 sehr leicht moralisieren. Jedenfalls war es ein Pferd, das eine gefährdete Frau in Freiheit und Sicherheit trug. Jenes Pferd Alarich hat, wenn schon kein Denkmal, so doch Erinnerung verdient.