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Der Zeithistoriker Heinrich August Winkler gibt mit seinem Buch „Warum es so gekommen ist“ Antworten auf Fragen der jüngsten deutschen Geschichte
Heinrich August Winkler ist ein bedeutender Zeithistoriker und darüber hinaus eine gefragte Persönlichkeit des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und Europa. Winkler gliedert seine Erinnerungen „Warum es so gekommen ist“ in drei inhaltliche Blöcke, die jeweils unterschiedliche Themen behandeln.
Der für die gesamte Darstellung richtungweisende erste Block lautet: „Warum ich Historiker wurde“. Unter dieser Frage lautet ein Thema „Prägungen – Professor an der Humboldt-Universität. Der Westen wird zu meinem Leitthema“. Geboren 1938 in Königsberg/Ostpreußen in einer konservativen, deutsch-nationalen Akademikerfamilie – beide Eltern waren promovierte Historiker –, so wurde seine künftige Laufbahn als Historiker vorgezeichnet.
Folgerichtig studierte er Geschichte und schrieb eine Habilitation in diesem Fach. Seine bekanntesten Titel wurden „Der lange Weg nach Westen“ und „Die Geschichte des Westens“. In der Öffentlichkeit wurde Winkler schon bald nicht nur als bedeutender Historiker, sondern als politischer Zeitzeuge, Publizist und Analytiker gesehen und geschätzt.
Beachtliche Materialfülle bearbeitet
Winkler legt ein Erinnerungsbuch seines Werdeganges bis heute vor. Sein roter Faden ist die drängende und bedrückende Frage nach den Ursachen des Zivilisationsbruchs von 1933 bis 1945 durch sein Land und viele Mitläufer. Er vertritt offen seine Positionen – die man nicht teilen muss – und räumt Fehleinschätzungen und Irrtümer ein. Das wirkt ehrlich und authentisch. Die Lektüre muss allerdings berücksichtigen, dass der Autor sich in seinen Aussagen auf der gesellschaftlichen Ebene seiner Herkunft befindet, es ist keine Geschichte von unten.
Die Materialfülle, die im Buch bearbeitet wird, ist beachtlich. Es entsteht der Eindruck, dass jedes politische Ereignis, jede Strömung und Äußerungen von Politikern, Journalisten, Wissenschaftlern oder anderen wichtigen Persönlichkeiten erscheinen, daher die große Anzahl bekannter Namen aus Wissenschaft, Forschung, Politik, Wirtschaft oder Journalismus.
Die Phasen des Endes der Weimarer Republik, des Dritten Reiches, das Jahr 1945, die zwei deutschen Staaten bis 1989 sowie die Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung bis heute sind Gegenstand von Interpretationen und zum Teil auch kritischen Stellungnahmen.
Der Autor beschreibt sein Selbstverständnis wie folgt: „Bislang gibt es kein anderes politisches System, das ähnlich „fehlerfreundlich“ wäre wie die repräsentative, gewaltenteilige Demokratie“. Und diese Demokratie ist ein postnationaler Staat wie die alte Bundesrepublik vor der Wende in einem europäischen Bundesstaat, der die Nationen und Nationalstaaten überwölbt und nicht überwindet.
Ein Problem sieht Winkler in der noch zu beobachtenden Bewusstseinslage der Ostdeutschen und der Altbundesrepublikaner auf dem Feld der politischen Kultur. Das Wort eine „Demokratie ohne Demokraten“ kann zurückverfolgt werden bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und ganz deutlich in der Weimarer Republik. Hier liegt eine Antwort auf den Titel des Buches „Warum es so gekommen ist.“
Heimat Ostpreußen nur kurz thematisiert
Seine persönlichen Erinnerungen, die gleichsam ein Gang durch die deutsche Geschichte seit 1945 sind, hat er in insgesamt gut leserlicher und flüssiger Form niedergeschrieben, allerdings erschweren manchmal zu lange Sätze die Lektüre.
Seine ostpreußische Herkunft wird positiv, aber marginal angesprochen. Schon frühzeitig war er vom endgültigen Verlust seiner Geburtsheimat Ostpreußen überzeugt. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das vom Leser Vorkenntnisse
verlangt.
Es ist ein wichtiger Beitrag zur deutschen Nachkriegsgeschichte und den handelnden Persönlichkeiten. Eine breit gefächerte – vor allem auch jüngere – Leserschaft ist diesem Buch zu wünschen.