26.07.2026

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Nachgestellte Szene: Deutsche Sicherheitskräfte kommen nur mit Mühe gegen die Welle der Clan-Kriminalität an
Bild: ChatGPT/ShutterstockNachgestellte Szene: Deutsche Sicherheitskräfte kommen nur mit Mühe gegen die Welle der Clan-Kriminalität an

Professionelle Verbrecher unterhöhlen unsere Ordnung

Eine neue kriminelle Bedrohung rollt auf Deutschland zu

Die arabischen Clans zerfallen langsam. Doch nun droht eine Vermengung mit Mafiabanden aus Albanien, Russland, Serbien oder Italien – Womöglich bald ausgerüstet mit Kriegswaffen aus der Ukraine

Wolfgang Kaufmann
26.07.2026

Was genau ist eigentlich ein arabischer Clan? Diese Frage hat eine brisante Bedeutung gewonnen, seit hochkriminelle „Großfamilien“ wie die al-Zein, Remmo, Miri oder Omeirat unser Land unsicher machen. Zu ihrer Beantwortung müssen die Verhältnisse in den Herkunftsregionen der Clans beleuchtet werden.

Die Sippen stammen stets aus ländlichen Gebieten wie dem Jabal al-Kusa im Dreiländereck Türkei-Syrien-Irak. Die Staatsmacht ist hier seit alters her kaum präsent, was den Charakter der Menschen prägt. Das Sagen haben lokale Größen, die zumeist auch die Clanchefs sind. Zwischen den einzelnen Familienverbänden herrscht dabei kein Zusammenhalt, sondern Rivalität – und jeder schottet sich so weit als möglich nach außen ab. Die Clans sind zudem nicht alle ebenbürtig: Ältere und größere Gruppierungen genießen mehr Ansehen.

Im Inneren ist ein Clan stets mehrfach unterteilt. Der Clan-Großverband (Ashira) besteht aus mehreren Afkhadh (Sub-Clans) und diese wiederum aus etlichen Butuns (Sub-Sub-Clans). Darunter rangiert dann noch die Usra, also die eigentliche Kernfamilie aus Eltern, Kindern und Großeltern.

In der Urheimat der Clans gilt auf allen Ebenen eine strenge, über Jahrhunderte tradierte Ordnung mit klaren Rollenvorgaben und -mustern über sämtliche Generationen hinweg, allseits respektierten Führungs- und Autoritätsfiguren sowie ritualisierten Konfliktlösungs- und Entscheidungsmustern auf der Basis von Ehre und Loyalität, denen ausnahmslos jeder folgen muss. Das starre System kann allerdings spürbar durchgewirbelt werden, wenn Clans aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen in den Westen kommen.

Alte Regeln verschwinden

Die Clans tauchten in der Bundesrepublik in den 1980er Jahren auf. Es begann mit der Einwanderung erster Ankerfiguren, welche bald immer mehr Verwandte nachzogen. Die deutsche Bürokratie war mit den Neuankömmlingen schnell überfordert: Wer hatte nun eigentlich welchen Namen und welche Staatsbürgerschaft? Ohne Papiere eine kaum zu beantwortende Frage ...

Bald starben die charismatischen alten Autoritäten aus, woraufhin viele der Jüngeren meinten, sie könnten nun ihre eigenen Anführer sein. Dabei lieferten sich die Nachkommen der Patriarchen Wettbewerbe untereinander, um an persönlichem Prestige zu gewinnen. Dies förderte auch den Drang zur protzigen Selbstpräsentation bei Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen. Von da aus führte der Weg oftmals zu kriminellen Handlungen wie dem Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe oder dem Diebstahl einer 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum.

Durch die Anpassung an das Leben im Westen schrumpfte auch die Kernfamilie: Wo früher zwischen zehn und 20 Kinder üblich waren, beschränkte man sich schnell auf maximal fünf. Darüber hinaus entstanden innerfamiliäre Sprachbarrieren, weil die Jungen kaum noch Arabisch sprachen. Zudem wurden sie nun eher von den Sozialen Medien „erzogen“ als von der konservativen Elterngeneration.

Parallel dazu entwickelten die Clans ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat – dieser wurde ausschließlich als Akteur angesehen, der überwacht, bedroht und bestraft. Das war der zweite Grund für das Abgleiten in die organisierte Kriminalität: Gegen den Feind Staat und dessen Gesetze anzugehen, könne nichts Ehrenrühriges sein. Hier hätte die deutsche Justiz nach Auffassung von Insidern von Anfang an hart und konsequent durchgreifen müssen, um sich Respekt zu verschaffen; stattdessen passierte das Gegenteil. Dadurch ging der moralische Kompass der Clans vollends kaputt. Geduld, Fleiß und Ehrlichkeit verloren jedwede Bedeutung, und es obsiegte der Drang, materielle Dinge ohne Anstrengung zu erlangen. Selbst der Islam diente nicht mehr als Richtschnur. Denn dessen klare Unterscheidung zwischen halal (erlaubt) und haram (verboten) wurde nun „neu ausgehandelt“, um Drogenhandel, Bandendiebstahl, Betrug und ähnliche Handlungen zu rechtfertigen.

Sie sickern in den Staatsapparat ein

Das Sagen in den kriminellen Clans haben längst nicht mehr nur die Männer. Die Clan-Frauen werden zwar gern übersehen oder als bloßes Beiwerk betrachtet, haben hierzulande aber mittlerweile auch wichtige Positionen inne. So unterstützen sie die männlichen Akteure, indem sie beispielsweise Scheinfirmen vorstehen oder bei der Geldwäsche als Strohleute fungieren.

Die Clans von heute haben sich der Mehrheitsgesellschaft zumindest insofern geöffnet, als sie versuchen, Beziehungen zu nützlichen Akteuren außerhalb zu knüpfen. Die Unterstützer arbeiten nicht selten im Polizei- oder Justizbereich und liefern wertvolle Informationen. Außerdem kooperieren die Clans gern mit Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung. Der Staat wird also nicht nur frontal attackiert, sondern auch von innen her ausgehöhlt.

Die Lebenssituation der Clans bietet hier und heute zwar die Möglichkeit zum Totalausstieg. Allerdings müssen diejenigen, die versuchen, sich ehrlich durchzuschlagen, es ertragen, dass andere, die nicht mehr zwischen „haram“ und „halal“ unterscheiden, ein scheinbar besseres Leben voller Luxus und Anerkennung führen. Insbesondere für junge Männer gerät dies zur Riesenherausforderung, die starke Charaktere erfordert.

Nach und nach zerfallen die eingewanderten Clans hierzulande indes, weil sie entweder in der organisierten Kriminalität jedweder Couleur aufgehen oder weil ihre Mitglieder sich aus den Großverbänden lösen. Einen Grund zur Entwarnung bietet diese Entwicklung allerdings nicht. So könnten durch die Vermischung arabischer Clans oder Sub-Clans mit albanischen, serbischen, russischen und italienischen Mafia-Banden neue hochgefährliche Gruppierungen entstehen – vielleicht noch aufgerüstet mit Kriegswaffen aus der Ukraine.

Experten fürchten, dass solche Waffen spätestens mit dem Ende der Kämpfe in großem Umfang in den europäischen Schwarzmarkt einsickern. Dann droht eine Sicherheitslage, die weit über das bereits bekannte Ausmaß der Bedrohung durch große kriminelle Strukturen hinausgeht.


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