25.07.2026

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Wie zuletzt in den 90er Jahren: Autoschlange vor einer Tankstelle in Königsberg
Bild: Screenshot Klops.ruWie zuletzt in den 90er Jahren: Autoschlange vor einer Tankstelle in Königsberg

Benzinknappheit im nördlichen Ostpreußen

Findige Krisenmanager an Königsberger Tankstellen

Geschlossene Tanksäulen und Rationierung – Wie Autofahrer auf stundenlanges Warten in der Schlange reagierten

Manuela Rosenthal-Kappi
24.07.2026

Die ukrainischen Angriffe auf russische Treibstofflager haben Auswirkungen auf die Benzinversorgung in der gesamten Russischen Föderation. Im Königsberger Gebiet war die Versorgung zwei Wochen lang Anfang Juli besonders schlecht. Das hatte es zuletzt in den 90er Jahren gegeben: Kilometerlange Schlangen an den Tankstellen mit Wartezeiten von einer halben Stunde bis zu fünf Stunden. „Entschuldigung. Diese Zapfsäule ist außer Betrieb“, war an den Tanksäulen zu lesen, die Preisanzeige für Super-Benzin war vielerorts ausgenullt.

Um Panikkäufen vorzubeugen, verhängte die Gebietsregierung Höchstabgabemengen für Kraftstoffe: 30 Liter für Benzin und 60 Liter für Diesel. Kleinere Tankstellen mussten ihren Dienst komplett einstellen, bei den größeren wurden Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs, der Sozialdienste sowie Fahrzeuge für die Landwirtschaft vorrangig bedient. Gouverneur Alexej Besproswannych rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Laut den Behörden sei ein „Umbau von Logistikketten“ für den Mangel verantwortlich.

Es heißt, Russen seien extrem leidensfähig und geduldig. Dennoch reagierten viele mit Wut auf die Benzinknappheit und galoppierende Preissteigerungen, wohl wissend, dass der Krieg und die ukrainischen Drohnenangriffe für die aktuelle Krise verantwortlich waren. Die anhaltenden Probleme mit der Benzinversorgung waren wochenlang Thema Nummer 1 in der Region.

Krisen zu meistern, sind Russen gewohnt, und so passten sich die meisten schnell an die neue Realität an. Szenen wie anno dazumal im Ostblock waren in den Warteschlangen zu beobachten. Benötigte jemand dringend Benzin, ließ man ihn vor, während sein Nachbar Kaffee oder Wasser besorgte. Blieb ein Auto liegen, schob man es zur Seite, um die Durchfahrt freizuhalten.

Nachrichten in Echtzeit

Informationen darüber, wo es noch Benzin gab, breiteten sich wie ein Lauffeuer aus. Im Königsberger Zentrum soll ein Restaurantbesitzer gar kostenlos Essen und Wasser an die Wartenden verteilt haben. Im Internet kursierten Fotos von jungen Leuten, die sich gut gelaunt in einem aufblasbaren Planschbecken neben einer Autoschlange die Wartezeit verkürzten.

Einige findige Krisenmanager wurden zu regelrechten „Pfadfindern“. Sie waren die Ersten, die herausfanden, welche Tankstelle mit Benzin beliefert worden war, und teilten dies in Chats mit. Dank des Internets lassen sich heutzutage solche Nachrichten in Echtzeit verbreiten. Bei den Messenger-Diensten gab es Kanäle und Chatrooms, in denen aktuelle Informationen über die Verfügbarkeit von Kraftstoff in den Städten der Region geteilt wurden, und sogar die Routen der Tanklastwagen konnten überwacht werden. In den Warteschlangen hielten sich die Autofahrer an ungeschriebene Regeln, die eigentlich selbstverständlich sein sollten: nicht vordrängeln, sich nach dem Tanken nicht unnötig lange an der Säule aufhalten, die Ausfahrt nicht blockieren und nicht im Tankstellenshop einkaufen, wenn man eine Schlange hinter sich hat.

Nicht jeder zeigte so viel Verständnis für die Situation. Es wird von Autofahrern berichtet, die rücksichtslos Bushaltestellen blockierten, um ihren Platz in der Schlange zu behaupten. In einem Fall gelang es Fahrgästen nicht, einem Rollstuhlfahrer in einen Bus zu helfen, weil die Haltestelle zugestellt war. Auch die Auffahrt zur Hochbrücke über den Pregel war durch eine Warteschlange blockiert.


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