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Die Unabhängigkeitserklärung, das Capitol, die Freiheitsstatue oder das Stars-and-Stripes-Banner – all das steht für etwas, was die USA bisher verkörperten: Freiheit
Eichler; ChatGPT, Shutterstock.comDie Unabhängigkeitserklärung, das Capitol, die Freiheitsstatue oder das Stars-and-Stripes-Banner – all das steht für etwas, was die USA bisher verkörperten: Freiheit

Erbe und Freiheit – 250 Jahre Amerika

Happy Birthday, USA!

Preußische Disziplin und deutscher Geist waren die Fundamente, auf der eine freiheitliche Weltmacht entstanden ist

Jens Eichler
03.07.2026

Während die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2026 ihr 250-jähriges Bestehen feiern, blickt die Welt auf eine Nation, die wie keine zweite das Ideal der individuellen Freiheit mit der Härte geopolitischer Realpolitik verbunden hat. Doch in den Jubel mischt sich aktuell auch eine nachdenkliche Melancholie. Denn die USA stehen am Scheideweg: Zerrieben zwischen innerer Zerrissenheit, politischen Eskapaden, die nicht mehr nachvollziehbar sind und die Freund wie Feind gleichermaßen verunsichern, und dem Aufstieg autokratischer Avancen, die im Project 2025 manifestiert sind, stellt sich die Frage nach dem Fundament, auf dem dieses gewaltige, trotz allem auch heute immer noch beeindruckende, Staatsgebilde einst errichtet wurde.

Für den deutschen Beobachter – und insbesondere für jene, welche die Geschichte als Lehrmeisterin der Gegenwart begreifen – ist dieses Jubiläum Anlass genug, an eine oft vergessene Wahrheit zu erinnern: Ohne den preußischen König, ohne den preußischen Exerziermeister und ohne den deutschen Siedlergeist wäre das gewagte und visionäre Experiment der ersehnten und erlebten Freiheit vermutlich schon in den Kinderschuhen jämmerlich gescheitert.

Als die amerikanischen Kolonien gegen Großbritannien rebellierten, stand das alte absolutistische und damit unfreie Europa vor einer entscheidenden Frage: Würden die Mächte des Kontinents London unterstützen oder die Unabhängigkeitsbewegung zumindest dulden? Besondere Bedeutung kam dabei dem preußischen König zu. Friedrich der Große war kein Freund revolutionärer Bewegungen. Er war Monarch durch und durch. Doch er war zugleich ein nüchterner und ebenso kluger Machtpolitiker.

Der wichtige Taktstock Preußens

Großbritannien suchte während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nach zusätzlichen Truppen aus deutschen Staaten. Mehrere Fürstentümer stellten Soldaten zur Verfügung, die in Amerika pauschal als „Hessen“ bekannt wurden. Preußen jedoch verweigerte sich. Friedrich II. ließ britische Wünsche nach Truppenlieferungen ins Leere laufen und gewährte den Briten auch nicht die erhofften Durchmarschrechte durch sein Territorium. Diese wegweisende Entscheidung entsprang nicht einer besonderen Sympathie für die amerikanischen Rebellen. Sie war vielmehr Ausdruck preußischer Interessenpolitik. Doch das Ergebnis war dasselbe: Großbritannien erhielt deutlich weniger Unterstützung, als es sich erhofft hatte. Aber in den amerikanischen Regierungskreisen wurde diese Haltung aufmerksam registriert. Der preußische König galt vielen Patrioten als eine Macht, die zumindest indirekt den Weg zur Unabhängigkeit erleichterte. Kein Wunder, das Friedrich der Große und Preußen generell bis heute in den USA verehrt werden und höchste Anerkennung – auch in Form von Denkmälern – genießen. Doch es gab noch einen weiteren Preußen, der sogar noch mehr verehrt wird.

Man schreibt den bitterkalten Winter 1777/78. Die kontinentale Armee unter George Washington ist nicht mehr als ein zerlumpter Haufen von Idealisten, Bauern und Abenteurern. Hunger, Krankheiten und Deserteure drohen den Traum von der Unabhängigkeit zu beenden. Und dies, noch bevor er überhaupt richtig Form angenommen hat. In diesem Moment betritt ein Mann die Bühne der Weltgeschichte, dessen Name bis heute in den USA mit bunten, fröhlichen Paraden geehrt wird, und dessen tiefere Bedeutung für das amerikanische Staatswesen aber zugleich oft genug noch unterschätzt wird: Friedrich Wilhelm von Steuben.

Steuben war kein träumerischer Philanthrop im modernen Sinne. Er war ein Kind des friderizianischen Preußens, geschult in der eisenharten Disziplin und der logistischen Präzision, die Berlin zur modernsten Militärmacht Europas gemacht hatten und die auch Deutschland bis vor Kurzem immer noch eingehend prägte. In Valley Forge vollbrachte er eine Leistung, die man heute als „kulturellen Technologietransfer“ bezeichnen würde. Er brachte den Amerikanern nicht nur das Bajonettfechten bei, nein, er impfte ihnen das preußische Organisationsprinzip ein: Planung, Strategie, Denken vor dem Handeln, Zuverlässigkeit und Disziplin.
Er verfasste das „Blue Book“, das erste Dienstreglement der US-Armee überhaupt, und schuf damit eine Struktur, die Ordnung in das Chaos brachte. Steuben verstand, dass Freiheit ohne Ordnung in der Anarchie endet. Es ist diese preußische Tugend – die Pflichtauffassung, die Unterordnung unter ein gemeinsames Ziel und die Professionalisierung des Staatsapparates –, die das Rückgrat der jungen Republik auf der anderen Seite der Welt bildete. Washingtons Sieg wäre ohne Steubens preußisches Handwerkszeug schlicht und einfach undenkbar gewesen. Und Washington wusste das genau.

Doch die deutsche Geburtshilfe für die USA beschränkte sich nicht nur auf das Schlachtfeld und auf militärische Erfolge. Während Steuben die junge Armee formte, prägten wiederum zeitgleich Hunderttausende deutsche Auswanderer über Jahrzehnte hinweg das kulturelle und moralische Gewebe der USA. In den Weiten von Pennsylvania, Ohio und dem Mittleren Westen schufen deutsche Siedler jene Strukturen, die wir heute kurioserweise als „typisch amerikanisch“ wahrnehmen, die aber in ihrem Kern tief im deutschen Protestantismus und der bürgerlichen Arbeitsmoral verwurzelt sind.

Es war der deutsche Bauer, der den Boden urbar machte, und der deutsche Handwerker, der die Städte baute. Mit ihnen kam ein Bildungsbegriff über den Atlantik, der das amerikanische Schulsystem und später die Universitätslandschaft nach dem Vorbild Humboldts prägte. Das deutsche „Gymnasium“ und die Idee der Forschungsuniversität wurden zu Motoren der amerikanischen Innovationskraft. Wer heute die wirtschaftliche Stärke der USA bewundert, blickt auf ein Gebilde, dessen Steine zu einem erheblichen Teil von deutschen Händen behauen wurden. Es mutet beinahe wie ein schlechter Treppenwitz an, dass sich die heutige Bundesrepublik immer weiter von diesen Idealen verabschiedet. Wohlwissend, was sie Gutes hervorbringen und sich stattdessen den Götzen der irrigen Trägheit, Bequemlichkeit und der Leistungsverweigerung hingibt.

In einer Betrachtung aus deutscher Sicht ist es entscheidend zu verstehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eben nicht nur als abstraktes Projekt der Aufklärung entstanden. Sie waren vielmehr das Ergebnis einer Symbiose aus angelsächsischem Freiheitsdrang und kontinentaleuropäischem Ordnungssinn. Deutschland lieferte hierbei den Sinn für das Institutionelle.

Und auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es wiederum Deutsche – die sogenannten „Forty-Eighters“ –, die nach der gescheiterten Revolution in der Heimat nach Amerika flohen. Sie brachten einen neuen Impuls für die Einheit der Nation mit. Es ist kein Zufall, dass deutsche Regimenter im Sezessionskrieg überproportional stark auf der Seite der Union kämpften, um das Auseinanderbrechen des Staates zu verhindern. Ihr Einsatz galt der Idee, dass Freiheit Schutz durch einen starken, geeinten Staat braucht. Die Geschichte verlief jedoch nicht geradlinig. Aus Partnern wurden Feinde. Die beiden Weltkriege stellten die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf eine harte Probe. Millionen amerikanischer Soldaten kämpften gegen Nazi-Deutschland. Doch bemerkenswert ist, wie schnell nach 1945 aus Feinden trotzdem erneut wieder Verbündete wurden.

Die Vereinigten Staaten halfen mit dem Marshallplan – nicht uneigennützig, aber für das junge Westdeutschland hilfreich – beim Wiederaufbau. Die Bundesrepublik wiederum wurde zum wichtigsten amerikanischen Partner auf dem europäischen Kontinent. Gemeinsam standen beide Nationen im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion Seite an Seite.

Die Bundesrepublik entwickelte sich zum wirtschaftlichen Kraftzentrum Europas, während Amerika die westliche Sicherheitsordnung garantierte. Das transatlantische Bündnis wurde zu einer der erfolgreichsten politischen Partnerschaften der modernen Geschichte.

Eine Nation am Scheideweg

Wenn wir heute auf die USA blicken, sehen wir eine Supermacht, die ihre eigenen Wurzeln zum Teil aus den Augen verloren hat. Der Pragmatismus, die Arbeitsdisziplin und der gesellschaftliche Zusammenhalt, die einst durch die europäischen Einwanderer gestärkt wurden, scheinen einer Ära der Polarisierung und des Identitätskampfes gewichen zu sein.

Die USA stehen daher aktuell ein Stück weit am Scheideweg. Die globale Vorherrschaft ist nicht mehr wirklich selbstverständlich , so wie sie es noch vor Jahren war. Im Inneren droht zunehmend der Verlust jenes bürgerlichen Konsenses, der die Nation durch zwei Weltkriege und durch den Kalten Krieg getragen hat. Die Institutionen, die einst mit preußischer Präzision und deutschem Fleiß aufgebaut und gepflegt wurden, stehen unter dem Beschuss eines radikalen Individualismus einerseits und einer erdrückenden Bürokratie andererseits. Was das bedeutet? Ein Blick auf die Bundesrepublik Deutschland genügt als Antwort.

Zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten sollten wir uns in Deutschland nicht nur mitfreuen, sondern auch mitverantwortlich fühlen. Das amerikanische Experiment ist auch ein Teil unserer Geschichte. Es ist das Kind einer westlichen Zivilisation, deren Herzschlag lange Zeit in Mitteleuropa am kräftigsten war.

Ein wertvolles Erbe als Mahnung

Wenn die USA heute um ihre Identität ringen, dann ringen sie auch um jenes Erbe, das Männer wie Steuben und Generationen von deutschen Auswanderern hinterlassen haben. Eine Rückbesinnung auf diese Tugenden – Disziplin im Dienst der Freiheit, Bildung als Bürgerpflicht und die Anerkennung einer objektiven Wahrheit und Ordnung – könnte der Kompass sein, den die Nation braucht, um nicht nur als Weltmacht zu überleben, sondern als Leuchtturm der freien Welt wieder zu erstarken und weiter zu strahlen. Die USA waren niemals perfekt. Doch ihre außergewöhnliche Stärke bestand stets darin, Freiheit, Eigenverantwortung und bürgerliches Engagement mit wirtschaftlicher Dynamik zu verbinden. Es war die Kraft der US-Amerikaner, die sie aus ihrem positiven Denken zogen, das heute fest zu ihrer charakterlichen DNA gehört. Aus dieser Kombination entstand ein Gemeinwesen, das Millionen Menschen Chancen bot und zugleich die Freiheit in weiten Teilen der Welt verteidigte.

Die Geschichte lehrt uns: Nationen entstehen durch Visionen, aber sie bestehen durch Charakter. Der deutsche Beitrag zum amerikanischen Charakter war und ist ebenso fundamental wie bis heute spürbar. Möge die „Great Nation“ daher an ihrem 250. Ehrentag die Kraft finden. Denn eine Welt ohne ein stabiles, wertebewusstes Amerika wäre eine Welt, in der auch die europäische Freiheit keine wahre Zukunft hat. God bless America! Happy Birthday, USA!


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