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Ökonomischer Lichtblick

Jetzt doch: Die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs

Wichtige Indizes, Schlüsseldaten der internationalen wirtschaftlichen Entwicklung, deuten auf eine Erholung auch für die Bundesrepublik hin

Sverre Gutschmidt
10.03.2026

Aktuell sagen Experten der deutschen Wirtschaft für dieses Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus. „Den konjunkturellen Tiefpunkt hat die deutsche Wirtschaft offenbar hinter sich gelassen und steht am Beginn einer Erholung“, sagt Timo Wollmershäuser, der beim Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung die Konjunkturanalysen betreut. Auch die neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamts geben Anlass zur Hoffnung. Denn das Bruttoinlandsprodukt ist im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt um 0,3 Prozent gestiegen. Profitieren können nach Experteneinschätzung vor allem konsumnahe Dienstleister. Demnach sind es vor allem die Branchen Transport/Logistik, Bau, IT/Computer, Medien, Personalberater sowie Hotel- und Gastronomie, die bald aufatmen werden. Aber auch Versicherungen und die Werbebranche dürften profitieren.

Weltweit stehen die Zeichen auf Erholung, besonders in Asien. Deutschland ist dabei der Überraschungskandidat. Nicht umsonst stand Bundeskanzler Friedrich Merz' zweitägige China-Reise ganz im Zeichen der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Der Kanzler sprach dabei eines der drängendsten Probleme an: die chinesische Überproduktion. Sie führe zu einer Schwemme billiger Artikel in Europa.

Außer Verträgen für den Flugzeughersteller Airbus brachte der Kanzler Zusagen für eine strategische Partnerschaft mit. Die Probleme im wirtschaftlichen Verhältnis zu China, allen voran der unfaire Wettbewerb, die chinesischen Subventionen – z.B. in der E-Mobilität – sowie die Abschottung des chinesischen Marktes für „Made in Germany“, brachte der Kanzler zur Sprache. Es sind Probleme, von deren Lösung die Erholung der deutschen Wirtschaft maßgeblich abhängt. China hat Deutschland als Autoexporteur überholt, die Konkurrenz ist hart.

Hinter der großen politischen Bühne und ihren Absichtserklärungen zur deutsch-chinesischen Zusammenarbeit bei KI oder einer Verringerung der Abhängigkeit von Importen aus Fernost zählen für die deutsche Wirtschaft derzeit die kleinen Hinweise. Sie sind es, die Hoffnung machen, nach der bisher längsten Rezession seit 1949. Es sind die Einkaufsmanagerindizes für Februar: Sie offenbaren, wie es dem verarbeitenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor und der Baubranche gerade geht. So kletterte der HCOB-Einkaufsmanagerindex Deutschland im Februar auf 50,7 Punkte (47 im Dezember). Das ist ein Neun-Monats-Hoch. Ein Wert über 50 deutet nach allgemeiner Auffassung auf Wachstum hin. Aus dem Anstieg ergeben sich berechtigte Hoffnungen auf ein Ende der Rezession in Deutschland noch in diesem Jahr.

Sorgenkind ist der Arbeitsmarkt
Bei Investitionsgütern und im Vorleistungsbereich erhöhte sich die Nachfrage merklich. Der Produktionsindex, der die Entwicklung der preisbereinigten Leistung der Unternehmen im produzierenden Gewerbe in Deutschland misst, zeigt ebenfalls einen Anstieg. Laut Ifo-Institut ist die Auslastung der Produktionskapazitäten im Januar 2026 auf 83,6 Prozent gestiegen. Der Geschäftsklimaindex, Gradmesser der Stimmung in deutschen Unternehmen, stieg ebenfalls auf 88,6 Punkte bei 87,6 im Januar und Dezember. Wo solche Signale der Belebung noch ausbleiben, lässt sich ebenso erkennen: Im Wohnungsbau ist Deutschland im EU-Vergleich zu langsam. Vom Arbeitsmarkt kommen ebenfalls negative Signale. Das Bundeswirtschaftsministerium setzt auf das Positive, hofft, dass „die konjunkturelle Erholung an Stabilität gewinnt“.

Tiefe strukturelle Probleme begleiten die neue Erholung und könnten sie im schlimmsten Fall rasch abwürgen. Im Februar warnten 53 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland in einer aktuellen Allensbach-Umfrage, dass die deutsche Technologieführerschaft verloren gehe – vor allem an China und die USA. So kündigt sich bei erfreulicher Belebung ein tiefgreifender Wandel hinter den Kulissen an, nicht nur im Verhältnis zu den USA und China. Die deutsche Politik kann nur auf dauerhaften Aufschwung hoffen, wenn sie die strukturellen Herausforderungen angeht.

So zeigt die neue Investitionsoffensive „Made for Germany“ von Bundeskanzler Merz bisher noch zu wenig Wirkung. Die deutsche Chemieindustrie steckt aufgrund hoher Energiepreise weiter in der Krise, und auch die US-Zölle machen Druck. Die deutsche Pharmaindustrie hingegen wächst spürbar. Alles in allem also ein erster Grund zur Hoffnung für die Bundesrepublik.


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