17.03.2026

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neues Modell für eine effektive Altersvorsorge

Nach Riester ist vor ETF

Kaum angedacht, kommen schon gleich wieder die Bedenkenträger zu Wort, die vor Ungleichheit, Ungerechtigkeit und falschen Signalen warnen

Peter Entinger
17.03.2026

Zwanzig Jahre nach der Einführung der Riester-Rente steht die private Altersvorsorge in Deutschland vor einem Umbau. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil setzt dabei stärker auf den Kapitalmarkt und plant ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot mit Aktien und ETFs. Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen bestimmten Marktindex automatisch nachbildet. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde mittlerweile vom Kabinett verabschiedet. Nun geht er ins Parlament. 2027 könnte die Neuerung bereits Realität werden.

Doch schon bevor die Reform beschlossen ist, entzündet sich Streit an einem zentralen Punkt: den Kosten. Verbraucherschützer warnen, dass der geplante Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr die Rendite der Sparer erheblich schmälern könnte – und damit ausgerechnet jene Förderung aufzehren würde, mit welcher der Staat die private Vorsorge eigentlich stärken will.
Die Riester-Rente war Anfang der 2000er Jahre als Ergänzung zur gesetzlichen Rente eingeführt worden. Sie sollte helfen, sinkende Leistungen der staatlichen Rentenversicherung auszugleichen. Inzwischen gilt das Modell bei Experten als gescheitert. Zwar existieren noch rund 16 Millionen Verträge, doch ein erheblicher Teil davon wird nicht mehr aktiv bespart. Komplizierte Förderregeln, hohe Kosten und geringe Renditen haben das Vertrauen vieler Sparer erschüttert.

Förderung von 1,5 Prozent ist vorgesehen

Mit einem neuen Konzept will die Bundesregierung die private Vorsorge nun wieder attraktiver machen. Geplant ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot. Dabei handelt es sich um ein Wertpapierkonto, in dem Bürger regelmäßig Geld für das Alter anlegen können. Dadurch sind sie in der Regel deutlich günstiger als klassische Fonds oder Versicherungsprodukte.

Die Reform folgt damit der einfachen ökonomischen Logik: Langfristig erzielen Aktienmärkte höhere Renditen als konservative Sparformen. Ein stärker kapitalmarktorientiertes Vorsorgesystem könnte deshalb den Vermögensaufbau vieler Bürger verbessern. Gleichzeitig will der Staat die Vorsorge weiterhin fördern. Nach bisherigen Plänen ist eine pauschale Förderung von rund 1,5 Prozent auf das angesparte Kapital vorgesehen. Genau hier setzt jedoch die Kritik an. Denn der Gesetzentwurf sieht gleichzeitig einen Kostendeckel von ebenfalls 1,5 Prozent pro Jahr für das Vorsorgedepot vor. Der Finanzjournalist Hermann-Josef Tenhagen hält diese Grenze für kontraproduktiv. „Ein Kostendeckel von 1,5 Prozent klingt nach Begrenzung, ist aber in Wahrheit ziemlich hoch“, erklärte er. Beim US-Anbieter Vanguard liegen die durchschnittlichen Kosten vieler ETFs bei rund 0,06 Prozent. Auch der staatliche schwedische Pensionsfonds, der häufig als Vorbild für kapitalgedeckte Systeme genannt wird, kommt auf Kosten von unter 0,1 Prozent.

Verminderter Zinseffekt

Selbst wenn man berücksichtigt, dass ein Altersvorsorgedepot neben den Fondskosten auch Verwaltungs- und Depotgebühren umfasst, bleibt die Differenz erheblich. 1,5 Prozent entsprechen dem 15- bis 20-Fachen dessen, was günstige Indexfonds verlangen. Auch aus der Versicherungsbranche kommt Skepsis. Norbert Rollinger, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, sieht deutlich niedrigere Kosten als realistisch. „Depotlösungen von Neobrokern zeigen, dass Preise unterhalb von 0,5 Prozent möglich sind“, erklärte er.

Die Gebühren werden jedes Jahr vom gesamten angesparten Vermögen abgezogen und mindern damit den Zinseszinseffekt. Tenhagen spricht deshalb von einem „Renditekiller“. Ein Beispiel: Zahlt jemand inklusive staatlicher Förderung jährlich 4.000 Euro ein und erzielt eine durchschnittliche Rendite von 4,4 Prozent, liegen nach zehn Jahren rund 50.000 Euro im Depot. Bei Kosten von 1,5 Prozent würden davon jährlich etwa 750 Euro an Gebühren abgezogen – fast so viel, wie der Staat pro Jahr an Förderung zuschießt.

Über längere Zeiträume wächst dieser Effekt erheblich. Wenn über 30 Jahre jährlich 5.000 Euro in ein Altersvorsorgedepot fließen und der Kapitalmarkt sechs Prozent Rendite erzielt, ergibt sich bei Kosten von 0,1 Prozent ein Vermögen von rund 411.000 Euro. Bei Kosten von1,5 Prozent bleiben dagegen nur 319.000 Euro übrig. Der Unterschied beträgt fast 90.000 Euro – allein durch Gebühren.

Leistungen werden mal wieder 
mit Vermögenswerten verglichen


Parallel zur Kostenfrage wird die Reform von einer weiteren politischen Debatte begleitet. In der Union wird diskutiert, ob angesparte ETF-Vermögen im Fall von Grundsicherung zunächst verwertet werden müssen. Befürworter argumentieren, staatliche Leistungen dürften nicht gezahlt werden, wenn gleichzeitig nennenswerte Vermögenswerte vorhanden sind. Kritiker warnen hingegen vor einem falschen Signal. Wer über Jahrzehnte hinweg für das Alter spart, erwartet Planungssicherheit und Schutz seines Eigentums. Bei allem Für und Wider steht dennoch wieder die Angst im Raum, dass gut angedachte Projekte durch Gleichmacherei-Debatten gleich wieder im Keim erstickt werden, bevor sie mal greifen können.


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