15.03.2026

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Peschmerga-Kämpferinnen unter Waffen
IMAGO / blickwinkelPeschmerga-Kämpferinnen unter Waffen

Seite an Seite mit den USA

Ob sich die Kurden das noch einmal antun?

Bodo Bost
15.03.2026

Die Kurden sind die einzige militärisch organisierte Kraft im Iran, die eine Bodenoffensive anführen könnten. Doch US-Präsident Donald Trump hat erst vor wenigen Wochen, nach vielen Jahren einer Allianz, die syrischen Kurden im Existenzkampf gegen Übergangspräsident Ahmed al Scharaa fallengelassen, was diese als Verrat auslegen.

Im Nordwesten des Iran leben etwa zehn Millionen Kurden. Politisch aktiv sind vor allem Organisationen wie die Democratic Party of Iranian Kurdistan (KDPI) und die Komala. Beide verfügen über bewaffnete Einheiten, die überwiegend von Stützpunkten im kurdisch beherrschten Nordirak aus operieren. Seit der Islamischen Revolution 1979 kommt es immer wieder zu bewaffneten Aus­einandersetzungen zwischen Teheran und kurdischen Gruppen.

Im Unterschied zu vielen anderen Oppositionsmilieus im Iran besitzen diese Organisationen militärische Erfahrung, territoriale Rückzugsräume jenseits der iranischen Grenze und eine gewachsene Kommandostruktur. Das macht sie strategisch zu einem potenziell relevanten Faktor, sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen.

Sowohl im Irak als auch in Syrien spielten kurdische Militärkräfte schon seit 2014 eine Schlüsselrolle im harten Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Im Nordirak waren es die Peschmerga, in Syrien vor allem die Syrian Democratic Forces (SDF), die mit westlicher Unterstützung große Teile des Territoriums vom IS zurückeroberten. In beiden Fällen erwiesen sich kurdische Einheiten als gut organisierte, kampferfahrene Bodentruppen. Diese Beispiele zeigen, dass kurdische Akteure in regionalen Konflikten mehrfach als überaus verlässliche militärische Partner westlicher Staaten agierten.

Aber anders als Afghanistan 2001 oder der Irak 2003 und 2014 verfügt der Iran über ein zentralisiertes Staatswesen, funktionsfähige Sicherheitsorgane und die paramilitärischen Revolutionsgarden (siehe Seite 2). Ein „Marsch auf Teheran“ durch eine einzelne ethnische oder regionale Gruppe wäre militärisch und politisch auch mit amerikanischer Unterstützung weitaus komplexer als in den genannten Fällen.

Zudem unterscheiden sich die inneriranischen Oppositionsstrukturen erheblich. Während viele Iraner – unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit – das System kritisch sehen, existiert keine geschlossene, landesweite militärische Opposition. Kurdische Gruppen repräsentieren primär regionale Interessen und müssten im Falle eines Umbruchs mit anderen ge­sellschaftlichen Kräften kooperieren.

Ein weiterer Faktor ist die Glaubwürdigkeit externer Unterstützer. Die syrischen Kurden, insbesondere die SDF, erlebten wiederholt abrupte Kurswechsel Washingtons. Der Rückzug von US-Truppen aus Nordsyrien – der türkische und syrische Militäroperationen ermöglichte – wurde von kurdischer Seite als Verrat gewertet.

Dennoch gehören iranische Kurden zweifellos zu den wenigen organisierten und bewaffneten Oppositionskräften im Land mit militärischer Erfahrung. Historische Beispiele aus Afghanistan, Irak und Syrien zeigen, dass kurdische Einheiten in regionalen Konflikten eine entscheidende Rolle spielen können – insbesondere als Bodentruppen in Verbindung mit externer Luft- und Logistikunterstützung. Ob ein solches Szenario auf den Iran übertragbar wäre, bleibt allerdings fraglich. Denn die innenpolitischen, ethnischen und militärischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich doch erheblich.


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