08.06.2026

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Sehnt sich nach dem Ring seiner Kindheit zurück: Der Friedeberger Aleksander Latus
Bild: WagnerSehnt sich nach dem Ring seiner Kindheit zurück: Der Friedeberger Aleksander Latus

Östlich von Oder und Neiße

Umgestaltung noch ohne schattige Alternativen

Neuer Mittelpunkt einer „sprechenden Landschaft“ im Isergebirgsstädtchen Friedeberg

Chris W. Wagner
08.06.2026

Das verschlafene niederschlesische Städtchen Friedeberg am Queis [Mirsk] bekommt für 1,5 Millionen Euro ein neues Gesicht. Derzeit wird auf dem Ring noch gebaggert und Staubwolken verdecken das 1546 erbaute Renaissance-Rathaus an dessen Hauptfassade sich Wappen derer von Schaffgotsch und Zedlitz befinden.

Der Ring wird von allen vier Seiten umgestaltet. Der Straßenverlauf vor dem Rathaus wird entfernt. An ihrer Stelle entsteht eine Fußgängerzone, wo künftig auch Jahrmärkte, Konzerte und Feierlichkeiten stattfinden sollen. Helle Granitpflastersteine sollen dem Ring ein gepflegtes und modernes Antlitz verleihen, oder wie der Friedeberger Aleksander Latus sagt: „Hier werden Friedeberger gegrillt, denn noch sehe ich keine Schattenstellen zum Entspannen.“ Etwas Geduld muss der frischgebackene Rentner Latus schon mitbringen, denn laut Projekt sollen auch Bäume und Rasenflächen mit Sträuchern angepflanzt werden.

Latus vermisst die „prächtigen Rosensträucher um das Rathaus herum und Springbrunnen“, die er noch aus seiner Kindheit in den 70er Jahren kennt. Auch schaue er gerne in die zweibändige Chronik des Geistlichen Władysław Stępniak, der die Stadtgeschichte vor und nach 1945 in polnischer Sprache zusammenfasste. Stępniak schreibt, „dass der Friedeberger Ring im 18. und 19. Jahrhundert sein heute noch erkennbares geschlossenes Erscheinungsbild erhielt, mit zweigeschossigen Bürgerhäusern, die sich eng aneinanderreihen und den Platz rahmen.“

Latus fragt sich, ob die historische Brunnenplastik des Bären aus deutscher Zeit auf dem Ring, die in den 50er Jahren beschädigt und nicht vollständig erhalten blieb, wieder zum Wahrzeichen des Rings wird.

Latus steigt auf seinen Drahtesel, denn er hat noch etwas vor – er will nach Bad Flinsberg [Świeradów-Zdrój] in den Kurort am Fuß des Heufuders [Stóg Izerski]. Friedeberg bildet nämlich den Ausgangspunkt einer alten Talroute, die Händler, Fuhrleute und später auch Kurgäste in das höher gelegene Flinsberger Revier führte.

Mit dem Aufkommen des Kurwesens im 18. und 19. Jahrhundert und insbesondere mit dem Bau der Isergebirgsbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde diese Achse nochmals gestärkt. Friedeberg war, und ist es heute wieder, Startpunkt einer Bahnlinie, die das Tal hinauf direkt in den Kurort Bad Flinsberg führt und damit Stadt und Gebirge dauerhaft miteinander verbindet. Von Friedeberg aus führen Wanderwege entlang des Queistals, durch offene Landschaften, kleine Dörfer und Wälder hinauf in die Höhen des Iser-Gebirges.

Eine Art „sprechende Landschaft“

Die ausgedehnten Wälder, Moore und Nebelfelder des Riesengebirgsvorläufers beflügelten einst die Phantasie der Einheimischen und Wanderer. Die Landschaft galt als geheimnisvoll und gefährlich. Man glaubte, dass bestimmte Felsen versteinerte Menschen seien und nächtliche Geräusche von Geistern stammten, die Wanderer absichtlich durch Nebel und Irrlichter in die Irre geführt hätten. Geisterhafte Jäger spukten durch die Wälder, und Menschen seien in ihnen spurlos verschwanden. Auch Geschichten über verborgene Schätze und alte Bergwerksstollen faszinieren bis heute. Im Isergebirge wurde nämlich seit Jahrhunderten nach Zinn, Eisen und anderen Bodenschätzen gesucht. Deshalb entstanden Sagen über verschlossene Gänge im Gebirge, blaue Lichter über verborgenen Silberadern und verwunschene Stollen, aus denen niemand zurückkehrte. Oft hieß es, Schätze würden sich nur in bestimmten Nächten zeigen und verschwänden sofort wieder, sobald jemand aus Gier nach ihnen griff.

Nach 1945 entstand eine neue „Sagenlandschaft“. Verlassene deutsche Häuser, aufgegebene Friedhöfe, zerstörte Kirchen und stillgelegte Bahnlinien sind Teil einer melancholischen Erinnerungskultur in Niederschlesien. Der Historiker Jarosław Bogacki beschreibt diese Landschaft als eine Art „sprechende Landschaft“, in der Gebäude, Ortsnamen und Ruinen die Geschichten früherer Bewohner bewahren. Friedeberg wird als Grenz- und Übergangsort zwischen dem schlesischen Hügelland und Gebirge beschrieben.

Doch die Stadt bietet auch eigene Höhepunkte. Dazu zählt die evangelische Kirche von 1768, die nach einem Brand 1956 nur als Ruine überdauerte. Sehenswert ist die Pfarrkirche Mariä Verkündigung, die 1562 bis 1567 von den Grundherrn von Schaffgotsch im Stil der Spätgotik neu errichtet wurde.

Und bald schon wird auch der Ring wieder zum Herzstück der Stadt.


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